Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 23. Mai 2021

Mit Microsoft, Amazon und Google bieten einige der wertvollsten Unternehmen der Welt Software-Lösungen für andere Unternehmen an. Eine weitere B2B Software-Lösung, die du unbewusst womöglich schon mal genutzt hast, ist Zendesk.

Zendesk bietet Tools für Kundenkommunikation, -service und -management an. Es erleichtert das Beantworten von Fragen, führt unterschiedliche Kanäle zusammen und lässt sich für den Vertrieb einsetzen.

Ich sehe drei Gründe, warum die Zendesk Aktie aktuell spannend ist:

  1. Zendesk wächst seit Jahren recht konstant etwa 30% pro Jahr
  2. Zendesk ist ein indirekter Profiteur von der Digitalisierung und dem E-Commerce Boom, durch den die eigenen Tools wichtiger werden
  3. Zendesk erzielt wiederkehrende Umsätze mit hoher Marge, die gleichzeitig einen starken Lock-In Effekt haben

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter Zendesk

Das Unternehmen

Zendesk wurde 2007 in Kopenhagen, Dänemark, gegründet. Heute sitzt das Unternehmen in den USA im Silicon Valley. CEO ist der Däne Mikkel Svane, der ebenfalls seit Gründung 2007 an Bord ist.

Zendesk ist ein Anbieter von Software für Unternehmen, vor allem im Bereich Kundenservice und CRM (Customer Relationship Management). Letzeres dient vor allem den Mitarbeitern im Verkauf ihre potenziellen Interessenten und Kunden anzulegen, Daten zu speichern und zu analysieren.

Produkt & Geschäftsmodell

Zendesk bietet zum einen Software für Kundenkommunikation. Als Kunde oder Interessent hast du sicherlich schon mal solche Chatfenster auf Webseiten gesehen:

Für das Unternehmen sieht es auf der anderen Seite dann so aus:

Unternehmen müssen Nachrichten über alle möglichen Kanäle beantworten: Mail, Kontaktformular, Instagram, Facebook, Website etc. Zendesk bündelt diese Anfragen, liefert Textbausteine und versucht Kunden möglichst kanalübergreifend darzustellen.

Dazu bietet Zendesk eine CRM-Plattform: Hier können Kundendaten hinterlegt werden um sie zu analysieren, Sales-Prozesse zu optimieren und Zuständigkeiten zu verteilen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: B2B-Software (Kundenservice & CRM)
  • Marktkapitalisierung: 16 Mrd. USD
  • Umsatz: 1,1 Mrd. USD
  • Gewinn: -0,2 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 14
  • KGV: –
  • KGVe: 190
  • KCV: 200+

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 275 %
  • Bruttomarge: 76 %
  • Nettomarge: -20 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): –
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 34 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Die Zahlen und Folien stammen u.a. aus dem Q4 2020 und dem Q1 2021 Geschäftsbericht.

Unternehmensentwicklung

Die Umsätze von Zendesk sind kontinuierlich gestiegen:

  • 2016: 0,31 Mrd. USD
  • 2017: 0,43 Mrd. USD (+39%)
  • 2018: 0,6 Mrd. USD (+40%)
  • 2019: 0,82 Mrd. USD (+37%)
  • 2020: 1,03 Mrd. USD (+26%)
  • TTM: 1,09 Mrd. USD

Bisher hat Zendesk noch keine Gewinne erzielt. Der Verlust ist von etwa -100 Mio. Dollar in 2016 bis heute auf -200 Mio. Dollar gestiegen, im Verhältnis zum Umsatz aber gesunken.

Aber: Das erste Quartal 2021 war zumindest im Free Cashflow positiv, während es im Vorjahr noch negativ war. Auch das Nettoergebnis, das nicht nach offiziellen GAAP-Richtlinien berechnet wird, ist positiv.

Zendesk schafft es immer besser größere Kunden zu gewinnen. So ist der Anteil an Kunden am eigenen Umsatz, die über 250k Dollar Jahresumsatz erzielen, über die letzten Jahre konstant auf heute 34% gestiegen.

Spannend ist bei SaaS-Unternehmen mit Abo-Modellen außerdem die Net Expansion Rate (auf der folgenden Grafik links). Sie gibt an, wie hoch der Umsatz eines Kundensegments nach einem Jahr ist. Unter 100% zeigt eine abnehmende Tendenz, über 100% zeigt Umsatzwachstum mit Bestandskunden.

Zendesk liegt hier konstant über 100% und definiert den Bereich von 110 bis 120% als gesunden Bereich.

Auf der rechten Seite stehen die RPO (remaining performance obligations). Sie sind die Summe aus Umsatz und noch ausstehenden, vertraglich vereinbarten Zahlungen der Zukunft.

Diese Kennzahl ist deshalb wichtig, da sie den Umsatz anzeigt, der in naher Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit realisiert wird. Die RPO sind mit +49% stärker gestiegen als der Umsatz.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab?

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Die Umsätze werden wiederkehrend und im Abo-Modell erzielt. Der Lock-In ist stark, da die Lösungen in die Website integriert sind und viele Daten in diesen liegen.

Netzwerkeffekte

Die Netzwerkeffekte sind begrenzt. Es ist weitestgehend irrelevant für ein Unternehmen, ob ein anderes Unternehmen die Software ebenfalls nutzt. Leichte Netzwerkeffekte bietet der Marktplatz, auf dem Entwickler Erweiterungen anbieten.

Skaleneffekte (Economies of Scale)

Sind stark vorhanden. Die wesentlichen Kosten sind Entwicklungskosten und damit limitiert, wohingegen das Umsatzpotenzial unlimitiert ist.

Proprietäre Technologie mit 10x-Faktor

Zendesk besitzt eine eigene Technologie in den Lösungen. Ist diese um den Faktor 10 besser als die Konkurrenz? Eher nicht.

Marke (Branding)

Zendesk ist eines der bekannteren Softwareprodukte im B2B-Bereich. Die Marke ist stark, aber nicht viel stärker als bei einigen Konkurrenten. Außerdem nehme ich an, dass die Marke in diesem Segment nicht das schlagkräftigste Argument ist.

Geschäftsmodell-Bewertung: 18 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #16: Wir bilden uns weiter.

Die Intuition aus dem "echten" Leben - mehr Zeit zu investieren, viel zu handeln, nur Wachstum zu suchen etc. - führt an der Börse nachweislich zu schlechten Ergebnissen. Die Historie, Finanzwissenschaft und kluge Köpfe halten viel Wissen bereit, das wir suchen und nutzen. Auch neue Technologien und Gedanken nehmen wir auf, statt in alten Denkmustern gefangen zu bleiben. Wir bilden uns nicht ein, dass wir alles wissen, sondern bilden uns weiter.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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