Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 7. März 2021

„Schrei vor Glück“ – damit ist Zalando in Deutschland bekannt geworden. Nach dem aggressiven Marketing steckt vor allem operativ sehr gute Arbeit hinter dem Erfolg der letzten Jahre von Zalando.

Unter der Oberfläche von Zalando, die viele noch als Schuh-Versandhändler im Kopf haben, steckt heute einiges: Eine spannende Plattformstrategie mit großen Visionen in Europa, starker Rückenwind und eine günstigere Bewertung, als so ein E-Commerce Unternehmen vermutlich in den USA haben würde.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Beteiligung an profitablem E-Commerce Unternehmen mit starkem Rückenwind
  2. Tech-Unternehmen in Europa haben noch günstigere Bewertungsniveaus als bspw. in den USA
  3. Spannende Zukunft durch Plattformstrategie, Second-Hand-Trend und europäische Expansion

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Und das als Teaser: Mich hat die Aktie positiv überrascht.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht, wie die neue Plattformstrategie aussieht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

Zalando wurde 2008 in Berlin gegründet. Investoren waren vor allem die Samwer-Brüder, die mit Rocket Internet einige Start Ups vorangetrieben haben. Das Vorbild für Zalando kam es den USA und hieß Zappos.

Zu Beginn hat Zalando sich auf den Versand von Schuhen spezialisiert. Recht schnell wurde das Sortiment um Mode und Bekleidung erweitert. Mittlerweile gehört auch Kosmetik dazu.

Zalando hat von der Digitalisierung und dem wachsenden Markt für Online-Bestellungen profitiert. Wodurch kam der Erfolg noch?

Zum einen hat Zalando früh kostenlosen Versand und Rückversand angeboten, was damals ein Novum war. Er kam außerdem durch bis heute bekannte TV-Werbespots („Schrei vor Glück“), die von Jung von Matt konzipiert wurden. Dieser ist von 2010:

Heute sieht das alles sehr logisch aus, damals wurden die Ambitionen von einem verlustreichen Start Up aus Deutschland eher belächelt und als „nicht zukunftsfähig“ betitelt.

Ende 2014 ging Zalando dann an die Börse, um ca. 600 Mio. Euro einzusammeln und den Wachstumskurs fortzusetzen. Nach wie vor ist die DACH-Region am wichtigsten für Zalando, allerdings wird weiter europäisch expandiert. Durch die Corona-Pandemie konnte Zalando sowohl im Geschäft, als auch im Umsatz, stark profitieren.

Was außerdem interessant ist:

  • Einer der drei CEOs, Rubin Ritter, hat angekündigt als CEO (zu Gunsten der Karriere seiner Frau) zurückzutreten
  • Zalando hat einige große Aktionäre an Bord: Kinnevik hält 21%, Baillie Gifford 12% und Anders Povlsen 10%. Das kann Vorteile in der Unternehmenssteuerung haben, aber auch Risiken, wenn diese verkaufen wollen

Produkt & Geschäftsmodell

Zalando ist ein E-Commerce Unternehmen, das sich im Kern auf Fashion (Schuhe, Mode & Bekleidung) spezialisiert. Der Gewinn ist in erster Linie also die Handelsmarge.

Zalando kauft selbst Produkte ein und verkauft diese, bietet aber auch – ähnlich wie Amazon – einen Marktplatz an: Marken können selbst ihre Produkte über Zalando verkaufen und die Logistik und den Versand selbst übernehmen.

Außerdem bietet Zalando anderen Marken den eigenen Logistik-Dienst (Zalando Fulfilment Solutions) sowie Werbelösungen (Zalando Marketing Services) an.

In Richtung der Endkunden möchte Zalando also attraktiv bleiben, Nekunden anziehen und Bestandskunden halten. Unter der Oberfläche steckt eine Plattformstrategie, bestehend aus eigenem Produktverkauf, Logistik, Marketing und Partnerprogrammen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre gut entwickelt, aber vor allem durch die Corona-Pandemie Fahrt aufgenommen:

Chancen

  • Beteiligung an profitablem E-Commerce Unternehmen mit starkem Rückenwind
  • Tech-Unternehmen in Europa haben noch günstigere Bewertungsniveaus als bspw. in den USA
  • Spannende Zukunft durch Plattformstrategie, Second-Hand-Trend und europäische Expansion

Phase & entscheidende Fragen

Zalando ist in Phase 2: Die Profitabilität wurde erreicht und jetzt geht’s in Richtung Wachstum und mittelfristig in Richtung Profitabilitätsmaximierung. Entsprechend werden wir uns hier darauf fokussieren, wie lang und gut Zalando weiter wachsen und wie profitabel es werden kann.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Der Umsatz steigt über die letzten Jahre und auch jedes Quartal war höher als das vorherige. Durch Corona ist das Wachstum nochmal beschleunigt worden:

Aufgesplittet nach Segmenten:

Zalando ist seit Jahren leicht positiv im Ergebnis und dieses ist über die letzten Jahre eher gleich geblieben, vor allem durch höhere Investitionen, die jetzt durch die Plattformstrategie getätigt werden. Die EBIT-Marge lag zuletzt bei (noch) schmalen 4 – 6 Prozent des Umsatzes.

Wie verdient Zalando Geld?

Wie verdient Zalando Geld und was steckt hinter den Segmenten?

Der Großteil der Umsätze stammt nach wie vor aus direkten Verkaufserlösen der Produkte im Fashion Segment („Fashion Store“). Hierbei geht es fast ausschließlich um Online-Umsätze.

Aber: Zalando setzt auch auf physische Läden und ein „Connected Retail“ Konzept, also die Verbindung von Offline-Läden mit der digitalen Welt. Überraschende 2.000 Offline-Stores verwaltet Zalando so und 6% des Umsatzes im Fashion-Segment entstehen dadurch.

Dazu kommt das Segment „Offprice“, in welchem u.a. die Zalando Lounge steckt, ein Shopping-Club für Mitglieder mit Rabatten. Außerdem das Segment „Other“, in welchem andere Aktivitäten geparkt werden.

Im Hintergrund kommen durch die Plattformstrategie drei weitere Erlösströme, vor allem im Segment „Fashion Store“, dazu:

  • Das Partnerprogramm, in welchem Marken selbst ihre Produkte über Zalando verkaufen können
  • Logistiklösungen („Zalando Fulfilment Solutions“)
  • Marketinglösungen und Kampagnen („Zalando Marketing Services“)

So sehen außerdem die wichtigsten Kennzahlen heute (grau), die letzten Zuwächse (orange) und die Ziele dafür (rechts) aus:

Ein paar Hervorhebungen:

  • 15% des Außenumsatzes entsteht durch das Partnerprogramm (Ziel: 40%)
  • 40% der Unternehmen im Partnerprogramm nutzen die Logistiklösung (Ziel: 75%)
  • 1% entsteht durch die Marketinglösungen (Ziel: 3-4%), wobei dieser eine sehr gute Margenstruktur haben wird

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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Tags: Zalando

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