von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 7. März 2021

"Schrei vor Glück" - damit ist in Deutschland bekannt geworden. Nach dem aggressiven Marketing steckt vor allem operativ sehr gute Arbeit hinter dem Erfolg der letzten Jahre von Zalando.

Unter der Oberfläche von Zalando, die viele noch als Schuh-Versandhändler im Kopf haben, steckt heute einiges: Eine spannende Plattformstrategie mit großen Visionen in Europa, starker Rückenwind und eine günstigere Bewertung, als so ein E-Commerce Unternehmen vermutlich in den USA haben würde.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Beteiligung an profitablem E-Commerce Unternehmen mit starkem Rückenwind
  2. Tech-Unternehmen in Europa haben noch günstigere Bewertungsniveaus als bspw. in den USA
  3. Spannende Zukunft durch Plattformstrategie, Second-Hand-Trend und europäische Expansion

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Und das als Teaser: Mich hat die Aktie positiv überrascht.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht, wie die neue Plattformstrategie aussieht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

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Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen


Das Unternehmen

Zalando wurde 2008 in Berlin gegründet. Investoren waren vor allem die Samwer-Brüder, die mit einige Start Ups vorangetrieben haben. Das Vorbild für Zalando kam es den USA und hieß Zappos.

Zu Beginn hat Zalando sich auf den Versand von Schuhen spezialisiert. Recht schnell wurde das Sortiment um Mode und Bekleidung erweitert. Mittlerweile gehört auch Kosmetik dazu.

Zalando hat von der Digitalisierung und dem wachsenden Markt für Online-Bestellungen profitiert. Wodurch kam der Erfolg noch?

Zum einen hat Zalando früh kostenlosen Versand und Rückversand angeboten, was damals ein Novum war. Er kam außerdem durch bis heute bekannte TV-Werbespots ("Schrei vor Glück"), die von Jung von Matt konzipiert wurden. Dieser ist von 2010:

Heute sieht das alles sehr logisch aus, damals wurden die Ambitionen von einem verlustreichen Start Up aus Deutschland eher belächelt und als "nicht zukunftsfähig" betitelt.

Ende 2014 ging Zalando dann an die Börse, um ca. 600 Mio. Euro einzusammeln und den Wachstumskurs fortzusetzen. Nach wie vor ist die DACH-Region am wichtigsten für Zalando, allerdings wird weiter europäisch expandiert. Durch die Corona-Pandemie konnte Zalando sowohl im Geschäft, als auch im Umsatz, stark profitieren.

Was außerdem interessant ist:

  • Einer der drei CEOs, Rubin Ritter, hat angekündigt als CEO (zu Gunsten der Karriere seiner Frau) zurückzutreten
  • Zalando hat einige große Aktionäre an Bord: Kinnevik hält 21%, Baillie Gifford 12% und Anders Povlsen 10%. Das kann Vorteile in der Unternehmenssteuerung haben, aber auch Risiken, wenn diese verkaufen wollen

Produkt & Geschäftsmodell

Zalando ist ein E-Commerce Unternehmen, das sich im Kern auf Fashion (Schuhe, Mode & Bekleidung) spezialisiert. Der Gewinn ist in erster Linie also die Handelsmarge.

Zalando kauft selbst Produkte ein und verkauft diese, bietet aber auch - ähnlich wie - einen Marktplatz an: Marken können selbst ihre Produkte über Zalando verkaufen und die Logistik und den Versand selbst übernehmen.

Außerdem bietet Zalando anderen Marken den eigenen Logistik-Dienst (Zalando Fulfilment Solutions) sowie Werbelösungen (Zalando Marketing Services) an.

In Richtung der Endkunden möchte Zalando also attraktiv bleiben, Nekunden anziehen und Bestandskunden halten. Unter der Oberfläche steckt eine Plattformstrategie, bestehend aus eigenem Produktverkauf, Logistik, Marketing und Partnerprogrammen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre gut entwickelt, aber vor allem durch die Corona-Pandemie Fahrt aufgenommen:

Chancen

  • Beteiligung an profitablem E-Commerce Unternehmen mit starkem Rückenwind
  • Tech-Unternehmen in Europa haben noch günstigere Bewertungsniveaus als bspw. in den USA
  • Spannende Zukunft durch Plattformstrategie, Second-Hand-Trend und europäische Expansion

Phase & entscheidende Fragen

Zalando ist in Phase 2: Die Profitabilität wurde erreicht und jetzt geht's in Richtung Wachstum und mittelfristig in Richtung Profitabilitätsmaximierung. Entsprechend werden wir uns hier darauf fokussieren, wie lang und gut Zalando weiter wachsen und wie profitabel es werden kann.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert


Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Der Umsatz steigt über die letzten Jahre und auch jedes Quartal war höher als das vorherige. Durch Corona ist das Wachstum nochmal beschleunigt worden:

Aufgesplittet nach Segmenten:

Zalando ist seit Jahren leicht positiv im Ergebnis und dieses ist über die letzten Jahre eher gleich geblieben, vor allem durch höhere Investitionen, die jetzt durch die Plattformstrategie getätigt werden. Die EBIT-Marge lag zuletzt bei (noch) schmalen 4 - 6 Prozent des Umsatzes.

Wie verdient Zalando Geld?

Wie verdient Zalando Geld und was steckt hinter den Segmenten?

Der Großteil der Umsätze stammt nach wie vor aus direkten Verkaufserlösen der Produkte im Fashion Segment ("Fashion Store"). Hierbei geht es fast ausschließlich um Online-Umsätze.

Aber: Zalando setzt auch auf physische Läden und ein "Connected Retail" Konzept, also die Verbindung von Offline-Läden mit der digitalen Welt. Überraschende 2.000 Offline-Stores verwaltet Zalando so und 6% des Umsatzes im Fashion-Segment entstehen dadurch.

Dazu kommt das Segment "Offprice", in welchem u.a. die Zalando Lounge steckt, ein Shopping-Club für Mitglieder mit Rabatten. Außerdem das Segment "Other", in welchem andere Aktivitäten geparkt werden.

Im Hintergrund kommen durch die Plattformstrategie drei weitere Erlösströme, vor allem im Segment "Fashion Store", dazu:

  • Das Partnerprogramm, in welchem Marken selbst ihre Produkte über Zalando verkaufen können
  • Logistiklösungen ("Zalando Fulfilment Solutions")
  • Marketinglösungen und Kampagnen ("Zalando Marketing Services")

So sehen außerdem die wichtigsten Kennzahlen heute (grau), die letzten Zuwächse (orange) und die Ziele dafür (rechts) aus:

Ein paar Hervorhebungen:

  • 15% des Außenumsatzes entsteht durch das Partnerprogramm (Ziel: 40%)
  • 40% der Unternehmen im Partnerprogramm nutzen die Logistiklösung (Ziel: 75%)
  • 1% entsteht durch die Marketinglösungen (Ziel: 3-4%), wobei dieser eine sehr gute Margenstruktur haben wird

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

Da Zalando sich mittlerweile zur Plattform wandelt, gibt es zwei Seiten, die bedient werden müssen: Endkunden und Marken, die auf die Plattform kommen. Die Endkunden sind im Zweifelsfall wichtiger, da Zalando auch ohne den Marktplatz funktioniert, der Marktplatz bzw. die Plattformstrategie ist aber strategisch aktuell im Fokus.

Zalandos Vorteile gegenüber Endkunden

Zalando teilt grundlegende Vorteile des E-Commerce: Bequemes Bestellen, hinterlegte Zahlungsdaten und schneller Versand.

Hier ist Zalando vor allem operativ gut aufgestellt: Es war früh genug dabei, um heute Skaleneffekten nutzen zu können, viel lernen zu können und Prozesse zu optimieren.

Exemplarisch ist Zalando in der Versandgeschwindigkeit heute gut aufgestellt und schreibt selbst, dass jedes dritte Paket am nächsten Tag ankommt:

Get closer to our customers: We will deliver 30% of orders on the next day by 2020.

Durch die Plattformstrategie möchte Zalando weitere Vorteile bieten bzw. ausbauen: Größeres Sortiment, noch schnellere Lieferungen und hohe Verfügbarkeit der Produkte.

Zalandos Plattformstrategie: Vorteile für Marken

Neben den Vorteilen für den Endkunden ist die Frage, warum Marken Zalandos Plattformdienste in Anspruch nehmen sollten.

Zalando nennt dafür selbst Gründe:

  • Expansion: Marken, die europäisch verkaufen wollen, können durch Zalandos bestehende Infrastruktur schneller loslegen und müssen nicht erst eigene Logistikzentren aufbauen
  • Geschwindigkeit: Durch Zalandos Infrastruktur können auch andere Marken schnellen Versand anbieten
  • Schlankere Kostenstruktur: Marken zahlen monatliche Gebühren statt große Investitionen vorschießen zu müssen

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: E-Commerce
  • Marktkapitalisierung: 20 Mrd. EUR
  • Umsatz: 7,4 Mrd. EUR
  • Gewinn: 0,2 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 0,3 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 3
  • KGV: 115
  • KGVe: 80
  • KCV: 38
  • PEG-Ratio: 1,5

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 90 %
  • Bruttomarge: 43 %
  • Nettomarge: 2 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): 0 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 21 % p.a.

Zusammenfassung

Zalando ist im Kern ein Fashion Online-Händler. Zum Umsatz tragen auch einige Ladengeschäfte bei sowie der Ausbau der eigenen Plattform um Marketing- und Logistiklösungen. Zalando ist seit Jahren durchgehend profitabel, wenn auch bisher mit einer geringen Marge, und umsatzseitig zuletzt 20 - 25% pro Jahr gewachsen.

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven


Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Marktchancen

Der Markt im Fashion-Segment ist enorm groß. Zalando zielt dabei vor allem auf den europäischen Markt ab.

Über die nächsten 5-10 Jahre wird ein Marktvolumen von 450 Mrd. Euro erwartet. Etwa 25+ % davon werden dann voraussichtlich online umgesetzt und möchte 5+ % des Gesamtvolumens umsetzen, was dann etwa 23 Mrd. Euro wären. Zum Vergleich: Heute liegt Zalando bei ca. 7 Mrd. Euro.

Steigende Online-Kaufrate im Fashion-Bereich, die bspw. im Technik-Bereich schon deutlich höher ist, und wachsende Marktanteile für Zalando geben genug Raum zum Wachsen.

Konkurrenz

Der E-Commerce Markt, auch für Fashion, ist riesig und hat viele unterschiedliche Unternehmen, die neben Zalando diesen Markt einnehmen. Dazu gehören:

  • Online-Händler wie Zalando, Amazon, , Otto oder andere internationale Händler oder Plattformen (wie bspw. Farfetch)
  • Offline-Händler wie Peek & Cloppenburg, Anson's, Breuninger oder andere Kaufhäuser
  • Marken wie Asos, H&M, Jack & Jones, Zara, Ralph Lauren, Gucci und unzählige mehr, die offline oder online direkt verkaufen

Der Markt ist also hochkompetitiv. Speziell im Segment der Online-Händler im europäischen Segment hat Zalando einen großen Vorteil:

Es ist der Marktführer. Kein anderer Online-Händler setzt in Europa so viel Mode ab wie Zalando.

Amazon ist vom gesamten Umsatz in Europa natürlich größer, weist aber keine einzelnen Kategorien aus. Gerade das Fashion-Segment ist aber nicht Amazons Stärke: Die Abdeckung der Marken ist vergleichsweise gering und das Einkaufserlebnis überschaubar.

Viele digitale Märkte entscheiden sich zu Gunsten des Marktführers, denn dieser hat Skaleneffekte, Kapital, bestehende Kunden und kann Geschäftsmodelle wie eine Plattform aufsetzen, die den Burggraben weiter stärkt.

Strategie

Die Strategie teile ich hier in 3 Aspekte ein: Die Vision, die Kernstrategie und operative Projekte.

Vision: Die "Go To" Destination

Zalando möchte die erste Adresse sein, wenn jemand Kleidung online shoppen möchte - genau wie Google für die Suchmaschine, für Musik, für Filme oder für Ferienwohnungen.

Oder: Wie Amazon für Shopping. Aber: Amazon ist bisher im Fashion-Bereich nicht wirklich stark.

Es gibt viele Vorteile einer solchen starken Marke. Einer davon ist die Unabhängigkeit von Plattformen wie Google oder Facebook, an die sonst immer Geld in Form von Werbung gezahlt werden muss, um Kunden überhaupt auf die eigene Webseite zu holen.

Plattformstrategie

Die Plattformstrategie ist das Kernthema von Zalando. Die Vorteile daraus:

  • Für Marken: Flexible Infrastruktur, schnell skalierbar, schnelle Lieferungen
  • Für Kunden: Hohe Auswahl, hohe Verfügbarkeit
  • Für Zalando: Zusätzliches Erlöspotenzial, größerer Burggraben, weniger Risiko beim Aufbau eigenen Inventars

Operative Projekte: Größenfinder & Second-Hand

Neben diesen großen Themen entwickelt Zalando weitere Lösungen, an die kleinere Unternehmen noch nicht denken können.

Dazu gehört ein An- und Verkauf-Programm für gebrauchte Kleidung oder die Akquisition von "Fision" mit dem Kunden vor dem Kauf die für sie richtige Größe finden können (und Zalando sich und dem Kunden nervige Retouren von vornherein erspart).

Finanzielle Ziele

Was sind die Ziele, die Zalando damit konkret erreichen möchte?

Auf Sicht der nächsten ~3 Jahre soll der Außenumsatz um 20 - 25% und der Innenumsatz um 15-20% pro Jahr wachsen. Außerdem soll der Anteil des Partnerprogramms dann 40% ausmachen.

Außerdem gibt Zalando eine Prognose zu den Margenentwicklungen ab, wenn die eigenen Ziele zur Plattform (siehe oben und auf der folgenden Grafik rechts) erreicht werden.

Das Wachstum soll auf Marktniveau oder leicht darüber liegen. Das reguläre Geschaft hat EBIT-Margen von 6-8%, das Partnerprogramm höhere Margen von 20 - 25%, da es hochprofitable Services wie Marketingleistungen dazu schaltet.

Die prognostizierte Konsequenz: Die relativen Ausgaben für Marketing- und Administration sinken, für Logistik bleiben sie gleich und die Bruttomarge kann gesteigert werden. Angepeilt wird damit eine EBIT-Marge von 10 - 13%.

Zusammenfassung

Zalando ist in einem großen und wachsenden Markt. Die Konkurrenz ist vielfältig, im direkten Segment - Fashion E-Commerce in Europa - ist Zalando aber stark positioniert und Marktführer. Zalando möchte die Nr. 1 Anlaufstelle für Kunden in dem Segment werden und vor allem die eigene Plattformstrategie voranbringen, um weiter zu wachsen und die Profitabilität zu steigern.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert


Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet Zalando als Unternehmen aktuell aus?

Dauerhaft profitabel

Zalando ist nicht hochprofitabel, aber seit mind. 5 Jahren in der Gewinnzone. Auch der Cashflow ist überwiegend positiv. Das zeigt, dass das Geschäftsmodell funktioniert und stellt die Wachstumsambitionen auf ein solides Fundament.

Hoher Website-Traffic

Abseits der typischen Finanzkennzahlen ist es ebenfalls spannend andere Metriken einzubeziehen. Eine ist mir speziell aufgefallen, bei der Zalando schon 2018 (und heute höchstwahrscheinlich immer noch) sehr gut abschneidet: Die Anzahl der Website-Besucher.

Zalando hat in Europa im Fashion-Segment mehr Besucher als Inditex (u.a. Zara), H&M, Asos, und . Das spricht dafür, dass die Vision, zur direkten Anlaufstelle für Fashion zu werden, durchaus realistisch ist.

Positive Kohortenentwicklung

Zalando hat keine vertraglich zugesichert wiederkehrenden Umsätze. Aber: Die Kunden kommen von alleine wieder.

Die Aufschlüsselung der Kunden je nachdem, wann sie das erste Mal bei Zalando gekauft haben, zeigt: Einmal gewonnene Kunden erzeugen recht stabil danach auch Jahr für Jahr ähnlich hohe Umsätze und neue Kunden kommen on top.

Und: Jede neue Kohorte ist größer als die vorherige, also jedes Jahr kommen mehr Neukunden dazu als im Jahr davor. Das zeigt, dass es hier noch genug mögliche Neukunden gibt.

Vorsprung im schwierigen Geschäftsmodell

Ich habe hier über die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade geschrieben und wie Geschäftsmodelle im "hard mode" einen Burggraben schaffen.

Zalando ist so etwas angegangen: Zum einen durch die Logistik-Infrastruktur in Europa, die aktuell 12 Warehouses zählt. Diese sollen bis Mitte 2022 dazu vollständig automatisiert sein und einen Außenumsatz von 14 Mrd. Euro abwickeln können.

Außerdem ist für Zalando die Technologie entscheidend. Heute arbeiten über 2.000 Tech-Fachkräfte für Zalando.

Diese Aspekte - Infrastruktur, Logistik, automatisierte Lager, tausende Tech-Spezialisten - sind daher ein Burggraben, der sich nicht so einfach und vor allem nicht so schnell kopieren lässt.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Schauen wir auf die Schwachstellen des Unternehmens.

Mittlere Bruttomarge

Die Marge von Zalando ist nicht schlecht. Sie ist aber auch nicht so hoch wie bei anderen Plattformen oder Marktplätzen. Das liegt vor allem daran, dass der Großteil der Umsätze aus der Handelsmarge kommt, mit der dann noch eine technische Infrastruktur und die entsprechende Logistik (inkl. Retouren) bezahlt werden muss.

Im Vergleich zu anderen E-Commerce Unternehmen ist die Marge gut. Im Vergleich zu anderen Digital- bzw. vor allem Software-Unternehmen ist die Marge mittelmäßig.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

Zalando als Plattform

Mit dem Wandel zur Plattform (zuletzt um +120% YoY gewachsen) hat Zalando nach dem Amazon-Vorbild eine große Chance: Besseres und größeres Segment, weniger Inventarrisiko, zusätzliche Erlösströme mit höheren Gewinnmargen, tieferer Burggraben und mehr.

Gleichzeitig zeigt sich: Dieser Wandel ist im vollen Gange, er steckt also schon in den Geschäftszahlen. Dort ist zu sehen, dass er Geld kostet, Zalando aber trotzdem noch profitabel ist. Es ist also ein Wandel mit positivem Chance-Risiko-Verhältnis und guten Ausgangsvoraussetzungen für Zalando als Marktführer in dem Segment.

Nachhaltigkeit & Second Hand

Zalando widmet sich in der eigenen do.MORE Strategie auch den Themen Nachhaltigkeit, möchte also selbst klimaneutral werden und nachhaltige Marken auf der eigenen Plattform bevorzugen, sowie sozialer Verantwortung.

Dazu kommen Initiativen rund um Second-Hand-Verwertung von Mode, die den aktuellen Zeitgeist treffen. Gerade "Fast Fashion", also das Herstellen und Verkaufen günstiger Mode, die schnell ausgetauscht wird, ist sonst immer wieder im Fokus von Kritik.

Neben den positiven Aspekten, den solche Initiativen auf die Welt haben können, hat Zalando hier - sowohl durch das Geschäftsmodell, als auch durch die eigene Größe - Möglichkeiten, diese Themen zu nutzen und für alle Beteiligten (sich selbst, Marken und Kunden) ein Erlebnis mit besserem Gewissen zu machen.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

Konkurrenz

Ich sehe vor allem die direkte Konkurrenz als Gefahr für Zalando.

Der Fashion-Markt neigt nicht dazu, nur von einem oder wenigen Unternehmen beherrscht zu werden. Sowohl in der Offline- als auch in der Online-Welt gab es immer viele Händler und Marken, weshalb ich hier nicht an einen "Winner takes it all" Markt glaube.

Trotzdem kämpfen Konkurrenten mit Zalando um Marktanteile:

  • Amazon ist als E-Commerce Gigant immer ein Risikofaktor, auch wenn ich hier persönlich noch keine große Gefahr sehe, da Zalando (und auch andere Fashion-Spezialisten) ein deutlich besseres Einkaufserlebnis bieten
  • Andere Online-Händler wie About You aus Hamburg, die aber mutmaßlich noch deutlich kleiner sind als Zalando. Hier hat Zalando vor allem den Größenvorteil, darf sich aber auch keine zu großen Fehltritte leisten
  • Eigene Online-Shops der Marken. Das ist immer ein Risiko, da viele Käufer aber vermutlich nicht nur eine Marke kaufen wollen, ist Zalandos Geschäftsmodell hier im Zweifelsfall überlegen. Zalando selbst schreibt im Factbook, dass Kunden durchschnittlich pro Jahr 13 unterschiedliche Marken kaufen und jede zweite Bestellung mehr als eine Marke beinhaltet.

Unterm Strich sehe ich dort keine Risiken, die Zalando stark bedrohen. Zalando ist gut aufgestellt mit der Konkurrenz fertig zu werden und die eigene Strategie umsetzen zu können.

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel | Auswirkung bei Eintritt: mittel

Aktienbewertung: Der faire Wert der Zalando Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Ich halte das Geschäftsmodell und die Ziele von Zalando für sehr realistisch und besser vorhersagbar als bei vielen anderen Unternehmen. Es gibt weder große Moonshot-Projekte nach oben, aber auch wenig existenzielle Risiken nach unten.

Im erwarteten Szenario glaube ich daher, dass die Strategie zur Plattform aufgeht und auch die Finanzzahlen sich daran anpassen.

Für die Ermittlung des fairen Werts habe ich konkret folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

#1 Umsatzwachstum

Zuletzt ist Zalando etwa um 21% pro Jahr gewachsen, in 2020 sogar über 25%. Analysten erwarten etwa 15% Umsatzwachstum pro Jahr in Zukunft, Zalando selbst peilt 15 - 20% p.a. an. Ich gehe daher von 16% kurzfristigem Wachstum aus.

Ich nehme an, dass sich das Umsatzwachstum langfristig (> 10 Jahre) bei 8% p.a. einpendelt. Es entsteht dadurch ein jährlicher Umsatz von 26 Mrd. EUR.

#2 Nettomarge

Die Bruttomarge liegt bei ca. 45%, die EBIT-Marge bei 4 - 6%. Zalando peilt in ein paar Jahren eine EBIT-Marge von 10 - 13% an.

Langfristig gehe ich daher davon aus, dass sich die Nettomarge im oberen einstelligen Bereich stabilisiert. Ich nehme 8% an.

#3 Bewertungsniveau

Ich gehe langfristig von einem für Digitalunternehmen durchschnittlichen, im Vergleich zum Gesamtmarkt leicht überdurchschnittlichen KGV von 20 für Zalando aus.

Meine Renditeerwartung in drei Szenarien (Update: Dezember '21)

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: ZAL.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV (langfristig) Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Die Scorecard

Mein Fazit inkl. Pro & Contra: Zalando Aktie jetzt kaufen?


Pro

  • Relativ stabiles Geschäftsmodell
  • Potenzial durch großen Markt und Plattformstrategie
  • Marktführer unter den Online-Fashion-Händlern
  • Durchgehend profitabel

Contra

  • Recht dünne Gewinnmarge
  • Markt mit vielen direkten und indirekten Konkurrenten

Fazit

Ich bin zugegebenermaßen eher mit Skepsis an die Analyse von Zalanda herangegangen, vor allem wegen des jüngsten Kursanstiegs.


Aber: Ich bin positiv überrascht worden.


Die Zahlen sind sehr solide, wenn auch nicht überragend. Die Bewertung ist mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 3 aber auch deutlich besser als andere Unternehmen, die ein ähnliches Wachstum hingelegt haben.


Im Geschäftsmodell gibt es noch viele Chancen, strategisch sinnvolle Initiativen und wenig (heute abschätzbare) existenzielle Risiken.


Dadurch, dass die Aktie zuletzt auch nochmal um 20% korrigiert ist (nach einem vorher starken Kursanstieg), ergibt sich jetzt in meinen Augen dazu eine faire und attraktive Bewertung.

Tags: Zalando | Aktien: Zalando

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #10: Wir sind uns einig, uneinig zu sein.

Es gibt unzählige unterschiedliche Meinungen an der Börse und zu einzelnen Aktien. Und das ist völlig okay. Wir sehen andere Meinungen nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung. "Agree to disagree".

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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