Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 1. August 2021

Walt Disney ist der kreative Schöpfer des gleichnamigen Unternehmens, das bis heute eine riesige Welt aus Marken, Figuren und Erlebnissen aufgebaut hat. Dazu gehören Der König der Löwen, Star Wars, die Avengers oder Ice Age, aber auch der Sport-Streamingdienst ESPN oder der Naturfilmsender National Geographic.

Die Disney-Welt besteht aus Freizeitparks, Merchandise, Kinos und mittlerweile auch Streaming. Gerade durch die Coronaphase haben die Freizeitparks gelitten, während das Streaminggeschäft erste Erfolge verzeichnen konnte: Fast 150 Mio. zahlende Abonnenten zählt allein das Videostreaming heute.

Ich sehe daher drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Starke Markenwelt: Disney hat eigene Marken und Figuren, die über unterschiedliche Wege vermarktet und nicht einfach kopiert werden können
  2. Einstieg in den Streaming-Markt mit einem bestehenden, großen Angebot an Inhalten, die direkt und ohne große Zusatzkosten angeboten werden können
  3. Eigenes Ökosystem: Disney berührt den Kunden in unterschiedlichen Bereichen, vom Freizeitpark über Fanartikel bis zum Streaming zuhause

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Disney Aktie attraktiv? Kann man die Disney Aktie jetzt kaufen und auf gute Rendite hoffen? Das finden wir in der Analyse heraus.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind, wie die 60 Jahre alte "Strategy Map" von Disney aussieht und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

More...

Überblick: Das steckt hinter Walt Disney


Das Unternehmen

Walt Disney (oder nur "Disney") wurde 1923 von den Brüdern Walt und Rob Disney gegründet. Es ist heute einer der größten Medienkonzerne der Welt.

Heute bündelt der Konzern viele Marken und Geschäftsmodelle, die sich um diese Marken entwickelt haben. Zu den bekanntesten Marken gehören Star Wars, High School Musical, Monster AG, Toy Story 4, Avengers und andere Disney-Klassiker (Rapunzel, Winnie Puuh, Die Eiskönigin, Der König der Löwen usw.). Aufkäufe von Pixar, Marvel, Lucasfilm, 21st Century Fox und mehr haben das Portfolio über die letzten 15 Jahre stark erweitert. Um einen kurzen Überblick zu geben:

  • Disney: Pinocchio, Der König der Löwen, Peter Pan, Nachts im Museum, Ice Age, Winnie Puuh, Rapunzel, Die Eiskönigin, High School Musical, Monster AG, Toy Story
  • Marvel: Avengers, Guardians of the Galaxy, Black Panther, Blade, Hulk, Loki, Black Widow
  • Pixar: Luca, Cars, Soul, Dug Days
  • Lucasfilm: Komplette Star Wars Reihe und mittlerweile auch Serienableger (The Mandalorian) und Spin Offs (bspw. Obi-Wan Kenobi)
  • National Geographic
  • Streamingdienste wie ESPN (Fokus auf Sport) und Hulu

Produkt & Geschäftsmodell

Walt Disney vermarktet die eigene Markenwelt über unterschiedliche Wege: Eigene Freizeitparks, Filme, Lizenzverkäufe, eigene TV Kanäle und Fanartikel sind die wichtigsten Bestandteile. Gleich graben wir hier noch tiefer.

Das neuesten Produkte sind die Streamingangebote Disney+, hulu und ESPN+.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt, wenn auch mit etwas Volatilität. Den Absturz vor der Coronapandemie konnte die Aktie mittlerweile wieder aufholen:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Freizeitparks & Filme
  • Marktkapitalisierung: 325 Mrd. USD
  • Umsatz: 58 Mrd. USD (2019: 70 Mrd.)
  • Gewinn: -4,5 Mrd. USD (2019: 11 Mrd.)
  • Free Cashflow: 1,3 Mrd. USD (2018: 10 Mrd., 2019: 2 Mrd.)

Bewertung

  • KUV: 6
  • KGV: 50
  • KGVe: 37
  • KCV: 75
  • PEG-Ratio: 1,1

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 66%
  • Bruttomarge: 31% (2019: 41%)
  • Nettomarge: -8% (2019: 16%)
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): -35% p.a. (v.a. durch Corona-Pandemie)
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 6% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell von Disney analysiert


Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Die meisten Folien stammen vom Investor Day 2020.

Unternehmensentwicklung

Von 2005 bis 2019 ist Disney mit 11% pro Jahr im operativen Gewinn gewachsen.

2020 gab es coronabedingt einen leichten Rückgang im Umsatz und auch erstmals nach langer Zeit einen Verlust von 2,5 Mrd. Dollar.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

Die Erlöse kommen aus 4 Bereichen:

  1. Media Networks. Dazu gehören Umsätze durch Lizenzrechte (bspw. von YouTube) sowie Werbeumsätze auf eigenen Kanälen und Sendern.
  2. Parks, Experiences and Products. Dazu gehören die Parks (wie das Disneyland Paris und viele andere), die Disney Cruise Line und andere Aktivitäten rund ums Disney-Universum. Außerdem fließen hier Umsätze aus dem Verkauf von Merchandise-Produkten.
  3. Studio Entertainment. Dazu gehören Umsätze aus Kino-, DVD- und Blu-ray-Verkäufen aus Produktionen von Walt Disney Pictures, Twentieth Century Fox, Marvel, Luxasfilm, Pixar und mehr.
  4. Direct-to-Consumer & International. Dazu gehören (a) Werbeumsätze aus internationalen TV Kanälen und (b) die Streamingdienste, die direkten Kundenzugang und Umsätze durch ein Abo-Modell bieten.

Die Entwicklung 2020 ist nicht repräsentativ, da bspw. Freizeitparks geschlossen waren. 2019 haben aber die Media Networks und die Parks den Großteil der Umsätze und der operativen Gewinne ausgemacht.

Aber: Trotzdem ist das Wachstum von 81% auf 17 Mrd. Dollar im Direct-to-Consumer Modell bemerkenswert, das vermutlich zum Großteil von den Streaming-Diensten getrieben wird.

Disney teilt das Geschäft außerdem in Service- und Produktumsatz auf. Die Services machen demnach ca. 90% der Umsätze aus. Beide Segmente sind ähnlich profitabel bei ihrer Bruttomarge.

Die Media Networks sind das größte Segment von Disney. Es besteht aus Lizenzgebühren (15 Mrd. Dollar), Werbeerlösen (6,5 Mrd. Dollar) und TV-Einnahmen (7 Mrd. Dollar), also allen herkömmlichen Verwertungswegen von Filmen und Serien.

Erste Erfolge im Streaming-Geschäft

Rückblickend betrachtet hat Disney mit Ende 2019 einen guten Zeitpunkt erwischt um ins Streaming-Geschäft zu starten. In der Coronapandemie gab es einiges an Rückenwind, der zumindest ansatzweise die Verluste in den Freizeitparks und Kinos auffangen konnte.

Die Zahlen, die Disney zum Start der Streamingangebote über die nächsten 5 Jahre erreichen wollte, wurden nun schon nach nur einem Jahr erreicht. Heute hat Disney insgesamt ca. 150 Mio. zahlende Abonnenten.

Neben Disney+, dem Streamingangebot, in dem alle Disney-Marken landen, gibt es mit ESPN noch den größten direkten Sport-Streaminganbieter.

Auch hulu ist ein Streamingservice, der schon länger als Disney+ existiert und von Disney als Mehrheitsaktionär aufgekauft wurde und sich dynamisch entwickelt.

Im Quartalsbericht für Q2 2021 hat Disney die aktuellsten Zahlen und die durchschnittlichen Umsätze pro User aufgelistet. Gerade Disney+ sticht mit über 100% Wachstum hervor. Der Umsatz pro User war rückläufig, da Disney+ Hotstar für den indischen Markt gelauncht hat.

Heute hat Disney damit knapp 150 Mio. zahlende Abonnenten, die im Durchschnitt 7,82 Dollar pro Monat zahlen.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Disney baut mit den Streaming-Dienste erstmals wirklich wiederkehrende Umsätze auf. Andere Ansätze sind im TV-Bereich, der eine gewisse Konstanz mit bringt. Die anderen Segmente wie Filme und Freizeitparks sind wenig bis nicht wiederkehrend.


Netzwerkeffekte

Die Netzwerkeffekte sind begrenzt. Aber: Ich glaube, dass Disneys Fans und Zuschauer selbst das Produkt weiter tragen. Kinder, die zusammen Kinofilme gucken oder ihrer Lieblingsfigur nacheifern sind das beste und natürlichste Marketing.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Disney ist enorm groß und hat dadurch die Möglichkeit, ein eigenes Ökosystem zu schaffen. Es braucht genug Marken und Kapazität, um Freizeitparks aufzubauen, einen eigenen Streamingdienst und eigene TV-Sender. All das können nur wenige Unternehmen, zu denen Disney gehört.


Proprietäre Technologie

Technologisch sehe ich wenig entscheidende Differenzierungsmerkmale, die andere Anbieter nicht erreichen könnten. Aber: Sicherlich ist Disney in vielen Bereichen (Filmproduktion, Streaming, Parks) technologisch vorne dabei.


Marke (Branding)

Die Markenwelt ist die große Stärke von Disney und das Fundament des gesamten Ökosystems.


Geschäftsmodell-Bewertung: 17 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven


Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Konkurrenz

Es gibt einige Konkurrenten von Disney, wobei es kaum ein Unternehmen gibt, dass in Summe ein ähnliches Geschäftsmodell wie Disney anbietet.

  • Im Streaming-Bereich sind die größten Konkurrenten Netflix, Amazon Prime Video und viele weitere, kleinere Streaming-Anbieter. Netflix ist mit über 200 Mio. Abonnenten der Marktführer, auch Disney liegt nun aber schon bei 150 Mio. Abonnenten (wenn auch in der Regel zu niedrigeren Preisen).
  • Im Bereich der Freizeitparks sehe ich keinen direkten Konkurrenten, sondern viele kleine Nischenanbieter.
  • Im Bereich der Film- und Markenwelt gibt es viele Konkurrenten, da nahezu jede andere Marke irgendwo Konkurrenz ist. Dieser Markt ist aber immer ein Markt, in dem viele Figuren, Marken und Filme nebeneinander existieren.

Das heißt: Ja, es gibt Konkurrenz, aber nur im Video-Streaming Bereich sehe ich die Konkurrenz auch als relevanten Risikofaktor.

Strategie

Die Strategie von Disney lässt sich noch heute aus der vor 60 Jahren veröffentlichte Strategy Map hervor.

Wer ins Disneyland geht, kauft eher auch Fanartikel und wird eher zuhause nochmal ins Kino gehen, um einen Disney-Film zu sehen. Wer einen Disney-Film sieht, will mit den Kindern eher ins Disneyland. So dreht sich der Kreislauf im Disney-Ökosystem immer weiter.

Es ist das, was wir in der heutigen Welt als "Flywheel" bezeichnen würden. Ein System, in dem die unterschiedlichen Produkte und Geschäftsmodelle aufeinander einzahlen und sich gegenseitig befeuern.

Der neueste Baustein darin ist das Streaming-Geschäft.

Disneys Streamingeintritt

Disney drängt mit unterschiedlichen Angeboten in den Streaming-Markt: ESPN+ als Sportangebot, Hulu als Generalist und Netflix-Konkurrent und Disney+ mit der bekannten Bandbreite an Disney-Inhalten.

Disney+ bietet etwa 7.500 Serien und 500 Filme an. In den USA ist der Dienst Ende 2019 gestartet und der Deutschland-Start ist März 2020 erfolgt.

Einen Überblick, Chancen, Risiken und Unternehmen im Streaming-Markt habe ich hier analysiert.

In Kurzform:

Disney wittert Chancen im Streaming-Geschäft. Dadurch ändert sich die Verwertungskette der Inhalte: Netflix gibt Inhalte sofort fürs Streaming frei. Disney hält (meistens) noch an der traditionellen Verwertungskette bei, bei der ein Film erst im Kino anläuft und erst nach einiger Zeit dann ins Streaming-Angebot aufgenommen wird.

Disney hält, anders als Netflix, also an der bisherigen Verwertungskette fest und macht Inhalte erst nach der Verwertung im Kino per Streaming zugänglich.

Wie sehe ich darüber hinaus die Chancen, dass Disney Erfolg hat?

Disney hat viele Marken, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, die nun ebenfalls im Streaming verfügbar sind. Diese Marken reichen von Mickey Mouse bis Star Wars. Diese sind nicht einfach kopierbar, da Disney hier der Produzent ist.

Dazu kommt: Disney erstellt die Inhalte ohnehin. Durch den Streaming-Service müssen also keine riesigen Investitionen in Inhalte getätigt werden, da diese ohnehin erstellt werden. Das Streaming-Angebot ist lediglich ein weiterer Ausspielweg.

Ben Thompson von Stratechery glaubt zudem nicht, dass Disney mit Netflix konkurriert. Netflix bedient den breiten Unterhaltungsmarkt, Disney vor allem Kinder und Familien und will diese Verbindung stärken:

„Disney is, well, it’s Disney, pursuing a strategy as unique as the company itself. Disney+ will be a popular service, but the goal is not to build an Aggregator like Netflix but rather something that enhances and expands the Disney machine. Hulu, meanwhile, will continue as a nominal Netflix competitor and general guardian of Disney’s non-branded content businesses.“

Darüber hinaus ist Disney nicht darauf angewiesen, dass der Dienst allein profitabel ist: Disney hat viele weitere Monetarisierungsmöglichkeiten, bspw. durch das Disneyland, Merchandise, Kinopremieren, Comics, TV und mehr Berührungspunkte im gesamten Disney-Ökosystem.

Disney erweitert mit Disney+ also vor allem das eigene Ökosystem, während Hulu eher der Generalist ist, der mit Netflix direkt konkurriert.

Matthew Ball, ehemaliger „Head of Strategy“ bei Amazon Prime Video, sieht Disneys Strategie sehr positiv. Die wichtigsten Gründe:

  • Disneys Marke ist stark genug
  • Disney kann mehrere Dienste bündeln
  • Disney kann bestehenden Content weiter verwerten
  • Disney ist nicht darauf angewiesen nur aus dem Streaminggeschäft möglichst viel Gewinn zu erzielen, sondern kann es auch indirekt zum Markenaufbau nutzen

Finanzielle Ziele

Allein für Disney+ werden bis 2024 stolze 230 bis 260 Millionen zahlende Abonnenten erwartet. Noch vor 2 Jahren lag die Prognose bei einem Viertel davon.

Dafür werden aber auch die Kosten für Inhalte deutlich hochgeschraubt. Im Geschäftsjahr 2024 rechnet Disney mit 8 - 9 Mrd. Dollar Ausgaben für Inhalte statt der ursprünglich geplanten 4 Mrd.

Das bedeutet: Disney hat in diesem Jahr die größten operativen Verluste, um das Streaming-Geschäft aufzubauen. Bis 2024 möchte es das Segment profitabel betreiben.

Insgesamt möchte Disney dann bei 300 - 350 Mio. Abonnenten liegen. Zum Vergleich: Netflix liegt heute bei etwa 210 Mio. Abonnenten.

Ich nehme an, Disney verdient 2024 pro Abo im Schnitt 10 Dollar im Monat mit 50% Bruttomarge (da große Teile der Lizenzen nicht neu eingekauft und produziert werden müssen wie bei Netflix, wo die Bruttomarge bei ca. 35% liegt).

Das heißt: Bei 300 Mio. Abonnenten im Jahr ergibt das einen jährlichen Umsatz von 36 Mrd. Dollar und einen Rohertrag von 18 Mrd. Dollar. Bei 8 - 9 Mrd. Content-Ausgaben wirkt die Rechnung nicht abwegig.

Zum Vergleich: 2019, im stärksten Jahr von Disney, lag der gesamte Rohertrag aller Segmente bei 27,5 Mrd. Dollar. Und: Netflix erzielt heute 12 Mrd. Dollar Bruttomarge, ausschließlich durch Video-Streaming, und ist 230 Mrd. Dollar wert.

Diese Rechnung ist sicherlich noch mit viel Unsicherheit behaftet. Es zeigt aber, wie viel Potenzial allein in diesem Geschäftsbereich steckt.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert


Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Bekannte und etablierte Marken: Disney hat viele Marken, die über Jahrzehnte etabliert wurden. Dadurch gibt es wenig Risiko, dass plötzlich Filme oder Lizenzen entzogen werden und Disney ist autarker als andere Anbieter.
  • Diversifizierte Erlösströme: Die Umsätze von Disney hängen nicht von einzelnen Medien oder Ländern ab. Sie kommen aus Werbeerlösen des Fernsehens, Filmproduktionen und -verkäufen, Parks und Merchandise und zukünftig auch Streaming-Umsätzen. Selbst wenn eines dieser Segmente schwächelt, können die anderen dies auffangen.
  • Direkter Kundenzugang: Disney hat direkten Kundenzugang, der in der GAFA-Ökonomie immer begehrter wird. In fast allen Bereichen müssen Unternehmen über Google, Amazon, Facebook oder Apple gehen (und Geld bezahlen), um Kunden zu erreichen. Natürlich muss auch Disney diese Wege nutzen, ist aber recht eigenständig: Fast jeder der eben genannten Erlösströme hat einen eigenen Kundenzugang.
  • Verbesserung in Coronapandemie: Auch wenn die Zahlen sich schlecht entwickelt haben, sehe ich Disney stärker aus der Krise rauskommen. Vor allem das Streaminggeschäft hat einen riesigen Schub gemacht und alle anderen Geschäftsberiche werden vermutlich auf alte Niveaus zurückkommen.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Begrenzte Zielgruppe im Streaming-Bereich: Netflix ist der Marktführer im Streaming-Markt und bietet für fast jede Zielgruppe ein großes Angebot. Disney positioniert die Angebote eher in Nischen: Disney+ primär für Kinder und Familien, ESPN als Sportangebot. Hulu ist eher als Netflix-Konkurrent zu sehen. Das muss nicht schlecht sein: Eine Nischenfokussierung kann dazu führen, dass man der Konkurrenz von Netflix und Amazon Prime Video etwas aus dem Weg geht. Die Angebote können, auch wegen der niedrigen Preise von Disney, auch nebeneinander genutzt werden. Trotzdem könnte es die Umsätze nach oben hin begrenzen, während Netflix und Amazon den großen Streaming-Markt über alle Zielgruppen hinweg erobern könnten.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Abo-Umsätze im Streaming-Markt: Durch den Einstieg in den Streaming-Markt warten Umsätze aus dem Abo-Modell. Mehr dazu oben. Aber nicht nur das…
  • Multiplikatoreneffekte durch Streaming-Angebot: Wenn Disney es schafft, das eigene Streaming-Angebot zu etablieren, können auch die anderen Segmente profitieren: Je mehr Nutzer bspw. Disney+ schauen, desto mehr Menschen werden auch in die Parks gehen, ins Kino gehen und Merchandise kaufen.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Hier geht's nun viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Veränderungen in der Technologie und dem Nutzerverhalten: Der Markt für Video und Fernsehen wandelt sich. Heute wird anders konsumiert durch Technologie, die andere Möglichkeiten (wie das Streaming) mit sich bringt. Das birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Wird Disney in 10 und 20 Jahren noch ein relevantes Unternehmen mit relevanten Inhalten sein?
  • Normale Risiken (Entwicklung der Weltwirtschaft, Erschaffen beliebter Inhalte, Konkurrenz durch andere Teile der Unterhaltungsbranche): Der Jahresbericht von Walt Disney listet viele Risiken auf, die sich als „normale Unternehmens- und Marktrisiken“ zusammenfassen lassen. Geht’s der Weltwirtschaft schlechter, trifft das auch Disney. Disney ist darauf angewiesen, auch in Zukunft relevante Inhalte zu erstellen, die den Geschmack der Kunden treffen. Auch andere Unterhaltungsformate konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Kunden in der Freizeit (z.B. andere Freizeitparks, andere Film- und Serienformate, andere Unterhaltungsformen wie bspw. Gaming).
  • Wie stark sind Disneys Zahlen wirklich? Die Zahlen bis 2019 lassen sich gut abschätzen. In der Coronapandemie haben sie sich verschlechtert, Disney hat sich in meinen Augen aber inhaltlich verbessert (u.a. durch die Streaming-Erfolge). Das Ausmaß der Verbesserung ist allerdings schwer abzuschätzen.

Aktienbewertung: Der faire Wert der Walt Disney Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

#1 Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: Der Umsatz ist langfristig mit etwa 11% pro Jahr gewachsen, durch die Coronapandemie aber vorübergehend zurückgegangen.
  • Analystenerwartung: Für 2021 wird eine Rückkehr etwa auf das 2019er Umsatzniveau von 68 Mrd. Dollar erwartet. Für 2022 liegen die Prognosen bei +26% im Umsatz (85,5 Mrd. Dollar).
  • Meine kurzfristige Annahme: Ich gehe kurzfristig von +12% pro Jahr aus, wobei ich davon ausgehe, dass der Umsatz von 2019 wieder erreicht wird. Der Treiber dafür ist in meinen Augen vor allem das Streaminggeschäft, das heute schon über 15 Mrd. Dollar ausmacht.
  • Meine langfristige Annahme: Langfristig gehe ich von 6% aus, also ein Wachstum leicht über dem weltweiten Wirtschaftswachstum.

#2 Nettomarge

Die Nettomarge lag zwischen 2014 und 2019 bei 14 bis 21%, meistens bei 15 bis 17%. Da durch das Streaming eine weitere Verwertungsmöglichkeit dazu kommt, die dazu - durch den direkten Kontakt zum Kunden, ohne Zwischenhändler wie ein Kino - eine etwas höhere Marge haben sollte. Hier halte ich daher langfristig 17% für realistisch.

#3 Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGVe von 37 bewertet. Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen - noch mit einem leicht überdurchschnittlichen KGV von 18 bewertet sein wird, die Bewertung aber deutlich zurückgehen wird.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Status Quo (heute)

Trage hier die aktuellen Werte der Aktie ein.

Marktkapitalisierung (in Mrd.)

Aktienkurs

Umsatz (in Mrd.)

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.

Ausschüttungsquote (in %)

Der Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet oder per Aktienrückkauf an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Diskontierungsrate (in %)

Der Faktor, um den zukünftige Gewinne abgezinst werden. Anders formuliert: Die Rendite, die deine Aktie mindestens abwerfen sollte. Als Faustformel: Die durchschnittlich erwartete Marktrendite (ggf. höher bei riskanteren Aktien).

Dein Input » Aktienbewertung

Die kurzfristigen und langfristigen Annahmen, die sich über einen 10-Jahres-Horizont linear annähern und die Zielwerte, die sich daraus ergeben.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV (langfristig) Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Dividendenrendite
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Die Bierdeckel-Aktienbewertung

Ich habe oben geschätzt, dass Disney bis 2024 allein aus dem Streaminggeschäft ca. 18 Mrd. Dollar Bruttogewinn erzielt. 2019, wo noch kaum Streamingerlöse vorhanden waren, lag der Bruttogewinn bei 27,5 Mrd. Dollar.

Wenn wir nun annehmen, dass (a) der 2019er Bruttogewinn bis 2024 wieder erreicht wird und (b) die Streamingerlöse zu 80% on top kommen und zu 20% bestehende Erlöse ersetzen (bspw. durch weniger Kinoumsätze), entsteht 2024 ein Bruttogewinn von ca. 42 Mrd. Dollar.

Das entspricht +52% ggü. 2019. Der Aktienkurs steht heute "nur" 16% höher als 2019.

Die Scorecard

Die Scorecard liefert mit 53 einen durchschnittlichen Wert. Ohne die Effekte der Coronapandemie, die die Gewinne drücken, läge der Wert vermutlich bei etwa 60.

Walt Disney Scorecard

Pro, Contra & Fazit: Walt Disney Aktie jetzt kaufen?


Pro

  • Starkes Unternehmen mit kaum existenziellen Risiken im Geschäftsmodell
  • Etabliertes und teilweise jahrzehntelang bewährtes Markenportfolio
  • Erste beeindruckende Erfolge im Streamingbereich
  • Insgesamt, trotz zurückgegangenen Gewinn, vermutlich stärker durch die Krise

Contra

  • Zahlen etwas ungewiss, da die Coronapandemie gerade Parks und Kinos eingeschränkt hat
  • Starke Konkurrenz im Video-Streaming Bereich

Fazit

Eine spannende Frage der Zukunft ist: Wird Disney es schaffen, sich im Streaming-Markt zu etablieren und die Hoffnungen zu erfüllen?

Der Streaming-Markt ermöglicht es Disney, einen weiteren, umsatzstarken Kanal zu haben, um mehr Menschen im Disney-Universum zu binden und über unterschiedliche Berührungspunkte zu binden.

Dabei ist das Risiko begrenzt: Wenn es nicht klappt, steht – anders als bei Netflix – nicht das ganze Geschäft vor dem Untergang. Nichtsdestotrotz könnten Disney dann rückläufige Umsätze erwarten, wenn sich die Aufmerksamkeit auf das Streaming-Programm richtet und man selbst dort nicht mitspielt.

Alles in allem finde ich die Disney-Aktie nach wie vor sehr interessant: Die Bewertung ist auf durchschnittlichem Niveau. Disney weist ein breit aufgestelltes Geschäftsmodell auf, das nun durch den Einstieg ins Streaming eine sinnvolle Erweiterung findet. Die recht hohe Profitabilität, die faire Bewertung und ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis machen mich langfristig optimistisch – und lassen mich auch ein Disney-Aktionär bleiben.

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #5: Wir schätzen die Gesetze der Finanzmärkte.

Die Finanzmärkte sind gut untersucht und haben einige fundamentale Gesetze, die wie die Schwerkraft auf Materie wirken. Es sind Gesetze, die Aktienkurse und Aktienmärkte langfristig bestimmen und durch die wir "das große Ganze" verstehen. Wer die Gesetze der Finanzmärkte nicht kennt, erfährst sie in dieser Videoserie.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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