Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 13. Juni 2021

Zum 1. April 2021 hat sich scherzhaft in „Voltswagen“ umbenannt. Die Reaktionen darauf waren gemischt. So ein kleiner Scherz zeigt trotzdem gut, wo die Reise hingeht: Volkswagen möchte mit voller Kraft in die Elektromobilität.

Die Bewertungen von über die letzten Jahre waren immer wieder Anlass für viel Kritik. Trotzdem ist Tesla weiter gestiegen, während schon der Abgesang auf die traditionellen Automobilkonzerne begonnen hat.

Zuletzt haben sich diese aber wieder stark entwickelt und zumindest im Börsenwert aufgeholt. Dahinter stecken vor allem Fortschritte in der Entwicklung von E-Autos.

Ich sehe drei Gründe, warum die Volkswagen-Aktie aktuell spannend ist:

  1. Vergleichsweise günstiges Bewertungsniveau
  2. Starker technologischer Wandel, der sowohl Herausforderungen, aber auch Chancen bietet
  3. Als einer der größten Automobilkonzerne der Welt eine starke finanzielle Position (die u.a. zu hohen Forschungsausgaben führt) und mögliche Skaleneffekte

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter Volkswagen

Das Unternehmen

Volkswagen wurde 1937 gegründet und ist bis heute mit etwa 10 Millionen produzierten Autos pro Jahr der weltgrößte Automobilhersteller neben Toyota. Dabei sind mittlerweile viele Marken unter dem VW-Dach verankert:

  • Volkswagen
  • Porsche
  • Bentley
  • Seat
  • Skoda
  • Audi
  • Bugatti
  • Lamborghini

Volkswagen erzielte zuletzt 223 Mrd. Euro Umsatz und ist aktuell 150 Mrd. Euro wert. CEO ist seit 2018 Herbert Diess.

Produkt & Geschäftsmodell

Volkswagen verkauft Autos. Simple as that.

Dazu kommt noch das Geschäft der Nutzfahrzeuge (v.a. LKWs) und Power Engineering, bspw. Großdieselmotoren.

Aktienkurs

Der Aktienkurs reicht lange zurück. Nach vielen Jahren des Anstiegs gab es vor allem 2009 und Ende 2015 große Rücksetzer. Auslöser waren die Finanzkrise und der Dieselskandal. Danach ging’s lange seitwärts, ehe die Aktie in den letzten Monaten stark aufgeholt hat und fast auf ein neues Allzeithoch geklettert ist:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Automobilhersteller
  • Marktkapitalisierung: 150 Mrd. EUR
  • Umsatz: 223 Mrd. EUR
  • Ergebnis: 11 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 14 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 0,8
  • KGV: 14
  • KGVe: 12
  • KCV: 4,7
  • PEG-Ratio: 3

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 130 %
  • Bruttomarge: 6 bis 8%
  • Nettomarge: 4 bis 6 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): -8% p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): -2% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

VW lag 2006 noch bei etwa 120 Mrd. Dollar. Bis heute, also über 15 Jahre, hat sich der Umsatz etwas mehr als verdoppelt und lag im Hochpunkt bei 280 Mrd. Dollar.

Auf der folgenden Grafik ist der Umsatz (in USD) visualisiert:

Bewegte Firmengeschichte

VW hat eine Firmengeschichte, die Bücher füllen kann. Gerade an der Börse sind einige Ereignisse besonders aufgefallen.

28. Oktober 2008: VW war kurzzeitig das teuerste Unternehmen der Welt. Denn es kam zu einem Short Squeeze: Leerverkäufer mussten Aktien zurückzahlen, die es durch Optionen von Porsche und das Land Niedersachsen kaum gab, wodurch der Preis stark stieg.

5. Januar 2009: Porsche möchte VW übernehmen und verkündet 50,76% der VW-Aktien zu besitzen. Die Übernahme scheitert aber an der Finanzierung. Danach kehrte es sich um und 2012 hat VW dann Porsche übernommen.

20. September 2015: VW gibt zu, in den USA durch Software Abgastests manipuliert zu haben. Nur an diesem Tag verlor die VW-Aktie 23%. In der Folge gab es Festnahmen, Klagen, Schadensersatzzahlungen und einen Imageschaden für VW. VW beziffert die Kosten des Dieselskandals bis 2019 auf 28 Mrd. Euro.

Wie lief das erste Quartal 2021?

Insgesamt stark. Im Jahresvergleich +21% verkaufte Fahrzeuge, +13% Umsatz. Der operative Cashflow ist von 1,5 Mrd. auf knapp 9 Mrd. Euro gestiegen.

Die Treiber dafür waren laut VW vor allem gestiegene Nachfrage in der Region Asien-Pazifik, verstärkte E-Auto Nachfrage und dass der Vorjahreswert pandemiebedingt niedriger war.

Wie verdient VW aktuell Geld?

Die Absatzzahlen nach Segment:

  • 2020: 9,1 Mio. PKW, 0,2 Mio. Nutzfahrzeuge
  • 2019: 10,7 Mio. PW, 0,24 Mio. Nutzfahrzeuge

Den PKW-Marktanteil beziffert VW damit konstant auf ca. 13 Prozent.

2020 wurden 230.000 vollelektrische Fahrzeuge verkauft. Das entspricht einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Tesla lag 2020 bei ca. 500.000 verkauften Autos.

Das Volumen von Tesla lag in Q1 2021 bei 185.000 ausgelieferten Autos, was +110% ggü. dem Vorjahresquartal sind. Volkswagen hat in Q1 2021 insgesamt 2,4 Mio. Autos ausgeliefert, was +21% über dem Vorjahresquartal liegt. Rein elektrische Autos sind 60.000 ausgeliefert worden, also nur ein Drittel von dem, was Tesla ausgeliefert hat, und entspricht +78% ggü. dem Vorjahresquartal.

Also sehen wir: VW hat insgesamt mehr als das 10-fache Volumen, allerdings ist Tesla bei Elektroautos deutlich vorne und hatte sogar im letzten Quartal im prozentualen Wachstum noch die Nase vorn.

Die wichtigste Region ist schon jetzt der asiatisch-pazifische Raum, der 2020 fast für die Hälfte des Konzernabsatzes verantwortlich war. Danach kommt Europa. Die relevanteste Marke im VW-Konzern ist Volkswagen selbst, danach kommen Audi und Skoda.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab?

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Es gibt quasi keine wiederkehrenden Umsätze, auch wenn es Gedankenspiele gibt für einige Fahrservices (bspw. autonomes Fahren oder Entertainment bei Ladezeiten) Gebühren zu verlangen, sodass auch nach dem Kauf noch Umsatz erzielt wird.

Netzwerkeffekte

Je mehr Nutzer es gibt, desto besser wird die Ladeinfrastruktur, desto mehr Nutzer gibt es wiederum etc. Es gibt daher Netzwerkeffekte bei der Elektromobilität, die aber weniger speziell für VW gelten. Die eigenen Netzwerkeffekte sind daher gering.

Skaleneffekte (Economies of Scale)

Als größter Automobilhersteller genießt Volkswagen Skaleneffekte: Zum einen im Materialeinkauf, zum anderen beim Entwickeln von Software und Ladeinfrastruktur, also Aspekte der Elektromobilität, die immer wichtiger werden. Ob Software für 10 oder 10 Mio. Autos gebaut wird, ist egal, senkt für VW die anteiligen Kosten aber deutlich.

Proprietäre Technologie

VW hat mittlerweile eigene Technologie (sowohl Software als auch Batterietechnologie), die allerdings noch nicht auf dem Stand ist wie bspw. bei Tesla. Teslas Software ist umfangreicher, funktioniert noch besser und auch die Reichweiten sind höher. Tesla besitzt darüber hinaus das wohl beste Netz an Ladeinfrastruktur. Technologisch holt VW auf, ist aber hier noch deutlich im Nachteil.

Marke (Branding)

Volkswagen hat eine lang etablierte Marke, die durch die Skandale der letzten Jahre allerdings einige Kratzer bekommen hat. Das betrifft aber nur die Marke Volkswagen und längst nicht alle Marken des Konzerns. Insgesamt sind die Marken im VW-Konzern recht stark (v.a. Porsche, Lamborghini, Bentley und Audi) und bieten ein Differenzierungsmerkmal gegenüber neueren Automobilherstellern.

Geschäftsmodell-Bewertung: 13 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: Volkswagen | Aktien: Volkswagen

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #5: Wir schätzen die Gesetze der Finanzmärkte.

Die Finanzmärkte sind gut untersucht und haben einige fundamentale Gesetze, die wie die Schwerkraft auf Materie wirken. Es sind Gesetze, die Aktienkurse und Aktienmärkte langfristig bestimmen und durch die wir "das große Ganze" verstehen. Wer die Gesetze der Finanzmärkte nicht kennt, erfährst sie in dieser Videoserie.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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