von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 1. Juni 2023

Der Payment-Markt digitalisiert sich immer weiter. Die bargeldlosen Zahlungen haben bei ohnehin schon stetigem Wachstum durch die Coronakrise einen enormen Schub bekommen.

Visa ist dabei weltweit das größte Zahlungsnetzwerk hinter Kredit- und Debitkarten, ist selbst aber nicht der Herausgeber dieser Karten. Die Monetarisierung funktioniert dabei auf unterschiedliche Wege - welche das sind, zeige ich dir in dieser Analyse.

Visa als Unternehmen besticht dabei durch hohe Gewinnmargen, ein starkes Wachstum und befindet sich nach eigenen Aussagen gerade am "vierten Wendepunkt" der eigenen jahrzehntelangen Historie.

  • 💰 Profitabilität ohne Ende: Die Nettomarge liegt bei 51%, die operative Marge ist seit 10 Jahren nicht unter 60% gefallen. Es scheint nichts zu geben, was die Profitabilität von Visa erschüttern kann.
  • 🏦 Weltweit größtes Payment-Netzwerk: Visa und Mastercard sind quasi ein Duopol, das den globalen Zahlungsverkehr steuert. Niemand, der in großer Skalierung Zahlungen abwickeln möchte, kommt an diesen vorbei.
  • 📈 Rückenwind: Auch jetzt ist Visa noch mit 11% im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, stärker bereinigt sogar um 18%. Zum Vergleich: PayPal lag zuletzt bei nur 7%. Visa klingt langweilig, schlägt aber viele jüngere Konkurrenten.
  • ⚠️ Premium-Bewertung: Visa ist ein Qualitätsunternehmen, das allerdings nicht günstig zu haben ist. Das KGV liegt bei 30. Ist das gerechtfertigt?

Du erfährst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Aktie überbewertet ist oder man die Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell wirklich? Gibt es einen dauerhaft beständigen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich Erträge und Profitabilität?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus?
  • Gegenüberstellung der Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der Investorenpräsentation, den letzten Earnings Calls, Einschätzungen von Marktexperten, Interviews der Führungsebene und mehr. Viel Spaß!

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Überblick & Investment-These

Visa ist ein Zahlungsanbieter aus den USA, der 1970 gegründet wurde. Visa ist vor allem als Anbieter von Zahlungskarten, u.a. Kreditkarten, bekannt. Konkurrenten sind u.a. Mastercard und American Express.

Damit ist Visa eines der zentralen Netzwerke, das dafür zuständig ist, dass wir weltweit elektronisch Geld hin und her bewegen können. Viele Zahlungsprozesse laufen mehr oder weniger offensichtlich durch die Systeme von Visa, welches sich dafür einen ganz kleinen Anteil herausnimmt, der sich in Summe zu einem ansehnlichen Umsatz aufsummiert.

Visa ist heute 450 Mrd. US-Dollar wert, erzielt einen Umsatz von ca. 30 Mrd. USD und dabei einen Gewinn von 15 Mrd. USD.

Der Aktienkurs hat sich solide entwickelt, ohne große Sprünge nach oben oder große Abstürze nach unten. Auffällig ist, wie stark der Aktienkurs mit dem vom etwas kleineren Konkurrenten Mastercard korreliert.

Investment-These

Visa wächst seit Jahren solide im Zehner-Prozentbereich, ist hochprofitabel und profitiert auch weiterhin vom Wandel zu digitaler Zahlungsabwicklung. Es ist eine starke Qualitätsaktie, die selbst höhere Bewertungen rechtfertigt.

Geschäftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Geschäftsmodell

Visa vergibt Lizenzen an Banken für die Ausgabe ihrer Karten (Issuing-Lizenzen) und die Abrechnung von Vertragsunternehmen (Acquiring-Lizenzen).

Das heißt: Visa gibt die Karten nicht selbst heraus, sondern baut die Infrastruktur und die Marke dafür. Die Karten werden offiziell von den jeweiligen Banken und Partnern herausgegeben. Im Geschäftsbericht '22 heißt es:

Visa is not a financial institution. We do not issue cards, extend credit or set rates and fees for account holders of Visa products nor do we earn revenues from, or bear credit risk with respect to, any of these activities.

Ein konkretes Beispiel der beteiligten Parteien, wenn ein Privatkunde etwas von einem Unternehmen kauft und die Zahlung von Visa abgewickelt wird, gehört zum Kerngeschäft.

Der Merchant (das Unternehmen, dass das Produkt verkauft hat und das Geld am Ende erhalten soll) gibt die Daten zum Acquirer, was üblicherweise eine Bank ist. Der Acquirer zeigt die Transaktionsdaten dann Visa, welche sich an den Issuer wenden, also das Unternehmen, das die Visa-Karte aufgelegt hat. Dabei wird geprüft, ob genug Geld vorhanden ist. Wenn das soweit stimmt, wird das Geld vom Kunden eingezogen und an den Acquirer weitergeleitet, der es an das verkaufende Unternehmen (Merchant) weiterleitet.

Natürlich nimmt jede Stelle in dieser Kette sich einen kleinen Prozent- oder Promillesatz an der Summe als Gebühr ab, so auch Visa.

Visa teilt den Umsatz in unterschiedliche Quellen auf:

  • Service: Die Gebühr dafür, dass eine Zahlung angenommen und übermittelt wird
  • Data Processing: Gebühren für weitere Services in der Wertschöpfungskette, bspw. die Authorisierung, Clearing, Settlement, die Value Added Services, Netzwerkzugang und andere Wartungs- und Supportdienste
  • International Transaction: Länderübergreifende Geldtransfers
  • Sonstige

Im Kern steht damit die Payment-Infrastruktur. Dazu kommen neue Dienste, die das Bezahlen für Konsumenten vereinfachen, neue Zahlungsflüsse abzubilden und weitere Payment-Services anzubieten. Darauf schauen wir gleich im Strategie-Teil genauer.

Marktanalyse & Konkurrenz

Der Markt, in dem Visa sich befindet, ist im Grunde ein Duopol, das es zusammen mit Mastercard anführt. Vieles von dem, was für Visa gilt, gilt auch für Mastercard. Die Unterschiede sind geringfügig.

American Express ist auch ein Zahlungsnetzwerk, gibt aber ebenfalls Kreditkarten als Issuer heraus. Es ist somit in der Wertschöpfungskette breiter als Visa, hat dadurch aber auch ein deutlich kleineres Zahlungsnetzwerk.

Banken, FinTechs und auch die Big Tech Unternehmen nutzen die Technologie und das Netzwerk von Visa und Mastercard, um ihre eigenen Zahlungslösungen (Apple Pay, Google Pay) aufzubauen und in die eigenen Produkte zu integrieren. Im Hintergrund wird die Zahlungsabwicklung von Visa oder Mastercard abgewickelt.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Dadurch, dass Visa weltweit für Zahlungen integriert ist, verdient es Geld, solange irgendwo etwas umgesetzt wird. Das ist kein klassisches Abo-Modell, aber in meinen Augen fast genauso planbarer Umsatz. Dadurch, dass Visa technisch integriert ist und Karten ausgestellt sind, gibt es auch mehrjährige Lock-In Effekte.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Der größte Burggraben ist das Netzwerk. Einerseits die Kunden, die Visa-Karten besitzen, andererseits Verkäufer, Unternehmen und Banken auf der ganzen Welt, die Visa anbieten und integriert haben.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Visa ist das größte Payment-Netzwerk der Welt, auch die Margen zeigen die Skaleneffekte.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Die technologische Kunst ist das schnelle, sichere Durchführen von unzähligen Transaktionen pro Sekunde auf der ganzen Welt. Darin sind Visa und Mastercard ungeschlagen gut, auch wenn ich nicht glaube, dass darin das große Alleinstellungsmerkmal besteht.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Die Marke gilt als eine der stärksten der Welt. Jeder kennt Visa und verbindet es mit Kreditkarten. Auch hier sehe ich nicht den stärksten Teil des Burggrabens.


Geschäftsmodell-Bewertung: 21 / 25

Zahlencheck

Ertragsentwicklung & Wachstum

Das Umsatzwachstum lag über die letzten 10 Jahre im Durchschnitt bei 11% p.a.

Im letzten Quartal, Q2 '23, lag das Umsatzwachstum ebenfalls bei 11% YoY. Bei konstanten Wechselkursen lag das Wachstum bei 13%, würde man den Effekt durch das wegfallende Russland-Geschäft auch noch herausrechnen, wären es 18%. Das macht die Wachstumsraten noch stärker.

Darin sind womöglich auch leichte Nachholeffekte inkludiert. 2021, zu Hochzeiten der Pandemie, ist der Umsatz zeitweise zurückgegangen, hat sich danach aber umso stärker erholt und ist wieder auf den bisherigen Wachstumspfad zurückgekehrt.

per Klick kommst du zum interaktiven Chart bei meinem Partner aktien.guide

Visa teilt die Transaktionen einerseits nach "Payments" und "Processed" auf. Nicht alle Zahlungen, die für die Visa-Karten verwendet werden, werden auch von Visa verarbeitet. Andererseits wird nach "Credit" und "Debit" aufgeteilt, also zwei unterschiedlichen Karten, wo bei der Debitkarte eine Zahlung direkt auch verbucht bzw. vom Konto abgezogen wird.

Die Zahlungsflüsse, die länderübergreifend stattfinden, sind überproportional gewachsen. Das sind tendenziell Bereiche, die etwas teurer und für Visa möglicherweise etwas profitabler sind.

Profitabilität

In den letzten 10 Jahren lag die operative Marge immer zwischen 61 und 68%. Die Nettomarge liegt im langfristigen Durchschnitt bei 50%. Über die letzten 12 Monaten lag die operative Marge bei 67%, die Nettomarge bei 51%.

Das ist wahnsinnig stark. Wenige Unternehmen haben eine so hohe Marge, die dazu mit enormer Konstanz erreicht wird.

Visa gibt auch bereinigte ("adjusted") Kennzahlen heraus, die ich immer wieder kritisiere, da sie mehr beschönigen als bereinigen. Hier ist das nicht der Fall: Offizielle und bereinigte Zahlen sind ziemlich ähnlich und es werden dort tatsächlich nur kleinere Sondereffekte geglättet.

Kapitalmanagement

Visa zahlt regelmäßig Dividenden und kauft eigene Aktien zurück.

  • 2019: 8,6 Mrd. $ Rückkäufe + 2,3 Mrd. $ Dividenden
  • 2020: 8,1 Mrd. $ Rückkäufe + 2,7 Mrd. $ Dividenden
  • 2021: 8,7 Mrd. $ Rückkäufe + 2,8 Mrd. $ Dividenden
  • 2022: 11,6 Mrd. $ Rückkäufe + 3,2 Mrd. $ Dividenden

Pro Jahr wurden also ca. 11 - 15 Mrd. Dollar an Aktionäre zurückgeführt, der Schuldenstand war mittelfristig konstant. Das entspricht in den jeweiligen Jahren etwa 90 - 105% des Gewinns. Beim aktuellen Börsenwert von 450 Mrd. Dollar entspricht das knapp 3% pro Jahr.

In diesem Jahr geht es ähnlich weiter: Bisher wurden 1,9 Mrd. Dollar als Dividende und 5,3 Mrd. als Aktienrückkauf ausgezahlt. Das entspricht 95% vom Free Cashflow von 7,6 Mrd. Dollar im gleichen Zeitraum.

Factsheet

Factsheet

TTM (= letzte 12 Monate). 5J = 5-Jahres-Durchschnitt. 'e' = erwartet. 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Payment
  • Marktkapitalisierung: 453 Mrd. USD
  • Enterprise Value: 456 Mrd. USD
  • Dividendenrendite: 0,7 % p.a.

Erträge

  • Umsatz:  31 Mrd. USD
  • Ergebnis: 15,5 Mrd. USD
  • Operatives Ergebnis: 20,8 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 18,2 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 15
  • KGV: 30
  • KGVe: 26
  • KCV: 25

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 80%
  • Operative Marge: 67% (5J: 66%)
  • Nettomarge: 51% (5J: 50%)
  • Umsatzwachstum: 11% YoY im letzten Quartal, 15% p.a. (TTM), 11% p.a. (10J)

Zukunft & Strategie

In dieser Investorenpräsentation von 2020, die bisher letzte, finden sich einige spannende Anhaltspunkte zu den Aktivitäten und strategischen Zielen von Visa.

Visas Strategie

Visa selbst spricht von vier Wendepunkten in der eigenen Historie seit den 60er-Jahren: Die Öffnung des Netzwerks, der Plattform als Service, Etablierung des Online-Handels und (der nun bevorstehende Wendepunkt) Geldflüsse von jedem Ort, Gerät und Nutzer an jeden anderen.

Konkret sieht Visa zwei strategische Punkte:

  1. Wachstum beschleunigen: Umsätze steigern und breiter aufstellen bei Konsumenten, neue Zahlungsströme erobern und Zusatzleistungen anbieten.
  2. Fundament stärken: Die starke Markenwahrnehmung nutzen, führende Technologie, Sicherheit und Talent.

Visa setzt also vor allem auf die weitere Verbreitung bei Konsumenten, sieht zahlreiche neue Geldflüsse zwischen allen möglichen Parteien und möchte weitere Zusatzleistungen rund um das Kernprodukt anbieten.

Teil 1: Consumer Payments

Im Bereich "Consumer Payments" sieht Visa fünf Chancen: Weiter Anteile am Zahlungsverkehr gewinnen, vom Shift von physischen zu digitalen Bestellungen profitieren, sich bei der nächsten Generation an Kartenherausgebern (FinTechs, Neobanken, digitale Plattformen) positionieren, gesunkene Kosten durch gestiegene Akzeptanz und Digitalisierung des Zahlungsverkehrs von staatlichen Institutionen.

Gerade der zweite Punkt dieser Liste ist spannend: Immer mehr Zahlungen werden digital aufgegeben, laut Visa zuletzt 14 % mit steigender Tendenz. Dabei ist Visas Anteil am digitalen Zahlungsverkehr deutlich höher, wodurch Visa profitiert.

Teil 2: New Flows

In alle Richtungen - B2B, B2C, C2B, G2B, G2C (auch hier erklärt) - gibt es mittlerweile zunehmend Zahlungsströme. Hier möchte Visa sich einklinken und ein "Netzwerk von Netzwerken" aufbauen, dass alle Teilnehmer am Zahlungsverkehr abbildet:

Teil 3: Value Added Services

Zusatzleistungen sind strategisch nicht besonders visionär, aber sinnvoll, um Umsätze und Margen dort zu erhöhen, wo bereits Kundenzugang besteht:

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Starke Stellung im Markt: Visa hat als Marktführer eine starke Stellung im Markt. Das zeigt auch die Platzierung in der Liste der meist bewundertsten Unternehmen der Welt von Fortune: Insgesamt liegt Visa auf Platz 36, was okay ist, in der Kategorie "Consumer Credit Card and Related Services" liegt Visa auf Platz 1. In den 9 Teilkategorien, die von Experten bewertet wurden, liegt Visa 7x auf Platz 1 und 2x auf Platz 2. 
  • Einstiegshürden als Burggraben: Der Payment-Markt ist stark reguliert und nicht einfach einzunehmen. Einige Unternehmen könnte das gelingen - mehr dazu gleich - aber die Infrastruktur, das Vertrauen und die Technologie aufzubauen, wie Visa es gemacht hat, ist enorm zeit- und kostenaufwendig. Märkte mit hohen Einstiegshürden sind anstrengend, aber umso attraktiver, wenn sie erobert wurden.
  • Enorm profitabel und wachstumsstark: Die Zahlen sprechen für sich: Solides Wachstum, positive Vorzeichen für weiteres Wachstum (dazu gleich mehr) und fantastische Gewinn- und Cashflow-Margen von über 50 %.
  • Starke Markenwahrnehmung: In der Investorenpräsentation betont Visa die starke Wahrnehmung der eigenen Marke innerhalb des eigenen Marktes. In vielen Ländern ist Visa demnach der bevorzugte Anbieter. Wenn Visa präferiert wird, sind außerdem die Ausgaben höher. Visa ist darüber hinaus ebenfalls in den Listen der wertvollsten Marken (Forbes und Brandz) zu finden.
  • Geringere Schwankungen, sowohl Beta als auch Volatilität des Aktienkurses liegen leicht unter dem Marktdurchschnitt

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Zu mächtig? Das Duopol aus Visa & Mastercard könnte Regulierung hervorrufen.
  • Konjunkturabhängigkeit: Visa hängt daran, wieviel Geld umgesetzt wird, also auch an der wirtschaftlichen Lage. Diese Abhängigkeit ist aber nicht überproportional wie bei stark zyklischen Unternehmen.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Fortführen des Wachstumskurses: Visa hat Rückenwind. Das Wachstum ist solide, die Digitalisierung und der Trend zu bargeldlosen Bezahlungen befeuert das Wachstum auch in Zukunft. Visa prophezeit durch die drei im Strategieteil beschriebenen Wachstumsfelder auch zukünftig ein zweistelliges Umsatzwachstum
  • Nachhaltiger Wachstumsschub durch Coronakrise: Corona befeuert diese Trends kurzfristig: Der Konsum verlagert sich verstärkt ins Digitale und Bargeldlose, wo Visa mehr an Zahlungen verdient, und um möglichst viele Kontakte zu vermeiden wird nun noch stärker Kartenzahlung angeboten und gefördert.
  • Tech-Giganten als Steigbügelhalter: Tech-Giganten dringen in den Markt der Zahlungsanbieter an. Das ist ein Risiko, auf das ich gleich angehe. Es ist aber auch eine Chance: Die Tech-Giganten können dafür sorgen, dass bargeldloses Zahlen - bspw. durch Smartphones, Smartwatches oder auch in WhatsApp integrierte Lösungen - noch bequemer werden. Wenn Visa sich im Hintergrund in der Abwicklung positioniert, kann auch Visa profitieren. Die Tech-Unternehmen sind damit der Türöffner zu weiteren Umsätzen für Visa.
  • FinTechs: Die Welt der Finanz-Start-Ups wächst und wandelt sich immer wieder. Bei allen Zahlungsabwicklungen, die neu gegründet werden, werden Zahlungen digital abgewickelt und dadurch spielt auch Visa eine wichtige Rolle.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Hier geht's nun viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Payment der Tech-Giganten (Apple, Google, Meta): Apple führt Apple Pay ein. Google etabliert Google Pay. Die führenden Tech-Konzerne sind enorm stark und interessiert an neuen Märkten, sodass hier Visas Margen unter Druck geraten könnten. Ich denke aber: Dieses Risiko ist da, aber begrenzt. Aktuell denke ich, dass die Chance, durch die Tech-Giganten zu profitieren, wenn diese Zahlungen über Visa abwickeln.
  • Bitcoin & Kryptowährungen: In einer Welt, in der der Bitcoin als Zahlungsmittel regieren würde, wäre Visa wohl überflüssig oder bedeutend kleiner. Ich glaube daran nicht, sehe eher eine sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit, die aber einen großen Effekt hätte.
  • Regulierung: Visa & Mastercard sind quasi ein Duopol. Das birgt das Risiko, dass sie die Preise diktieren können. Selbst wenn das nicht abgesprochen wird, könnten irgendwann Obergrenzen festgelegt werden, die die Gewinnmargen etwas einschränken oder zumindest nach oben limitieren. Ohnehin ist der Payment-Markt stärker reguliert.
  • Cyberattacke: Man stelle sich vor, Visa wird Ziel eines verheerenden und erfolgreichen Cyberangriffs. Das könnte die Reputation zerstören und viel Umsatz und Gewinn kosten. Ich habe keine Gründe anzunehmen, dass Visa gefährdeter sei als ein Konkurrent oder umgekehrt, ein kleines Risiko bleibt es aber.

Aktienbewertung & Renditeerwartung

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Berechnen wir dafür die zu erwartende Rendite. Kann ich diese hellsehen? Nein, definitiv nicht. Wir können aber das Chance-Risiko-Verhältnis auf Basis der Analyse abschätzen und in konkrete Zahlen gießen.

Dafür kalkuliere ich drei Szenarien: Ein pessimistisches, ein optimistisches und das Szenario, das ich im Mittel erwarte. Auch Ausreißer nach unten oder oben sind immer möglich.

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich im mittleren Szenario folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: 11% YoY, auch langfristig ∅ 11% p.a.
  • Management-Prognose: -
  • Analystenerwartung: +11% in 2023 und in 2024
  • Meine kurzfristige Annahme: 11% p.a.
  • Meine langfristige Annahme: 6% p.a., getrieben durch das Welt-Wirtschaftswachstum und weitere Digitalisierungseffekte

Nettomarge

Die Nettomarge liegt über die letzten 12 Monate bei 51%, in den ersten beiden Quartalen 2023 bei 53%, langfristig eher bei 50% und das ziemlich konstant. Analysten gehen eher davon aus, dass sich die Nettomarge in den nächsten Jahren Richtung 55% verbessert.  Ich nehme kurz- und langfristig vorsichtigere 51% an. 

Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGV von 30 bewertet, was etwa 50% über dem US-Durchschnitt liegt. Das KGVe liegt bei 26. Das KGV lag allerdings auch historisch größtenteils zwischen 30 und 40. Ich gehe trotzdem vorsichtiger von einem Rückgang auf ein KGV von 22 aus, was immer noch leicht über dem Marktdurchschnitt wäre.

Sonstiges

Die Ausschüttungsquote lag in den letzten Jahren bei 90 - 105% des Gewinns. Ich nehme hier 90% an.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Erklärung hier. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: V.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

↘︎
↗︎
Wachstum
kurzfristig, in % Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum
langfristig, in % Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge
kurzfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge
langfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV
langfristig Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Ich habe nicht das Gefühl, hier besonders optimistische Annahmen getroffen zu haben: Das Bewertungsniveau geht recht deutlich zurück, die Marge geht minimal auf den historischen Durchschnitt zurück, bei der Ausschüttungsquote habe ich die untere Grenze der Spanne genommen.

Die Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

25
Qualität

Profitabilität, Bilanz & Risiken

21
Geschäftsmodell

Burggraben, Alleinstellung & Preismacht

9
Wachstum

Umsatz, Gewinne & Rule of 40

7
Bewertung

KUV, KGV & weitere

62

Gesamtscore

Stark 🥳

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Pro

  • Sicheres Geschäftsmodell: Bei dieser Kontinuität und so hohen Gewinnmargen sind Verluste nahezu ausgeschlossen
  • Alle grundlegenden Treiber (Digitalisierung und bargeldloses Zahlen) stehen weiterhin auf Wachstum
  • Gut diversifiziert: Kein branchen- oder länderspezifisches Geschäftsmodell
  • Burggraben durch starke Stellung im Markt mit hohen Eintrittsbarrieren
  • Starke Kapitalrückfuhr an Aktionäre

Contra

  • Im Marktvergleich höheres Bewertungsniveau
  • Payment-Branche erlebt einige Umbrüche, die Chancen, aber auch Risiken bergen (Kryptowährungen und Blockchain, Tech-Giganten,...)

Checkliste

In jedem Fall gilt: Beachte die folgenden Punkte, bevor du diese oder eine andere Aktie kaufen solltest.

Checkliste vorm Aktienkauf (auf- und zuklappen)

Es kann viele Gründe, eine Aktie spannend zu finden und kaufen zu wollen. Vor dem Kauf gibt es eine Handvoll Fragen, die du dir stellen solltest, um Enttäuschungen und Anfängerfehler zu vermeiden:

  1. Verstehst du das Geschäftsmodell?
  2. Hast du dich mit den Risiken des Unternehmens beschäftigt?
  3. Hast du dich mit den Risiken der Aktie beschäftigt?
  4. Passt die Aktie in dein Depot? (hinsichtlich Klumpenrisiken)
  5. Verstehst du, dass es beim Investieren nie um Garantien, sondern Wahrscheinlichkeiten geht - so auch bei dieser Analyse und jedem Aktienkauf?

Ausführliches Hintergrundwissen bekommst du in der Know-How Sektion und der Academy.

Mein Fazit

Mir gefällt die Visa-Aktie sehr gut. Das Geschäftsmodell ist stark, enorm profitabel und mit einem Burggraben ausgestattet. Ich kann mir noch kein Szenario vorstellen, in welchem Visa in die Verlustzone rutschen könnte.

Die Aktie ist mit einem KGV von 30 nicht besonders günstig, aber in meinen Augen weitestgehend fair bewertet. Gerade bei der hohen Qualität, die das Unternehmen bietet, finde ich die Aktie sogar recht attraktiv bewertet: Hohe Qualität trifft hier auf solide Renditeerwartung.

Ich überlege stark, hier eine Position aufzubauen und mein Depot um eine Qualitätsaktie zu erweitern.

Tags: Visa | Aktien: Visa

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

Online-Kurs zur Aktienbewertung: Aktienbewertung-Masterclass →

Wo ich Aktien & ETFs kaufe: Meine Empfehlungen →

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #4: Wir legen mittel- und langfristig an.

Die Finanzwissenschaft weiß längst: Je mehr getradet und je öfter ins Depot geschaut wird, desto schlechter die Rendite. Market Timing, also Einschätzen kurzfristiger Marktbewegungen, funktioniert nicht und richtet mehr Schaden als Nutzen an.Langfristig anlegen ist erfolgversprechender und entspannter. Und: Es ist der einzige Anlagehorizont, der logisch zu einer fundamentalen Bewertung, an die sich der Aktienkurs mit der Zeit im Optimalfall annähert, passt.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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