von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 1. Juni 2023

Der Payment-Markt digitalisiert sich immer weiter. Die bargeldlosen Zahlungen haben bei ohnehin schon stetigem Wachstum durch die Coronakrise einen enormen Schub bekommen.

Visa ist dabei weltweit das größte Zahlungsnetzwerk hinter Kredit- und Debitkarten, ist selbst aber nicht der Herausgeber dieser Karten. Die Monetarisierung funktioniert dabei auf unterschiedliche Wege – welche das sind, zeige ich dir in dieser Analyse.

Visa als Unternehmen besticht dabei durch hohe Gewinnmargen, ein starkes Wachstum und befindet sich nach eigenen Aussagen gerade am „vierten Wendepunkt“ der eigenen jahrzehntelangen Historie.

  • 💰 Profitabilität ohne Ende: Die Nettomarge liegt bei 51%, die operative Marge ist seit 10 Jahren nicht unter 60% gefallen. Es scheint nichts zu geben, was die Profitabilität von Visa erschüttern kann.
  • 🏦 Weltweit größtes Payment-Netzwerk: Visa und Mastercard sind quasi ein Duopol, das den globalen Zahlungsverkehr steuert. Niemand, der in großer Skalierung Zahlungen abwickeln möchte, kommt an diesen vorbei.
  • 📈 Rückenwind: Auch jetzt ist Visa noch mit 11% im Vergleich zum Vorjahr gewachsen, stärker bereinigt sogar um 18%. Zum Vergleich: PayPal lag zuletzt bei nur 7%. Visa klingt langweilig, schlägt aber viele jüngere Konkurrenten.
  • ⚠️ Premium-Bewertung: Visa ist ein Qualitätsunternehmen, das allerdings nicht günstig zu haben ist. Das KGV liegt bei 30. Ist das gerechtfertigt?

Du erfährst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Aktie überbewertet ist oder man die Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell wirklich? Gibt es einen dauerhaft beständigen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich Erträge und Profitabilität?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus?
  • Gegenüberstellung der Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der Investorenpräsentation, den letzten Earnings Calls, Einschätzungen von Marktexperten, Interviews der Führungsebene und mehr. Viel Spaß!

Überblick & Investment-These

Visa ist ein Zahlungsanbieter aus den USA, der 1970 gegründet wurde. Visa ist vor allem als Anbieter von Zahlungskarten, u.a. Kreditkarten, bekannt. Konkurrenten sind u.a. Mastercard und American Express.

Damit ist Visa eines der zentralen Netzwerke, das dafür zuständig ist, dass wir weltweit elektronisch Geld hin und her bewegen können. Viele Zahlungsprozesse laufen mehr oder weniger offensichtlich durch die Systeme von Visa, welches sich dafür einen ganz kleinen Anteil herausnimmt, der sich in Summe zu einem ansehnlichen Umsatz aufsummiert.

Visa ist heute 450 Mrd. US-Dollar wert, erzielt einen Umsatz von ca. 30 Mrd. USD und dabei einen Gewinn von 15 Mrd. USD.

Der Aktienkurs hat sich solide entwickelt, ohne große Sprünge nach oben oder große Abstürze nach unten. Auffällig ist, wie stark der Aktienkurs mit dem vom etwas kleineren Konkurrenten Mastercard korreliert.

Investment-These

Visa wächst seit Jahren solide im Zehner-Prozentbereich, ist hochprofitabel und profitiert auch weiterhin vom Wandel zu digitaler Zahlungsabwicklung. Es ist eine starke Qualitätsaktie, die selbst höhere Bewertungen rechtfertigt.

Geschäftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Geschäftsmodell

Visa vergibt Lizenzen an Banken für die Ausgabe ihrer Karten (Issuing-Lizenzen) und die Abrechnung von Vertragsunternehmen (Acquiring-Lizenzen).

Das heißt: Visa gibt die Karten nicht selbst heraus, sondern baut die Infrastruktur und die Marke dafür. Die Karten werden offiziell von den jeweiligen Banken und Partnern herausgegeben. Im Geschäftsbericht ’22 heißt es:

Visa is not a financial institution. We do not issue cards, extend credit or set rates and fees for account holders of Visa products nor do we earn revenues from, or bear credit risk with respect to, any of these activities.

Ein konkretes Beispiel der beteiligten Parteien, wenn ein Privatkunde etwas von einem Unternehmen kauft und die Zahlung von Visa abgewickelt wird, gehört zum Kerngeschäft.

Der Merchant (das Unternehmen, dass das Produkt verkauft hat und das Geld am Ende erhalten soll) gibt die Daten zum Acquirer, was üblicherweise eine Bank ist. Der Acquirer zeigt die Transaktionsdaten dann Visa, welche sich an den Issuer wenden, also das Unternehmen, das die Visa-Karte aufgelegt hat. Dabei wird geprüft, ob genug Geld vorhanden ist. Wenn das soweit stimmt, wird das Geld vom Kunden eingezogen und an den Acquirer weitergeleitet, der es an das verkaufende Unternehmen (Merchant) weiterleitet.

Natürlich nimmt jede Stelle in dieser Kette sich einen kleinen Prozent- oder Promillesatz an der Summe als Gebühr ab, so auch Visa.

Visa teilt den Umsatz in unterschiedliche Quellen auf:

  • Service: Die Gebühr dafür, dass eine Zahlung angenommen und übermittelt wird
  • Data Processing: Gebühren für weitere Services in der Wertschöpfungskette, bspw. die Authorisierung, Clearing, Settlement, die Value Added Services, Netzwerkzugang und andere Wartungs- und Supportdienste
  • International Transaction: Länderübergreifende Geldtransfers
  • Sonstige

Im Kern steht damit die Payment-Infrastruktur. Dazu kommen neue Dienste, die das Bezahlen für Konsumenten vereinfachen, neue Zahlungsflüsse abzubilden und weitere Payment-Services anzubieten. Darauf schauen wir gleich im Strategie-Teil genauer.

Marktanalyse & Konkurrenz

Der Markt, in dem Visa sich befindet, ist im Grunde ein Duopol, das es zusammen mit Mastercard anführt. Vieles von dem, was für Visa gilt, gilt auch für Mastercard. Die Unterschiede sind geringfügig.

American Express ist auch ein Zahlungsnetzwerk, gibt aber ebenfalls Kreditkarten als Issuer heraus. Es ist somit in der Wertschöpfungskette breiter als Visa, hat dadurch aber auch ein deutlich kleineres Zahlungsnetzwerk.

Banken, FinTechs und auch die Big Tech Unternehmen nutzen die Technologie und das Netzwerk von Visa und Mastercard, um ihre eigenen Zahlungslösungen (Apple Pay, Google Pay) aufzubauen und in die eigenen Produkte zu integrieren. Im Hintergrund wird die Zahlungsabwicklung von Visa oder Mastercard abgewickelt.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

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Tags: Visa | Aktien: Visa

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #16: Wir kennen unsere Schwächen.

Die Verhaltensökonomen wissen, wie irrational wir uns oft in unseren Finanzen und in unserer Wahrnehmung verhalten. Das Schlimmste: Die meisten "kognitiven Verzerrungen", wie Wissenschaftler sie nennen, merken wir nicht mal. Wir nutzen das Wissen der Anlegerpsychologie, beobachten und reflektieren uns selbst, um uns vor Fehlern zu bewahren.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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