von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 16. September 2022

habe ich 2020 in mein Depot aufgenommen. Die Aktie ist hochprofitabel, wächst konstant und hat ein zukunftsgerichtetes Geschäftsmodell, wie die Analyse zeigt.

In 2021 ist die Aktie stark gestiegen, dann allerdings mit dem allgemeinen Marktdruck gefallen. Nun wurden am 15. September neue Quartalsergebnisse veröffentlicht und eine 20 Mrd. Dollar schwere Akquisition von Figma. Die Reaktion vom Markt: -16%, knapp 30 Mrd. Dollar verlorener Börsenwert.

In diesem Kurzupdate möchte ich diese neuesten Ereignisse einordnen. Für ein tiefes Verständnis des Geschäftsmodells sowie der Risiken und Chancen von Adobe empfehle ich dir die komplette Adobe Aktienanalyse.

Zahlen aus Q3 '22 im Check

Die Zahlen von Adobe wurden weitestgehend so erwartet. Durch das Abo-Geschäft sind die Erträge recht stabil und damit besser prognostizierbar. Die Zahlen gegenüber dem Vorjahresquartal:

  • Umsatzwachstum: +13% (währungsbereinigt 15%)
  • Operatives Ergebnis: +3%
  • Nettoergebnis: -6%

Der Umsatz wächst langsamer als im Vorjahr, aber er wächst noch. Mit 13% liegt die Wachstumsrate exakt auf der letzten Erwartung im Renditerechner. Wie bei vielen anderen Unternehmen sind die Kosten etwas gestiegen, weshalb die Nettomarge leicht zurückgegangen ist.

Nach wie vor ist die Profitabilität enorm hoch. Die operative Marge liegt bei 33%, die Nettomarge bei 26%. Vor einem Jahr lag die Nettomarge noch bei 37%. Vor einem Jahr hat die Pandemie für Sonderkonjunktur gesorgt, nun dämpfen Rezession und Inflation die Margen.

Insgesamt finde ich die Zahlen erwartbar und gut. Auch Analysten scheinen das so zu sehen. Der Grund für den Kurssturz liegt demnach woanders: In der Figma-Akquisition.

Figma-Akquisition: Ein Fehler?

Figma ist ein Software-Unternehmen, das es Teams ermöglicht kollaborativ an Entwürfen und Designs zu arbeiten. Adobe legt nun 20 Mrd. Dollar auf den Tisch um Figma zu kaufen. Gezahlt wird mit Cash und in eigenen Aktien, der Deal soll 2023 über die Bühne gehen.

Der Preis erstaunt mich. Angeblich hat Figma im Juni 2021 eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, wo es mit 10 Mrd. Dollar bewertet wurde. Seitdem sind Bewertungen im Markt tendenziell gefallen, Adobe zahlt nun aber den doppelten Preis.

Im Earnings Call wurden die Zahlen von Figma geteilt:

Figma is expected to add approximately $200 million in net new ARR this year, surpassing $400 million in total ARR exiting 2022, with greater than 150 percent net dollar retention rate. With a total addressable market of ~$16.5 billion by 2025, Figma is just getting started.

400 Mio. Dollar an jährlichen Umsätzen bedeuten: Adobe zahlt etwa das 50-fache des jährlichen Umsatzes. Solche Bewertungsniveaus sieht man heute an der Börse kaum, selbst Aktien wie , oder sind "nur" im Bereich 20+, einzig ist da konkurrenzfähig.

Immerhin: Sigma scheint den Umsatz in diesem Jahr zu verdoppeln, kaum eines der genannten Unternehmen wächst so stark. Die Bruttomarge liegt bei ~90%, der operative Cashflow ist positiv.

Trotzdem wird klar, dass die Börse den Preis zu hoch findet.

Warum es strategisch sinnvoll ist

Figma gilt als sehr beliebtes Produkt, das eine breite Kundenbasis hat und teilweise auch eine Alternative zu Adobe-Produkten aus der Creative Suite darstellt.

Strategisch finde ich den Kauf durchaus sinnvoll. Es wird Synergien zwischen den Produkten geben und Adobe hat einen Konkurrenten weniger, der das Imperium angreifen könnte. Viele Kriterien werden erfüllt und es gab zumindest einige Akquisitionen in der Geschichte, die teuer erschienen, durch Synergien aber enorm wertstiftend waren (Instagram, YouTube,...).

Amal Dorai hat selbst ein Kollaborations-Tool für Office entwickelt und an Microsoft verkauft. Er sagt: Es ist ein kluger Schachzug von Adobe, da Adobe selbst es nie geschafft hätte, aus den eigenen Software-Applikationen ein kollaboratives Multi-User-Tool zu machen.

Die Gründe sind vielfältig und technischer Natur. Demnach basieren beide auf einer völlig unterschiedlichen Architektur. Herkömmliche Software basiert auf speicherbaren Dateien mit spezifischer Endung (.psd für Photoshop). Wenn mehrere Nutzer gleichzeitig daran arbeiten funktioniert das Dateien-Konzept nicht. Der Zugang muss jederzeit online, für alle zugänglich und änderbar sein.

Weitere Probleme, die er anspricht: Enorm schwierige Rückwärtskompatibilität für ältere Versionen, wenn neuere technisch umgestellt werden. Je nach Arbeitsweise (alleine an Datei vs. zusammen online) unterscheiden sich die angebotenen Features. Möglicherweise verprellte Kundengruppen, die den Umbrauch nicht mögen.

Er fasst zusammen, dass es klüger ist solche Tools auf Figma aufzusetzen, statt Adobes Architektur umzubauen:

In short, Adobe would have never caught up to Figma. It's genuinely easier and cheaper for them to use Figma's architecture to rebuild all of their existing applications than to try to make any of their existing apps as delightfully multiplayer as Figma.

Chancen

  • Strategische Synergien durch moderne, kollaborative Software-Architektur
  • Austausch von Kunden, Bündelung von Produkten und Marketing
  • Eigenständiges wachsendes und Cashflow-positives Geschäft
  • Ein Konkurrent weniger

Risiken

  • Viele Akquisitionen sind in Praxis schwieriger als in Theorie
  • Überdurchschnittlich hoher Kaufpreis
  • Wenn Deal noch scheitert, würde Adobe einen Konkurrenten stark gemacht, dabei Geld & Zeit verloren haben

Kritik an Adobe

Eine Aufgabe des Managements ist die kluge Verwendung des Gewinns. Das macht in meinen Augen gut (Aktienrückkäufe nach besonders erfolgreichem Jahr, wenn Kurs gefallen ist), eher schlecht (Akquisitionen und Aktienrückkäufe bei Höchstkursen).

Adobe hat, wie in der Analyse gezeigt, immer wieder andere Unternehmen akquiriert. Dabei ist die Erfolgshistorie von Magento (~2 Mrd. Dollar in 2018) und Marketo (~5 Mrd. Dollar in 2018) bisher überschaubar, auch wenn die Käufe zumindest strategisch zusammenpassen.

Der Kauf jetzt verdeutlicht etwas das Bild, dass Adobe bei Akquisitionen durchaus mal etwas zu viel Geld ausgibt. Um es zu verdeutlichen:

Was mache ich mit meiner Adobe-Position?

Die kurze Antwort: Nichts. Die langfristige Vision sehe ich unverändert, der Kursrückgang wäre daher für mich eher ein Nachkauf- als ein Verkaufsgrund.

Die Reaktion der Börse scheint mir übertrieben: Ja, der Preis ist auch für mich zu hoch. Aber Adobe nun mit 30 Mrd. Dollar weniger zu bewerten, wenn die Akquisition nur 20 Mrd. Dollar umfasst, ist rein rechnerisch eher eine Übertreibung. Wenn der Preis der Akquisition also zu hoch ist, ist er nun schon mehr als vollständig eingepreist.

Tags: Adobe | Aktien: Adobe

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #9: Wir schätzen Tiefe.

Wir brauchen nicht noch mehr News, Kursticker, Alertings oder Geheimtipps. Das brauchen nur Medien. Wir brauchen mehr durchdachte Informationen, fundiertes Know-how und klare Gedanken. Mehr Tiefe, weniger ablenkendes Börsengeschrei.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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