von Jannes Lorenzen 

1. Juli 2020

In der Börsenwelt hat sich einiges getan. Heute:

  • Frank Thelen und Dirk Müller im Schlagabtausch zur Crash-Glaskugel und dem Versprechen von Mr. DAX
  • Große Unternehmen boykottieren Facebook, der Aktienmarkt reagiert. Eine reale Bedrohung?
  • Der nächste Schritt Richtung Ecommerce: WhatsApp wickelt nun Zahlungen ab
  • Nikola auf der Überholspur: Entsteht hier das zweite Tesla mit deutscher Beteiligung?
  • Update von der Apple Entwicklerkonferenz und der wichtigsten Neuheit auf dieser
  • Fakt des Tages: Airpods vs. FC Bayern München

Viel Spaß!

Frank Thelen vs. Dirk Müller

Im letzten Monat kam es zu einem kleinen Schlagabtausch von zwei der populärsten Investoren in Deutschland: Tech-Investor Frank Thelen und Fondsmanager „Mr. DAX“ Dirk Müller.

Dirk Müller hat gegenüber der BILD erklärt: „Ich habe den Corona-Crash vorhergesagt.“ Diese Aussage erinnert mich an die Crash-Prognosen, die ich auch schon immer wieder kritisiert habe.

Frank Thelen sagt: „Mich ärgert es, wenn ich ‚Crash-Propheten‘ auf den Bestsellerlisten sehe. Lasst uns gerne über verschiedene Anlagestrategien, sogar kurzfristige Taktiken diskutieren, aber mit dem möglichen ‚Dax Absturz‘ Kasse zu machen und dann im eigenen Fonds nicht mal 2 Prozent Gesamtrendite in fünf Jahren…“

Worauf Thelen anspielt: Heute steht Dirk Müllers Fonds, der vor 5 Jahren für 100€ herausgegeben wurde, bei ca. 95€. Die Rendite liegt also unter dem Sparbuch, dem Tagesgeldkonto oder auch dem MSCI World, der jährlich im Durchschnitt 6,44% p.a. geliefert hat.

Die These: Der Fonds sichert sich ab und löst die Absicherungen auf, wenn es bergauf geht.

Dahinter steht die Frage: Funktioniert Market Timing? Schafft Mr. DAX das, was vor ihm keiner geschafft hat, und zwar die kurzfristigen Kursentwicklungen vorherzusehen?

Die Rendite deutet bisher nicht darauf hin. Auch das Market Timing hat eine überwältigende Mehrheit namhafter Investoren und Finanzwissenschaftler gegen sich. Und: Wer vor 5 Jahren in den DAX investiert hätte, könnte heute einen 40% Crash verkraften und läge immer noch über dem Dirk Müller Fonds. Das zeigt das Problem vieler Absicherungsstrategien.

Ob man Dirk Müller und Crash-Propheten mag, sei jedem selbst überlassen. Eine Frage, die man sich dazu aber gern stellen kann: Wieviel hat der Fondsmanager – Dirk Müller – am Fonds in den letzten 5 Jahren verdient, wieviel die Anleger?

Werbeboykott auf Facebook – eine Gefahr?

Facebook musste vor Kurzem einen Rückschlag hinnehmen: Einige große Unternehmen, darunter Coca Cola und Unilever, haben angekündigt, ihre Werbeausgeben auf Facebook temporär zu pausieren. Damit möchten sie ein Zeichen setzen, dass Facebook verantwortungsvoller mit den Inhalten auf der Plattform umgehen soll. Die Aktie hat an einem Tag knapp 10% verloren.

Dieses Risiko habe ich ebenfalls schon im Januar in der Facebook Aktienanalyse als größtes Risiko adressiert. Auch zuletzt war es ein größeres Thema, als Facebook potenziell kritische Posts von Donald Trump nicht zensieren wollte.

Möglicherweise bin ich als Aktionär von Facebook zu optimistisch, ich sehe den aktuellen Werbeboykott aber als weniger kritisch als der Markt, der das mit einem stärkeren Kursrückgang abstrafte:

Grund 1: Die 100 größten Unternehmen der Welt machen nur 20% der Werbeerlöse von Facebook aus. Bei TV-Werbung ist der Anteil der großen Unternehmen viel größer. Facebook besteht vor allem auch aus vielen kleineren Advertisern, die durch die vollautomatisierte Werbeschaltung und Ausspielung auf Facebook möglich wird. Wenn also eine Handvoll Unternehmen aus dieser Top 100 für einen Monat die Werbeausgaben stoppt, ist der erste Effekt sehr gering.

Grund 2: Die Mechanismen der Auktionen auf Facebook, die ich schon hier im Zuge der Corona-Krise beschrieben habe, durch die Facebook recht stabil blieb. Dort habe ich u.a. geschrieben:

Facebook und Google basierend auf einem Auktionssystem. Dadurch, dass vor allem Offline-Unternehmen ihre Budgets senken (Reiseunternehmen, Automobilhersteller,…), senkt das die Kosten für andere Werbetreibende. Dadurch ist es wiederum für einige Unternehmen, die jetzt profitieren (bspw. Video-Streaming Anbieter, Gaming, Ecommerce) günstiger Werbung zu schalten und Budgets werden tendenziell erhöht.

Aber: Von diesem Effekt profitiert Facebook deutlich stärker als Google. Warum?

Facebook bietet basierend auf Nutzerinteressen. Wenn einem Nutzer vorher Reiseangebote angezeigt worden wären, kann nun ein anderes Unternehmen etwas günstiger diesen Werbeplatz einnehmen und dem Nutzer Werbung anzeigen.

Auf die aktuelle Situation bezogen bedeutet das: Wenn einige Unternehmen ihre Budgets rausziehen, sind diese nicht 1:1 weg, sondern werden zu einem marginal niedrigeren Preis pro Werbeanzeige an den nächsthöchsten Bieter gehen. Dieser Mechanismus federt einen Großteil des möglichen negativen Effekts ab.

Grund 3: Facebook liefert erfahrungsgemäß starke Leistungswerte und ist mit Google die einzige Möglichkeit für große Unternehmen, relevant Sichtbarkeit online zu gewinnen. Langfristig ist es wirtschaftlich kaum vorstellbar, dass diese Unternehmen Facebook dauerhaft fern bleiben.

WhatsApp wickelt Zahlungen ab

Ein weiterer Schritt auf Facebooks Weg zum Ecommerce Giganten, den ich hier in der Aktienanalyse als größten strategischen Fokus gezeigt habe, wurde vollbracht: In Brasilien ermöglicht WhatsApp nun Zahlungsverkehr.

People will be able to send money securely or make a purchase from a local business without leaving their chat.

Und es soll nicht bei Brasilien bleiben:

Payments on WhatsApp are beginning to roll out to people across Brazil today and we look forward to bringing it to everyone as we go forward.

Schon zuletzt habe ich hier weitere Schritte in diese Richtung gezeigt: Den Instagram-Checkout, die Investition in das indische Unternehmen Jio und vor allem Facebook Shops als Integration für Partnershops.

Nikola auf der Überholspur: Das zweite Tesla?

Nikola ist vor kurzem an die Börse gegangen. Das Geschäftsmodell: Der Verkauf von Fahrzeugen, vor allem LKWs und Pick Ups, sowohl mit Wasserstoff- als auch Elektroantrieb. Unter anderem Bosch ist Zulieferer. Der CEO tritt in Interviews selbstbewusst auf.

Eine Geschichte, die zieht: Nikola ist über 20 Mrd. US-Dollar wert, obwohl quasi noch keine nennenswerte Umsätze erzielt wurden.

Es liegen zwar schon 10 Mrd. US-Dollar an potentiellen Vorbestellungen vor – hier wird eine Vorbestellung aber schon durch das Eintragen einer E-Mail Adresse als solche gewertet.

Interessant als Unternehmen, in meinen Augen uninteressant als Aktie: Wenn so ein Unternehmen schon mit etwa 66% der Marktkapitalisierung von Daimler bewertet wird, ist das für mich zu viel Kursfantasie.

Apples Entwicklerkonferenz: Ein Ausrufezeichen

Apple hat auf der Entwicklerkonferenz einige spannende Neuheiten verkündet, die für viel Aufmerksamkeit gesorgt haben. Eine gute Aufbereitung findest du hier und in folgendem Video, abseits aller wirtschaftlicher Auswirkungen:

Kurz zusammengefasst:

  • Update des mobilen Betriebssystem auf iOS 14 und iPadOS14
  • Die Apple Watch erkennt „Hände waschen“ und misst die Zeit und kann den Schlaf besser tracken
  • Das Mac-Betriebssystem bekommt eine Überarbeitung, unter anderem soll Safari als Browser bis zu 50% schneller als Chrome sein und einen höheren Datenschutz bieten (ein Trend, der sich schon vorher angekündigt hat)
  • Airpods können Raumklang wiedergeben, je nach Position im Raum
  • Das iPhone kann als Autoschlüssel verwendet werden. Das funktioniert bisher nur mit der neuen 5er-Reihe von BMW
  • Das vielleicht größte Update: Apple verabschiedet sich von Intel-Prozessoren in den Mac-Produkten (MacBook & iMac) und setzt auf Eigenproduktion, wie schon im iPad und im iPhone. Das Ziel: Höhere Margen und mehr Unabhängigkeit.

Fakt des Tages: Verlorene Airpods > FC Bayern München

Die Airpods sind die drahtlosen Kopfhörer von Apple. Die Stärke dieses Segments habe ich bereits in der Apple Aktienanalyse dargelegt.

Apple erlöst damit schätzungsweise 700 Mio. US-Dollar im Jahr – aber nur mit den verlorenen Airpods, die nachgekauft werden. Das entspricht etwa dem kompletten Jahresumsatz des FC Bayern München (750 Mio. Euro). Wow.


Das war es mit dem heutigen Update. Falls du dazu Anmerkungen oder Vorschläge für das nächste StrategyInvest Update hast, lass es mich gern in den Kommentaren wissen. Vielen Dank fürs Lesen und für deine Unterstützung!

Dieses Thema wurde außerdem schon hier behandelt:

Neueste Beiträge:

Lass deine Meinung da!

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. * Pflichtfelder

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}