von Jannes Lorenzen 

23. August 2020

Vor einigen Wochen habe ich mir das Geschäftsmodell von Uber bereits angeschaut und dir die Analyse vorgestellt. Seitdem hat mich das Unternehmen nicht losgelassen und im Quartalsbericht Q2 2020 interessante Einblicke offenbart. Deshalb folgt heute die Aktienanalyse – mit einer für mich überraschenden Erkenntnis.

Uber hat das Taxigeschäft revolutioniert: Es ist heute der größte Vermittler von Fahrten und damit eines der zentralen Unternehmen der neuen Mobilität.

Trotz des großen Einflusses von Uber hat das Unternehmen einen schwierigen Stand: Die Taxibranche beschwert sich weltweit, Gesetze und Regulierungen bremsen neue Mobilitätslösungen aus (auch in Deutschland), das Unternehmen verliert viel Geld und der Aktienkurs liegt heute ca. 30 % unter Ausgabepreis im Mai 2019.

Grund genug, dass wir uns die Uber Aktie (anknüpfend an diesen Business Breakdown) genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • Wie gut steht das Unternehmen wirtschaftlich aktuell da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell und was macht es so stark?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Scorecard: Ist die Aktie aktuell kaufenswert?

Tipp: Am Ende gibt’s die neue Bewertung in der StrategyInvest Scorecard.

Inhaltsübersicht:1. Aktienanalyse: Was macht das Unternehmen überhaupt?Hard FactsGeschäftsmodell2. Fakten und Kennzahlen zur AktieDie EckdatenBewertungQualität & Wachstum3. Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiertMechanismen des Geschäftsmodells4. Strategie & Ausblick: Das sind die WachstumspläneDas Ride- und das Eats-Segment genauer analysiert5. SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiertStärkenSchwächenChancenBedrohungenFazit: Aktie kaufen? Pro & ContraDie etwas andere Aktienbewertung – mit überraschendem ErgebnisSum-of-the-Parts Bewertung von UberDas Ergebnis: Ist Uber unterbewertet?

1. Aktienanalyse: Was macht das Unternehmen überhaupt?

Überblick

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Hard Facts

Uber wurde 2009 in den USA, im Silicon Valley, gegründet. Uber ist ein Online-Vermittlungsdienst in der Personenbeförderung. Das geschieht in unterschiedlichen Modellen, die wir uns gleich genauer anschauen.

Geschäftsmodell

Der bekannteste Teil des Konzepts: Fahrer buchen ihr Uber online per App und zahlen auch darüber. Die Fahrer sind nicht unbedingt ausgebildete Fahrer in Taxis, sondern können auch Privatpersonen in deren privaten Autos sein. Das variiert nochmal nach den Gesetzen eines Landes, weshalb Uber in Deutschland nur Fahrten an lizenzierte Mietwagenunternehmen mit profressionellen Fahrern vermitteln darf.

Uber verdient eine Provision an diesen Fahrten, die variiert, aber in der Regel bei über 25 % des Fahrpreises liegt.

Mittlerweile bietet Uber auch Essensauslieferung unter dem Namen „UberEats“ an.

Quelle: Präsentation zum Geschäftsbericht 2019

Uber musste in der Vergangenheit auch immer wieder Kritik einstecken: Die Unternehmenskultur wurde 2017 als „hemmungslos“ und als gnadenloser Konkurrenzkampf beschrieben. Andere Kritik trifft im Kern das Geschäftsmodell: Dabei bewegt sich Uber oft in einer Grauzone und versucht die Rahmenbedingungen zu umschiffen, die es als Taxiunternehmen erfüllen müsste. Wir konzentrieren uns jetzt aber auf das Geschäftsmodell, die Zahlen und Mechnismen dahinter.

Welche Vorteile bietet Uber den Kunden?

  • Geringere Wartezeit
  • Geringere Kosten
  • Höhere Transparenz zu Preisen und Zeiten
  • Einfache Zahlungsabwicklung
  • Vertrauen durch Bewertungen und geprüfte Fahrer

Welche Vorteile bietet Uber den Fahrern?

  • Zusätzliche Einkommensquelle
  • Einfache Zahlungsabwicklung
  • Dynamische Preisgestaltung durch Technologie
  • Höhere Auslastung
  • Effiziente Fahrwegplanung

2. Fakten und Kennzahlen zur Aktie

Factsheet

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Das Factsheet zur Aktie:

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Marktkapitalisierung: 53 Mrd. USD
  • Außenumsatz (Buchungsvolumen): 65 Mrd. USD
  • Umsatz: 13,7 Mrd. USD
  • Gewinn: -7 Mrd. USD
  • operativer Gewinn: -5 Mrd. USD
  • Free Cashflow: -4,9 Mrd. USD
  • Land: USA

Bewertung

  • KUV: 3,8
  • KGV: 2.600
  • KGVe: –
  • KCV: –
  • PEG-Ratio: –

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 90 %
  • Bruttomarge: 50 %
  • Nettomarge: -51 %
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 54 % p.a.
  • Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): –

Mir fallen vor allem zwei Dinge auf:

  1. Uber wächst enorm stark – im Umsatz so stark wie Tesla – und ist dafür „nur“ mit dem 3,8-fachen der Umsätze bewertet. Speziell die Bewertungskennzahlen schauen wir uns in Zukunft in der Aktienanalyse noch genauer an.
  2. Uber verliert enorm viel Geld. Auf ca. 14 Mrd. USD an Umsatz kommen ca. 24 Mrd. USD an Kosten. Auch der Free Cash Flow ist deutlich negativ.

3. Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Business Breakdown

Schauen wir einmal auf die historische Entwicklung der Ertragsseite von Uber.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich mehrere Segmente. Es ist recht spannend, sich diese nochmal genauer anzuschauen, da wir dadurch auch einen oft verbreiteten Irrtum entdecken. Uber weist insgesamt fünf Segmente im Geschäftsbericht aus:

  1. Ride: Das Hauptsegment, die Vermittlung von Fahrten. Im neuesten Quartalsbericht auch „Mobility“ genannt.
  2. Eats: Der Essenslieferdienst. Im neuesten Quartalsbericht auch „Delivery“ genannt.
  3. Freight: Die Logistiklösung von Uber.
  4. Other Bets: Das Investment-Segment. Beispielsweise Investitionen in eine E-Bike oder E-Scooter Plattform fällt hier rein.
  5. ATG and Other Technology Programs: Die Entwicklung von Technologie, vor allem um autonomes Fahren und andere Ridesharing-Technologien kommerziell anbieten zu können.

Schauen wir auf die Zahlen, die dahinter stehen.

Das Ride-Segment ist mit Abstand das umsatzstärkste. Interessant wird es jetzt, wenn wir jetzt noch auf das EBITDA, also die operativen Gewinne ohne Abschreibungen, nach Segment schauen:

Wir sehen: Das Hauptsegment, das Fahrgeschäft (Ride), ist bereits profitabel. Er wächst zudem umsatzseitig mit ca. 25 % pro Jahr, gewinnseitig wurde der Gewinn ver-5-facht, über die letzten beiden Jahre.

Die Erträge aus diesem Segment finanzieren aktuell die anderen Segmente: Vor allem die Forschung und Technologie-Entwicklung, aber auch Uber Eats.

Das heißt aber auch: Sollte Uber die Forschung einstellen, die aktuell keine signifikanten Umsätze einbringt, und das Eats-Segment einstellen oder an Konkurrenten verkaufen, wäre es vermutlich ein profitables, stark wachsendes Unternehmen, auf einem dann etwas niedrigeren Umsatzniveau.

Mechanismen des Geschäftsmodells

Es gibt drei besondere Elemente des Geschäftsmodells, die ich einmal hervorheben möchte.

#1 – Plattform

Uber ist ein Vermittler von Fahrten und damit eine Plattform. Es besitzt im Kern keine eigenen Autos (auch wenn das heute teilweise der Fall ist), sondern verdient an der Provision.

Nach der Aggregation Theory ist Uber ein Stufe 2 Aggregator: Angebot und Nachfrage können zwar deutlich stärker steigen als die Kosten, die Uber entstehen, allerdings muss Uber neue Fahrer und Autos prüfen, weshalb bei größerem Angebot auch in kleinerem Umfang zusätzliche Kosten entstehen (anders als bei Google und Facebook, die ihr Angebot nahezu unbegrenzt hochskalieren konnten).

#2 – Zweiseitige Netzwerkeffekte

Das Geschäftsmodell funktioniert vor allem bei einer großen Skalierung, da dann sowohl bei der Nachfrage, als auch im Angebot, Netzwerkeffekte eintreten, die dem Geschäftsmodell einen Burggraben verschaffen. Ohne Angebot gibt es keine Nachfrage und umgekehrt. Auf dieser Grafik habe ich den positiven Kreislauf der zweiseitigen Netzwerkeffekte visualisiert:

Je mehr Nachfrage, desto mehr Fahrer sind auf der Plattform. Dadurch steigt die Abdeckung, was (a) zu einer schnelleren Verfügbarkeit der Fahrer und (b) zu geringeren Standzeiten der Fahrer führt, was die Kosten und damit die Preise senkt. Beides führt wiederum zu einer höheren Nachfrage und befeuert diesen positiven Kreislauf.

Diese Netzwerkeffekte für das Uber Eats Segment hat Uber selbst in der neuesten Präsentation für Investoren visualisiert:

#3 – Disruption und Widerstände

Uber ist dadurch disruptiv, dass es die fragmentierte und veraltete Taxibranche auf den Kopf stellt und viele Vorteile in diesen Markt bringt. Es nimmt der Taxibranche aber auch den direkten Kundenzugang.

Diese Disruption stößt naturgemäß auf Widerstände, da sie fast immer auch Verlierer erzeigt. Vor allem die Taxibranche fürchtet den Verlust des Kundenzugangs und der Nachfrage.

Auch die Gesetzeshüter sind allerdings gefragt: Welche Gesetze gelten für Uber? Sind die Gesetze überhaupt noch zeitgemäß?

So gibt es bspw. in Deutschland die umstrittene Rückkehrpflicht, bei der Autos nach jeder Fahrt auf den Betriebssitz zurückkehren müssen. Laut Uber Deutschlandchef ist das ein Relikt vom Anfang des 20. Jahrhunderts, das eingeführt wurde, damit Menschen einen zentralen Ort haben um ein Taxi zu bekommen. Zeitgemäß ist das natürlich nicht.

4. Strategie & Ausblick: Das sind die Wachstumspläne

Strategie

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Offensichtlich ist die größte Frage bei Uber, ob, wie und wann die Profitabilität erreicht werden kann. Einige Hebel haben wir schon besprochen. Uber hat außerdem selbst einen groben Plan vorgestellt, wie die Profitabilität erreicht werden soll. 

So sah der Plan vor der Corona-Krise aus…

… und so sieht er danach in der aktuellsten Version aus:

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Tags: Uber

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