von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 1. Mai 2022

Zuletzt gab’s ein paar spannende Halbleiter-Unternehmen in der Analyse, u.a. und . Nvidia entwickelt Chips, ASML baut Maschinen zur Chip-Herstellung – aber wer stellt die Chips am Ende her?

Oft ist die Antwort hier: .

TSMC stellt Halbleiter her – und zwar so viele wie kein anderer unabhängiger Hersteller. Es ist damit ein Industrieunternehmen im Kern einer Zukunftstechnologie.

Vier spannende Punkte zur Aktie, die wir gleich vertiefen werden:

  1. 💰 Günstige Bewertung: Das KGVe liegt knapp unter 18, damit nur leicht über dem Marktdurchschnitt.
  2. 📈 Chip-Nachfrage boomt: Der weltweite Chip-Mangel treibt Margen und Nachfrage an, von der TSMC profitiert. Zuletzt ist TSMC um 36% gegenüber dem Vorjahr gewachsen.
  3. 🏆 Unabhängigkeit: TSMC ist der weltweit größte unabhängige Chiphersteller und beliefert quasi alle namhaften Tech-Unternehmen und Chip-Entwickler.
  4. 🇹🇼 Standortrisiko: Taiwan steht unter der Schirmherrschaft von China und einem rechtlich nicht ganz klaren Status. Wie groß ist dieses Risiko?

Finden wir also heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die TSMC Aktie überbewertet? Oder kann man jetzt TSMC Aktien kaufen und damit noch langfristig profitieren? Diesen Fragen werden wir uns hier nähern.

Die Analyse beruht u.a. auf folgenden Quellen & Einschätzungen:

  • Aktuellste Finanzkennzahlen bis zum letzten Quartal (Q2 ’22)
  • Geschäftsbericht, Investorenpräsentation & letzte Earnings Calls
  • Einschätzungen von Marktexperten & Investoren
  • Interviews & Aussagen der Führungsebene

Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

TSMC wurde 1987 in Taiwan gegründet. CEO seit 2013 ist C. C. Wei.

Die Unternehmensvision:

Our vision is to be the most advanced and largest technology and foundry services provider to fabless companies and IDMs, and in partnership with them, to forge a powerful competitive force in the semiconductor industry.

Produkt & Geschäftsmodell

TSMC stellt Halbleiter her. Es gilt als drittgrößter Halbleiterhersteller der Welt nach und Samsung und als der größte unabhängige Hersteller weltweit.

„Unabhängig“ deshalb, da Intel und Samsung auch für sich selbst produzieren, um die Chips in eigene Geräte und Produkte einzubauen. TSMC produziert ausschließlich für andere Unternehmen. Es ist ein eine „pure-play foundry“, also einzig und allein ein Hersteller. Zu den über 500 Kunden gehören:

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Allerdings ist auch das Bewertungsniveau, auch wenn es im Vergleich zum Markt nur leicht überdurchschnittlich ist, deutlich über der Historie von TSMC. Heute liegt es bei 21, historisch eher zwischen 13 und 19.

Zahlencheck & Business Breakdown

Ab in die Zahlen-Corner. Wie sieht das Geschäft zahlenseitig aus?

Die Zahlen von TSMC sind sehr überschaubar aufbereitet. Wenige Slides, ein paar Excel-Tabellen und Diagramme und ein einseitiger Shareholder-Letter.

Ertragsentwicklung & Wachstum

Die letzten Ergebnisse waren stark. Die Guidance wurde im Grunde überall noch übetroffen: Mehr Umsatz, höhere Bruttomarge und höhere operative Marge als erwartet.

Der Umsatz ist um 36% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Wichtig ist, dass die gelieferten Produkte („Wafer“) nur um 12,5% zugenommen haben. Das heißt: Der größere Teil des Umsatzwachstums stammt aus Preissteigerungen.

Das erklärt auch die gestiegenen Margen, da eine Preisssteigerung, der keine Kostensteigerung gegenüber steht, direkter Mehrgewinn ist.

Profitabilität

TSMC ist in allen Metriken hochprofitabel.

  • Bruttomarge: ~52%
  • Operative Marge: ~44%
  • Nettomarge: ~37% (zuletzt leicht höher)
  • Operative Cashflow Marge: ~70%
  • Free Cashflow Marge: ~22%

In den letzten 10 Jahren hat sich die EBIT-Marge bis heute positiv entwickelt, das Umsatzwachstum schwankt zwischen 0 und 40%. Auffällig ist, dass zwischen 2016 und 2020 das Wachstum sehr gering war.

Wohin gehen die Ausgaben?

2021 hat TSMC 4,5 Mrd. Dollar in Forschung & Entwicklung gesteckt. Das sind 8% am Umsatz. Die gesamten Capex, also Ausgaben für längerfristige Investitionen, liegen bei 30 Mrd. Dollar.

Umsatz nach Plattform

Der Umsatz kommt zum größten Teil aus dem HPC- (High Performance Computing) und dem Smartphone-Segment. Dabei wachsen das HPC- und das Automotive-Segment im Quartalsvergleich am stärksten. Alle anderen Segmente liegen nur bei einstelligen Wachstumsraten, was allerdings trotzdem noch okay bis gut ist, da es der Vergleich zum Vorquartal ist (nicht Vorjahr).

65% der Umsätze stammen aus Nordamerika.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: Taiwan
  • Branche: Halbleiterproduktion
  • Marktkapitalisierung: 480 Mrd. USD
  • Umsatz: 57 Mrd. USD
  • Ergebnis: 21,4 Mrd. USD
  • Operativer Cashflow: 38 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 10 Mrd. USD
  • Dividendenrendite: 2% p.a.

Bewertung

  • KUV: 8
  • KGV: 21
  • KGVe: 17
  • KCV: 13
  • PEG-Ratio: 1

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: ~55%
  • Operative Marge: ~44%
  • Nettomarge: ~40%
  • Umsatzwachstum: 36% YoY (Q1 ’22), 25% (2021)

Analyse von Geschäftsmodell, Strategie & Markt

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Marktanalyse & Konkurrenz

Wie sieht die Wertschöpfungskette der Halbleiterindustrie aus?

  • Es gibt Chip-Designer bzw. Entwickler: Diese liefern den Bauplan für Mikrochips. Dazu gehören Unternehmen wie AMD oder Nvidia, aber auch Apple und , die diese selbst in eigene Produkte integrieren.
  • Es gibt reine Chip-Hersteller. Diese kaufen Maschinen, bekommen Aufträge der Chip-Entwickler und stellen diese industriell her. Dazu gehört TSMC.
  • Es gibt Unternehmen, die sowohl designen, als auch produzieren, sogenannte IDMs (Integrated Device Manufacturers). Dazu gehören Samsung und Intel.
  • Es gibt Maschinenhersteller für die Halbleiterindustrie. Dazu gehört ASML.

Für TSMC gibt es demnach unterschiedliche Konkurrenten: Andere reine Hersteller wie Global Foundries (USA) und IDMs wie Intel und Samsung.

Burggraben

Im Vergleich zu reinen Chip-Herstellern ist das Alleinstellungsmerkmal recht begrenzt – mehr dazu gleich in der Geschäftsmodell-Bewertung.

Gegenüber den IDMs ist Unabhängigkeit ein Vorteil. AMD oder Nvidia wollen lieber TSMC beauftragen, als dass sie einem Konkurrenten wie Intel zusätzliche Umsätze und Daten geben – vorausgesetzt, TSMC ist im Angebot genauso gut.

TSMC schreibt selbst:

By choosing not to design, manufacture or market any semiconductor products under its own name, the Company ensures that it never competes with its customers.

TSMC hat den Marktanteil von 24% (2020) auf 26% (2021) steigern können. Damit ist es nach Samsung und Intel der größte Halbleiterhersteller bzw. der weltweit der größte unabhängige.

TSMC beschreibt drei komparative Vorteile, die es differenzieren sollen:

  1. Technology-Leadership
  2. Manufacturing
  3. Customer Trust

Mein Problem damit: Ich glaube, dass TSMC bei Technologie und Herstellung aktuell sehr gut ist. Ich habe aber keine Ahnung, ob die Vorteile dauerhaft bestehen werden und ich sehe keine Möglichkeit, wie ein Unternehmen sich hier dauerhaft einen Vorteil gegenüber anderen verschaffen kann.

Den Vorteil durch das Kundenvertrauen sehe ich. Es ist seit der Gründung verankert, dass TSMC nicht mit seinen Kunden konkurriert, anders als Intel oder Samsung.

Standortrisiko Taiwan?

TSMC sitzt in Taiwan. Taiwan heißt auch „Republik China“ bzw. „Republik China auf Taiwan“, es gehört also zu China. Es gibt viele Kontroversen über den rechtlichen Status von Taiwan, den aktuell allerdings China ausübt. Vor kurzem hat China Militärübungen in der Nähe von Taiwan durchgeführt.

Taiwan selbst ist hochindustrialisiert, hat etwa 23 Mio. Einwohner. Durch den rechtlichen Status von Taiwan entstehen aber Risiken für TSMC:

  • Drohen zukünftig politische und wirtschaftliche Auseinandersetungen, die TSMC in Mitleidenschaft ziehen?
  • China ist zuletzt rigoros gegen zu mächtige Tech-Unternehmen vorgegangen, hat einigen Unternehmen über Nacht das Geschäftsmodell verboten.
  • Die Halbleiterindustrie gilt zunehmend als kritische Infrastruktur. Sie könnte damit für China von besonders hohem Interesse sein, was Protektionismus gegenüber dem Westen (speziell den USA, die 65% Umsatzanteil bei TSMC ausmachen) einschließen könnte.

Schwer zu sagen, was hier passieren wird. Ich bin kein Geopolit-Experte, aus Anlegersicht würde ich aber definitiv einen Risikoaufschlag aufgrund des Standorts fordern.

Strategie & Chancen

Im Jahresbericht schreibt CEO Wei, dass er weiterhin hohes Wachstum durch 5G und Hochleistungscomputer in allen Segmenten erwartet:

We believe TSMC is entering a period of higher structural growth, as the multi-year megatrends of 5G and High Performance Computing (HPC)-related applications are expected to fuel massive demand for computation power, which expand the use of leading edge technologies. The structural increase in the long-term market demand profile will drive growth across our smartphone, HPC, IoT and Automotive platforms.

Woran TSMC arbeiten möchte:

  • Technologie für 3 Nanometer. Die Volumenproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2022 starten.
  • Technologie für 2 Nanometer. Hier ist die Forschung 2021 gestartet.
  • Internationale Märkte wie USA, Japan & China besser bedienen.

Die Kapazitäten sollen um etwa 6% pro Jahr ausgeweitet werden. Dabei soll sich die Aufteilung zugunsten der fortgeschritteneren Technologien (7 Nanometer oder weniger) verschieben.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

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Tags: TSMC | Aktien: TSMC

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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