Jannes Lorenzen

14. Februar 2021

„The Trade Desk ist ein Investment ins gesamte Internet.“

Das schreibt The Trade Desk selbst in den eigenen Investment Highlights.

The Trade Desk stellt eine Plattform für Unternehmen und Agenturen, um vor allem digitale Werbung zu buchen, auszuwerten und optimieren zu können. Es ist also die unabhängige Schnittstelle der Zukunft zwischen Werbetreibenden und Werbeplattformen (Google, Facebook, Amazon, TV und mehr).

Die Zahlen lesen sich beeindruckend: Wachstum von knapp 50% über die letzten Jahre, durchgängig profitabel seit 2013 und ein riesiger Markt vor der Brust.

Ich sehe damit vor allem drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Junges Wachstumsunternehmen (knapp +50% p.a.) in einem enorm großen und wachsenden Markt
  2. Software-Unternehmen mit potenziell hohen Gewinnmargen, das schon heute profitabel ist
  3. Geringe direkte Konkurrenz durch das Geschäftsmodell

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht, wie die Umsatzgleichung aussieht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

The Trade Desk (TTD) wurde 2009 in den USA gegründet und wird noch heute vom Gründer und CEO Jeff Green und dem Co-Gründer und CTO Dave Pickles geleitet. TTD beschäftigt 1.300+ Mitarbeiter und peilt in Kürze einen Umsatz von 1 Mrd. USD an.

CEO Green hat vorher bereits ein Online-Werbeunternehmen an Microsoft verkauft, wo er CTO Pickles kennengelernt hat, der bei Microsoft gearbeitet hat.

Um die finanziellen Meilensteine (jeweils bezogen auf das über The Trade Desk ausgegebene Werbebudget) zu verdeutlichen:

  • Mai 2011 – $.08 Day
  • 2012 – First $1M Month
  • 2014 – First $1M Day
  • 2015 – First $2M and $3M Day
  • 2016 – First $100M Month
  • 2017 – First $5M Day and $200M Month
  • 2018 – First $10M Day
  • 2019 – First $1B Quarter

Seit 2013 ist TTD außerdem profitabel.

Produkt & Geschäftsmodell

The Trade Desk ermöglicht es digitale Werbekampagnen zu buchen – datengetrieben, über unterschiedliche Werbeformate und Geräte. Damit ist TTD die größte unabhängige Plattform für digitale Werbekäufe weltweit.

TTD wird auch als „Demand Side Programmatic (DSP) advertising platform“ bezeichnet, also eine nachfrageorientierte, programmatische Werbeplattform. „Nachfrage“ bezieht sich hier auf die Nachfrage nach Werbeplätzen und „programmatisch“ bezeichnet das automatische und individualisierte Ein- und Verkaufen von Werbefläche in Echtzeit.

Die digitalen Werbekanäle werden immer komplexer. Unterschiedlichste Formate (Video, Bild, Audio, Text – und alles in unterschiedlichsten Auflösungen und Längen) treffen auf unterschiedlichste Kanäle und Anbieter (TV, Internet, Smart TV, Radio, Audio-Streaming, Video-Streaming, Kino, Print,…). TTD hilft hier den Unternehmen und Agenturen Übersicht zu verschaffen, Daten auszuwerten und zu vergleichen.

TTD schreibt selbst:

We provide a platform for ad buyers.Most buyers are ad agencies or other technology companies.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre und speziell ab Mitte 2018 ziemlich stark entwickelt:

Quartalszahlen

Übrigens: In wenigen Tagen werden die neuen Quartalszahlen von The Trade Desk veröffentlicht. Ggf. kann es da zu höheren Schwankungen kommen.

Chance

  • Junges Wachstumsunternehmen in einem enorm großen Markt, dem digitalen Werbemarkt
  • Software-Unternehmen mit potenziell hohen Gewinnmargen, das schon heute profitabel ist
  • Geringe direkte Konkurrenz durch das Geschäftsmodell

TTD selbst schreibt außerdem:

„TTD is an investment in the whole internet.“

Phase & entscheidende Fragen

The Trade Desk sehe ich zwischen Phase 1 und 2. Es ist vor allem wichtig, die Marktgröße zu sehen, die Entwicklung von TTD und wie gut TTD aufgestellt ist, um relevante Anteile am Markt gewinnen zu können.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung vom Umsatz (links) sowie dem über die Plattform investierten Volumen (rechts):

Genauer aufgeschlüsselt zeigen auch die Quartale das Wachstum, das vor allem um das Weihnachts-Quartal Q4 immer jeweils ausschlägt:

Auch die Ertragsseite sieht für ein Wachstumsunternehmen erstaunlich positiv aus. Nur ein einziges Quartal war in den letzten 6 Jahren leicht im Verlust, sonst waren alle Quartale profitabel.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

TTD verdient den Großteil der eigenen Umsätze (95%+) über sogenannte Master Service Agreements (MSA). Das sind Verträge, die TTD konstante Umsätze liefern und Kunden den kontinuierlichen Zugang zur Plattform. 

Damit einhergehend ist auch die Retention Rate, also der Anteil der Kunden, die es auch nach einem Quartal noch sind, mit über 95% sehr hoch.

Die Höhe der Gebühren orientiert sich am Werbebudget, das über TTD investiert wird, wobei es dort keine Mindestbudgets gibt.

Gemessen am Jahr 2019 betrug die durchschnittliche Gebühr ca. 20%. Sprich: Etwa ein Fünftel der Werbeausgaben bleibt bei TTD.

Darüber hinaus erzielt TTD noch einen kleinen Teil der Umsätze durch das Bereitstellen von Daten und weiteren Zusatzfeatures auf der Plattform.

Our clients are primarily the advertising agencies and other service providers for advertisers, with whom we enter into ongoing master services agreements (“MSAs”). We generate revenue by charging our clients a platform fee based on a percentage of a client’s total spend on advertising. We also generate revenue from providing data and other value-added services and platform features.

Diversifizierter Kundenstamm

Die Kunden von TTD kommen dabei aus allen möglichen Branchen, was für eine gute Diversifikation spricht. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass das Wegbrechen einiger Branchen (bspw. Touristik) sonst große Auswirkungen haben kann (was u.a. Facebook aufgrund der Werbelogik besser wegstecken konnte als Google):

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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