von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 11. Oktober 2021

Wer bei nur daran denkt, von einem Computer auf einen anderen zuzugreifen, denkt an das TeamViewer vor 10 Jahren. Heute ist TeamViewer ein deutscher Technologie-Champion, der jedes internetfähige Gerät mit jedem anderen Gerät verbinden möchte.

Es ermöglicht Einrichtung, Wartung und Überwachung und möchte der Industrie dafür alle nötigen Werkzeuge an die Hand geben, um es zeit-, kosten- und emissionssparend für Prozesse, Maschinen und Geräte umzusetzen.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 🇩🇪 Deutsches Technologie-Unternehmen, das die digitale Transformation in der Industrie vorantreibt
  2. 💰 Bei solidem Wachstum enorm profitabel: Bruttomarge > 85%, EBITDA-Marge > 45%, Cashflow-Marge > 40%
  3. 📉 Zuletzt hat die Aktie stark verloren und ist dadurch - zumindest optisch - recht günstig bewertet, weiterhin wachsend und profitabel

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Update im Oktober: TeamViewer musste zwei mal die Prognosen noch unten korrigieren und hat daher stärker verloren. Entsprechend habe ich das in die Analyse mit aufgenommen (mit "Update" markiert) und die Aktienbewertung aktualisiert.

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Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen


Das Unternehmen

TeamViewer wurde 2005 gegründet und sitzt in Deutschland, genauer gesagt in Göppingen. CEO ist Oliver Steil, der selbst einen prozentual geringen Anteil am Unternehmen hält. TeamViewer ist im MDAX notiert.

Vor kurzem hat TeamViewer für Aufsehen gesorgt, da es nun für kolportierte 50 Mio. Euro der Trikotsponsor der Fußball-Mannschaft von Manchester United ist, einem der wertvollsten Vereine der Welt.

Produkt & Geschäftsmodell

TeamViewer ist als Software gestartet, mit der aus der Ferne von einem PC auf den anderen zugegriffen werden kann, um eine Fernwartung durchzuführen oder ein Tool zu präsentieren, um es einem potenziellen Kunden zu verkaufen.

Heute ist TeamViewer mehr als das: Es will jedes Gerät mit jedem Gerät verknüpfbar, steuerbar und wartbar machen. Dazu nutzt TeamViewer moderne Technologien: Augmented Reality, Markierungen innerhalb eines Videocalls, Rechtemanagement, Protokollierung und mehr.

"Technologie intelligent nutzen, Prozesse digitalisieren, aus der Ferne arbeiten, weltweit Wissen teilen - all das sind Bausteine des digitalen Fortschritts." - TeamViewer CEO Oliver Steil

Das Diagramm zeigt, dass TeamViewer an jedem Schritt der Wertschöpfungskette in einem industriellen Fertigungsprozess unterstützt und eingesetzt werden kann:

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang 2019 recht gut entwickelt, ist aber durch die Coronapandemie weniger gestiegen als viele andere Tech-Aktien. Vor kurzem ist die Aktie stärker abgestürzt, nachdem Erwartungen zweifach gesenkt werden mussten.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Fernwartungssoftware
  • Marktkapitalisierung: 2,8 Mrd. EUR
  • Umsatz: 0,5 Mrd. EUR
  • Gewinn: 0,1 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 0,2 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 7
  • KGV: 40
  • KGVe: 32
  • KCV: 17

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 200 %
  • Bruttomarge: 85 %
  • Nettomarge: 16 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): 90 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 49 % p.a., +18% YoY im letzten Quartal

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert


Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

TeamViewer ist außerdem nach eigenen Aussagen auf über 2,5 Mrd. Geräten installiert und hat 600.000 zahlende Abonnenten aus beinahe jedem Land der Welt.

Zuletzt konnte TeamViewer YoY den Umsatz (= Billings) um +42%, EBITDA um +44% und die EBITDA-Marge um 8 Prozentpunkte auf 57% steigern.

Als führendes Technologieunternehmen bietet TeamViewer Software zur weltweiten Vernetzung von Menschen und Geräten. Die Technologie überwindet räumliche Distanz und ermöglicht eine sofortige Problemlösung aus der Ferne – in der Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette genau wie im Privatleben.

In der Coronapandemie konnte TeamViewer nach Aussagen des CEOs in den ersten Quartalen profitieren, hat dann aber aufgrund Schwierigkeiten in der Industrie etwas nachgelassen.

Schlechte News im Oktober: Q3 unter Erwartungen

Am 6.10. musste TeamViewer den Ausblick nach unten korrigieren, was die Aktie auf Talfahrt schickte. Schauen wir uns die Fakten an.

  • Der Umsatz lag im Q3 '21 um 18% höher als im Vorjahr - was mehr ist als im Q2 '21, aber unter der Prognose von mind. 20%
  • Die Adj. EBITDA-Marge liegt nur noch bei 34% für das Quartal (durch höhere Kosten und geringer als erwartet ausgefallene Umsätze), 48% für die neun Monate des bisherigen Geschäftsjahres 2021
  • NRR im Quartalsvergleich von 88% auf fast 100% verbessert, über die letzten 12 Monate liegt der Wert bei 96%
  • Das Großkundengeschäft ist langsamer gewachsen als erwartet
  • Zum Ende des Quartals hat sich das Billings-Wachstum wieder verbessert

TeamViewer nennt unterschiedliche Gegenwinde, die dazu geführt haben: Weniger Innovationsgeschwindigkeit, Großkundengeschäft-Akquise teurer als gedacht, vorgezogenes Wachstum durch Covid-Effekte, China-Programm verlangsamt sich nach vielversprechendem Start und mehr Konkurrenz im Niedrigpreissegment.

Ebenfalls spannend: TeamViewer vermutet, dass die Effekte eher dauerhaft als temporär einzuschätzen sind. Entsprechend wurde auch der langfristige Ausblick gesenkt, mehr dazu gleich.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

TeamViewer hat das Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu einem jährlichen Abo-Modell transformiert, in welchem die Produkte bereitgestellt werden.

Die Net Retention Rate liegt bei 102%, was bedeutet: Bestandskunden geben (nach Abzug der Kündigungen) mehr aus als im Vorjahr. Der Wert ist gut, aber nicht überragend.

Der Net Promoter Score (NPS) ist eine Kennzahl, die die Kundenzufriedenheit angibt. TeamViewer gibt diese anscheinend nicht aus, es gibt aber einen Indikator auf diese: Im Teil zur erfolgsabhängigen Vergütung im Geschäftsbericht ist auch der NPS als Kriterium mit einem Zielwert von 47 genannt. Da sich der heutige NPS grob dort befinden wird, ist das ein starker Wert und positiv hinsichtlich der Kundenzufriedenheit zu bewerten.

Die Umsätze stammen zum Großteil (54%) aus Europa, zu 34% aus Amerika und 12% aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Vor allem das Großkundengeschäft ist zuletzt stark gestiegen: Von 2019 auf 2020 hat es sich im Umsatz verdreifacht und macht nun 12% des Umsatzes aus.

Die meisten Mitarbeiter sind im Vertrieb tätig. Das zweitgrößte Segment ist "Forschung & Entwicklung".

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

TeamViewers Technologie-Plattform

Das Angebot von TeamViewer ist mittlerweile recht umfangreich: Die bekannte Screen Sharing Lösung ist nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten neben...

  • Chatfunktionen
  • Fernwartung
  • Meetingräume
  • Augemented Reality
  • Intelligente Vernetzung von Geräten (IoT)
  • Überwachung von Prozessen, Maschinen und Steuerungen

Standort: Göppingen, Deutschland

Der Standort ist ungewöhnlich für ein Software-Unternehmen und das Gewinnen von Entwicklern nicht das Einfachste. Aber: Der Standort Deutschland bietet Vorteile:

  1. Er bietet eine Nähe zu vielen großen Industrieunternehmen
  2. In der Industrie wird das Label "Made in Germany" geschätzt
  3. Deutschland und die EU hält Datenschutz hoch, was in einigen Anwendungsfällen von TeamViewer wichtig ist

Zusammenfassung

TeamViewer möchte jedes Gerät mit jedem anderen Gerät verbinden. Es wird dadurch vor allem in der Industrie eingesetzt. Es ist zuletzt mit über 40% gewachsen, vor allem im Großkundengeschäft, und arbeitet hoch profitabel mit einer EBITDA-Marge von >50%. Der Schwerpunkt liegt in Europa, die Umsätze sind aber weltweit verteilt. Auch die Produktpalette stützt sich mittlerweile auf viele unterschiedliche Lösungen.

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven


Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Konkurrenz & Burggraben

Am meisten wird TeamViewer mit der Videokommunikationssoftware Zoom oder dem Äquivalent von Microsoft Teams verglichen. Dahinter stecken aber unterschiedliche Geschäftsmodelle, die sich nur die Videotelefonie als Gemeinsamkeit teilen.

und Teams bieten Unternehmen und Privatpersonen eine Software, mit der sie Videocalls durchführen können. Sie sind vor allem Ersatz für Telefonanrufe und Meetings.

TeamViewer möchte jedes Gerät verbinden und viele Anwendungsfälle ermöglichen. Das hat mehr Anforderungen, die gleichzeitig einen Burggraben darstellen:

  • Zugriff und Steuerung freigeben
  • Rechtemanagement: Wer darf auf welches Gerät zugreifen und was ändern?
  • Augmented Reality Unterstützung, um die Personen (bspw. Mechaniker) am anderen Ende zu unterstützen
  • Aufzeichnungen

Ein anderer Konkurrent, der ebenfalls Teilbereiche davon abbildet, ist AnyDesk aus Stuttgart.

TeamViewers Vorteil: Es ist vergleichsweise groß, hat mehr Kapazitäten, kann durch Größe Verlässlichkeit ausstrahlen und durch die hohen Margen auch auf niedrigere Preise reagieren, ohne selbst in die Verlustzone zu rutschen.

Strategie

Teamviewer hat laut Geschäftsbericht mehrere Fokusziele:

  • Markenbekanntheit erhöhen (mehr dazu gleich).
  • Technologie rund um Augmented Reality ausbauen. Dazu wurde u.a. 2020 die Firma Ubimax übernommen. Diese Technologie soll mit KI- und IoT-Anwendungen verbunden werden.
  • Fokus auf das Großkunden-Geschäft.

Im größeren Kontext wird sie das Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien und Trends visualisiert:

Durch sechs Pfeiler soll langfristig ein Wachstum im hohen 10er-Prozentbereich entstehen.

  1. Neue innovative Lösungen, v.a. im AR-Bereich
  2. Neue strategische Partner (, Siemens Healthineers,...)
  3. Mehr Großkundengeschäft
  4. Ausbau des US-Geschäfts
  5. Markenbekanntheit (u.a. durch Trikotsponsorschaft, mehr dazu gleich)
  6. Stabil bei kleineren bis mittleren Unternehmen

Trikotsponsor bei Manchester United

Das Sponsoring bei Manchester United, einem der weltweit wertvollsten Klubs, hat bei Verkündung für Aufsehen gesorgt. An der Börse wurde der jährlich ca. 50 Mio. schwere Deal, der auf 5 Jahre angesetzt ist, eher schlecht aufgenommen.

Zur Relation: 50 Mio. Euro entsprechen ca. 10% des Umsatzes von Teamviewer.

Die Gründe dafür hat TeamViewer CEO Steil im OMR-Podcast näher erläutert:

  • Mehr internationale Markenbekanntheit, vor allem im asiatischen Raum
  • Ein größeres Sponsoring ist für ein kleineres Unternehmen interessanter, da viele kleinere Sponsorings mehr Steuerungsaufwand bedeuten
  • Branding: Dieser Deal sorgt für Aufmerksamkeit und zeigt, wie stark TeamViewer aufgestellt ist, was wiederum Mitarbeiter und Kunden anlocken soll

Mittlerweile hat auch der Wechsel von Weltfußballer Cristiano Ronaldo zu Manchester United den Wert wohl nochmal gesteigert.

Finanzielle Ziele

Heute steht TeamViewer bei knapp einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz.

Auf 2021 sollen ca. 30% dazu kommen und bis 2023 die Milliarde-Markt geknackt werden. Bis 2023 entspräche das ebenfalls einem jährlichen Wachstum von etwa 30%.

Update Oktober '21: Diese Ziele scheinen mittlerweile nicht mehr ganz erreichbar. TeamViewer hat den Ausblick angepasst und erwartet Billings zwischen 535 und 555 Mio. EUR für das Geschäftsjahr 2021. Außerdem wird eine angepasste EBITDA-Marge vzwischen 44 und 46% erwartet, vorher waren es 49 - 51%.

Langfristig peilt TeamViewer nur noch ein Wachstum im hohen 10er-Prozentbereich an, vorher waren es über 25%. Bei den Margen wird immer noch von einer Verbesserung ausgegangen.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert


Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Enorm hohe Gewinnmargen mit Bruttomarge > 85% und EBITDA-Marge > 45%
  • Standortvorteile durch Nähe zur Industrie, "made in Germany" Image und Datenschutz
  • Starkes Wachstum über die letzten Jahre
  • Lösung unterstützt bei der Reduktion von Treibhausgasen (und verhindert schon heute laut eigenen Aussagen die Ausschüttung von 37 Megatonnen), was eigene Risiken reduziert und Nutzen aus Kundensicht erhöht
  • Rule of 40 mit 88 (48% Umsatzwachstum + 40% FCF-Marge) deutlich übertroffen, was hohe Kapitaleffizienz zeigt - gilt auch noch nach der Gewinnwarnung, wenn auch weniger deutlich
  • Angepeilter NPS von 47 deutet auf hohe Kundenzufriedenheit hin

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Durch Standort möglicher Nachteil in der Gewinnung von Softwareentwicklern (was allerdings durch neue Standorte ausgeglichen werden kann)
  • Kurzfristige Gewinnwarnungen verunsichern Anleger und machen das Geschäftsmodell schwerer prognostizierbar

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Wachstum als wichtiger Begleiter in der digitalen Transformation der Industrie
  • Industrie bietet großen und weltweiten Markt, der noch großen und langfristigen Digitalisierungsbedarf hat
  • Trends zum Home-Office, Klimawandel und flächendeckende 5G-Abdeckung unterstützen das eigene Geschäftsmodell
  • KI, IoT, Robotik und Automatisierung: TeamViewer nutzt alle modernen Technologien

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

TeamViewer zeigt viele Risiken im verpflichtenden Risikobericht im letzten Jahresabschluss an:

Vieles davon sind "Standardrisiken", die fast jedes Unternehmen betreffen. Sie geben aber ein umfassendes Bild. Wenn sie auftreten, würden einige davon TeamViewer stark schaden, es gibt aber kaum eines, das aktuell große Gefahr aufs Geschäftsmodell ausübt.

Die in meinen Augen wichtigsten Risiken:

  • Software-Riesen könnten in den Markt einsteigen: Das nennt TeamViewer selbst als größtes Risiko im Punkt "Wettbewerbsumfeld". Hierzu könnte gehören, die stark bei B2B-Lösungen vertreten sind. Bisher sind hier aber noch keine Tendenzen erkennbar.
  • Teurere Investitionen in Markenbekanntheit, die sich noch beweisen müssen

Aktienbewertung: Der faire Wert der TeamViewer Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen erfährst du über diesen Link) habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Update: Zahlen und Bewertung nach der Gewinnwarnung im Oktober '21 angepasst.

#1 Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: 40 - 50% p.a. in den letzten Jahren. Das bisherige Wachstum im GJ '21 liegt deutlich darunter bei 21% währungsbereinigt.
  • Eigenes Ziel: Im Durchschnitt +30% p.a. über die nächsten 3 Jahre, wobei dieses Ziel mittlerweile nach unten korrigiert wurde. TeamViewer selbst peilt jetzt den hohen 10er-Prozentbereich an.
  • Analystenerwartung: Die Analysten erwarten +28% auf 2022 und +27% auf 2023 - diese Schätzungen sind allerdings von August und beinhalten noch nicht die jüngste Warnung von TeamViewer
  • Meine kurzfristige Annahme: Das Geschäftsmodell hat langfristig Rückenwind, aber wohl einiges an Wachstum in der Coronapandemie vorgezogen. Ich gehe daher von 17% aus.
  • Meine langfristige Annahme: +9% p.a. 

#2 Nettomarge

Die EBITDA-Marge beträgt > 50%, die Bruttomarge > 85%. Das sind enorm hohe Werte. Die Nettomarge liegt heute bei 16%, die FCF-Marge bei knapp 35%.

Aber: Die aktuellsten Quartale hatten niedrigere Margen. In GJ '21 sind es bisher 48% EBITDA-Marge. in Q3 '21 nur 34%. Prinzipiell immer noch hohe Werte, aber zumindest kurzfristig ein leicht sinkender Trend.

Andere Unternehmen mit ähnlich hohen Bruttomargen (bspw. Adobe mit 40%), erreichen auch über 30% Nettomarge. TeamViewer selbst hat 2019 27% Nettomarge erzielt, 2020 23%.

Aufgrund der kurzfristigen Gegenwinde nehme ich bei TeamViewer langfristig 25% an, halte aber auch mehr prinzipiell für möglich.

#3 Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGV von 40, einem KGVe von 35 und einem KCV von ca. 17 bewertet. Die Rückenwinde sowie die hohe Profitabilität rechtfertigen auch langfristig ein höheres Bewertungsniveau. Ich nehme hier ein KGV von 20 an.

Meine Renditeerwartung (Update: Oktober 2021)

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: TMV.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV (langfristig) Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Selbst im pessimistischeren Szenario entsteht zumindest noch eine leicht positive Rendite. Das spricht für mich für ein geringes Abwärtsrisiko, sollte sich das Geschäftsmodell nicht signifikant verschlechtern.

Die Scorecard

In der Scorecard erreicht TeamViewer durch den starken Mix aus Profitabilität, Wachstum und dem Geschäftsmodell einen Spitzenwert:

Mein Fazit inkl. Pro & Contra: TeamViewer Aktie jetzt kaufen?


Pro

  • Enorm hohe Profitabilität (Bruttomarge > 85%, EBITDA-Marge > 55%, FCF-Marge 40%)
  • Regelmäßig wiederkehrende Umsätze durch Abo-Modell
  • Kapitaleffizienz: Hohes Wachstum bei regelmäßigen Gewinnen mit hoher Marge
  • Durch Home-Office, Klimawandel und digitale Transformation viel Rückenwind
  • Zahlreiche Zukunftstechnologien gehören zum Produktportfolio

Contra

  • Relativ hohes Bewertungsniveau

Fazit

Für mich ist die TeamViewer Aktie ein klarer Kaufkandidat: Die Zahlen sind bärenstark, der Trend ungebrochen und die Bewertung zwar hoch, aber im Vergleich zu US-Tech-Unternehmen eher günstig.


Sowohl in der Gegenüberstellung der SWOT-Analyse, der kalkulierten Renditeerwartung und der Scorecard zeigt sich ein sehr positives Bild.


Natürlich bleiben Risiken: Es könnte größere Konkurrenz als jetzt geben, TeamViewer trifft operative Fehlentscheidungen oder die Industrie transformiert sich zu langsam. Unterm Strich lässt mich das Chance-Risiko-Verhältnis aber optimistisch auf TeamViewers Zukunft blicken.

Tags: Teamviewer | Aktien: TeamViewer

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #12: Wir kennen keine Garantien.

An der Börse geht's nie um Garantien, sondern um Wahrscheinlichkeiten. Erfolgreich investieren bedeutet 6 von 10 mal richtig zu liegen, nicht 10 von 10 mal. Und es bedeutet, auch mal ziemlich falsch liegen zu können, ohne, dass es die Geldanlage in Frage stellen würde.

"Wenn du gut bist, liegst du sechs von zehn Mal richtig. Du wirst nie neun von zehn Mal richtig sein." - Peter Lynch

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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