Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 11. Oktober 2021

Wer bei nur daran denkt, von einem Computer auf einen anderen zuzugreifen, denkt an das TeamViewer vor 10 Jahren. Heute ist TeamViewer ein deutscher Technologie-Champion, der jedes internetfähige Gerät mit jedem anderen Gerät verbinden möchte.

Es ermöglicht Einrichtung, Wartung und Überwachung und möchte der Industrie dafür alle nötigen Werkzeuge an die Hand geben, um es zeit-, kosten- und emissionssparend für Prozesse, Maschinen und Geräte umzusetzen.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 🇩🇪 Deutsches Technologie-Unternehmen, das die digitale Transformation in der Industrie vorantreibt
  2. 💰 Bei solidem Wachstum enorm profitabel: Bruttomarge > 85%, EBITDA-Marge > 45%, Cashflow-Marge > 40%
  3. 📉 Zuletzt hat die Aktie stark verloren und ist dadurch – zumindest optisch – recht günstig bewertet, weiterhin wachsend und profitabel

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Update im Oktober: TeamViewer musste zwei mal die Prognosen noch unten korrigieren und hat daher stärker verloren. Entsprechend habe ich das in die Analyse mit aufgenommen (mit „Update“ markiert) und die Aktienbewertung aktualisiert.

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

TeamViewer wurde 2005 gegründet und sitzt in Deutschland, genauer gesagt in Göppingen. CEO ist Oliver Steil, der selbst einen prozentual geringen Anteil am Unternehmen hält. TeamViewer ist im MDAX notiert.

Vor kurzem hat TeamViewer für Aufsehen gesorgt, da es nun für kolportierte 50 Mio. Euro der Trikotsponsor der Fußball-Mannschaft von Manchester United ist, einem der wertvollsten Vereine der Welt.

Produkt & Geschäftsmodell

TeamViewer ist als Software gestartet, mit der aus der Ferne von einem PC auf den anderen zugegriffen werden kann, um eine Fernwartung durchzuführen oder ein Tool zu präsentieren, um es einem potenziellen Kunden zu verkaufen.

Heute ist TeamViewer mehr als das: Es will jedes Gerät mit jedem Gerät verknüpfbar, steuerbar und wartbar machen. Dazu nutzt TeamViewer moderne Technologien: Augmented Reality, Markierungen innerhalb eines Videocalls, Rechtemanagement, Protokollierung und mehr.

„Technologie intelligent nutzen, Prozesse digitalisieren, aus der Ferne arbeiten, weltweit Wissen teilen – all das sind Bausteine des digitalen Fortschritts.“ – TeamViewer CEO Oliver Steil

Das Diagramm zeigt, dass TeamViewer an jedem Schritt der Wertschöpfungskette in einem industriellen Fertigungsprozess unterstützt und eingesetzt werden kann:

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang 2019 recht gut entwickelt, ist aber durch die Coronapandemie weniger gestiegen als viele andere Tech-Aktien. Vor kurzem ist die Aktie stärker abgestürzt, nachdem Erwartungen zweifach gesenkt werden mussten.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Fernwartungssoftware
  • Marktkapitalisierung: 2,8 Mrd. EUR
  • Umsatz: 0,5 Mrd. EUR
  • Gewinn: 0,1 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 0,2 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 7
  • KGV: 40
  • KGVe: 32
  • KCV: 17

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 200 %
  • Bruttomarge: 85 %
  • Nettomarge: 16 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): 90 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 49 % p.a., +18% YoY im letzten Quartal

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

TeamViewer ist außerdem nach eigenen Aussagen auf über 2,5 Mrd. Geräten installiert und hat 600.000 zahlende Abonnenten aus beinahe jedem Land der Welt.

Zuletzt konnte TeamViewer YoY den Umsatz (= Billings) um +42%, EBITDA um +44% und die EBITDA-Marge um 8 Prozentpunkte auf 57% steigern.

Als führendes Technologieunternehmen bietet TeamViewer Software zur weltweiten Vernetzung von Menschen und Geräten. Die Technologie überwindet räumliche Distanz und ermöglicht eine sofortige Problemlösung aus der Ferne – in der Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette genau wie im Privatleben.

In der Coronapandemie konnte TeamViewer nach Aussagen des CEOs in den ersten Quartalen profitieren, hat dann aber aufgrund Schwierigkeiten in der Industrie etwas nachgelassen.

Schlechte News im Oktober: Q3 unter Erwartungen

Am 6.10. musste TeamViewer den Ausblick nach unten korrigieren, was die Aktie auf Talfahrt schickte. Schauen wir uns die Fakten an.

  • Der Umsatz lag im Q3 ’21 um 18% höher als im Vorjahr – was mehr ist als im Q2 ’21, aber unter der Prognose von mind. 20%
  • Die Adj. EBITDA-Marge liegt nur noch bei 34% für das Quartal (durch höhere Kosten und geringer als erwartet ausgefallene Umsätze), 48% für die neun Monate des bisherigen Geschäftsjahres 2021
  • NRR im Quartalsvergleich von 88% auf fast 100% verbessert, über die letzten 12 Monate liegt der Wert bei 96%
  • Das Großkundengeschäft ist langsamer gewachsen als erwartet
  • Zum Ende des Quartals hat sich das Billings-Wachstum wieder verbessert

TeamViewer nennt unterschiedliche Gegenwinde, die dazu geführt haben: Weniger Innovationsgeschwindigkeit, Großkundengeschäft-Akquise teurer als gedacht, vorgezogenes Wachstum durch Covid-Effekte, China-Programm verlangsamt sich nach vielversprechendem Start und mehr Konkurrenz im Niedrigpreissegment.

Ebenfalls spannend: TeamViewer vermutet, dass die Effekte eher dauerhaft als temporär einzuschätzen sind. Entsprechend wurde auch der langfristige Ausblick gesenkt, mehr dazu gleich.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

TeamViewer hat das Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu einem jährlichen Abo-Modell transformiert, in welchem die Produkte bereitgestellt werden.

Die Net Retention Rate liegt bei 102%, was bedeutet: Bestandskunden geben (nach Abzug der Kündigungen) mehr aus als im Vorjahr. Der Wert ist gut, aber nicht überragend.

Der Net Promoter Score (NPS) ist eine Kennzahl, die die Kundenzufriedenheit angibt. TeamViewer gibt diese anscheinend nicht aus, es gibt aber einen Indikator auf diese: Im Teil zur erfolgsabhängigen Vergütung im Geschäftsbericht ist auch der NPS als Kriterium mit einem Zielwert von 47 genannt. Da sich der heutige NPS grob dort befinden wird, ist das ein starker Wert und positiv hinsichtlich der Kundenzufriedenheit zu bewerten.

Die Umsätze stammen zum Großteil (54%) aus Europa, zu 34% aus Amerika und 12% aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Vor allem das Großkundengeschäft ist zuletzt stark gestiegen: Von 2019 auf 2020 hat es sich im Umsatz verdreifacht und macht nun 12% des Umsatzes aus.

Die meisten Mitarbeiter sind im Vertrieb tätig. Das zweitgrößte Segment ist „Forschung & Entwicklung“.

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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Tags: Teamviewer | Aktien: Teamviewer

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #8: Wir diversifizieren.

Wir wissen, dass wir nicht alles wissen können. Diversifikation ist daher der beste Schutz vor zu großen Risiken. Indem wir diversifizieren schützen wir uns vor den Börsenlaunen und Extremen. Dafür setzen wir nicht nur auf einzelne Branchen, Trends oder Märkte. Wir schaffen eine breite Grundlage, nutzen dafür einzelne Aktien oder ETFs.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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