Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 2. Mai 2021

Wer bei TeamViewer nur daran denkt, von einem Computer auf einen anderen zuzugreifen, denkt an das TeamViewer vor 10 Jahren. Heute ist TeamViewer ein deutscher Technologie-Champion, der jedes internetfähige Gerät mit jedem anderen Gerät verbinden möchte.

Es ermöglicht Einrichtung, Wartung und Überwachung und möchte der Industrie dafür alle nötigen Werkzeuge an die Hand geben, um es zeit-, kosten- und emissionssparend für Prozesse, Maschinen und Geräte umzusetzen.

Ich sehe daher drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Deutsches Technologie-Unternehmen, das die digitale Transformation in der Industrie vorantreibt
  2. Trotz hohen Wachstums (+40% YoY) enorm profitabel: Bruttomarge > 85%, EBITDA-Marge > 55%, Cashflow-Marge > 40%
  3. Im internationalen Vergleich ist der Kurs in der Coronapandemie eher schwach gestiegen, wodurch die Aktie im Verhältnis zu den Fundamentalzahlen etwas günstiger geworden ist

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

TeamViewer wurde 2005 gegründet und sitzt in Deutschland, genauer gesagt in Göppingen. CEO ist Oliver Steil, der selbst einen prozentual geringen Anteil am Unternehmen hält. TeamViewer ist im MDAX notiert.

Vor kurzem hat TeamViewer für Aufsehen gesorgt, da es nun für kolportierte 50 Mio. Euro der Trikotsponsor der Fußball-Mannschaft von Manchester United ist, einem der wertvollsten Vereine der Welt.

Produkt & Geschäftsmodell

TeamViewer ist als Software gestartet, mit der aus der Ferne von einem PC auf den anderen zugegriffen werden kann, um eine Fernwartung durchzuführen oder ein Tool zu präsentieren, um es einem potenziellen Kunden zu verkaufen.

Heute ist TeamViewer mehr als das: Es will jedes Gerät mit jedem Gerät verknüpfbar, steuerbar und wartbar machen. Dazu nutzt TeamViewer moderne Technologien: Augemented Reality, Markierungen innerhalb eines Videocalls, Rechtemanagement, Protokollierung und mehr.

„Technologie intelligent nutzen, Prozesse digitalisieren, aus der Ferne arbeiten, weltweit Wissen teilen – all das sind Bausteine des digitalen Fortschritts.“ – TeamViewer CEO Oliver Steil

Das Diagramm zeigt, dass TeamViewer an jedem Schritt der Wertschöpfungskette in einem industriellen Fertigungsprozess unterstützt und eingesetzt werden kann:

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang 2019 recht gut entwickelt, ist aber durch die Coronapandemie weniger gestiegen als viele andere Tech-Aktien:

Factsheet

Hinweis: Am 5. Mai gibt’s neue Quartalszahlen.

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Fernwartungssoftware
  • Marktkapitalisierung: 7,5 Mrd. EUR
  • Umsatz: 0,5 Mrd. EUR
  • Gewinn: 0,1 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 0,2 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 17
  • KGV: 75
  • KGVe: 95
  • KCV: 34

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 200 %
  • Bruttomarge: 86 %
  • Nettomarge: 23 %
  • operatives Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): 90 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 49 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

TeamViewer ist außerdem nach eigenen Aussagen auf über 2,5 Mrd. Geräten installiert und hat 600.000 zahlende Abonnenten aus beinahe jedem Land der Welt.

Zuletzt konnte TeamViewer YoY den Umsatz (= Billings) um +42%, EBITDA um +44% und die EBITDA-Marge um 8 Prozentpunkte auf 57% steigern.

Als führendes Technologieunternehmen bietet TeamViewer Software zur weltweiten Vernetzung von Menschen und Geräten. Die Technologie überwindet räumliche Distanz und ermöglicht eine sofortige Problemlösung aus der Ferne – in der Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette genau wie im Privatleben.

In der Coronapandemie konnte TeamViewer nach Aussagen des CEOs in den ersten Quartalen profitieren, hat dann aber aufgrund Schwierigkeiten in der Industrie etwas nachgelassen.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

TeamViewer hat das Geschäftsmodell in den letzten Jahren zu einem jährlichen Abo-Modell transformiert, in welchem die Produkte bereitgestellt werden.

Die Net Retention Rate liegt bei 102%, was bedeutet: Bestandskunden geben (nach Abzug der Kündigungen) mehr aus als im Vorjahr. Der Wert ist gut, aber nicht überragend.

Der Net Promoter Score (NPS) ist eine Kennzahl, die die Kundenzufriedenheit angibt. TeamViewer gibt diese anscheinend nicht aus, es gibt aber einen Indikator auf diese: Im Teil zur erfolgsabhängigen Vergütung im Geschäftsbericht ist auch der NPS als Kriterium mit einem Zielwert von 47 genannt. Da sich der heutige NPS grob dort befinden wird, ist das ein starker Wert und positiv hinsichtlich der Kundenzufriedenheit zu bewerten.

Die Umsätze stammen zum Großteil (54%) aus Europa, zu 34% aus Amerika und 12% aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Vor allem das Großkundengeschäft ist zuletzt stark gestiegen: Von 2019 auf 2020 hat es sich im Umsatz verdreifacht und macht nun 12% des Umsatzes aus.

Die meisten Mitarbeiter sind im Vertrieb tätig. Das zweitgrößte Segment ist „Forschung & Entwicklung“.

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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Tags: Teamviewer

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