von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 13. Dezember 2020

Kaffee ist der sympathische und zeitlose Wachmacher auf der ganzen Welt, der in vielen Regionen schon fast als Kulturgut gesehen wird. Genau dieses Produkt bietet auch mittlerweile weltweit an.

„To inspire and nurture the human spirit – one person, one cup and one neighborhood at a time.“ lautet die Mission von Starbucks.

Das System ähnelt großen Ketten wie McDonald’s und Burger King, nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Kaffee statt Fast Food angeboten wird.

Wir haben also ein zeitloses Produkt und eine globale Marke, dazu ein interessantes Geschäftsmodell aus selbst betriebenen Filialen, lizenzierten Filialen und eigener Produktentwicklung. Dazu hat Starbucks früh einige Wachstumshebel entdeckt, die gerade in der digitalen Welt enorm gut funktioniert haben.

Aber ist Starbucks auch eine spannende Aktie? Finden wir es heraus!

Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • Wie gut steht Starbucks wirtschaftlich aktuell da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell, wie wird also Geld verdient und wo soll es strategisch hingehen? Warum hat Starbucks außerdem ein negatives Eigenkapital?
  • Marktanalyse: Wie groß ist der Markt und wer konkurriert mit Starbucks?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken eingeschätzt und gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Scorecard und konkreter Renditeerwartung: Ist die Aktie aktuell kaufenswert?

1. Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Überblick

Hard Facts

Starbucks wurde 1971 gegründet und ist seit dem stetig gewachsen. Seit 2017 ist Kevin Johnson der CEO.

Geschäftsmodell

Im Mittelpunkt von Starbucks Geschäftsmodell steht Kaffee als Produkt. Starbucks betreibt eigene Filialen und vertreibt Produkte im Einzelhandel.

Chance

Starbucks bietet ein zeitloses Produkt in einem international ausspielbaren Geschäftsmodell. Aus Anlegersicht kann Starbucks eine spannende Qualitätsaktie sein.

Lebenszyklus

Schauen wir uns den typischen Lebenszyklus eines Unternehmens an sehe ich Starbucks in Phase 3 und bewerte es entsprechend:

2. Fakten und Kennzahlen zur Aktie

Factsheet

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Das Factsheet zur Aktie:

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

*basierend auf Umsätzen und Gewinnen aus 2019

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Systemgastronomie & Einzelhandel
  • Marktkapitalisierung: 120 Mrd. USD
  • Umsatz: 23,5 Mrd. USD (2019: 26,5 Mrd. USD)
  • Gewinn: 1 Mrd. USD (2019: 3,6 Mrd. USD)
  • Free Cashflow: 0,1 Mrd. USD (2019: 3,2 Mrd. USD)

Bewertung

  • KUV*: 5
  • KGV*: 30
  • KGVe: 36
  • KCV*: 21
  • PEG-Ratio: 1,6

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: – (negatives EK)
  • Bruttomarge*: 29 %
  • Nettomarge*: 14 %
  • Gewinnwachstum* (letzte 3 Jahre): 8 % p.a.
  • Umsatzwachstum* (letzte 3 Jahre): 7,5 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

3. Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Alle Daten basieren dabei auf dem letzten Quartalsbericht sowie dem letzten Jahresbericht von Starbucks.

Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Entwicklung

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung vom Umsatz, dem Bruttogewinn, operativen Gewinn und dem Free Cashflow (alle Kennzahlen sind im Glossar erklärt):

Starbucks hat das Geschäftsjahr 2020, welches bis September 2020 läuft, mit einem Umsatz von 23,5 Mrd. USD beendet. Im Vorjahreszeitraum lag der Umsatz bei 26,5 Mrd. USD. Der Umsatz ist also um ca. 11 % zurückgegangen.

Das ist weniger als ich intuitiv erwartet hätte. Einige Effekte werden allerdings auch noch im Folgejahr zu sehen sein. Am stabilsten blieb noch das „Other“ Segment mit einem Rückgang von nur 3 %.

Wie verdient Starbucks Geld?

Starbucks teilt das eigene Geschäft in drei Segmente (inkl. Umsatzanteil basierend auf Q4 2020) auf:

  1. Company-operated stores (81 %): Filialen, die Starbucks selbst betreibt.
  2. Licensed stores (10 %): Filialien, an die Starbucks lediglich die Lizenz verkauft.
  3. Other (9 %): Hierunter fallen eigene Marken (Starbucks, Teavana, Seattle’s Best Coffee, Evolution Fresh, Ethos, Starbucks Reserve, Princi,…), deren Produkte über den Einzelhandel vertrieben werden.

Die Umsätze kommen vor allem aus den selbst betriebenen Stores. Aber: Dort sind natürlich auch die Kosten höher. Das Verhältnis der Stores ist weltweit ziemlich ausgeglichen (51 % zu 49 %).

Übrigens. In den eigenen Stores tragen zu 74 % Getränke und zu 20 % Essen zum Umsatz bei.

Außerdem verteilen sich die Umsätze von Starbucks auf unterschiedliche Regionen bzw. Kanäle:

  1. USA (69 %)
  2. International (23 %)
  3. Channel Development (9 %) – entspricht dem obigen Punkt „Other“.

Unter dem Punkt Channel Development bestehen auch Partnerschaften mit großen Konzernen wie und :

With the establishment of the Global Coffee Alliance with Nestlé, a large portion of our Channel Development business transitioned to a licensed model in the fourth quarter of fiscal 2018. Our collaborative relationships with PepsiCo, Inc., Anheuser-Busch InBev, Tingyi Holding Corp., Arla Foods and others for our global ready-to-drink beverage businesses in this segment are excluded from the Global Coffee Alliance.

Mechanismen des Geschäftsmodells

Ich sehe drei zentrale Komponenten, die das Geschäftsmodell prägen: (1) Kaffee als Kernprodukt, (2) das Geschäftsmodell der Systemgastronomie, (3) einflussreiche Growth Hacks und (4) der Unterschied zwischen selbst betriebenen und lizensierten Shops.

#1 Produkt: Kaffee

Kaffee steht im Mittelpunkt der Angebote von Starbucks und ist ein zeitloses Lebensmittel, in vielen Regionen auch ein Kulturgut. (Gut, dass würden einige auch über Fast Food in den USA behaupten…)

Die Vorteile, die ich sehe ggü. anderen Franchise-Systemen: Kaffee hat (natürlich bei „normalem“ Konsum) keine nachweislich schädlichen Auswirkungen wie Fast Food, Zucker etc. Einige Studien bescheinigen Kaffee sogar positive Effekte.

Ich bin natürlich kein Mediziner, sehe hier aber aus Anlegersicht viel weniger Druck aus der Gesellschaft oder von Behörden wie bei anderen Produkten (Fast Food, Fleisch, sehr zuckerhaltige Lebensmittel). Auch beim Wunsch durch Kaffee wach zu bleiben sehe ich nicht, dass dieser auf absehbare Zeit verschwinden wird.

#2 Geschäftsmodell: Systemgastronomie inkl. Produktvertrieb

Starbucks ist deutlich größer als viele kleinere Cafés. Zu welchen Vorteilen führt das?

  • Skaleneffekte: Starbucks hat Kostenvorteile in Beschaffung und Logistik der verarbeiteten Materialien.
  • Tests & Optimierung: Starbucks kann Konzepte bspw. in der Schweiz testen – neue Filialgestaltung, Produktsortiment, Preise in Filialen – und dann, basierend auf den Ergebnissen hinsichtlich Besucherzahlen und Umsatz, weltweit ausrollen.
  • Kundenzugang: Starbucks kann eigene Marken direkt in den eigenen Filialen platzieren, dadurch höhere Margen erzielen, Erkenntnisse sammeln und diese ggf. im Einzelhandel platzieren.

Die Kehrseite der Medaille besteht darin, dass Starbucks weniger für das beliebte Kaffee-Produkt steht, sondern im Gegensatz zu kleineren Cafés einen eher gewinnorientierten Touch mitbringt.

#3 WiFi und beschriebene Becher als Growth Hacks

Starbucks hat als eine der ersten Gastronomie-Ketten flächendeckend Wlan in den eigenen Filialen kostenlos angeboten. Dadurch hat es vor allem auch die Zielgruppe der Berufstätigen für sich erschlossen, die Latte Macchiato schlürfend an ihrem Macbook noch ein paar Mails tippen wollen.

Starbucks beschriftet außerdem Becher mit dem Vornamen des Kunden. Egal, ob richtig geschrieben oder kuriose Schreibfehler: In jedem Fall sorgt dieses Feature dafür, dass Bilder der Starbucks Becher geteilt werden. Kostenloses Marketing.

#4 Eigene vs. lizenzierte Stores

In den letzten Jahren ist der Trend dahin gegangen, dass Gastronomie-Konzepte wie McDonald’s oder Starbucks ihre Filialen nicht selbst betreiben, sondern Lizenzverträge mit Betreibern der Filiale abschließen. In der Regel erhält das Unternehmen, das die Lizenz vergibt, einmalige Lizenzgebühren sowie eine prozentuale Beteiligung am Umsatz. Es fallen also keine operativen Betriebskosten an, sondern vor allem Marketingausgaben und administrative Kosten.

Der Umsatz aus den Lizenzfilialen ist immer niedriger als wenn diese selbst betrieben werden, die Gewinnmarge ist aber viel höher, sodass oft ein ähnlich hoher Gewinn entsteht. Gerade deshalb ist es wenig sinnvoll, solche Unternehmen anhand des Umsatzwachstums zu bewerten.

Was sind die Vorteile aus Sicht von Starbucks je nach Variante?

  • Vorteile der selbst betriebenen Shops: Größerer Teil der Wertschöpfung wird einbehalten. Starbucks behält außerdem die volle Kontrolle.
  • Vorteile der Lizenzierung: Weniger kapitalaufwendig. Durch Partner schneller expandierbar. Dazu geringeres Risiko, da die Partner einen Teil abfedern.

Blick in die Bilanz: Negatives Eigenkapital

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Tags: Starbucks | Aktien: Starbucks

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #11: Wir wissen, dass es nicht nur um uns geht.

Unternehmen sind nicht nur für die Aktionäre da, sondern haben eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft.Ich bin fest überzeugt: Menschen haben individuelle Ansichten und Motive. Zum Glück. Und Unternehmen sind selten komplett gut oder komplett schlecht - und auch diese Einschätzung ist oft individuell und nicht einfach zu treffen. Aber: Wer es sich leisten kann, sollte destruktive Geschäftsmodelle, deren Erfolg automatisch eine schlechtere Welt bedeuten würde, nicht unterstützen. Es gibt dann immer noch mehr als genug Möglichkeiten.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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