Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 18. Juli 2021

Hinter dem unscheinbaren, viereckigen Logo steckt eine der größten Wachstumsgeschichten der letzten Jahre, die den Payment-Markt aufräumt: .

Im letzten Quartal konnte Square stolze 5 Mrd. Dollar umsetzen. Zum Vergleich: lag bei 6 Mrd. Dollar im gleichen Zeitraum, kostet an der Börse aber mehr als das Dreifache. Tatsächlich täuscht der Umsatz von Square etwas, wie ich dir gleich erkläre, zeigt aber schon die Größe von Square.

Gegründet von Jack Dorsey, der bereits gegründet hat, bietet Square Zahlungslösungen für lokale Läden, das Versenden von Geld, das Investieren (für Millennials) und das Kaufe von Kryptowährungen an. Du siehst schon: Das Geschäftsmodell ist vielfältig. Wir finden gleich genauer heraus, wie es genau funktioniert.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Enorm hohes Wachstum: Square ist im Vergleich zum Vorjahr um +79% im Bruttogewinn (nicht Umsatz!) gewachsen.
  2. Riesiger Markt: Da alle Branchen Zahlungen abwickeln müssen, ist der Payment-Markt naturgemäß einer der größten oder der größte der Welt.
  3. Spannendes Geschäftsmodell: Square bietet viele Bereiche für Zahlungslösungen und Finanzdienstleistungen, für Unternehmen, aber auch für Privatkunden, an. Dadurch bietet es einen diversifizierten Zugang zum Payment-Markt.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Square Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ich stelle sie auch direkt, sowohl im Geschäftsmodell, aber auch bei der Börsenbewertung dem Konkurrenten PayPal gegenüber.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter Square

Das Unternehmen

Square ist ein Payment-Unternehmen aus den USA. Es wurde 2009 gegründet, u.a. von Jack Dorsey, der vorher bereits Twitter gegründet hat. Heute ist Jack Dorsey sowohl bei Twitter, als auch bei Square, der CEO. Seit 2015 ist das Unternehmen an der Börse.

Das erste Produkt von Square war der Square Reader, der – was den Namen erklärt – ein kleines, quadratisches Gerät war, um Kreditkartenzahlungen abzuwickeln. Es muss einfach in einen 3,5mm Klinkenstecker gesteckt werden und ist einsatzbereit. Mittlerweile ist die Produktpalette deutlich gewachsen, mehr dazu gleich.

Produkt & Geschäftsmodell

Square ist im Bereich der Zahlungsabwicklung vielfältig aufgestellt.

Grundsätzlich lässt sich das Geschäftsmodell in zwei Segmente, Square spricht von „Ökosystemen“, aufteilen: Das Seller- (blau) und das Cash App-Ökosystem (grün).

Der kleine, quadratische Square Reader, der den Start von Square gekennzeichnet hat, ist der Ursprung des Seller-Ökosystems. Es hat Unternehmen, oft kleinere Unternehmen, angezogen, die eine einfache und günstige Lösung gesucht haben. Mittlerweile hat Square dieses Segment mit vielen weiteren Lösungen ausgebaut.

Das Ökosystem rund um die Cash App wurde 2013 eingeführt. Die App ermöglicht Geldtransfers, zwischen Privatpersonen und Unternehmen. Sie ist damit ähnlich zu PayPal. Die Cash App ermöglicht mittlerweile außerdem das Investieren in Aktien, in P2P-Kredite oder auch in Kryptowährungen wie Bitcoin.

Worin sind die Ökosysteme stark? Square nennt sechs Punkte:

  • Starke Marken, die weiterempfohlen werden
  • Starke Produkte, die sich schnell weiterentwickeln
  • Elegantes Design
  • Integrierte und skalierbare Technologieplattform
  • Akquisitionen, die mit hohem ROI wachsen
  • Breites Ökosystem, das Kunden mehr innerhalb des Ökosystems interagieren lässt

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt, ist aber vor allem seit der Corona-Pandemie nochmal stark angezogen:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Payment
  • Marktkapitalisierung: 110 Mrd. USD
  • Umsatz: 13 Mrd. USD
  • Gewinn: 0,4 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0,02 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 9 (Achtung: Kennzahl täuscht, da durch Bitcoin-Handel viel Umsatz, aber kaum Gewinnmarge erzielt wurde)
  • KGV: 300
  • KGVe: 160
  • KCV: 700+
  • PEG-Ratio: 4

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 180%
  • Bruttomarge: 24% (5-Jahres-Durchschnitt bei 36%)
  • Nettomarge: 3%
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 62% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Der Umsatz lag über die letzten 12 Monate bei etwa 13 Mrd. US-Dollar.

Tatsächlich ist die reine Umsatzentwicklung bei Square etwas irreführend, u.a. deshalb, da das Bitcoin-Volumen stark geschwankt und im Vergleich zum Umsatz einen geringeren Effekt auf das Ergebnis gehabt hat. Schauen wir daher vor allem auf den Bruttogewinn.

Dieser lag zuletzt in Q1 2021 bei knapp 1 Mrd. Dollar und damit +79% über dem Vorjahr. Dabei teilen sich die Bruttogewinne nahezu gleich auf die beiden Ökosysteme auf, wobei die Cash App ein deutlich stärkeres Wachstum hingelegt hat (+32% vs. +171% YoY).

Noch besser zeigt es folgende Grafik, die die Bruttogewinne aus dem „Seller“ Bereich und der Cash App visualisieren. Insgesamt ist der Bruttogewinn in den letzten 5 Jahren um etwa 50% jährlich gewachsen.

Wie verdient Square Geld?

Schauen wir nun konkret auf das Geschäftsmodell. Welche Erlösquellen hat Square?

  • Prozentuale Gebühren des Umsatzes (= Transaktionskosten), der über die Lösungen im Seller-Bereich und in der Cash-App abgewickelt werden, sind der Hauptteil
  • Extra-Services im Seller-Bereich (bspw. besseres Tracking, Reporting, Rechtemanagement etc.)
  • Verkauf von Hardware
  • Umsätze durch das Versenden von Bitcoin

Die konkreten Zahlen zeigen: Von den 5 Mrd. Dollar Umsatz in Q1 2021 stammen allein 3,5 Mrd. Dollar aus dem Handel mit Bitcoins. Aber: Dieser Umsatz geht gleichzeitig mit hohen Kosten (3,4 Mrd. Dollar) einher, sodass der Bruttogewinn daraus nur 75.000 Euro beträgt.

Diese Bitcoin-Umsätze sind enorm stark schwankend und waren vor einem Jahr nicht einmal bei 10% des heutigen Umsatzes. Deshalb ist der Umsatz bei Square etwas täuschend, während der Bruttogewinn die wichtigere Größe ist.

Beim Bruttogewinn entfallen 45% auf transaktionsbasierte und 48% auf Abo- und Service-Umsätze. Der Bitcoin-Handel dient, zumindest bisher, vor allem als Mittel zur Kundenakquise.

Im letzten Quartal, Q1 2021, wurden 5 Mrd. US-Dollar Umsatz erzielt, ohne Bitcoin-Handel 1,5 Mrd. Erstaunlich dabei: Dieser kommt nahezu ausschließlich (98%) aus den USA. Zum Vergleich: PayPal hat in den USA im gleichen Zeitraum 3 Mrd. USD Umsatz in den USA erzielt, weltweit insgesamt 6 Mrd.

Seller-Ökosystem

Das Seller-Ökosystem hat laut Square einige Vorteile. Die in meinen Augen wichtigsten:

  • Vollständig integriert: Hardware, Software, Payment und Daten (Anmerkung: Diese vollständige Integration ist auch eines der Erfolgsmerkmale von und )
  • Komplette Lösung für Zahlungsabwicklung
  • Durch die Größe kann automatisiert Risikomanagement und Vorsorge ggü. Kreditkartenbetrug betrieben werden
  • Hoher Net Promoter Score von 65, was für hohe Kundenzufriedenheit spricht

Darüber hinaus gibt es zwei spannende Analysemöglichkeiten: Zum einen die Kohortenentwicklung, also wie entwickeln sich bestehende Kundengruppen?

Die Kohortenentwicklung bei Square sieht stark aus. Im Bild sind die Kunden abgebildet, die in Q1 2015 gewonnen wurden. Aus initialen Sales- und Marketing-Kosten von 32 Mio. Dollar wurden bis heute 172 Mio. Dollar Bruttogewinn erzielt.

Zum anderen die Frage, ab wann die Marketingausgaben für eine Kundengruppe wieder verdient wurden und wie hoch der ROI dann ist. Je schneller ein Kunde profitabler wird, desto schneller kann ein Unternehmen das Geld reinvestieren.

Die folgende Grafik zeigt, dass Kunden in der Regel nach etwa 4 – 6 Quartalen den ROI von 1 überschritten haben und dann profitabel sind.

Cash App Ökosystem

Grundsätzlich hat Square bei der Cash App zwei Hebel, an denen es schrauben kann, um den Umsatz zu steigern:

  1. Die Anzahl aktiver Kunden erhöhen: Neue Kunden können akquiriert werden, bestehende Kunden sollen aktiv bleiben und inaktive Kunden reaktiviert werden.
  2. Den Umsatz pro Kunde erhöhen: Kunden sollen möglichst viele Produkte nutzen, diese häufiger nutzen und die Monetarisierung soll dabei für Square stimmen.

Innerhalb der Cash Apps gibt es drei grundlegende Funktionalitäten: Geld versenden (bspw. an einen Freund), Geld ausgeben (bspw. für Schuhe) und Geld investieren (bspw. in Square Aktien). Den Großteil macht das Geld versenden aus, wobei auch das Investieren schnell wächst.

Was sind nun die Alleinstellungsmerkmale der Cash App?

  • Netzwerkeffekte durch mehr als 36 Mio. monatliche Nutzer, die im Durchschnitt über 15 Transaktionen pro Monat tätigen
  • Hohe Innovationsgeschwindigkeit
  • Weniger als 5 Dollar Akquisitionskosten pro Kunde, u.a. durch virale Effekte bei Zahlungen zwischen Personen und einer starken Marke
  • Über 130% Retention Rate beim Bruttogewinn, was bedeutet: Mit bestehenden Kunden verdient Square nach einem Jahr 30% mehr als im Vorjahr

Auch hier zeigt die Kohortenanalyse ein positives Bild: Aus 1,4 Mio. Dollar Marketingausgaben im Juni 2017 wurden bis heute, also 2,5 Jahre später, 7,7 Mio. Dollar Bruttogewinn.

Die ROI-Betrachtung ist hier breiter gestreut als im Seller-Segment.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab?

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Im Bereich der Seller sind die Umsätze größtenteils wiederkehrend, da diese die Zahlungssysteme fest integriert haben. Sollten die Seller selbst keinen Umsatz mehr machen, betrifft das aber auch fast 1:1 die Erlöse von Square. In der Cash App sind die Erlöse nicht per se wiederkehrend, die hohe Kundennutzung zeigt aber, dass Kunden die Cash App recht regelmäßig nutzen. Es gibt aber in meinen Augen keinen starken Lock-In Effekt, sie könnten auch schnell ohne signifikante Nachteile umsteigen.

Netzwerkeffekte

Sind in der Cash App stark ausgeprägt. Geld versenden ergibt über Square nur dann Sinn, wenn viele Menschen diese Funktionen nutzen. Im Seller-Bereich sind die Netzwerkeffekte überschaubar.

Skaleneffekte (Economies of Scale)

Sind ebenfalls stark. Je größer Square ist, desto effizienter kann es arbeiten und desto besser wird das Aufwand-Nutzen-Verhältnis.

Proprietäre Technologie

Square hat in jedem Bereich eigene Technologien. Schwer zu beurteilen ist, wie sehr diese wirklich besser sind als Alternativen, bspw. bei Zahlungssystemen oder dem Verschicken von Geld. Mehr zur Konkurrenzsituation gleich.

Marke (Branding)

Square betont selbst immer wieder die starke Marke. Ob die Marke reicht, um Premium-Preise gegen Alternativen durchzusetzen halte ich für offen, für die Kundenakquise scheint es aber sehr hilfreich zu sein.

Geschäftsmodell-Bewertung: 20 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: Square | Aktien: Square

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #18: Wir bleiben.

Aktienkäufe werden auch mal schief gehen und Aktienmärkte werden auch mal fallen. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir rechnen damit. Wir können nachkaufen. Wir können auch nichts tun. Aber: Wir bleiben dabei. 

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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