von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 26. Februar 2023

Ein Schattengigant der Finanzindustrie, der langsam aus dem Schatten heraustritt: S&P Global. Durch die eigenen Ratings und Indizes lenkt es Finanzströme wie wenig andere Unternehmen.

  • 💰 Hochprofitabel: Die operative Marge lag zuletzt bei fast 50%. Jedes Jahr werden hohe Überschüsse und Cashflows erzielt.
  • 🏅 Starke Reputation: Die Marke "Standard & Poor's" existiert seit 1860, ist weltweit bekannt und wird für Indizes, aber auch Bonitätsratings genutzt.
  • 📈 Rückenwinde: S&P bietet Indizes, die für passive Anlageprodukte wie ETFs gebraucht werden. Die Welt braucht immer mehr Daten, die S&P ebenfalls liefert, sei es zu Finanzen oder ESG.
  • 🔥 Gewagte Fusion: 2022 erfolgte der Zusammenschluss mit IHS Markit. Aus 1 + 1 soll 3 werden: Mehr Umsatz, weniger Kosten. Die Fusion bringt einige Chancen, hat aber ihre Tücken.
  • ⚠️ Höhere Bewertung: S&P Global ist zweifelsfrei ein starkes Geschäftsmodell. Aber wie stark ist es wirklich? Wie stark kann es wachsen und wie stark muss es wachsen, um eine attraktive Rendite zu liefern?

Du erfährst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Aktie überbewertet ist oder man die Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell wirklich? Gibt es einen dauerhaft beständigen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich Erträge und Profitabilität?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus?
  • Gegenüberstellung der Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der Investorenpräsentation, den letzten Earnings Calls, Einschätzungen von Marktexperten, Interviews der Führungsebene und mehr. Viel Spaß!

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Überblick & Investment-These

S&P steht für Standard & Poor’s. Dahinter steckt ein Finanzdaten-Anbieter für unterschiedlichste Anwendungsfälle. Anlegern ist der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 ein Begriff, Kreditgeber verlassen sich auf die Bonitätsratings von S&P - neben denen von Moody’s oder Fitch.

S&P Global ist aus vielen Akquisitionen und Fusionen entstanden, die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1888 zurück. 1966 wurde dann das namensgebende Unternehmen Standard & Poor’s akquiriert. In den letzten Jahren konnte der Aktienkurs neue Höhen erreichen, auch wenn es zuletzt einen Rückschlag gab.

D = Dividende

Heute ist S&P Global über 100 Mrd. US-Dollar wert, setzt über 10 Mrd. Dollar pro Jahr um und erzielt dabei eine beeindruckende Nettomarge von 34%. Und es gibt einen guten Grund, warum S&P Global so eine hohe Marge realisieren und verteidigen kann.

Nicht nur das: S&P Global legt Indizes auf, in die viel Geld angelegt werden und bewertet die Bonität von Unternehmen, auf Basis dessen Milliarden und Billionen von Dollars, Euros und Yen angelegt oder nicht angelegt werden.

Auf dem Investor Day im Dezember 2022 sagt S&P Global ganz bescheiden:

“Powering Global Markets”

Investment-These

S&P Global ist hochprofitabel, genießt hohe Reputation und bietet mittlerweile unterschiedliche Produkte an, die im Hintergrund der Finanzindustrie zum Einsatz kommen. Trotz der höheren Bewertung könnte dadurch langfristiges Wachstum bei hohen Margen entstehen.

Geschäftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Geschäftsmodell & Burggraben

S&P Global handelt zentral mit Daten. Diese werden gesammelt und eingekauft, dann bereinigt, erweitert, ergänzt und verbessert, um sie dann den Teilnehmern der Finanzmärkte der ganzen Welt zugänglich zu machen.

Das Geschäft ist also enorm zahlengetrieben. Dabei ist der Burggraben ein ganz anderer: Die Marke.

Der S&P 500 ist einer der bekanntesten Aktienindizes der Welt. Dabei ist es keine Raketenwissenschaft, einen Index zu berechnen - es schaffen mittlerweile alle möglichen Anbieter. Aber weil jeder diesen Index kennt, spricht auch jeder über diesen und auf allen Tickern wird er zitiert. “S&P 500” ist weltweit bekannt und zusätzlich eine kostenlose Werbetafel für S&P. Und das war es noch nicht: Auch der berühmte US-Index Dow Jones gehört zum Universum von S&P Global.

Neben dem Indexsegment gibt es auch Bonitätsratings. S&P prüft also, wie zahlungskräftig Unternehmen sind. Je geringer die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls, desto besser das Rating.

Wir können das beste und ausgeklügelte Konzept erstellen, um selbst Bonitätsratings durchzuführen, vielleicht sogar besser als S&P zu sein. Uns wird aber erstmal niemand zuhören, da S&P eine so große, bekannte und vertrauenswürdige Marke ist.

Die Umsätze stammen dazu zu ~70% aus wiederkehrenden Quellen. Ein kleiner Teil des Umsatzes ist sogar eher antizyklisch, bspw. das Rohstoff-Segment.

Sechs Segmente

Zuletzt hat S&P Global sechs Segmente berichtet:

  • Market Intelligence: Daten & Analytics für Vermögensverwalter und andere Finanzunternehmen.
  • Ratings: Bonitätseinschätzungen, wenn Unternehmen einen Kredit aufnehmen wollen.
  • Commodity Insights: Informationen und Preisdaten für Rohstoffe.
  • Mobility: Daten für die Automobilbranche (Preise, Daten, Zulieferer, Prognosen,...=.
  • Indices: Aufgelegte Indizes, die wiederum von Fonds & ETFs genutzt und abgebildet werden oder wiederum als Datenlieferant dienen.
  • Engineering Solutions: Lösungen für Entwickler, aber kürzlich verkauft an KKR.

Das größte Risiko

Das größte Risiko für einen Burggraben, der auf einer starken Marke beruht, ist, dass die Marke beschädigt wird. Gerade im Finanzbereich ist das Reputationsrisiko besonders hoch.

Sollte sich herausstellen, dass S&Ps Bonitätsratings systematische Fehler aufweisen, wäre die Kritik groß. Noch schlimmer: Wenn S&P nicht ehrlich bewertet, sondern einigen Unternehmen zu wohlwollende oder anderen zu kritische Ratings gibt.

Der Fall Wirecard hat gezeigt, wie so etwas passieren kann. Dort war es die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die dadurch einen hohen Reputationsschaden erleiden musste.

Auch wenn es nicht intuitiv erscheint: S&P Globals größter Burggraben besteht in der Marke, die weltweit an den Finanzmärkten bekannt ist und der vertraut wird. Solange das der Fall ist, wird es schwer für andere Unternehmen, in diese Märkte einzusteigen und S&P Global etwas von den höhen Margen wegzunehmen.

Fusion mit IHS Markit

Anfang 2022 hat S&P Global die Fusion mit IHS Markit vollzogen. IHS Markit ist ebenfalls ein datenbasiertes Finanzunternehmen und bringt fast 5 Mrd. Dollar Umsatz mit ein, der Sitz ist in Großbritannien. Damit ist es wohlgemerkt eine Fusion, keine Akquisition von S&P Global, da hier zwei ähnlich große Konzerne fusionieren.

Das Ziel: Ein noch größeres Produktangebot anbieten. Womöglich auch die IHS Markit Lösungen mit der starken Marke von S&P versehen. Fremde Dienstleister durch eigene Austauschen und auch einheitliche Daten- und Tech-Plattformen zu schaffen, was Kosten sparen sollten. 

Konkret will S&P Global 600 Mio. Dollar jährlich sparen können und 350 Mio. Dollar zusätzlichen Umsatz erzielen, was zu einem EBITA-Effekt von 810 Mio. Dollar (~ 7% vom Umsatz) in 2026 führen soll.

Attractive synergies and earnings accretion post-close: S&P Global expects the merger to be accretive to earnings by the end of 2023. The Company expects to deliver annual cost synergies of approximately $600 million, with ~80% of those expected in 2023, and approximately $350 million in annual revenue synergies for an expected total run-rate EBITA impact of ~$810 million in 2026.

In der Theorie klingen solche Deals auch gut, ähnlich wie bei Akquisitionen entpuppen sie sich in der Praxis aber oft schwieriger als gedacht.  Die grundlegenden Ziele dahinter und das Aufbauen eines noch größeren Finanzdienstleisters klingen aber sinnvoll.

Oft steigt dazu auch die Verschuldung, um solche Deals zu finanzieren. S&P Global möchte die Verschuldung beim 2- bis 2,5-fachen des adjusted EBITA halten, was angesichts der Profitabilität gut aussieht.

Strong balance sheet to pursue further growth: S&P Global expects to maintain a strong balance sheet and credit profile. The Company intends to maintain a prudent and flexible capital structure and will target a leverage ratio of 2.0-2.5x adjusted gross debt to adjusted EBITA.

Entsprechend bezieht sich der Fortschritt in 2022 auch stark auf die Integration und die Entwicklung von Synergien. Das kostet kurzfristig Aufwand, Kraft und meistens auch Geld, das sich dann mittel- und langfristig hoffentlich auszahlt.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

S&P Global setzt einen Großteil durch Abo-Modelle um. Entweder dadurch, dass Indizes darauf aufgelegt werden oder Zugänge zu Daten monatlich abgerechnet werden. Der Lock-In ist hoch, da ETFs ihren Index nicht einfach so ändern - erst Recht nicht, wenn es bspw. der S&P 500 ist - und auch Datenprovider in der Regel tief integriert sind.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Sind eher gering.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Sind dstark ausgeprägt und nehmen durch die Fusion weiter zu. S&P ist eines der größten Finanzunternehmen.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

S&P Global beruht in vielen Bereichen auf Technologie. Ich glaube aber nicht, dass diese der Konkurrenz deutlich voraus ist, sondern andere Punkte - Skaleneffekte und Branding - überwiegen.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Ist das zentrale Asset, da die Marke über 150 Jahre aufgebaut und Reputation gewonnen wurde.


Geschäftsmodell-Bewertung: 19 / 25

Zahlencheck

Ertragsentwicklung & Wachstum

Der Umsatz ist bis 2021, also dem Jahr vor der Fusion, um ~7% pro Jahr gewachsen. Das operative Ergebnis ist um 15% pro Jahr gewachsen, die Margen konnten also deutlich verbessert werden. Die operative Marge lag zuletzt bei starken 43 - 50%.

Woher kommt der Gegenwind?

Der offizielle Umsatz ist durch die Fusion um ca. 40% gestiegen, bereinigt allerdings um 4% in 2022 zurückgegangen bzw. -6% in Q4 '22. Auch die operative Marge ist von 47,4% auf 45% gefallen.

Das liegt vor allem daran, dass durch die weltwirtschaftliche Unsicherheit weniger Kapital aufgenommen und benötigt wurde. Viele Wachstumskurse wurden vorerst gebremst. Dadurch ist vor allem das Rating-Geschäft von S&P betroffen. Für 2023 wird eine minimale Erholung prognostiziert, aber noch nicht das alte Niveau.

Heute bezeichnet auch S&P die letzten Jahre eher als Ausreißer, wohl durch Niedrigzinsen und gestiegene Börsenbewertungen und Optimismus getrieben. Langfristig wächst der Markt um 4 bis 7%.

Das Geschäftsmodell wird stabiler

Trotz Umsatzrückgang sieht S&P Global das Positive. Der Umsatz aus Ratings ist um 26% zurückgegangen, dagegen sind aber alle anderen Segmente um 6% gewachsen. Da der Rating-Umsatz anteilig zurückgegangen ist, ist das Geschäftsmodell heute insgesamt breiter aufgestellt.

Adjusted revenue decreased 4%, or 3% on a constant currency basis. As everyone on this call knows, we saw dramatic decreases in debt issuance, which drove the decline in our revenue and earnings. But what you would not be able to tell from the headline revenue growth rate is that our business has become far more diversified and resilient. While we saw a 26% decrease in our ratings revenue, the vast majority of that decrease was offset by a 6% growth in our other businesses.

Verkauf der Engineering Solutions

Das Engineering Solutions Geschäft wird an KKR verkauft, weshalb die Umsätze nur ein halbes Jahr noch zu S&P Global zählen. Die Erlöse werden auf 750 Mio. Dollar geschätzt, von denen wiederum eigene Aktien zurückgekauft werden sollen. Also: Etwas weniger Umsatz, dafür gehört jedem Aktionär ein größerer Teil daran.

Kapitalverwendung

2022 hat S&P Global ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 12 Mrd. Dollar durchgeführt. Durch die Fusion mit IHS Markit wurden viele neue Aktien herausgegeben, Aktionäre halten also einen kleineren Anteil an einem größeren Unternehmen. Solche Sondereffekte ausgenommen kauft S&P Global allerdings kontinuierlich eigene Aktien zurück.

Etwa 1% jährl. Dividendenrendite zahlt S&P in Form von quartalsweisen Dividenden. Etwa 65% des Gewinns wird über beide Wege im Durchschnitt an die Aktionäre zurückgeführt, 85% des Free Cashflows sind das Ziel.

Ausblick

Angepeilt werden für 2023 ca. 4 - 6% Umsatzwachstum und 10 - 12% Gewinnwachstum.

Aber: Im Earnings Call gab es den Hinweis, dass Umsätze aus Engineering Solutions, die durch den Verkauf nur noch ein halbes Jahr zu S&P Global zählen, das Bild verzerren. Ohne diesen Effekt läge die Wachstumserwartung bei 6 - 8%.

We introduced our initial guidance today, which includes 4% to 6% revenue growth and a 10% to 12% EPS growth. Importantly, we're not moving engineering solutions to discontinued operations. So, both of these figures include the half-year contribution we expect from engineering solutions in 2023. Excluding the impact of engineering solutions, we would have expected revenue growth to be approximately 6% to 8%.

Factsheet

Factsheet

TTM (= letzte 12 Monate). 3J = 3-Jahres-Durchschnitt. 'e' = erwartet. 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Finanzindustrie
  • Marktkapitalisierung: 114 Mrd. USD

Erträge

  • Umsatz: 11 Mrd. USD
  • Ergebnis: 3,3 Mrd. USD
  • Operatives Ergebnis: 3 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 2,5 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 10
  • KGV: 34
  • KGVe: 28
  • KCV: 43
  • PEG-Ratio: 2,4

Qualität & Wachstum

  • Eigenkapitalquote: 60%
  • Bruttomarge: 70%
  • Operative Marge: 27% (5J: 45%)
  • Nettomarge: 29% (5J: 32%)
  • Umsatzwachstum: -4% YoY

Zukunft & Strategie

Synergien schreiten voran

Kurzfristig wurde ein Programm aufgelegt, um durch die Fusion Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen. Von der Einsparung von 600 Mio. Dollar (ca. 5% des Umsatzes) sind schon zwei Drittel erzielt worden, das letzte Drittel soll in 2023 realisiert werden. Die Umsatzsynergien brauchen noch ein paar Jahre.

Fokus & Wachstumshebel

S&P hat im Kern Daten, die in unterschiedlichen Produkten für unterschiedliche Märkten und Kunden angeboten werden. Es sieht einige Wachstumsbereiche:

  • Private Märkte (also nicht börsennotierte Unternehmen)
  • Nachhaltigkeit
  • Klima
  • Energie-Transition
  • Kredit- und Risiko-Management
  • Schwellenländer

Das zentrale Ratinggeschäft hat eine schöne Planbarkeit: Kredite laufen aus und führen oft zu Folgekrediten. Das Volumen auslaufender Kredite steigt bis 2025/26 kontinuierlich an, was für S&P einen wachsenden Markt bedeutet.

Außerdem fließt immer mehr Geld in ETFs und Indexfonds, was die Produkte sind, von denen auch S&P zentral profitiert.

Fünf konkrete Wachstumsinitiativen, die Ende 2022 vorgestellt wurden:

  1. Umsatzsynergien aus Fusion bis 2026 realisieren
  2. Produktportfolio überarbeiten
  3. Technologische Innovation
  4. Organische Investitionen
  5. Die Bereiche Nachhaltigkeit und Privatmärkte vorantreiben, dort 22%+ Umsatzwachstum erreichen (wobei laut anderen Zahlen der Nachhaltigkeitsbereich eher über 30% liegen soll, private Märkte bei 10 - 15%)

Mittelfristige Finanzziele

Der Umsatz soll organisch um 7 - 9% jährlich wachsen, was sich recht gleichmäßig auf die unterschiedlichen Segmente verteilt. Die ddj. operative Marge soll bei 48 - 50% liegen. 85% des Fee Cashflows sollen an Aktionäre zurückgeführt werden.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Starker Burggraben durch Marke mit hoher Reputation
  • Hohe Profitabilität und Gewinnmarge
  • Zeitloses Geschäftsmodell: Auch in Zukunft werden Indizes, Daten und Analytics-Software sowie Bonitätsratings gebraucht. Es wird immer Bedarf nach Fremdkapital geben, die Digitalisierung und KI-Welle braucht Daten und die passive Fonds- und ETF-Welt braucht Indizes.
  • Diversifizierte Erlösströme mit wiederkehrenden Umsätzen

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Zuletzt leichter Umsatz- und Gewinnrückgang, v.a. durch Rückgänge im Rating-Geschäft

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • ESG-Ratings und Daten werden immer bedeutender, auch bei S&P Global wachsen diese überproportional (angepeilt werden 30%+) und werden in Zukunft separat ausgewiesen
  • Wachstum von "passiven" Anlageinstrumenten
  • Künstliche Intelligenz beruht zentral auf großen Datenmengen, die analysiert werden. Das können auch andere mit den Daten von S&P, aber womöglich ist S&P damit in einer guten Position, um auch hier neue Produkte zu entwickeln.
  • Volumen auslaufender Kredite nimmt zu, was oft Folgekredite bedeutet
  • Hohe Kapitalrückfuhr, da ein Großteil der hohen Gewinne über Dividenden und Aktienrückkäufe an Aktionäre zurückgeführt wird. Damit wächst der Gewinn pro Aktie höher als der Unternehmensgewinn.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Hier geht's nun viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Weniger Kreditaufnahme durch höhere Zinsen: Wenn wir davon ausgehen, dass die Zinsen nicht wieder auf 0% oder darunter fallen, könnte das eine Sonderkonjunktur gewesen sein, da niedrige Zinsen ein höheres Kreditvolumen fördern und das wiederum die Rating-Umsätze von S&P Global treibt.
  • Vermehrt kostenfreie Informationen, die durch das Internet verbreitet werden. Ich beobachte selbst, dass es immer mehr (günstigere) Anbieter von Finanzdaten gibt. Dieses Risiko nennt S&P auch selbst im Geschäftsbericht.
  • Regulierung könnte zunehmen, gerade dadurch, dass die Macht von Ratingagenturen recht groß ist. Diese Regulierung könnte zu höheren Kosten führen oder die Marktmacht der führenden Unternehmen begrenzen.
  • Reputationsrisiko: Wenn die Marke mit das wichtigste Asset ist, würde jeder Skandal (klare Fehleinschätzungen, Korruption) diese beschädigen.
  • Fusion mit IHS Markit könnte in der Praxis schwerer werden, als solche Deals in der Theorie oft klingen, was sich dann in mehr Trägheit und höheren Kosten äußert, während die Synergieeffekte erst langfristig eintreten.

Aktienbewertung & Renditeerwartung

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Berechnen wir dafür die zu erwartende Rendite. Kann ich diese hellsehen? Nein, definitiv nicht. Wir können aber das Chance-Risiko-Verhältnis auf Basis der Analyse abschätzen und in konkrete Zahlen gießen.

Dafür kalkuliere ich drei Szenarien: Ein pessimistisches, ein optimistisches und das Szenario, das ich im Mittel erwarte. Auch Ausreißer nach unten oder oben sind immer möglich.

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich im mittleren Szenario folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: -3% YoY (wechselkursbereinigt)
  • Management-Prognose: 4 - 6% in 2023 (Gewinnwachstum 10 - 12%), mittelfristig 7 - 9% pro Jahr (bei etwa doppelt so hohem Gewinnwachstum)
  • Analystenerwartung: 8,5% p.a.
  • Meine kurzfristige Annahme: 8% p.a.
  • Meine langfristige Annahme: 7% p.a.

Nettomarge

Die Nettomarge lag von 2018 - 2021 zwischen 30 und 36%, die operative Marge lag bei 40 bis 50%. Im letzten Jahr gingen beide Margen runter in den Bereich 25 - 30%, was allerdings an der schlechten weltwirtschaftlichen Entwicklung und der Fusion lag. S&P will mittelfristig wieder die Spitzenmargen der jüngsten Vergangenheit erreichen. Ich nehme langfristig 30% Nettomarge an.

Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGV von 34 und einem KGVe von 28 bewertet. Das entspricht etwa dem historischen Durchschnitt, da die Aktie immer etwas teurer bewertet war. Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen - noch mit einem leicht überdurchschnittlichen KGV von 25 bewertet sein wird.

Sonstiges

Die Ausschüttungsquote, also die Summe aus Dividenden und Aktienrückkäufen im Verhältnis zum Ergebnis, lag zuletzt etwa bei 65%, angepeilt wird 85% des Free Cashflows. Ich nehme 70% vom Gewinn an.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Erklärung hier. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: SPGI.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

↘︎
↗︎
Wachstum
kurzfristig, in % Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum
langfristig, in % Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge
kurzfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge
langfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV
langfristig Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Die Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

25
Qualität

Profitabilität, Bilanz & Risiken

19
Geschäftsmodell

Burggraben, Alleinstellung & Preismacht

6
Wachstum

Umsatz, Gewinne & Rule of 40

7
Bewertung

KUV, KGV & weitere

57

Gesamtscore

Gut 🙂

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Pro

  • Wichtiges Geschäftsmodell mit starkem Burggraben
  • Langfristig starke Umsatz- und Gewinnentwicklung
  • Viele Chancen, Optionalität und Rückenwinde für die Zukunft
  • Fusion bietet Potenzial, das wohl tatsächlich schon genutzt wird

Contra

  • Eher überdurchschnittliches Bewertungsniveau
  • Kurzfristige Gegenwinde durch Zinserhöhungen und makroökonomische Unsicherheit
  • Fusion birgt Chancen, aber auch kurzfristigen Aufwand

Checkliste

In jedem Fall gilt: Beachte die folgenden Punkte, bevor du diese oder eine andere Aktie kaufen solltest.

Checkliste vorm Aktienkauf (auf- und zuklappen)

Es kann viele Gründe, eine Aktie spannend zu finden und kaufen zu wollen. Vor dem Kauf gibt es eine Handvoll Fragen, die du dir stellen solltest, um Enttäuschungen und Anfängerfehler zu vermeiden:

  1. Verstehst du das Geschäftsmodell?
  2. Hast du dich mit den Risiken des Unternehmens beschäftigt?
  3. Hast du dich mit den Risiken der Aktie beschäftigt?
  4. Passt die Aktie in dein Depot? (hinsichtlich Klumpenrisiken)
  5. Verstehst du, dass es beim Investieren nie um Garantien, sondern Wahrscheinlichkeiten geht - so auch bei dieser Analyse und jedem Aktienkauf?

Ausführliches Hintergrundwissen bekommst du in der Know-How Sektion und der Academy.

Mein Fazit

Das Dilemma vieler Aktien mit hoher Qualität: Sie sind nur ganz selten günstig zu haben. Auch S&P Global hat definitiv eine Premium-Bewertung, die in meinen Augen aber gerechtfertigt ist. Sie macht es aber schwerer, damit deutlich überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Ich würde es allerdings auch nicht ausschließen. Ich sehe wenig Abwärtsrisiken: Kurzfristig am ehesten durch einen Bewertungsrückgang oder, sollte es ein Ereignis geben, das die Reputation beschädigt. Langfristig sehe ich viele naheliegende Wachstumsmöglichkeiten, die mit der hohen Reputation und ausreichend Kapital in Angriff genommen werden können.

Wenn ich eine Verzehnfachung will, ist die Aktie wohl nichts. Wenn ich konstantes Wachstum und Stabilität möchte und bereit bin, dafür auch etwas mehr zu zahlen, ist die S&P Global Aktie spannend. Ich setze sie auf meine Watchlist.

Tags: S&P Global | Aktien: S&P Global

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

Für deinen Wissensaufbau: Alle Know How Beiträge | Videokurs | Anlagestrategie in 20 Punkten

Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Wo ich Aktien & ETFs kaufe: Meine Empfehlungen →

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #20: Wir sind dankbar.

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