von Jannes Lorenzen 

15. November 2020

Über 100 Mrd. Euro wert. Amazon-Gegner. 60 % Wachstum pro Jahr. Deutscher Gründer. Kanadisches Software-Unternehmen.

Wenn E-Commerce der Goldrausch ist, verkauft Shopify die Schaufeln dafür.

Shopify ist mittlerweile über 100 Mrd. Euro wert und daher nicht ganz unbekannt. Nur wenige Anleger wissen aber, dass das Unternehmen in Kanada sitzt, aber von einem Deutschen gegründet und bis heute geführt wird.

Was steckt hinter dem Unternehmen, das mit 60 % p.a. wächst, als ernsthafter Amazon-Herausforderer im E-Commerce gesehen wird, in zahlreiche Segmente expandiert und u.a. strategische Allianzen mit Facebook eingeht?

Genau das schaue ich mir in dieser Analyse genauer an und ich finde heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • Wie gut steht Shopify wirtschaftlich aktuell da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Shopify und was macht es so stark?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Scorecard und Renditeerwartung: Ist die Shopify Aktie trotz der hohen Bewertung aktuell kaufenswert?

1. Aktienanalyse: Was macht das Unternehmen überhaupt?

Überblick

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Hard Facts

Shopify wurde 2006 vom Deutschen Tobias Lütke in Kanada gegründet. Zwei Jahre zuvor hatte er eigentlich einen Snowboard-Online-Shop gründen wollen, ehe daraus Shopify entstanden ist.

Geschäftsmodell

Shopify bietet die Software für Online-Shops an von der Shop-Erstellung über die Zahlungsabwicklung bis mittlerweile zur Logistik und Warenfinanzierung.

Größe & Kennzahlen

Shopify setzt aktuell 2,5 Mrd. US-Dollar um, ist dabei zuletzt ganz leicht profitabel gewesen und ist heute 110 Mrd. US-Dollar wert.

2. Fakten und Kennzahlen zur Aktie

Factsheet

Der Aktienkurs von Shopify hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Das Factsheet zur Aktie:

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Kanada
  • Branche: E-Commerce Software
  • Marktkapitalisierung: 110 Mrd. USD
  • Umsatz: 2,5 Mrd. USD
  • Gewinn: 0,2 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0,2 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 46
  • KGV: > 500
  • KGVe: 240
  • KCV: > 400
  • PEG-Ratio: –

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 15 %
  • Bruttomarge: 55 %
  • Nettomarge: 8 %
  • Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): –
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 60 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

3. Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Die meisten der Grafiken stammen von Shopify selbst aus dem Investor Deck Q3 2020.

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Ein Unternehmen wie Shopify wird vor allem am Wachstum gemessen. Dieses hat sich über die letzten 5 Jahre in jedem Quartal gesteigert. Gerade das letzte Quartal war nochmal ein großer Sprung durch die Coronakrise:

Auch dann, wenn wir nur auf abgeschlossene Geschäftsjahre schauen, sieht das Wachstum stark aus, auch wenn es zuletzt langsamer wurde (von + 90 % in 2016 auf + 47 % in 2019):

Da Spotify stark investiert sind noch keine großen Gewinne zu sehen. Die Bruttomarge liegt über die letzten 5 Jahre durchschnittlich bei 55 %. Damit einhergehend entwickelt sich der Bruttogewinn ziemlich proportional zum Umsatz:

Mechanismen des Geschäftsmodells

Aber wie verdient Shopify nun sein Geld? Was ist das Geschäftsmodell von Shopify?

Grundlegend verkauft Shopify Software zum Aufbauen von Online-Shops. Wer bspw. eigene Produkte verkaufen möchte, kann sich bei Shopify für wenige Euros im Monat einen Shop erstellen, der fertig vorkonfiguriert ist und individualisiert werden kann. Dazu kommen in der Regel anteilige Gebühren am erzielten Umsatz.

Shopify ist vor allem mit kleineren Unternehmen und Selbständigen gestartet, bedient heute aber auch immer mehr das Segment der KMUs (kleine und mittelgroße Unternehmen, „SMBs“) und größere Unternehmen. Je nach Größe gibt es unterschiedliche Produkte, die im Preis steigen:

Shopify verkauft dabei keine einmaligen Lizenzen, sondern in einem Abo-Modell.

Schauen wir genauer auf die Herkunft der wiederkehrenden Umsätze sehen wir drei unterschiedliche Erlösquellen:

  1. Core (59 %): Alle Shopify Angebote von Basic bis Advanced, die den Kern von Shopify seit Gründung darstellen
  2. Shopify Plus (22 %): Produkte für große Unternehmen
  3. Apps, Themes, Domains, Shopify Plus Platform Gebühren (20 %): Hierzu gehören vor allem Folge- oder Zusatzkäufe aus den beiden anderen Segmenten, also Internet-Domains, Layouts für den Shop, kostenpflichtige Erweiterungen der Shops etc.

Alle Segmente sind absolut gesehen gestiegen. Der Anteil des Core-Segments nimmt ab, während v.a. das Segment „Apps, Themes, Domains etc.“ wichtiger wird.

Das Shopify Flywheel

Das sogenannte Flywheel, das Netzwerkeffekte, visualisiert, gibt es (wie bei Amazon oder Uber) auch bei Shopify.

Je mehr Händler („Merchants“), desto mehr Kanäle, Partner und Möglichkeiten kann Shopify anbieten, wodurch der Außenumsatz („GMV“) steigt, was wiederum mehr Händler anzieht.

Wie Shopify mit Amazon konkurriert

Amazon ist ein Online-Händler (und mittlerweile auch mehr als das), Shopify stellt Software her. Wo treffen sich beide also?

Im E-Commerce, also im Online-Handel. Amazon stellt selbst die Plattform, auf der Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Shopify hingegen stellt die Plattform, damit Marken ihre eigenen Online-Shops aufbauen können, unabhängig von Amazon werden und gleichzeitig die gleichen Möglichkeiten – technische Infrastruktur, Logistik, Marketing etc. – zur Verfügung haben.

CEO Tobi Lütke sagt zur Mission von Shopify:

„We have spent more than a decade democratizing commerce, simplifying it, and making it accessible for businesses of all sizes.“

Die folgende Grafik aus Mai 2020 ist ziemlich spannend. Sie vergleicht die E-Commerce Umsätze in den USA und setzt alle Verkäufe, die über Shopify Shops abgewickelt werden, ins Verhältnis zu anderen Unternehmen:

Amazon ist mit großem Abstand vorne. Aber: Shopify hat aufgeholt und liegt hier mittlerweile auf Platz 2, noch vor eBay, Walmart oder Apple.

Was hat Shopify dafür die letzten Jahre eingeführt?

  • Shop-Software
  • Zahlungsabwicklung
  • Versandlösung (Shopify Shipping)
  • Finanzierungsmöglichkeiten über Shopify (Shopify Capital)
  • Integrationen zu wichtigen Plattformen (eBay, Instagram,…)
  • Einführung von Kassen-Bezahlsystem (PoS-Lösungen)
  • Lagerung und Logistik (Shopify Fulfillment)
  • Eigene App um Shops darzustellen („Shop“, hier bereits beschrieben)
  • Integration in weitere Plattformen (Walmart, Facebook Shops, TikTok)

Amazon ist gerade dadurch für junge Marken interessant, da sie eine große bestehende Käuferschaft, hohe Kaufraten, integrierte Lagerung, Versand und Logistik sowie Zahlungsabwicklung haben. Genau das baut auch Shopify immer weiter aus, um Marken diese lästigen Probleme abzunehmen.

Gleich im Strategie-Teil sehen wir noch, wie Shopify die Plattform werden möchte, auf der Shops eigenständig erfolgreich werden.

4. Strategie: Das sind die Wachstumspläne

Strategie

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Shopify selbst schätzt allein den Markt der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (< 500 Mitarbeiter) auf 78 Mrd. US-Dollar pro Jahr.

Um diesen Markt weiter zu erschließen sieht Shopify unterschiedliche Maßnahmen.

  • Kurzfristig: Den Kern weiter ausbauen. Dazu gehört die Plattform, die Logistik, die Zahlungsabwicklung, Finanzierung sowie das Produkt für größere Kunden.
  • Mittelfristig: International expandieren und Vor-Ort Kassensysteme ausbauen.
  • Langfristig: Logistiknetzwerk, eigene Reichweite über Shop-App aufbauen, B2B-Markt erschließen, Businesskonto („Shopify Balance„) und Ausbau von 6 River Systems (dem Unternehmen, das Lösungen für Lagerstätten u.a. durch Roboter ermöglicht und von Shopify für 450 Mio. US-Dollar gekauft wurde)

Das sind ziemlich ambitionierte Ziele. Wenn die Ziele so erreicht werden kann Shopify den Marken und Händlern…

  • eine komplette Shop-Software inkl. Zahlungsabwicklung (Shopify Core, Plus und Payments)
  • ein komplettes Netzwerk aus Lagerung, Logistik und Versand (Shopify Shipping und Fulfillment)
  • ein integriertes Kassensystem für stationäre Geschäfte (PoS-Systeme) mit einer angeschlossenen E-Commerce Struktur
  • eigene Reichweite (Shop-App und Integrationen in Plattformen wie Facebook, Instagram & Co.)
  • ein eigenes Geschäftskonto und Finanzierungsmöglichkeiten (Shopify Balance und Capital)

… bieten.

Das würde nicht nur unzählige Monetarisierungsmöglichkeiten, sondern auch einen enormen Burggraben bedeuten, den Shopify sich gegenüber Konkurrenten aufbauen würde.

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Tags: Shopify

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