von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 6. März 2022

Fast 100 Mrd. Dollar wert. -Gegner. Über 40% Wachstum pro Jahr. Deutscher Gründer. Kanadisches Software-Unternehmen.

Wenn E-Commerce der Goldrausch ist, verkauft die Schaufeln dafür. Shopify ist in der Pandemie rapide gestiegen, zu Spitzenzeiten auf einen Börsenwert von fast 200 Mrd. Dollar.

Aber die tadellose Börsenstory bekommt erste Risse: Die Aktie ist stärker korrigiert und steht nur noch knapp 15% über dem Vor-Pandemie-Niveau, obwohl sich die Fundamentalzahlen enorm verbessert haben.

Drei spannende Gründe für Shopify und diese Analyse:

  1. 💸 Starke Entwicklung: Der Umsatz lag zuletzt noch über 40%, davor noch deutlich höher. Auch die Profitabilität dreht gerade ins Positive.
  2. 🤝 Gute Mission & Kultur: Shopify gilt als Vorzeigebeispiel für eine gute Kultur in alle Richtungen - Gesellschaft, Wirtschaft, Mitarbeiter und Kunden.
  3. 💥 Korrektur: Shopifys Aktienkurs liegt fast zwei Drittel unter dem Allzeithoch. Ist dadurch eine gute Einstiegschance gekommen?

Was steckt hinter dem Unternehmen, das als ernsthafter Amazon-Herausforderer im E-Commerce gesehen wird, in zahlreiche Segmente expandiert und u.a. strategische Allianzen mit Facebook eingeht?

Genau das schaue ich mir in dieser Analyse genauer an und ich finde heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • Wie gut steht Shopify wirtschaftlich nach dem Kurssturz da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Shopify und was macht es so stark?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Scorecard und Renditeerwartung: Ist die Shopify Aktie trotz der hohen Bewertung aktuell kaufenswert?

More...

Aktienanalyse: Überblick

Überblick: Das steckt hinter Shopify

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Das Unternehmen

Shopify wurde 2006 vom Deutschen Tobias Lütke in Kanada gegründet. Zwei Jahre zuvor hatte er eigentlich einen Snowboard-Online-Shop gründen wollen, ehe daraus Shopify entstanden ist. 2015 ist Shopify an die Börse gegangen.

Produkt & Geschäftsmodell

Shopify bietet die Software für Online-Shops an von der Shop-Erstellung über die Zahlungsabwicklung bis mittlerweile zur Logistik und Warenfinanzierung.

Wer bspw. eigene Produkte verkaufen möchte, kann sich bei Shopify für wenige Euros im Monat einen Shop erstellen, der fertig vorkonfiguriert ist und individualisiert werden kann. Dazu kommen in der Regel anteilige Gebühren am erzielten Umsatz.

Shopify ist vor allem mit kleineren Unternehmen und Selbständigen gestartet, bedient heute aber auch immer mehr das Segment der KMUs (kleine und mittelgroße Unternehmen, "SMBs") und größere Unternehmen. Je nach Größe gibt es unterschiedliche Produkte, die im Preis steigen:

Shopify verkauft dabei keine einmaligen Lizenzen, sondern Zugang in einem Abo-Modell.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich seit Börsengang enorm stark entwickelt. Die hohe Bewertung der Aktie nach der Coronapandemie hat vor kurzem zu einer Korrektur geführt.

Zahlencheck & Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an wie die Zahlen von Shopify aussehen.

Umsatzentwicklung

Ein Unternehmen wie Shopify wird vor allem am Wachstum gemessen. Dieses hat sich über die letzten 5 Jahre in jedem Quartal gesteigert. Gerade das Q3 '2020 war nochmal ein großer Sprung durch die Coronapandemie:

Auch dann, wenn wir nur auf abgeschlossene Geschäftsjahre schauen, sieht das Wachstum stark aus, auch wenn es zuletzt langsamer wurde (von +90% in 2016 auf +57% in 2021). Das Wachstum im letzten Vor-Corona-Jahr lag bei +47%. Im letzten Quartal lag das Wachstum bei +41%

Profitabilität

Da stark investiert sind noch keine großen Gewinne zu sehen. Die Bruttomarge liegt über die letzten 5 Jahre durchschnittlich bei 54%. Damit einhergehend entwickelt sich der Bruttogewinn ziemlich proportional zum Umsatz.

Die operative Marge liegt über die letzten 12 Monate bei 6%, in Q4 '21 bei 1%. Die Free Cashflow Marge liegt bei ca. 10%.

Aktuell weist Shopify einen hohen Nettogewinn aus. Dieser liegt allerdings weniger am operativen Geschäft, sondern mehr an Investments in Stripe und Affirm.

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Ausgaben von Shopify. Diese nehmen prozentual recht kontinuierlich ab, auch hier mit einem starken Corona-Effekt. Kurzfristig sind die Kosten wieder leicht gestiegen.

2021 gingen (neben direkten Produktkosten) 18% des Umsatzes in Sales und Marketing, 13% in Forschung & Entwicklung und 7% in Sonstiges.

Diese grundsätzlich abnehmenden Kosten sprechen für Skaleneffekte und zunehmende Profitabilität.

Umsatzverteilung

Schauen wir genauer auf die Herkunft der wiederkehrenden Umsätze sehen wir drei unterschiedliche Erlösquellen:

  1. Core (61%): Alle Shopify Angebote von Basic bis Advanced, die den Kern von Shopify seit Gründung darstellen
  2. Shopify Plus (24%): Produkte für große Unternehmen
  3. Apps, Themes, Domains, Shopify Plus Platform Gebühren (14%): Hierzu gehören vor allem Folge- oder Zusatzkäufe aus den beiden anderen Segmenten, also Internet-Domains, Layouts für den Shop, kostenpflichtige Erweiterungen der Shops etc.

Alle Segmente sind absolut gesehen gestiegen. Die Verteilung ist etwa auf Vor-Covid-Niveau, kurzzeitig ist v.a. das Segment "Apps, Themes, Domains etc." prozentual gestiegen.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet, 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: Kanada
  • Branche: E-Commerce Software
  • Marktkapitalisierung: 76 Mrd. USD
  • Umsatz: 4,6 Mrd. USD
  • Ergebnis: 2,9 Mrd. USD (inkl. Einmaleffekten)
  • Adj. Ergebnis: 0,8 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0,5 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 17
  • KGV: 27 (inkl. Einmaleffekten)
  • KGVe: 250
  • KCV: 150

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 54%
  • Nettomarge: 63% (inkl. Einmaleffekten)
  • Operative Marge: 6% (adjusted: 16%)
  • Free Cashflow Marge: 10%
  • Umsatzwachstum: 41% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Analyse von Geschäftsmodell, Strategie & Markt

Das Shopify Flywheel

Das sogenannte Flywheel, das Netzwerkeffekte visualisiert, gibt es (wie bei Amazon oder Uber) auch bei Shopify.

Je mehr Händler ("Merchants"), desto mehr Kanäle, Partner und Möglichkeiten kann Shopify anbieten, wodurch der Außenumsatz ("GMV") steigt, was wiederum mehr Händler anzieht.

Wie Shopify mit Amazon konkurriert

Amazon ist ein Online-Händler (und mittlerweile auch mehr als das), Shopify stellt Software her. Wo treffen sich beide also?

Im E-Commerce, also im Online-Handel. Amazon stellt selbst die Plattform, auf der Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Shopify hingegen stellt die Plattform, damit Marken ihre eigenen Online-Shops aufbauen können, unabhängig von Amazon werden und gleichzeitig die gleichen Möglichkeiten - technische Infrastruktur, Logistik, Marketing etc. - zur Verfügung haben.

CEO Tobi Lütke sagt zur Mission von Shopify:

"We have spent more than a decade democratizing commerce, simplifying it, and making it accessible for businesses of all sizes."

Die folgende Grafik aus Mai 2020 ist ziemlich spannend. Sie vergleicht die E-Commerce Umsätze in den USA und setzt alle Verkäufe, die über Shopify Shops abgewickelt werden, ins Verhältnis zu anderen Unternehmen:

Heute sieht die Reihenfolge ähnlich aus, allerdings haben Amazon und Shopify relativ gesehen Marktanteil gewonnen.

Amazon ist mit großem Abstand vorne. Aber: Shopify hat aufgeholt und liegt hier mittlerweile auf Platz 2, noch vor eBay, Walmart oder Apple.

Was hat Shopify dafür die letzten Jahre eingeführt?

  • Shop-Software
  • Zahlungsabwicklung
  • Versandlösung (Shopify Shipping)
  • Finanzierungsmöglichkeiten über Shopify (Shopify Capital)
  • Integrationen zu wichtigen Plattformen (eBay, Instagram,...)
  • Einführung von Kassen-Bezahlsystem (PoS-Lösungen)
  • Lagerung und Logistik (Shopify Fulfillment)
  • Eigene App um Shops darzustellen ("Shop", hier bereits beschrieben)
  • Integration in weitere Plattformen (, Facebook Shops, TikTok, Spotify)

Amazon ist gerade dadurch für junge Marken interessant, da sie eine große bestehende Käuferschaft, hohe Kaufraten, integrierte Lagerung, Versand und Logistik sowie Zahlungsabwicklung haben. Genau das baut auch Shopify immer weiter aus, um Marken diese lästigen Probleme abzunehmen.

Gleich im Strategie-Teil sehen wir noch, wie Shopify die Plattform werden möchte, auf der Shops eigenständig erfolgreich werden.

Marktanalyse

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Shopify selbst schätzt allein den Markt der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (

Amazon bietet FBA (Fullfillment by Amazon) an: Die "nervigen" Dinge wie Logistik, Lagerung und Versand übernimmt Amazon. Lagerplätze sind flexibel skalierbar, ein Unternehmen kann also mehr oder weniger Platz, entsprechend der Geschäftsentwicklung, beanspruchen.

Unternehmen können sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren und behalten ihre Flexibilität. Amazon kümmert sich darum, dass die Prozesse modern, effizient und schnell abgewickelt werden.

Genau den gleichen Komfort will Shopify den eigenen Händlern und Marken bieten. Sie fokussieren sich auf ihr Kerngeschäft - Produktentwicklung, Markenaufbau, Kundenservice und Marketing - und Shopify kümmert sich um den Rest.

Einerseits kann Shopify dadurch zusätzliche Erlöse erzielen. Den viel größeren Hebel sehe ich aber darin, dass Shopify dadurch enorm attraktiv wird für Marken und den eigenen Burggraben stärkt.

Dass Shopify in diese Richtung geht zeigen schon die Akquisitionen und die Aktivitäten. Bisher beschränken diese sich vor allem auf Nordamerika. Natürlich ist der Aufbau von Lager und Logistik deutlich langwieriger als das internationale Ausrollen einer Shop-Software.

Also: Eine große Chance, die vor allem ein langfristiges Ziel ist und Shopify mit großen Schritten angeht.

Strategie

Um diesen Markt weiter zu erschließen sieht Shopify unterschiedliche Maßnahmen.

  • Kurzfristig: Den Kern weiter ausbauen. Dazu gehört die Plattform, die Logistik, die Zahlungsabwicklung, Finanzierung sowie das Produkt für größere Kunden.
  • Mittelfristig: International expandieren und Vor-Ort Kassensysteme ausbauen.
  • Langfristig: Logistiknetzwerk, eigene Reichweite über Shop-App aufbauen, B2B-Markt erschließen, Businesskonto ("Shopify Balance") und Ausbau von 6 River Systems (dem Unternehmen, das Lösungen für Lagerstätten u.a. durch Roboter ermöglicht und von Shopify für 450 Mio. US-Dollar gekauft wurde)

Das sind ziemlich ambitionierte Ziele. Wenn die Ziele so erreicht werden kann Shopify den Marken und Händlern...

  • eine komplette Shop-Software inkl. Zahlungsabwicklung (Shopify Core, Plus und Payments)
  • ein komplettes Netzwerk aus Lagerung, Logistik und Versand (Shopify Shipping und Fulfillment)
  • ein integriertes Kassensystem für stationäre Geschäfte (PoS-Systeme) mit einer angeschlossenen E-Commerce Struktur
  • eigene Reichweite (Shop-App und Integrationen in Plattformen wie Facebook, Instagram & Co.)
  • ein eigenes Geschäftskonto und Finanzierungsmöglichkeiten (Shopify Balance und Capital)

... bieten.

Das würde nicht nur unzählige Monetarisierungsmöglichkeiten, sondern auch einen enormen Burggraben bedeuten, den Shopify sich gegenüber Konkurrenten aufbauen würde.

Ich habe diese Initiativen einmal mit denen aus Mitte 2020 abgeglichen. Das erstaunliche: Sie sind so gut wie identisch. Das spricht einerseits für eine konsistente Strategie, auf der anderen Seite spricht das eher weniger für starken Fortschritt in der Produktentwicklung.

Immerhin: Die beiden Produkte Shopify Payments (Zahlungsabwicklung) und Shopify Capital (Warenfinanzierung) sind 43% bzw. 45% gewachsen, damit etwa gleichauf wie das gesamte Shopify-Wachstum.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Shopify betont selbst einige Stärken des Geschäftsmodells: Der große und wachsende Markt, das starke Produkt, gute Unit Economics, ein eigenes Ökosystem und eine gesunde Bilanz.

Ein stärkeres Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Der Großteil der Umsätze ist wiederkehrend. Der Lock-In Effekt ist groß: Der ganze Shop, sowohl technisch als auch optisch, müsste umgezogen werden.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Mittelmäßig. Je mehr Nutzer, desto mehr Entwickler, die wiederum Erweiterungen für Shopify anbieten. Für die Shop-Software an sich gibt es aber wenig Netzwerkeffekte.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Shopify kann enorm gut skalieren. Umsätze wachsen stärker als Kosten. Dazu kann Größe selbst einen Burggraben darstellen, wenn Shopify nicht nur Shop-Software, sondern eine umfassende E-Commerce Plattform mit Payment, Marketingkanälen, Logistik und Warenfinanzierung bietet.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Shopify beruht zentral auf Technologie und hat sich durch Produktqualität gegenüber der Konkurrenz durchgesetzt. Für komplexe und sehr große Unternehmen wird Shopify technologisch aber oft zu standardisiert und damit nicht die erste Wahl sein.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Shopify hat eine hohe Bekanntheit. Wer schnell und ohne etwas falsch zu machen einen Online-Shop aufmachen will, nimmt Shopify. Es ist "top of mind". Aber: Es hat noch einen leichten Hauch von kleinen Shops, die mittels Facebook Ads irgendwelche China-Produkte verkaufen.


Geschäftsmodell-Bewertung: 21 / 25

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet Shopify aktuell aus?

  • Gründer & CEO Tobias Lütke: Der Gründer ist noch immer am Bord und hat eine langfristige Vision. Erst im Brief an die Aktionäre 2018 hat Lütke geschrieben: "Here’s one more thing that hasn’t changed: we’re just getting started." Das erinnert an die "It's always Day 1" Philosophie von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Tobias Lütke hat Shopify erfolgreich groß gemacht, wirkt in Interviews, Podcasts und auf Twitter enorm sympathisch und reflektiert. Er interagiert immer wieder mit Aktionären. Auch er ist zentral dafür verantwortlich, dass eine offene und wertschätzende Kultur gegenüber Kunden und Mitarbeitern bei Shopify herrscht.
  • Shopify teilt das Ziel der Kunden: Einige Geschäftsmodelle haben einen Zielkonflikt, bspw. Banken, die dann möglichst viel verdienen, wenn ihren Kunden möglichst hohe Kosten entstehen. Natürlich will und muss jedes Unternehmen mit seinen Kunden Geld verdienen. Aber es hilft, wenn die Weiterentwicklung des Angebots nicht nur dem Unternehmen selbst, sondern auch den Kunden dient. Das ist bei Shopify der Fall: Je erfolgreicher die Kunden von Shopify sind, desto erfolgreicher ist Shopify. Deshalb ist Shopifys Ziel, die Kunden so erfolgreich wie möglich zu machen. Tobi Lütke hat das 2018 im Shareholder Letter beschrieben: "It’s fortunate and rare that our business model is in full alignment with our mission. We succeed when our merchants succeed. Our merchants succeed when we make commerce better for everyone - and we’ve never been more ready to do so."
  • Wiederkehrende Umsätze mit starkem Lock-In-Effekt: Das Geschäftsmodell basiert im Großteil auf einem Abo-Modell. Dieses hat zudem einen starken Lock-In-Effekt: Nur im äußersten Notfall möchte ein Online-Shop die komplette technische Infrastruktur - Produktdaten, Bestelldaten, Prozesse, Accountdaten, Design, Integrationen - wechseln. Das führt dazu, dass Kunden lange bei Shopify sind.
  • Zukunftsbranche "E-Commerce": Der E-Commerce wächst weiter. Vor allem dadurch, dass sich der Handel immer weiter vom stationären Geschäft in die digitale Welt verlagert. Shopify profitiert dadurch, da es das Betriebssystem vieler Online-Shops darstellt.
  • Skalen- und Netzwerkeffekte: Durch die eigene Größe kann Shopify Tools und Lösungen entwickeln, die Shops alleine - oder andere Shop-Softwares - so nicht entwickeln können. Das wiederum führt dazu, dass Shopify für andere Shops attraktiver wird, wodurch Shopify wiederum mehr Kapazitäten und Daten für die Weiterentwicklung hat. Die Netzwerkeffekte entfalten sich.
  • Kundenzufriedenheit & wachsende Kohortenumsätze: Ich höre in meinem Umfeld nur Positives zu Shopify, von gerade startenden Start-Ups bis zu CEOs und Beratern bei etablierten Unternehmen. Wer heute daran denkt ein E-Commerce Projekt zu starten, denkt zwangsläufig auch über Shopify nach.Die Analyse der Kohorten, also der Kunden nach ihrem Einstieg bei Shopify, zeigt, dass Shopify es schafft, mit bestehenden Kunden über die Zeit immer mehr Geld zu verdienen. Dadurch, dass Kunden wachsen und diese neue Tools und Angebote von Shopify nutzen.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Schauen wir auf die Schwachstellen des Unternehmens.

  • Mittelmäßige Bruttomarge: Die Bruttomarge liegt bei 55 %, was prinzipiell ein guter Wert ist. Im Vergleich zu anderen Software-Unternehmen ist der Wert aber eher unterdurchschnittlich: Bspw. , und liegen bei > 80 %.
  • Geschwindigkeit der Produktentwicklung: Viele Kritikpunkte sind bei Shopify auf hohem Niveau. Aber trotzdem: Die strategischen Initiativen sind die gleichen wie vor 2 Jahren, auch im zeitlichen Ausblick. Das spricht für keinen großen Sprung.Die Produkte Shopify Payments und Capital sind erfolgreich gelauncht, wachsen aber "nur" wie das Gesamtunternehmen. Oft wachsen neue Produkte gerade zu Beginn prozentual deutlich stärker.Auch andere Stimmen, die ich gelesen habe (u.a. von Investor & Gründer von Shopify-Stores Moiz Ali), nennen einige überfällige Produktentwicklungen: Einen ausführlichen Analytics-Bereich, Abo-Abrechnungsmodelle, bessere Features für große Händler und eigene Targetierungsmöglichkeiten für Werbung.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Der riesige E-Commerce Markt: Die Umsätze im Online-Handel sind enorm groß und wachsen stetig. Shopify befindet sich bei der Software im margenstärksten Teil der Wertschöpfungskette. Je mehr E-Commerce, desto besser geht's Shopify. Und es gilt auch umgekehrt: Je besser Shopify wird, desto mehr Unternehmen gelingt der unkomplizierte Einstieg in den E-Commerce.
  • Versand- und Logistiklösungen: Den gleichen Komfort wie Amazon will Shopify den eigenen Händlern und Marken bieten. Sie fokussieren sich auf ihr Kerngeschäft - Produktentwicklung, Markenaufbau, Kundenservice und Marketing - und Shopify kümmert sich um den Rest. Einerseits kann Shopify dadurch zusätzliche Erlöse erzielen. Den viel größeren Hebel sehe ich aber darin, dass Shopify dadurch enorm attraktiv wird für Marken und den eigenen Burggraben stärkt. Dieser Prozess ist aber langwierig und komplex, hat auch bei Amazon viele Jahre gedauert.
  • Shopify als Finanzdienstleister: Mit Shopify Balance bietet Shopify voraussichtlich eine Art Geschäftskunden-Banking an. Bisher existiert dafür nur eine Landing Page mit einer Warteliste. Mit Shopify Capital können Unternehmen sich Geld bei Shopify leihen, um bspw. Ware vorfinanzieren zu können. So dringt Shopify auf einmal auch in Finanzdienstleistungen vor, die zusätzliche Erlöse freilegen können. Theoretisch ist dieser Markt riesig, für mich ist aber noch recht vage, wie groß dieser Teil von Shopify tatsächlich werden kann.
  • PoS-Lösungen: Die optimale Omnichannel-Software? Stell dir vor, du hast ein Geschäft und verkaufst sowohl vor Ort in einem Laden, aber bekommst auch online Bestellungen. Welche Herausforderungen hast du? Ein Verkauf vor Ort muss den Lagerbestand auch online reduzieren. Du hast möglicherweise zwei komplett unterschiedliche Buchhaltungssysteme mit unterschiedlichen Steuersätzen, Bestellnummern, Rechnungsnummern etc. Kurz gesagt: Eine integrierte Lösung, die beides kann, hilft enorm. Das bietet Shopify ebenfalls an. Auch dort gibt es Konkurrenten, die aber oft nicht die gleiche Qualität im Online-Shop Bereich bieten.
  • B2B-Markteintritt: Shopify nennt als langfristiges Ziel den Eintritt in den B2B-Markt. Die Software soll also auch den Anforderungen von Unternehmen gerecht werden, die an andere Unternehmen verkaufen wollen. Dieser Markt des B2B E-Commerce wird bis 2027 in seiner gesamten Größe auf 21 Bio. US-Dollar geschätzt.
  • Internationalisierung: Mittelfristig will Shopify die internationale Expansion vorantreiben, also die Lösungen, die bisher vor allem im englischsprachigen Raum genutzt werden, auch international anbieten. Gerade bei der Shop-Software wird es gut klappen, die weiteren Services werden schwerer, da bspw. für Finanzdienstleistungen unterschiedliche Regulatorien gelten, für die Logistik überall eigene Logistikzentren gebaut werden müssen etc.
  • Strategische Partnerschaften: Shopifys Wege kreuzen sich immer öfter mit den Social Media Giganten: Shopify unterstützt "Facebook Shops" (und das Pendant auf Instagram), was ich bereits hier bei Ankündigung beschrieben habe. Vor kurzem hat Shopify eine Partnerschaft mit TikTok angekündigt. Das ist logisch: & TikTok möchten weiter in den E-Commerce vorstoßen. Die Social Media Plattformen haben die Reichweite, Shopify hat das E-Commerce Betriebssystem und die Händler. Durch solche Partnerschaften und Integrationen in bestehende Plattformen kann Shopify den eigenen Burggraben weiter ausbauen.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Amazon: Amazon als beherrschende Macht im E-Commerce ist natürlich eine Bedrohung. Spannend ist aber, dass Shopify gerade in der Zeit, wo Amazon schon sehr stark war, erst richtig an Fahrt aufgenommen hat. Das zeigt eine gewisse Resistenz. Irgendwo ist Amazon auch ein Treiber des Erfolgs von Shopify, da (a) Amazon aufgezeigt hat, dass Online-Shopping hervorragend funktioniert, (b) eine Blaupause liefert für Logistik, schnellen Versand, unkomplizierte Zahlungen etc. und (c) durch eine zu hohe Abhängigkeit zu Amazon immer mehr Händler nach guten Alternativen suchen. Letztendlich werden sich Amazon und Shopify wahrscheinlich nicht direkt in die Quere kommen. Sie konkurrieren aber bei Kunden, Marken und Händlern, die entscheiden müssen, ob sie lieber ihren eigenen Online-Shop (ggf. über Shopify) aufbauen und befeuern oder verstärkt auf Amazon setzen.
  • Konkurrenz bei Shop-Software: Nicht nur Shopify bietet Shop-Software an: Auch Magento (das mittlerweile zu Adobe gehört), WooCommerce, Spryker (aus Deutschland), BigCommerce, SalesforceSAP und andere sind in diesem Markt unterwegs. Einige richtigen sich vor allem an kleine Unternehmen (wie WooCommerce), andere an sehr große Enterprise-Kunden (wie Spryker).Shopify ist in den USA mit 30 % Marktanteil der Marktführer. Global liegt Shopify mit einem Marktanteil von 10 % hinter WooCommerce und Squarespace auf Platz 3. Diese Statistiken werden allerdings auch durch kostenfreie Zugänge, bspw. von WooCommerce, etwas verzerrt.
  • Konkurrenz bei PoS-Lösungen: Das PoS-Segment wird nicht separat ausgewiesen, da es heute noch kein großer Umsatztreiber für Shopify ist. Auch hier gibt es aber einige Konkurrenten: Square (ebenfalls börsennotiert), Lightspeed, Vend, enfore (vom deutschen IT-Unternehmer Marco Börries) und weitere. Letztendlich bedroht keines dieser Unternehmen Shopify wirklich, sie werden aber das Wachstum von Shopify im PoS-Segment bremsen.
  • Schwierigeres Werbeumfeld: Viele Shopify-Händler sind mit Facebook Werbeanzeigen groß geworden. Nun wird das Werbeumfeld herausfordernder, vor allem durch Datenschutz-Einschränkungen von . Das trifft daher auch Shopify-Händler und damit Shopify.

Aktienbewertung & Investment-These

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Für die Ermittlung des fairen Werts habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

Umsatzwachstum

  • Umsatzwachstum zuletzt: 41% im letzten Quartal, 57% in 2021.
  • Prognose: Shopify vermeidet konkrete Zahlen. Für Q1 '22 erwartet es die niedrigste, für Q4 '22 die höchste Wachstumsrate des Jahres.
  • Analystenerwartung: +32% in 2022, +33% in 2023.
  • Meine kurzfristige Annahme: Ich gehe kurzfristig von +30% aus.
  • Meine langfristige Annahme: Shopify kann denke ich auch langfristig gut wachsen, durch anhaltende Digitalisierungstrends, Ausbau der bestehenden Lösungen und internationale Expansion. Ich gehe von 10% aus.

Nettomarge

Die Bruttomarge liegt heute bei 53 - 57%. Ich vermute, dass diese noch Richtung 60% gesteigert werden kann. Die operative Marge und die Free Cashflow Marge liegen im Bereich von ca. 10%. Die Profitabilität von Shopify ist zurzeit noch schwer abzuschätzen, ich würde die Nettomarge langfristig zwischen 10% und 25% schätzen. Ich gehe hier von 16% aus.

Bewertungsniveau

Basierend auf dem Gewinn kennen wir quasi noch keine nachhaltigen Bewertungsniveaus von Shopify. Mit den anderen Annahmen - einem hohen Umsatzwachstum, einer sehr soliden Nettomarge und einem starken Geschäftsmodell - halte ich eine Bewertung mit einem KGV von 28 durchaus gerechtfertigt.

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: SHOP.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %)
KGV (langfristig)
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Die Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

19
Qualität

21
Geschäftsmodell

21
Wachstum

2
Bewertung

63

Gesamtscore

Stark 🥳

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Pro

  • Enorm starkes Geschäftsmodell mit wachsendem Burggraben
  • Integres und langfristig orientiertes Management
  • Diversifikationseffekt durch Sitz in Kanada
  • Große Vision durch Eintritt in neue Segmente (Logistik, Finanzdienstleistungen,...)
  • Chancen durch strategische Partnerschaften

Contra

  • Immer noch höheres Bewertungsniveau
  • Ebenfalls starke Konkurrenz in vielen Segmenten

Fazit

Der Spruch "Verkaufe Schaufeln im Goldrausch" trifft auf Shopifys Geschäftsmodell zu: Im E-Commerce breitet Shopify sich immer weiter aus und erschafft Lösungen, die den Kunden und Shopify selbst helfen, den Goldrausch zu nutzen und voranzutreiben.


Das Unternehmen ist das, was man heute als "gutes" Unternehmen bezeichnen würde: Starkes Geschäftsmodell, Zukunftsbranche, wiederkehrende Umsätze, ein langfristig orientiertes Management, offene Kultur und Einsetzen für gesellschaftlich wichtige Themen. Aus Anlegersicht trübt einzig und allein die mittelmäßige Bruttomarge das Bild.


Das Bewertungsniveau ist immer noch hoch, wenn auch deutlich realistischer. Die Bewertung hat immer noch etwas Fallhöhe, ist aber in meinen Augen gerechtfertigt. Denn die Visionen sind ebenso enorm groß - und mir fallen aktuell keine vergleichbaren Unternehmen ein, die in der gleichen Größe denken, um die umfassende Plattform für Online-Shops zu werden.


Unterm Strich eine spannende Aktie für Anleger, die etwas risikobereiter sind und vom Trend des E-Commerce profitieren wollen.

Tags: Shopify | Aktien: Shopify

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #12: Wir kennen keine Garantien.

An der Börse geht's nie um Garantien, sondern um Wahrscheinlichkeiten. Erfolgreich investieren bedeutet 6 von 10 mal richtig zu liegen, nicht 10 von 10 mal. Und es bedeutet, auch mal ziemlich falsch liegen zu können, ohne, dass es die Geldanlage in Frage stellen würde.

"Wenn du gut bist, liegst du sechs von zehn Mal richtig. Du wirst nie neun von zehn Mal richtig sein." - Peter Lynch

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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