Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 11. April 2021

Plug Power ist seit Monaten bei vielen Brokern die meistgehandelte Aktie. Sie ist spektakulär gestiegen, war dann vor ein paar Wochen die am höchsten bewertete Aktie in meinem Kosmos und hat sich zuletzt fast ebenso spektakulär korrigiert.

Sie steht sinnbildlich für die große Hoffnung auf den Wasserstoff-Markt. Auch im Index der regenerativen Energien ist Plug Power die größte Aktie.

Amazon ist ein Kunde von Plug Power – aber im Grunde sogar mehr als das. Ich verrate dir in der Analyse, was hinter dem Amazon-Deal steckt und was das über die Plug Power Aktie verrät.

Ich sehe drei Gründe, warum Anleger aktuell gespannt auf Plug Power schauen:

  1. Wasserstoff im riesigen Zukunftsmarkt der regenerativen Energieerzeugung
  2. Plug Power fokussiert sich nicht aufs Endprodukt, sondern auf die Technologie („Verkaufe im Goldrausch nicht Gold, sondern Schaufeln“)
  3. Politischer Anschub, der Rückenwind für Wasserstoff-Unternehmen bedeuten kann

Auf der einen Seite stehen diese Hoffnungen und Rückenwinde. Auf der anderen Seite steht eine enorm hohe Bewertung, Probleme mit der Bilanz und kurzfristige Rückschläge in den Quartalszahlen.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen oder rächen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, wie die Ertragsseite von Plug Power aussieht, welche Hoffnungen Anleger haben und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen Plug Power

Das Unternehmen

Plug Power wurde 1997 gegründet und ist schon zwei Jahre danach an die Börse gegangen. Seit Gründung hat Plug Power allerdings noch kein Jahr im Gewinn abgeschlossen.

Es steht zentral für die Hoffnung auf Wasserstoff als nachhaltigeren Weg der Energieerzeugung.

Plug Power schreibt selbst über sich:

The architect of modern hydrogen and fuel cell technology, Plug Power is the innovator that has taken hydrogen and fuel cell technology from concept to commercialization.

Produkt & Geschäftsmodell

Plug Power entwickelt Brennstoffzellen. Diese werden in der Elektromobilität eingesetzt, in Notstromanlagen oder Flurfördergeräten. Auch andere Services rund um Wasserstoff bietet Plug Power an, u.a. Wasserstoffspeicherung und Zapfanlagen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt. Von Mai 2020 bis Februar 2021 ging es um +1.300% (!) nach oben. Zuletzt hat die Aktie um etwa 50% korrigiert. Unterm Strich steht die Aktie heute noch ca. 650% höher als vor einem Jahr.

Chancen

  1. Wasserstoff als Zukunftsmarkt für Klimawandel
  2. Plug Power fokussiert sich nicht aufs Endprodukt, sondern auf die Technologie („Verkaufe im Goldrausch nicht Gold, sondern Schaufeln“)
  3. Politischer Anschub, der Rückenwind für Wasserstoff-Unternehmen bedeuten kann

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Chancen und dem Unternehmen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Seit 2016 steigt der Bruttoumsatz von Plug Power, nachdem er lange stagniert ist.

  • 2016: 83 Mio. $
  • 2017: 100 Mio. $ (+20%)
  • 2018: 175 Mio. $ (+75%)
  • 2019: 230 Mio. $ (+31%)
  • 2020: 340 Mio. $ (+48%)

Im Durchschnitt ist Plug Power damit etwas mehr als 30% pro Jahr gewachsen.

Aber: Der nach GAAP-Richtlinien festgestellte Umsatz ist im Q4 2020 mit -316 Mio. US-Dollar deutlich negativ, wodurch der Jahresumsatz -100 Mio. USD beträgt und beim Ergebnis ein Minus von -467 Mio. USD zu Buche steht.

Negative Umsätze durch Amazon-Deal

Der Grund für den Negativumsatz: „Nicht liquiditätswirksame Kundengarantien“.

Was dahinter steckt: Amazon ist Kunde von Plug Power und hat in 2017 Optionen erhalten, mit denen Amazon bis zu 55 Mio. Aktien von Plug Power für 1,20 USD kaufen kann. Eine Art Rabatt, den Plug Power Amazon so geboten hat. Dafür musste Amazon im Laufe der Zeit 600 Mio. USD für Produkte von Plug Power ausgeben.

Heute sind die Aktienoptionen von Amazon deutlich mehr wert als die vereinbarte Summe, die Amazon bezahlt. Daher muss der Umsatz rückwirkend angepasst werden.

Für den operativen Umsatz kann das daher ignoriert werden, spannend ist dieses Vorgehen trotzdem. Gleich in der SWOT-Analyse dazu mehr.

Bilanzprobleme

Kurz danach musste Plug Power außerdem rückwirkend einige Bilanzen korrigieren, was die Aktie zeitweise bis zu 20% hat fallen lassen. Aus dem Briefing dazu:

Nun sind Bilanzfehler bei Plug Power bekannt geworden. KPMG hat Fehler gefunden, wodurch gleich drei Jahresabschlüsse korrigiert werden mussten. Die Aktie ist dann um 14% gefallen. An den zukünftigen Erwartungen soll sich laut Plug Power nichts ändern.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

Plug Power listet vier unterschiedliche Segmente:

  • 70% – Brennstoffzellen und verwandte Infrastruktur
  • 9% – Services zu Brennstoffzellen
  • 9% – Power Purchase Agreements (Stromkaufvereinbarungen)
  • 11% – An Kunden gelieferter Wasserstoff
  • 1% – Sonstiges

Die Bruttomarge ist aktuell nur knapp über 0%. Sprich: Produkte und Services werden etwa zum Selbstkostenpreis verkauft, Erträge darüber hinaus gibt es noch nicht.

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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Tags: Plug Power

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #3: Wir suchen Qualität.

Es ist okay, in besonders günstige Aktien zu investieren. Es ist aber vor allem eine kurzfristige Strategie. Langfristig setzt sich Qualität durch, die zu einem fairen Preis gekauft wird.

„Es ist viel besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein passables Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.“ - Warren Buffett

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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