Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 21. Februar 2021

Eigentlich wollte Palantir nicht an die Börse gehen. Zu geheim und vertraulich seien die Projekte, als dass man so ein Unternehmen öffentlich und transparent führen könnte.

Nicht verwunderlich: Von russischen Verbrechersyndikaten über chinesische Hackergruppen und Osama Bin Laden bis zu FBI, NSA und CIA klingt Palantirs Geschichte nach dem Who-is-who der digitalen Hacker- und Verteidigerszene.

2020 ist der Schritt aber trotzdem geschehen und Palantir zu einer zweistelligen Milliardenbewertung in den USA an die Börse gegangen. Die Aktie hat sich nach dem IPO gut entwickelt, hat nach den jüngsten Quartalszahlen aber etwa 20% verloren.

Aber was ist das „geheime“ Geschäftsmodell von Palantir? Es geht um viele Daten („Big Data“), künstliche Intelligenz und Terrorabwehr. Kunden sind Finanz- und Pharmaunternehmen, aber auch Nachrichtendienste und Behörden, vor allem in den USA. Zeitweise war Peter Thiel, PayPal Mitgründer und erster Facebook Investor, der größte Investor von Palantir.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Einzigartiges Geschäftsmodell: Es gibt wenige andere Unternehmen, die in diesem kritischen Bereich unterwegs sind – mit allen positiven und negativen Facetten, die dazu gehören
  2. Absicherung: Viele Aktien steigen und fallen mit der Konjunktur. Palantir könnte entgegengesetzt funktionieren (was wir noch genauer analysieren)
  3. Software, wo sie gebraucht wird: Viele Nachrichten und Signale produzieren viele Daten, die sich nur durch Software und KI analysieren lassen

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht (und wo ich ihn nicht sehe), wie groß Palantir werden kann, moralische Fragen und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

Palantir wurde 2004 offiziell gegründet. U.a. Peter Thiel war daran beteiligt. Das hat geholfen: Das erste Software-Konzept basierte auf einer Betrugserkennung bei PayPal. Palantir wollte dabei künstliche Intelligenzen mit dem Wissen von Analysten, bspw. Geheimdienst-Analysten, erweitern.

Viele Geschichten rund um die Einsatzzwecke von Palantirs Software lesen sich wie ein Krimi: Russische Syndikate. Chinesische Cyber-Spionagenetzwerke, die u.a. das Büro des Dalai Lama, einen NATO-Computer und Botschaften gehackt haben. Osama Bin Laden, der mit Hilfe von Palantir „neutralisiert“ werden konnte. NSA, FBI und CIA spielen auch eine Rolle, da sie zu Palantirs Kunden gehören.

Produkt & Geschäftsmodell

Aber was genau bietet Palantir jetzt eigentlich an?

Im Kern: Daten sammeln, auswerten und auswertbar machen. Mit Hilfe von großen Datenbanken, künstlicher Intelligenz und Analysten.

Unzählige Datenpunkte und Signale fallen heute an. Diese sind für viele Organisationen enorm interessant:

Zum einen für staatliche Behörden, Geheim- und Nachrichtendienste. Sie dienen dazu, Gefahren frühzeitig zu erkennen und abzuwehren – und sind der Punkt, den viele Menschen kritisch sehen, die einen Überwachungsstaat befürchten.

Zum anderen sind Daten auch für die Finanzindustrie interessant, weshalb auch große Banken oder Hedgefonds zu den Kunden von Palantir gehören.

Im Kern gibt es damit drei Segmente bei Palantir:

  1. Gotham: Lösung für staatliche Behörden
  2. Metropolis: Lösung für Finanzunternehmen
  3. Foundry: Lösung für private Unternehmen (bspw. Airbus und Merck sind Kunden)

Ein Eindruck der neuesten Gotham-Version:

Aktienkurs

Die Aktie hat sich nach dem IPO gut entwickelt, hat nach den jüngsten Quartalszahlen aber etwa 20% verloren.

Chance

  • Einzigartiges Geschäftsmodell: Es gibt wenige andere Unternehmen, die in diesem kritischen Bereich unterwegs sind
  • Absicherung: Viele Aktien steigen und fallen mit der Konjunktur. Palantir könnte entgegengesetzt funktionieren (was wir noch genauer analysieren)
  • Software, wo sie gebraucht wird: Viele Nachrichten und Signale produzieren viele Daten, die sich nur durch Software und KI analysieren lassen
  • Phase & entscheidende Fragen

    Palantir ist in Phase 2: Es wurde schon 2004 gegründet und hat sich etabliert, befindet sich aber noch in der Phase stärkeren Wachstums.

    Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

    Business Breakdown: Geschäftsmodell von Palantir analysiert

    Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

    Unternehmensentwicklung

    Die öffentlichen Zahlen von Palantir reichen leider noch nicht sehr lange zurück und beschränken sich auf die letzten Jahre. Das liegt an Möglichkeiten für „Emerging growth companies“ in den USA, welche vorsehen, dass Unternehmen wie Palantir so wenig Informationen wie nötig veröffentlichen müssen.

    Im S-1 Filing heißt es konkret:

    We are an “emerging growth company” as that term is defined in the Jumpstart Our Business Startups Act of 2012, and, as such, we have elected to comply with certain reduced public company reporting requirements for this prospectus and may elect to do so in future filings.

    Die Zahlen, die wir sehen, sehen aber stark aus: Der Umsatz ist um +47% YoY gewachsen.

    Dabei hat Palantir zuletzt Geld verloren. Das angepasste EBIT war zuletzt aber positiv und zeigt damit eine deutliche Tendenz in Richtung Profitabilität:

    Wie verdient Palantir Geld?

    Palantir schlüsselt die Umsätze nicht nach Regionen auf, nahezu alle Umsätze werden aber voraussichtlich in den USA erzielt.

    Interessant ist das Verhältnis von staatlichen zu gewerblichen Kunden. Die staatlichen Kunden machen mit 610 Mio. US-Dollar 56% der Umsätze aus. Darüber hinaus ist das Segment um +77% in 2020 gewachsen.

    Die restlichen 44% entfallen auf gewerbliche Kunden.

    Die angegebenen Wachstumszahlen sind etwas verwirrend. Es ist die Rede Von „+107% von gewerblichen US-Kunden“ aber auch „+22% Wachstum“.

    Letzteres scheint die richtige Kennzahl zu sein, da nur aus dieser das gesamte Umsatzwachstum resultiert. Anders gesagt: Das Wachstum in den USA war sehr stark, außerhalb enorm schwach.

    Kurz zusammengefasst: 

    56% staatliche Kunden (+77% YoY), 44% gewerbliche (+22% YoY). Beide Segmente wachsen also, der Haupttreiber sind aber nach wie vor staatliche Institutionen.

    Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

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