von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 23. Oktober 2022

Forbes nennt „Amerikas wichtigstes Unternehmen“. Tech-Investorin Beth Kindig geht davon aus, dass Nvidia größer als wird. Und Nvidia sagt selbst:

Nvidia is powering the next era of computing.

In der Analyse werden u.a. folgende fünf spannende Punkte vertieft:

  •  📈 Starkes Wachstum: Zuletzt hat Nvidia das stärkste Jahr der Firmengeschichte hingelegt, hat den Umsatz um über 50% gesteigert und die Profitabilität erhöht. Die Aktie hat sich ebenfalls vervielfacht. Aber: Der Ausblick zeigt, dass der Trend gerade zu kippen droht.
  • 👨‍💻 Geschäftsmodell: Nvidia ist gestartet mit Hardware, v.a. Grafikchips für PC- und Videospiele. Mittlerweile bietet Nvidia Hard- und Software, mit der ein Großteil der Supercomputer, die Datenzentren der großen Cloud-Anbieter, Metaverse-Lösungen und autonome Fahrlösungen führender Automobilhersteller betrieben werden.
  • 🤖 Billionenmarkt? Nvidias Chips und Prozessoren werden für Gaming, KI, autonomes Fahren, Datenzentren und vieles mehr gebraucht. All das sind stark wachsende Branchen. Nvidia selbst spricht von einem Billionenmarkt. Eine erfolgreiche Tech-Analystin geht davon aus, dass Nvidia wertvoller wird als Apple.
  • 💰 Enorm profitabel: Nivida erzielt eine Nettomarge von über 30%, was für ein Unternehmen, das nicht nur auf Software setzt, ziemlich stark ist.
  • 🔥 Heißer Markt & 50%-Kurssturz: Der Markt für Halbleiter ist umkämpft. Historisch war er immer volatil, zuletzt gab es deutliche Lieferengpässe. Nvidias Aktienkurs hat sich in den letzten Monaten halbiert.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Sollte man jetzt noch Nvidia Aktien kaufen oder nicht? Dieser Frage versuchen wir uns zu nähern.

Die Analyse beruht u.a. auf folgenden Quellen & Einschätzungen:

  • Aktuellste Finanzkennzahlen bis zum letzten Quartal (Q2 ’23)
  • Geschäftsbericht & Investorenpräsentation aus Oktober 2022
  • Letzte Earnings Calls & Entwickler-Konferenz aus März ’22
  • Analysen von Investoren, u.a. Tech-Analystin & Fondsmanagerin Beth Kindig
  • Einschätzungen von Marktexperten, u.a. von Ben Thompson (Stratechery)
  • Interviews der Führungsebene (u.a. mit CEO Huang, dem CTO & dem Metaverse-Chef)

Viel Spaß!

Überblick & Entwicklung

Das Unternehmen

Nvidia ist ein Entwickler von Computer-Chips und Grafikprozessoren. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. CEO ist der Mitgründer Jensen Huang.

1999 ging es quasi nur um kleine GPU Chips mit 30% Bruttomarge. 2014 um Grafikkarten und 50% Bruttomarge. Heute liegt die Bruttomarge bei über 60% und Nvidia ist in zahlreichen Branchen und Bereichen unterwegs, die durch eine übergreifende Architektur bedient werden.

Neben dem Gaming-Segment ist heute vor allem das Data Center Segment stark gewachsen.

Produkt

Nvidia arbeitet nach dem Fabless-Prinzip. Das heißt: Es betreibt keine eigene Produktion, sondern entwickelt die Chips nur. Die Produktion selbst übernehmen dann Dienstleister wie bspw. . Dieses Prinzip setzt auch AMD um und Intel schwenkt womöglich darauf um.

Diese Chips stecken in Computern, Spielekonsolen, Autos und großen Rechenzentren. Mehr zu den Anwendungsfällen gleich.

Aber welche Chips entwickelt Nvidia?

Oft wird zwischen CPUs (Zentraleinheiten) und GPUs (Grafikprozessoren) unterschieden. Beides sind Computerelemente, Mikroprozessoren und basieren auf Halbleitern. Nvidia entwickelt vor allem GPUs.

CPUs werden vor allem für das Abarbeiten von Programmierbefehlen oder Datenbanken genutzt. Sie steuern bspw. Computer ganzheitlich.

GPUs haben speziellere Anwendungsfälle. Die Darstellung von 3D-Grafiken und Videospielen war einer der ersten, mittlerweile sind GPUs aber vielfältiger einsetzbar. Gerade im Bereich der künstlichen Intelligenzen wird vermehrt auf GPUs gesetzt.

Nvidia spricht außerdem oft vom „accelerated computing“. Im Jahresbericht heißt es „Accelerated computing is the path forward“. Durch spezielle Prozessoren und ganzheitliche Computer Science Ansätze sollen dabei sehr rechenintensive Anwendungen bestmöglich umgesetzt werden.

Nvidia bietet damit u.a. Hard- und Software, mit denen Unternehmen künstliche Intelligenzen aufbauen und nutzen können.

Es gibt viele Anwendungsfälle, bei denen künstliche Intelligenzen eingesetzt werden: Erkennung von Körperhaltung, Objekte auf Kameraaufnahmen (bspw. von Autos) unterscheiden, Bilder und Objekte klassifizieren, Emotionen erkennen, Übersetzungen und mehr. Das zeigt schon, welchen Einfluss Nvidia branchenübergreifend hat und haben kann.

Der Highlights-Zusammenschnitt von der Entwicklerkonferenz von März ’22 zeigt, wo Nvidia gerade steht und hin möchte: Die Infrastruktur der KI-Welt zu stellen mit integrierter Hard- und Software.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Zahlencheck & Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Hinweis: Nvidia hat zuletzt das Q2 ’23 abgeschlossen, hat also ein versetztes Geschäftsjahr, das im Januar ’23 endet.

Ertragsentwicklung

Jedes Quartal legt Nvidia neue Rekordzahlen vor – bis zum aktuellsten Quartal. Die Grafik zeigt den dramatischen Einbruch in Umsatz und Bruttomarge, die in Kombination das Ergebnis viertelt.

  • Umsatz: +3% YoY, -19% QoQ
  • Bruttomarge: 44%, zuvor 67%
  • Nettoergebnis: -72% YoY, -59% QoQ
  • Operativer Cashflow: -53% YoY, -27% QoQ

Den auffälligen Abfall der Bruttomarge erklärt der CFO primär durch Abschreibungen von Inventar, da dies durch gedämpfte Nachfrage wohl nicht zu dem bilanzierten Wert abgesetzt werden kann.

GAAP and non-GAAP gross margin decreases were primarily due to a $1.34 billion charge, comprised of $1.22 billion for inventory and related reserves and $122 million for warranty reserves.

  • Der Umsatz sollte bei 8,1 Mrd. Dollar liegen, erreichte nur 6,7 Mrd. Dollar.
  • Das Data Center Segment wuchs um 61%
  • Das Gaming Segment fiel um 33%

Der Umsatz hat im Geschäftsjahr 2021 um +53% und 2022 um +61% zugelegt, wovon allerdings in 2021 ca. 10% laut Geschäftsbericht aus der Akquisition von Mellanox stammen, die dem Data Center Markt zugeordnet werden.

Auch der operative Gewinn, der operative Cashflow und der Free Cashflow haben sich über die letzten Jahre stark entwickelt. Das Geschäftsjahr 2023 wird an diesen Trend allerdings nicht anknüpfen können.

Ende 2020 hatte Nvidia außerdem bekannt gegeben, dass es das Unternehmen Arm für 40 Mrd. US-Dollar kaufen möchte. Der Kauf sollte mit Cash und eigenen Aktien bezahlt, wurde aber kürzlich von den Kartellbehörden gekippt.

Entwicklung der Gewinnmargen

Die Bruttomarge konnte Nvidia zuletzt von Jahr zu Jahr steigern. Mit Ausnahme vom GJ 2020 ist auch die operative Marge konstant gestiegen. Im letzten Quartal ist die Marge mit 65% Bruttomarge, 39% operativer Marge und 32% Nettomarge an einem der höchsten Stände.

Woher kommt dieser Margengewinn? Vor allem daher, dass das Data Center Segment immer größer geworden ist und dieses die größte Bruttomarge aller Segmente hat.

Investitionen & Innovation

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betragen etwa 25% des Umsatzes. Das zeigt, dass ein großer Anteil der Kosten weiter in technologischen Fortschritt investiert wird.

Von den 500 stärksten Supercomputern der Welt sind in 342 Systemen Chips von Nvidia verbaut. 70% der neuen Systeme werden mit Nvidia-Chips ausgestattet.

Deep Dive: So verdient Nvidia Geld

Nvidia teilt das Kerngeschäft in vier Teile auf, absteigend nach Größe sortiert und mit dem Wachstum über die letzten 5 Jahre:

  1. Gaming: 46% Umsatzanteil, +25% p.a.
  2. Data Center: 40% Umsatzanteil, +66% p.a.
  3. Professional Visualization: 8% Umsatzanteil, +20% p.a.
  4. Automotive: 2% Umsatzanteil, +3% p.a.

Die Zahlen zeigen: Sowohl im heutigen Anteil als auch im Wachstum dominieren das Gaming- und das Date Center Segment.

Ein genauerer Blick auf die Segmente

Schauen wir nun einmal auf die einzelnen Segmente und die Treiber dahinter.

Gaming

Das größte Segment ist Gaming. Hier bietet Nvidia Grafikkarten auf der GeForce Plattform an, die in vielen Computern und Spielekonsolen wie der Switch verbaut sind. Diese werden übrigens auch für das Mining von Kryptowährungen genutzt, wo die steigenden Preise für Krytowährungen auch die Nachfrage nach Mining-Equipment erhöht haben.

Nvidia schreibt im Jahresbericht:

Gaming is the world’s largest entertainment industry. With more than 200 million gamers, NVIDIA GeForce is its largest platform. GeForceRTX GPUs and the GeForce Experience application transform everyday PCs into powerful gaming machines.

Der Umsatz liegt 33% unter Vorjahr. Das liegt wohl auch daran, dass viele Krypto-Miner durch die gefallenen Preise von Kryptowährungen aufgeben haben und keine neuen Nvidia-Grafikkarten einsetzen.

Data Center

Dem Data Center Geschäft ist ebenfalls das KI-Geschäft zuzuordnen.

Auch Amazons AWS zeigt die Partnerschaft nach außen und schreibt für Kunden:

AWS und NVIDIA arbeiten seit über 10 Jahren zusammen, um kontinuierlich leistungsstarke, kostengünstige und flexible GPU-basierte Lösungen für Kunden zu liefern. […]

Kunden auf der ganzen Welt nutzen AWS- und NVIDIA-Lösungen für Machine Learning (ML), virtuelle Workstations, High Performance Computing (HPC) und IoT-Services. -EC2-Instances mit NVIDIA-GPUs liefern die skalierbare Leistung, die für schnelles ML-Training, kostengünstige ML-Inferenz, flexible virtuelle Remote-Workstations und leistungsstarke HPC-Berechnungen benötigt wird.

Es gibt immer nur mehr Daten mit der Digitalisierung. Um diese schnell und auf Basis künstlicher Intelligenz analysieren zu können, werden u.a. die GPUs von Nvidia eingesetzt. Nvidia selbst sagt, dass knapp 70% der 500 stärksten Supercomputer mit Nvidia ausgestattet sind.

Professional Visualization

Auch das Segment Professional Visualization wächst langfristig, ist aber seit zwei Quartalen rückläufig. Die Lösungen darin zielen auf Architekten und Designer ab, die Rechenkraft für Visualisierungen, bspw. im 3D-Bereich und simulierten Welten, brauchen.

Auto

Am Ende kommt das Automobil-Segment. Hier hätte ich angesichts des Software-Fokus der Automobilbranche stärkeres Wachstum vermutet. Hier hat Nvidia viele Partnerschaften, u.a. mit Toyota, Mercedes-Benz und Volvo.

1,5 Jahre zuvor, bis Ende des vorherigen GJs ’21, sahen die Zahlen der Partner recht identisch aus. Bei Sensoren, Mapping und Robotaxis gab es damals sogar noch mehr Partner als heute.

Nvidia erklärt die Entwicklung besser: Es gab Rückgänge im Infotainment-Segment der Autos, aber einen stärkeren Anstieg im Bereich des autonomen Fahrens.

Stand vor einem Jahr (GJ 2021)

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Halbleiterentwicklung
  • Marktkapitalisierung: 310 Mrd. USD
  • Umsatz: 29,7 Mrd. USD
  • Ergebnis: 7,8 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 6,3 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 11
  • KGV: 41
  • KGVe: 27
  • KCV: 42
  • PEG-Ratio: 2,4

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 60% (5J: 62%)
  • Operative Marge: 31% (5J: 31%)
  • Nettomarge: 26% (5J: 30%)
  • Umsatzwachstum: ∅ 32% p.a. (letzte 3 Jahre), +3% YoY

Geschäftsmodell & Burggraben

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: Nvidia | Aktien: Nvidia

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #7: Wir kaufen nicht nur, weil etwas steigt.

Einige Aktionäre kaufen Aktien nur wegen eines „Geheimtipps“, eines steigenden Kurses oder eines Hypes und merken erst dann, wenn sie fällt, dass die Geschäftszahlen die Bewertung kaum rechtfertigen konnten. Angesagte Aktien können auch gute Aktien sein. Sie nur wegen eines Hypes zu kaufen, wäre aber kurzfristige Spekulation. Und wir wissen: Nur weil eine Aktie gut ist, stark wächst oder im Hype ist, heißt es nicht, dass sie auf Dauer überdurchschnittlich gute Renditen abwirft. Oftmals ist das Gegenteil der Fall.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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