Nike Aktienanalyse: 40% unter Allzeithoch – Einstiegschance beim Branchenprimus?

veröffentlicht: 25. November 2023

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von Jannes Lorenzen

GrĂŒnder, Strategie-Lead & Investor

"Es gab nie eine bessere Zeit um Nike zu sein" - das zumindest schreibt Nike selbst. Die Börse ist gerade skeptischer und straft den Branchenprimus der Sportbekleidung ab. Zu Recht?

  • 📉 Kurssturz: Die Aktie steht fast 40% unter dem Allzeithoch. Gerade fĂŒr eine Aktie wie Nike ist das ein deutlicher RĂŒckgang.
  • 🏃 Starke Marke: Nike verkauft Produkte, die wir immer brauchen, unter einer ĂŒber Jahrzehnte gewachsenen und auch durch historische Entwicklungen gestĂ€rkte Marke. Das lĂ€sst sich nicht einfach kopieren, auch wenn es zuletzt einige jĂŒngere Marken (On Running oder Lululemon) mit großen Erfolgen gab.
  • 🏅 MarktfĂŒhrer: Nike ist fĂŒhrend im Bereich der Sportartikelhersteller, wobei sich das Segment auch mittlerweile in den Nicht-Sport-Bereich ausgedehnt hat. Der Börsenwert liegt bspw. vier mal so hoch wie bei Konkurrent Adidas.
  • đŸŽœ Überangebot: Die aktuelle weltwirtschaftliche Lage trifft Nike hart. Nicht nur, dass es mehr Konkurrenten gibt, sondern das erhöhte Inventar trifft auf eine abgeschwĂ€chte Nachfrage. Nun fĂ€llt das Umsatzwachstum, es droht Ware mit Rabatten zu verkaufen und damit die Gewinne zu vernichten.

Du erfĂ€hrst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Nike Aktie ĂŒberbewertet ist oder man die Nike Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das GeschĂ€ftsmodell wirklich? Gibt es einen dauerhaft bestĂ€ndigen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich ErtrĂ€ge und ProfitabilitĂ€t?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus?
  • GegenĂŒberstellung der StĂ€rken, SchwĂ€chen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der InvestorenprĂ€sentation, den letzten Earnings Calls, EinschĂ€tzungen von Marktexperten, Aussagen der FĂŒhrungsebene und mehr. Viel Spaß!

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Überblick & Investment-These

Nike, Inc. ist ein weltweit fĂŒhrendes Unternehmen - womöglich sogar das weltweit fĂŒhrende - im Bereich Sportbekleidung, Schuhe und AusrĂŒstung. Das KerngeschĂ€ftsmodell von Nike konzentriert sich auf das Design, die Entwicklung und den Vertrieb von Sportartikeln. Das Leben bekommen die Produkte aber durch die Marke, den bekannten Swoosh, der durch viele Partnerschaften und berĂŒhmte Sportler populĂ€r wurde.

Nike wurde im Januar 1964 von Phil Knight und Bill Bowerman als "Blue Ribbon Sports" in Beaverton, Oregon, gegrĂŒndet. Der Name wurde 1971 offiziell in Nike, Inc. geĂ€ndert. Die UrsprĂŒnge des Unternehmens liegen in der Zusammenarbeit mit japanischen Sportschuhherstellern.

Nike ist das Unternehmen, zudem auch die Marke Nike gehört, aber auch die Marken Converse oder Jordan.

Seit 2020 ist John Donahoe der Chief Executive Officer (CEO) von Nike. Donahoe bringt eine umfassende Erfahrung im Bereich E-Commerce und Technologie mit, war davor lange CEO bei Ebay, was auf die wachsende Bedeutung des digitalen Marktes fĂŒr Nike hinweist.

Eben dieser CEO schreibt im Brief an die AktionÀre 2023 (mehr dazu gleich):

There’s never been a better time to be Nike.

Der Aktienkurs zeichnet ebenfalls eine Erfolgsstory. Allerdings eine, die zuletzt schwĂ€chelte: Um ĂŒber 40% stĂŒrzte der Kurs zeitweise ab. Langfristig sieht also alles gut aus, kurzfristig deutet es auf Probleme hin.

Investment-These

Nike ist MarktfĂŒhrer im Sportartikel-Segment und hat eine starke Marke. Der Kurs ist 40% gefallen, wodurch sich eine gĂŒnstige Einstiegschance in ein langfristig gut funktionierendes und profitables Unternehmen bieten könnte.

Eine These steht am Anfang einer Investment-Idee. Schauen wir jetzt, ob sie aufgehen könnte.

GeschÀftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das GeschĂ€ftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenĂŒber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Marktanalyse & Konkurrenz

Sind wir ehrlich: Die Produkte von Nike sind keine Besonderheit. Es gibt andere Anbieter, die diese ebenfalls anbieten. Das Alleinstellungsmerkmal ist die Marke, tendenziell aber auch eine enorm gute und effiziente Wertschöpfungskette, die gute Margen ermöglicht.

Wer sind die Konkurrenten und wie stehen diese da?

  • Nike: ~165 Mrd. USD Marktkapitalisierung, 51 Mrd. USD Umsatz bei ~10% Nettomarge. KGVe = 29.
  • Adidas: Traditionsreiche Sportmarke aus Deutschland. 34 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. 22 Mrd. Euro Umsatz. 6% langfristige Nettomarge, damit nur etwas mehr als die HĂ€lfte als Nike. KGVe = 400+.
  • Lululemon: Höherwertige Sportkleidung, die weniger nach Sport aussehen soll. 54 Mrd. USD Marktkapitalisierung, 9 Mrd. USD Umsatz, 14% Nettomarge. KGVe = 35.

Es gibt noch viele weitere Marken: Puma, Reebok, New Balance, On Running, Champion, Fila und viele mehr.

Der Markt hat einen interessanten Mix. Es gibt etablierte Marken (Nike, Adidas), aufgefrischte und schon totgeglaubte Marken (Reebok) sowie ganz neue und junge AnsÀtze (On Running, Lululemon).

In meinen Augen gibt's hier kaum Wege zu erkennen, welches Unternehmen strategisch und strukturell besser aufgestellt ist als ein anderes. Der grĂ¶ĂŸte Faktor ist die Marke. Immer mal wieder gewinnt eine Marke, eine andere verliert.

Das könnte ernĂŒchternd sein, aber ist eine wichtige Erkenntnis: Wenn wir uns nicht zutrauen ein strukturell ĂŒberlegenes Unternehmen identifizieren, sollten wir umso mehr auf die Zahlen schauen und nicht zu hohe Preise fĂŒr möglicherweise zu großen Optimismus zu zahlen.

Meine Bewertung des GeschÀftsmodells

Ein starkes GeschÀftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der GeschĂ€ftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende ErklĂ€rungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

GeschÀftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende UmsÀtze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Weder gibt es wiederkehrende UmsĂ€tze noch Lock-In Effekte. Wer Nike nicht mehr kaufen möchte kann jederzeit auf andere Marken umsteigen. Einzig VertrĂ€ge mit HĂ€ndlern können eine gewisse planbar Abnahme fĂŒr Nike bedeuten. Immerhin: Viele sind einer Marke treu und wĂŒrden, sobald etwas kaputt ist, direkt wieder nachkaufen.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Keine.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das GeschĂ€ftsmodell mit zunehmender GrĂ¶ĂŸe widerstandsfĂ€higer? Wachsen UmsĂ€tze stĂ€rker als Kosten?

Skaleneffekte sind in unterschiedlichen Bereichen stark ausgeprĂ€gt: In der Materialbeschaffung und der Produktion, beim Gewinnen von großen Partnerschaften (bspw. mit Sportlern, Teams oder anderen Unternehmen) und beim Aufbau eines eigenen E-Commerce GeschĂ€fts. Gerade Nike ist hier fĂŒhrend und deutlich stĂ€rker als bspw. Adidas.


ProprietÀre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Kaum vorhanden, auch wenn die Hersteller immer wieder revolutionĂ€re Technologien verkĂŒnden. Technologie, Patente o.Ä. sind aber in meinen Augen hier nicht wirklich ein Differenzierungsmerkmal. Technisch ist vermutlich jeder in der Lage, Ă€hnliche Produkte herzustellen.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das GeschÀftsmodell nach vorne bringt?

Die Marke ist stark und enorm wichtig. Schuhe sind mehr wert, wenn sie ein Nike Logo aufgedruckt haben, als ein identischer Schuh ohne Logo. Die Marke hat auch eine lange Historie mit Sportlern und Mannschaften, die nicht einfach von neuen Marken ersetzt werden kann.


GeschÀftsmodell-Bewertung: 13 / 25

Zahlencheck

Nike hat ein verschobenes GeschÀftsjahr, weshalb zuletzt das Q1 2024 abgeschlossen wurde und wir uns demnach schon im GeschÀftsjahr 2024 befinden.

Wachstum

Das Umsatzwachstum lag ĂŒber die letzten 10 Jahre etwa bei 8% pro Jahr, im letzten GeschĂ€ftsjahr bei knapp 10%. 2020 ging es pandemiebedingt runter, danach umso stĂ€rker wieder hoch, bis auf diese Ausreißer pendelt das Wachstum recht konstant zwischen 5 und 11%.

Das operative Ergebnis ist Àhnlich gewachsen, hatte es in den letzten beiden Jahren aber schwerer. Mehr dazu gleich.

Im letzten Quartal lag der Umsatz nur noch 2% ĂŒber Vorjahr. Der direkte Umsatz ist immerhin 6% höher. Die Bruttomarge war ebenfalls leicht niedriger.

ProfitabilitÀt

Schauen wir auf den langfristigen Trend der ErtrĂ€ge, sehen wir ebenfalls eine steigende Tendenz. Auch hier gab es aber ein deutliches Hoch in 2021, auch deutlicher als die noch vor der Pandemie angedeutete Trendlinie. Danach ging es aber immer etwas weiter runter - und die Probleme sind noch nicht vollends ĂŒberwunden.

Der Free Cashflow lag zuletzt bei 4,5 Mrd. Dollar. Ich bereinige gern um zwei Positionen: Die Verschiebung im Working Capital (weil ich bspw. nicht möchte, dass der Cashflow dadurch besser aussieht, dass Lieferanten spĂ€ter bezahlt werden) und um aktienbasierte VergĂŒtung (da diese fĂŒr mich wie Gehalt zu behandeln sind). Dann schmilzt der Free Cashflow auf 3,3 Mrd. Dollar.

Die Margen sind langfristig erstaunlich stabil: 44 - 45% Bruttomarge, 13% operative Marge, 10% Nettomarge. Das sind die Durchschnittswerte, um die die Margen auch meistens pendeln.

Zurzeit liegen alle Margen leicht unter ihren Durchschnitten, was auch mit der aktuellen Phase und dem aufgebauten Inventar zu tun hat.

In 2021 gab es eher ein Angebotsproblem: Durch LieferengpĂ€sse kam man kaum hinterher. Umso stĂ€rker wurden BestĂ€nde aufgebaut. Dann folgte das Gegenteil: Inflation, Zinserhöhungen, Unsicherheit und die Konsumentenstimmung ging zurĂŒck.

Nun sitzen viele Unternehmen, gerade ModehĂ€ndler und -marken, auf ÜberbestĂ€nden. Diese erzeugen Lagerkosten, blockieren Platz fĂŒr kommende Saisons und mĂŒssen möglicherweise rabattiert verkauft werden. All das drĂŒckt die Margen.

Das Inventar ist tatsÀchlich immer weiter gestiegen. Nicht nur absolut, sondern auch im VerhÀltnis zum Umsatz, wie die Kennzahl der Days of Inventory (DOI) zeigt: Allein mit dem aktuellen Inventar kann Nike 106,5 Tage lang das aktuelle Umsatzniveau abwickeln, ein historischer Höchstwert - was negativ ist. Der Inventarabbau ist also noch nicht geschafft, Nike steckt eher noch mittendrin.

Die Logik fĂŒr die Gewinn- und Verlustrechnung: Hergestellte Ware wird als Inventar verbucht. Wird diese Ware abgeschrieben oder rabattiert verkauft, entsteht erst dann ein Verlust - vorausgesetzt, es finden keine großen Abschreibungen statt. Der Cashflow spiegelt solche Effekte sofort wider, ihm ist das Inventar egal. Der Gewinn könnte also zukĂŒnftig negativ davon betroffen sein.

Kapitalmanagement

Nike fĂŒhrt die ÜberschĂŒsse konsequent an AktionĂ€re zurĂŒck. Der Großteil fließt in AktienrĂŒckkĂ€ufe, aber auch die Dividende wird bedient und fĂŒhrt so zu 1 - 1,5% Dividendenrendite.

Der Shareholder Yield, also das insgesamt zurĂŒckgefĂŒhrte Kapital im VerhĂ€ltnis zur Marktkapitalisierung, liegt bei 4,5%. Zuletzt wurde aber mehr zurĂŒckgefĂŒhrt als ĂŒber den Free Cashflow erwirtschaftet, daher ist die Zahl so wohl auf Dauer zu hoch gegriffen.

In den letzten 20 Jahren wurde die Dividende mit einer Ausnahme, 2011, immer erhöht. Ein positives Zeichen.

Bilanz

Die Eigenkapitalquote liegt bei 40%. Die Kreditratings sind grob bei A und AA, damit gehört Nike zu der Spitze der Unternehmen. Nicht verwunderlich: Die Bilanz ist solide, Nike außerdem dauerhaft profitabel.

Factsheet

Factsheet

TTM (= letzte 12 Monate). 3J = 3-Jahres-Durchschnitt. 'e' = erwartet. 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Bekleidung
  • Marktkapitalisierung: 164 Mrd. USD
  • Enterprise Value: 168 Mrd. USD
  • Dividendenrendite: 1,2% p.a.
  • Shareholder Yield: 4 - 4,5% (nachhaltig sind eher 3%)

ErtrÀge

  • Umsatz: 51 Mrd.
  • Ergebnis: 5 Mrd.
  • Operatives Ergebnis: 6 Mrd.
  • Free Cashflow: 4,5 Mrd. (bereinigt um Working Capital Effekte und aktienbasierte VergĂŒtung: 3,3 Mrd.)

Bewertung

  • KUV: 3,2
  • KGV: 33
  • KGVe: 29
  • EV-FCF-V: 38 

QualitÀt & Wachstum

  • Eigenkapitalquote: 40%
  • Bruttomarge: 44 - 45%
  • Operative Marge: 11 - 13%
  • Nettomarge: 10%
  • Novy-Marx-ProfitabilitĂ€t (Bruttogewinn / Bilanzsumme): 61%
  • Umsatzwachstum: 9% (TTM), 2% im letzten Quartal

Zukunft & Strategie

Bullenszenario: Wie gut könnte es laufen?

Nikes CEO schreibt im Shareholder Letter 2023, dass es keine bessere Zeit gab um Nike zu sein.

There’s never been a better time to be Nike.
All over the world, interest and participation in sport is up. People are expressing a deeper appreciation for their health and wellness. And the definition of sport continues to expand, inviting more and more of us into fitness, movement and play.
Sports also remain a powerful source of hope and inspiration. In challenging times, it’s sport that unites us, bringing us together across families, cities and nations. The joy created by sport builds community and connection – transforming lives like little else can.
Our passion for sport continues to fuel our journey as a growth company. We serve consumers worldwide with industry-leading innovative products they love, driving growth and competitive separation.

Mehr Menschen schĂ€tzen Gesundheit & Wellness. Sport bleibt eine "kraftvolle Quelle fĂŒr Hoffnung und Inspiration". In "herausfordernden Zeiten vereint uns der Sport".

Ehrlich gesagt: FĂŒr mich sind das grĂ¶ĂŸtenteils leere Floskeln. Ja, hoffentlich gibt's mehr Bewusstsein fĂŒr Gesundheit und Sport, einen sprunghaften Anstieg darin sehe ich nicht. Es gibt aber durchaus andere, wenn auch nĂŒchtern klingendere Szenarien, die aufgehen könnten:

  • Nike ist weiterhin eine begehrte Marke und kann dadurch die hohen Margen aufrechterhalten
  • Wachstumspotenzial bietet sich vor allem durch EntwicklungslĂ€nder
  • Die Margen können durch zunehmenden Wechsel in den E-Commerce und einen grĂ¶ĂŸeren Anteil an VerkĂ€ufen ohne ZwischenhĂ€ndler tendenziell gehalten oder verbessert werden
  • Die weltwirtschaftliche Nachfrage erholt sich kurzfristig wieder, wodurch das ĂŒberschĂŒssige Inventar ohne zu große Rabatte abverkauft wird

BÀrenszenario: Wie schlecht könnte es laufen?

  • Es gibt Skandale, die die Marke und den Markenwert negativ beeintrĂ€chtigen
  • Das Wachstum ist begrenzt: Der Markt wĂ€chst niedrig, die Konkurrenz greift ebenfalls nach mehr Marktanteilen
  • Nike gelingt der Wandel in den E-Commerce nicht
  • Kurzfristig bleibt die weltwirtschaftliche Nachfrage niedrig, die Lager mĂŒssen mit signifikanten Rabatten abverkauft werden

Finanzielle Ziele

Nike hat zuletzt im Juni 2021 langfristige finanzielle Ziele, konkret bis 2025, geĂ€ußert, u.a. eine EBIT-Marge im hohen 10er-Prozentbereich. Der Umsatz sollte im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich wachsen.

Nun wurde diese Prognose getroffen, als es Nike besser ging als je zuvor. Danach wurde das Umfeld deutlich herausfordernder. Auf die Frage eines Analysten, ob diese Ziele weiterhin realistisch sind, antwortete CFO Matt Friend:

Sure, Jay. Well, we remain confident in our ability to drive our long-term financial goals. And we still believe those long-term goals of profitability are achievable. But the timing is difficult to predict.

Er glaubt also weiterhin daran, nur das Timing ist ungewiss. Die Haupttreiber fĂŒr seine Prognose sind fallende Liefer- und Logistikkosten, auf der anderen Seite ein höherer Anteil an Direkt- und Online-VerkĂ€ufen, welche wiederum eine höhere Marge haben.

Der Ausblick fĂŒrs GeschĂ€ftjahr 2024 laut Earnings Call: Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dabei gibt es vier Prozentpunkte an Gegenwind durch beschleunigte AbverkĂ€ufe sowie verstĂ€rkten Verkauf in den Handel im Vorjahr. Die Bruttomarge soll um 1,4 - 1,6 Prozentpunkte steigen.

SWOT-Analyse: StÀrken, SchwÀchen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das GeschÀftsmodell und schauen auf die StÀrken, SchwÀchen, Chancen und Bedrohungen.

StÀrken

Fassen wir die StÀrken zusammen, die wir im GeschÀftsmodell identifizieren konnten.

  • Starke Marke und etabliertes Unternehmen
  • Hohe Marge, gerade im Vergleich zu Marken wie Adidas, was fĂŒr eine starke operative Exzellenz spricht, der Adidas seit Jahren vergeblich nacheifert
  • Langfristig solides Umsatzwachstum, gepaart mit Gewinn- und Dividendenwachstum
  • Novy-Marx-ProfitabilitĂ€t: Die weniger bekannte Kennzahl ist in der Finanzwissenschaft hoch angesehen. Je höher, desto rentabler wird das gebundene Kapital verwendet. Hier hat Nike mit >60% einen der höchsten Werte, den ich seit langem gesehen habe. Er sagt simplifiziert aus: FĂŒr jeden Dollar, den Nike zum Betrieb des Unternehmens braucht, erwirtschaftet es 0,60 Cent an Rohertrag.
  • Höchste BonitĂ€t durch saubere Bilanz und dauerhafte ÜberschĂŒsse

SchwÀchen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Austauschbare Produkte
  • Gestiegenes Inventar (kurzfristig)
  • Free Cashflow Delle: Der Free Cashflow ist schon leicht rĂŒcklĂ€ufig. Berechnet man ihn stĂ€rker bereinigt, ist er noch etwas niedriger und nur noch leicht ĂŒber 3 Mrd. Dollar. Im VerhĂ€ltnis zum Enterprise Value von 168 Mrd. Dollar ergibt das ein VerhĂ€ltnis von >50, was recht teuer ist.

Chancen

Wo liegen die Chancen fĂŒr das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

#1 Erholung

Wir schauen in einer der schwierigeren Phase auf Nike. Wenn wir eins aus der Geschichte wissen: Mal ist das Makroklima besser, mal ist es schlechter. Ein Fehler wÀre es, eine schlechte Phase sofort als neuen Standard abzustempeln.

Aktuelle Gegenwinde: Wechselkurseffekte, noch leicht erhöhte Liefer- und Logistikkosten, Inflation, getrĂŒbtes Konsumklima, aufgebaute ÜberbestĂ€nde und notwendige Rabattierungen. All das sind keine Effekte, die ich mittel- oder langfristig fortschreiben wĂŒrde.

Sobald sich diese Effekte erholen, winken wiederum anziehende UmsÀtze und Margen. Ein besseres Klima, das auf ein effizienteres Unternehmen trifft.

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch | 📈 Auswirkung: mittel

#2 E-Commerce & Direktvertrieb

Online kann Nike direkt an den Endkunden verkaufen. Dadurch fĂ€llt die Marge des ZwischenhĂ€ndlers zu Nike, gleichzeitig ist die Kontrolle ĂŒber die Marke und Produkte höher. Es kostet im Aufbau allerdings auch viel Geld - und kann auch einige HĂ€ndler unzufrieden machen, auf die man noch angewiesen ist.

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel | 📈 Auswirkung: mittel

Weitere Chancen fĂŒr Unternehmen & Aktie

  • Kurzfristige Aufwertung, da Nike auf Basis der meisten Bewertungskennzahlen heute unter dem historischen Durchschnitt notiert
  • Erschließen neuer Segmente mit hohem Potenzial, u.a. Performance und Lifestyle

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine insgesamt schwÀchelnde Wirtschaft, operative Fehler, politische Eingriffe und mehr. Hier geht's daher viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte GeschÀftsmodell gefÀhrden oder das Wachstum hemmen? Welche Risiken sind die bedeutendsten?

#1 Kurzfristiger Gewinneinbruch

Volle Lager verursachen höhere Kosten. Werden Produkte nicht abverkauft, mĂŒssen sie rabattiert werden. Und sie blockieren den Platz fĂŒr neue Produkte, was wieder Umsatz kostet. Je nach kurzfristiger Entwicklung droht damit ein weiterer RĂŒckgang der Gewinne. Der Cashflow deutet es an, die Analysten sind optimistischer.

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel | 📉 Potenzielle Auswirkung: hoch

Weitere Risiken fĂŒr Unternehmen & Aktie

  • Geringere Marktanteile durch aufstrebende jĂŒngere Konkurrenten wie Lululemon oder On Running
  • Neuerfindung scheitert: Immer wieder heftet Nike sich an große Sportler, wie bspw. Michael Jordan. Nun gibt es auch einen Megavertrag mit Basketballer LeBron James. Alles, damit die Marke angesehen und begehrt bleibt. Sollte das mal scheitern - und hier gibt's bei jeder Marke mal schlechtere Phasen - folgen dem auch die Verkaufszahlen.

Aktienbewertung & Renditeerwartung

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen QualitĂ€t und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Berechnen wir dafĂŒr die zu erwartende Rendite. Kann ich diese hellsehen? Nein, definitiv nicht. Wir können aber das Chance-Risiko-VerhĂ€ltnis auf Basis der Analyse abschĂ€tzen und in konkrete Zahlen gießen.

DafĂŒr kalkuliere ich drei Szenarien: Ein pessimistisches, ein optimistisches und das Szenario, das ich im Mittel erwarte. Auch Ausreißer nach unten oder oben sind immer möglich.

FĂŒr die Ermittlung des fairen Werts (alle ErlĂ€uterungen dazu ĂŒber diesen Link) habe ich im mittleren Szenario folgende Annahmen ĂŒber einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nĂ€hert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum ĂŒber 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: 2% YoY, langfristig eher 9% p.a.
  • Management-Prognose: Nike möchte mittelfristig eigentlich um ~10% wachsen, kurzfristig fĂŒr 2024 wurden rund um ~5% in Aussicht gestellt (trotz Sondereffekten).
  • Analystenerwartung: 4% in 2024, 8% in 2025 und Folgejahren
  • Meine kurzfristige Annahme: 6% p.a.
  • Meine langfristige Annahme: 6% p.a.

Nettomarge

Die Nettomarge liegt heute bei 10% und ist auch langfristig recht konstant. Nike selbst möchte die Margen weiter erhöhen, u.a. durch sinkende Liefer- und Logistikkosten, durch Technologie und durch höheren Anteil direkter und digitaler VerkÀufe mit höherer Marge. Ich finde das nachvollziehbar, bin aber deshalb etwas skeptisch, weil Nike margenseitig schon zu den besten der Branche gehört. Hier nehme ich daher auch langfristig 10% an.

Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGV von 33 bewertet. Der langfristige Durchschnitt, ohne Sondereffekte, liegt etwa bei 30. Auch in allen anderen Bewertungsmetriken liegt die Nike-Aktie heute unter dem historischen Durchschnitt.

Das KGV finde ich persönlich recht hoch, wenn das Wachstum nachlassen sollte. Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen - noch mit einem leicht ĂŒberdurchschnittlichen KGV von 24 bewertet sein wird.

Sonstiges

Als AusschĂŒttungsquote nehme ich 80% des Nettogewinns an.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. ErklÀrung hier. Zahlen in HeimatwÀhrung. Aktienticker: NKE.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschĂŒttet, per AktienrĂŒckkauf oder per Schuldentilgung an AktionĂ€re zurĂŒckgefĂŒhrt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nĂ€hern sich ĂŒber einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

↘
➞
↗
Wachstum
kurzfristig, in % Wie stark ist das Umsatzwachstum im nÀchsten Jahr?
Wachstum
langfristig, in % Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge
kurzfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im VerhÀltnis zum Umsatz heute?
Nettomarge
langfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im VerhÀltnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV
langfristig Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stÀrker die Zahlen & das GeschÀftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie fĂŒr die Zukunft.

Fortgeschrittene Optionen einblenden +

Die Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

20
QualitÀt

ProfitabilitÀt, Bilanz & Risiken

13
GeschÀftsmodell

Burggraben, Alleinstellung & Preismacht

6
Wachstum

Umsatz, Gewinne & Rule of 40

13
Bewertung

KUV, KGV & weitere

52

Gesamtscore

Gut 🙂

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Checkliste

In jedem Fall gilt: Beachte die folgenden Punkte, bevor du diese oder eine andere Aktie kaufen solltest.

Checkliste vorm Aktienkauf (auf- und zuklappen)

Es kann viele GrĂŒnde, eine Aktie spannend zu finden und kaufen zu wollen. Vor dem Kauf gibt es eine Handvoll Fragen, die du dir stellen solltest, um EnttĂ€uschungen und AnfĂ€ngerfehler zu vermeiden:

  1. Verstehst du das GeschÀftsmodell?
  2. Hast du dich mit den Risiken des Unternehmens beschÀftigt?
  3. Hast du dich mit den Risiken der Aktie beschÀftigt?
  4. Passt die Aktie in dein Depot? (hinsichtlich Klumpenrisiken)
  5. Verstehst du, dass es beim Investieren nie um Garantien, sondern Wahrscheinlichkeiten geht - so auch bei dieser Analyse und jedem Aktienkauf?

AusfĂŒhrliches Hintergrundwissen bekommst du in der Know-How Sektion und der Academy.

Mein Fazit

Nike ist ein starkes Unternehmen. Es hat eine langfristig etablierte Marke, die Bilanz ist sauber, es werden kontinuierlich ÜberschĂŒsse erwirtschaftet und es erzielt durch operative Exzellenz hohe Margen.

Auf der anderen Seite: Der Inventarabbau hat hohe PrioritĂ€t, sieht aber fĂŒr mich noch etwas dĂŒrftig aus. Kurzfristig bleibt es ungemĂŒtlich, auch wenn die neueste Guidance positiv aussieht.

Schön ist, dass das heutige Bewertungsniveau unter dem langfristigen Durchschnitt liegt. Mich stören noch zwei Dinge: 1. Nike sieht angesichts des guten, aber nicht ĂŒberragenden Wachstums mit einem historischen KGV von 30 recht teuer aus. 2. Wenn Nike schon vergleichsweise hohe Margen erzielt spricht das fĂŒr die gute Arbeit, kann aber auch heißen, dass MargenrĂŒckgĂ€nge drohen oder der Spielraum nach oben begrenzt ist - womöglich begrenzter als Nike selbst es glaubt.

Prinzipiell lĂ€chelt die Nike-Aktie mich an: 40% KursrĂŒckgang bei einem absoluten QualitĂ€tsunternehmen. FĂŒr mich persönlich passt die Bewertung noch nicht ganz, bei deutlicher Erholung (die frĂŒher oder spĂ€ter kommen wird) oder noch weiter zurĂŒckgehendem Kurs finde ich die Aktie spannend. Langfristig mache ich mir um Nike wenig Sorgen.

Quellen

Tags: Nike | Aktien: Nike

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prĂŒfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und GrĂŒnder von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #5: Wir schÀtzen die Gesetze der FinanzmÀrkte.

Die FinanzmĂ€rkte sind gut untersucht und haben einige fundamentale Gesetze, die wie die Schwerkraft auf Materie wirken. Es sind Gesetze, die Aktienkurse und AktienmĂ€rkte langfristig bestimmen und durch die wir "das große Ganze" verstehen. Wer die Gesetze der FinanzmĂ€rkte nicht kennt, erfĂ€hrst sie in dieser Videoserie.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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