Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 31. Oktober 2021

ist zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Nicht zum ersten Mal: Schon Ende der 1990er-Jahre hatte Microsoft diese ruhmvolle Position inne.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Microsoft heute wieder so gut da steht, nachdem es in den 2000er Jahren mehrmals totgesagt wurde.

Microsoft ist wohl am bekanntesten für das eigene Betriebssystem „Windows“. Dazu kommt die Office-Palette rund um PowerPoint, Excel und Word. Aber mittlerweile gehört viel mehr zum Konzern: Laptops, Tablets, Cloud Hosting, aber auch Unternehmen wie LinkedIn, GitHub, Skype – und mehr, wie du gleich sehen wirst.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 📈 Beschleunigtes Wachstum: Microsoft wächst auf hohem Niveau stark. Die letzten Jahre zwischen 10 und 20%, im letzten Quartal sogar 22%.
  2. 🖥 Azure: Im Cloud-Geschäft ist Microsoft mit Azure stark vertreten und die Nr. 2 nach Amazons AWS. Im letzten Quartal ist die Cloud-Sparte von Microsoft um 36% gestiegen.
  3. 😇 Gutes Image: Microsoft scheint von den großen Tech-Aktien am wenigsten unter Beobachtung zu stehen. Akquisitionen klappen eher, der regulatorische Druck geringer.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Microsoft Aktie überbewertet? Oder sollte man jetzt noch Microsoft Aktien kaufen? Diesen Fragen versuchen wir uns zu nähern.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben besteht, wie die aktuelle Strategie aussieht, wie die Chancen von dieser sind, gegen wen sich Microsoft behaupten muss und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter Microsoft

Das Unternehmen

Microsoft wurde 1975 gegründet, u.a. von niemand geringerem als Bill Gates. Durch Microsoft wurde Bill Gates zu einem der vermögendsten Menschen der Welt. 2000 hat er die Geschäftsleitung an Steve Ballmer übergeben. Seit 2014 ist Satya Nadella der CEO.

Produkt & Geschäftsmodell

Microsoft selbst fasst das eigene Geschäftsmodell so zusammen:

Founded in 1975, we develop and support software, services, devices, and solutions that deliver new value for customers and help people and businesses realize their full potential.We offer an array of services, including cloud-based solutions that provide customers with software, services, platforms, and content, and we provide solution support and consulting services. We also deliver relevant online advertising to a global audience.Our products include operating systems; cross-device productivity applications; server applications; business solution applications; desktop and server management tools; software development tools; and video games. We also design, manufacture, and sell devices, including PCs, tablets, gaming and entertainment consoles, other intelligent devices, and related accessories.

Es wird klar: Microsoft ist mittlerweile zu großen Teilen ein B2B-Unternehmen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: PC-Hardware und B2B-Software
  • Marktkapitalisierung: 2,44 Bio. USD
  • Umsatz: 176 Mrd. USD
  • Ergebnis: 68 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 60 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 14
  • KGV: 36
  • KGVe: 36
  • KCV: 30
  • PEG-Ratio: 2,8

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 40%
  • Bruttomarge: 69%
  • Nettomarge: 39%
  • operatives Gewinnwachstum: 26% p.a. (letzte 3 Jahre)
  • Umsatzwachstum: 15% p.a. (letzte 3 Jahre), zuletzt +22%

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Die Zahlen und Diagramme gibt’s hier auf der neuen Kennzahlen-Seite (Beta-Phase).

Unternehmensentwicklung

CEO Nadella betont zum letzten Quartal den Einfluss von Technologie und die Microsoft Cloud:

“Digital technology is a deflationary force in an inflationary economy. Businesses – small and large – can improve productivity and the affordability of their products and services by building tech intensity,” said Satya Nadella, chairman and chief executive officer of Microsoft. “The Microsoft Cloud delivers the end-to-end platforms and tools organizations need to navigate this time of transition and change.”

Microsoft wächst wie an der Schnur gezogen: Sowohl im Umsatz, als auch im Gewinn und im Cashflow.

Grafiken von neuer Finanzkennzahl-Seite (Beta-Phase)

Um das in konkrete Wachstumsraten umzusetzen: Das Umsatzwachstum (jeweils zum Vorjahresquartal, also Q1 ’20 zu Q1 ’19) liegt meistens zwischen 10 und 20%, zuletzt sogar leicht über 20%.

Die prozentualen Gewinnmargen sind auf einem weitestgehend konstanten, leicht positiven Trend. Generell sind die Margen enorm stark: Nettomarge von über 35%, EBITDA-Marge von knapp 50% und Bruttomarge von etwa 70%.

Die Rule of 40 (Summe aus EBITDA-Marge und Umsatzwachstum) zeigt an, wie kapitaleffizient ein Unternehmen wächst. Alles über 40 gilt als sehr gut. Microsoft liegt hier seit 2 Jahren konstant über 40, zuletzt sogar über 60.

Tieferer Blick in die Geschäftszahlen

Microsoft unterteilt das Geschäft in drei Segmente.

Die drei Umsätze:

  1. Productivity and Business Processes: Im Wesentlichen B2B-Software rund um die Office-Suite und LinkedIn.
  2. Intelligent Cloud: Cloud Hosting über Microsoft Azure.
  3. More Personal Computing: Das Betriebssystem Windows, Gaming und Produkte Richtung Privatkunden.

Die Umsätze der drei Segmente sind recht ähnlich verteilt, am größten und am wachstumsstärksten ist allerdings das Segment „Intelligent Cloud“.

Die Verteilung zeigt auch: Microsoft wird immer stärker ein B2B-Unternehmen und hat immer weniger mit Privatkundengeschäft zu tun, für das Microsoft vielen noch bekannt ist.

Schauen wir genauer, was in diesen Segmenten steckt.

Segment 1: Productivity and Business Processes

In diesem Segment fasst Microsoft Informations-, Kommunikations- und Produktivitätsservices für Unternehmen zusammen.

  • Office Commercial: Office 365 Abonnements und Lizenzen für Business-Kunden, dazu gehören Produkte wie Office, Exchange, SharePoint, Microsoft Teams, Skype for Business und mehr.
  • Office Consumer: Office 365 Abonnements und Lizenzen für Privatanwender, dazu gehören Produkte wie Skype, Outlook.com und OneDrive (Cloud Speicherplatz).
  • LinkedIn: Das größte soziale Netzwerk im Business-Bereich mit über 600 Mio. Mitgliedern weltweit. Dieses hat Microsoft im Jahr 2016 für 26 Mrd. US-Dollarn gekauft. Dort gibt es Werbelösungen, Premium Abos und kostenpflichtige Tools für Marketing und Personalgewinnung.
  • Dynamics business solutions: Angebote für Ressourcenplanung und Kundenmanagement von Unternehmen.

Segment 2: Intelligent Cloud

In diesem Segment werden die Server- und Cloud Angebote zusammengefasst, die Unternehmen flexible und zuverlässige Rechen- und Speicherleistung liefern.

  • Server und Cloud Services für alles rund um Rechenkapazitäten, Datenbanken, Programmiercode und mehr. Relevante Produkte sind hier vor allem GitHub, das Microsoft 2018 für 7,5 Mrd. US-Dollar akquiriert hat, sowie Microsoft Azure, die Cloud Computing Lösung, die u.a. mit AWS (größter Gewinnfaktor bei Amazon) und der Google Cloud konkurriert. Diese Cloud Computing Lösungen liefern die IT-seitige Infrastruktur für andere Unternehmen.
  • Enterprise Services, u.a. Premium Support und Beratungsleistungen.

Segment 3: More Personal Computing

In dieses Segment fallen Produkte und Services, die sowohl für Konsumenten, Entwickler und IT-Spezialisten nutzbar sind. Im Gegensatz zu den anderen Segmenten, die größtenteils aus B2B-Leistungen bestehen, liegt hier der Fokus auf Endnutzern.

  • Windows, das allseits bekannte (und teilweise verhasste) Betriebssystem. Der Marktanteil von Windows hat über das letzte Jahrzehnt stetig abgenommen, während vor allem das macOs von gewonnen hat. Windows stellt aber immer noch 77 % der Betriebssysteme (macOs „nur“ 18 %).
  • Geräte, wie die Surface-Produkte (Tablets und Laptops), PC-Zubehör und Ähnliches.
  • Gaming, wozu vor allem die Konsole Xbox und die damit verbundene Software und Services zählen. Dort bietet Microsoft Live Transaktionen, Abonnements, Cloud Services, Werbung und Video-Spiele.

Was sind die größten Wachstumstreiber und Umsatzquellen?

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Mittlerweile ist der Großteil des Geschäfts auf wiederkehrende Erlöse ausgelegt: Cloud-Hosting, die Office-Suite und sogar Windows wurden entsprechend umgebaut und haben einen hohen Lock-In Effekt. Andere Erlöszweige wie LinkedIn, Computer-Peripherie u.ä. sind nicht wiederkehrend.

Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Die Netzwerkeffekte sehe ich vor allem im Office-Geschäft: In der Geschäftswelt ist es schwierig, wenn man nicht PowerPoint oder Excel nutzt oder keinen Teams-Zugang hat. Auch für Windows gilt das: Je mehr Nutzer, desto mehr für Windows optimierte Spiele und Programme gibt es. Aber: Im Cloud-Geschäft gibt es weniger Netzwerkeffekte und dieses ist das aktuell wichtigste Segment.

Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger?

Microsoft ist enorm groß und hat viele Angebote, die so gebündelt werden können wie von kaum einem Konkurrenten (mehr dazu gleich). Auch die Gewinnmargen zeigen, wie Microsoft daraus hohe Profitabilität schöpft, indem entwickelte Produkte weltweit ausgerollt werden.

Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Microsoft beruht zentral auf Technologie und erzielt hier daher eine hohe Wertung. Aber: In den einzelnen Produkten gilt Microsoft in meiner Wahrnehmung nicht zwangsweise als technologisch führend, weshalb dies nicht das ultimative Alleinstellungsmerkmal ist.

Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Microsoft ist gegenüber Apple sicherlich eine schwächere Marke mit weniger Premium-Image, aber Microsoft ist weltweit bekannt und öffnet als Name im B2B-Geschäft alle Türen.

Geschäftsmodell-Bewertung: 21 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: Microsoft | Aktien: Microsoft

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #2: Wir kaufen aus fundamentaler Überzeugung.

Es gibt Trends, Hypes, angebliche Geheimtipps, Aktienkurse und viel Spektakel. Das ignorieren wir. Wir schauen darauf, was wirklich hinter einem Unternehmen steckt. Wir machen die Arbeit, die sich die oberflächlichen Trader nicht machen wollen. Wir verschaffen uns unser eigenes Bild.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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