von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 27. Mai 2022

ist das größte Luxusimperium der Welt. Louis Vuitton, Moët, Hennessy, Hublot, Dior, Tiffany und viele weitere starke Marken gehören zum Portfolio.

Viele Marken haben eine lange Tradition und genießen einen hohen Status. Das erlaubt LVMH hohe Gewinnmargen und erstaunlich konstante Gewinne. Nicht umsonst ist LVMH eine der größten Aktien im Qualitätsindex Europa.

Auf der anderen Seite muss LVMH das Luxus-Kauferlebnis nun mehr in die digitale Welt bringen. Auch die Coronapandemie hat den Umsatz von LVMH gedämpft, auch wenn der Aktienkurs weiter gestiegen ist. Auch die Bewertung ist damit gestiegen - ob gerechtfertigt oder nicht, finden wir heraus.

Ich sehe einige Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  • 🛍 Wertvollste Marken der Welt: LVMH hat ein starkes Markenportfolio im Luxussegment, das vor allem in einem bestimmten Faktor einen starken Burggraben mitbringt.
  • 🌏 Schwellenländer: LVMHs hohe Umsatzanteiligkeit in Schwellenländern bietet die Chance von dem dortigen Wachstum zu profitieren.
  • 📈 Sehr solide Unternehmenskennzahlen: LVMH ist über die letzten Jahre gewachsen, hat klug zugekauft und ist hochprofitabel.
  • 💰 Preissetzungsmacht: Es gibt wohl kein Unternehmen, das besser Preise erhöhen kann als LVMH. Viele Kunden würden es wohl gar nicht merken. Das mag Warren Buffett besonders - und kann ein entscheidender Vorteil beim heute so wichtigen Inflationsschutz sein.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht (und woraus nicht), welche Herausforderungen LVMH bevor stehen und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

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Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

LVMH - ausgeschrieben "LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE" - ist ein Konzern, der zahlreiche Luxusmarken bündelt. Gegründet wurde er 1987, indem Louis Vuitton und Moët Hennessy fusionierten. An der Spitze steht Bernard Arnault als CEO, der außerdem als reichster Europäer gilt.

Der Geschäftsbericht startet so:

Louis Vuitton and Moët Hennessy merged in 1987, creating the LVMH Group. From the outset, Bernard Arnault gave the Group a clear vision: to become the world leader in luxury, with a philosophy summed up in its motto, “Passionate about creativity”. Today, the LVMH Group comprises 75 exceptional Maisons, each of which creates products that embody unique craftsmanship, carefully preserved heritage and resolute modernity. Through their creations, the Maisons are the ambassadors of a refined, contemporary art de vivre.

Produkt & Geschäftsmodell

LVMH verkauft Luxusgüter. Mode, Accessoires und Alkohol gehören dazu. Unter anderem folgende Marken gehören zu LVMH:

  • Alkohol: Moët & Chandon, Dom Pérignon, Veuve Clicquot, Hennessy (Cognac), Belvedere (Wodka)
  • Mode: Louis Vuitton, Givenchy, Kenzo, Loewe, Marc Jacobs, Fendi, Rimowa, Dior
  • Uhren und Schmuck: Tiffany, Bulgari, Hublot, TAG Heuer

Louis Vuitton gilt als wertvollste Marke im Portfolio, die 2007 auf über 20 Mrd. Euro geschätzt wurde.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark und ziemlich konstant entwickelt. In der aktuellen Korrektur musste LVMH bisher etwa 25% abgeben.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Zahlencheck & Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Mit diesen Zahlen konnte LVMH 2021 abschließen:

LVMH hatte es in 2020 durch die Coronapandemie nicht leicht. Am Ende stand ein Umsatzrückgang von -17% zu Buche. Mittlerweile wurde sich davon aber erholt.

Die Umsatzentwicklung:

  • 2018: 47 Mrd. EUR
  • 2019: 54 Mrd. EUR
  • 2020: 45 Mrd. EUR
  • 2021: 64 Mrd. EUR

LVMH schlüsselt das Umsatzwachstum noch genauer auf. Demnach ist der Großteil des Wachstums organisch, ein größerer Effekt allerdings auch strukturell bedingt. Das umfasst vor allem Zukäufe.

Der organische (gesamte) Umsatz lag 2021 um 14% (20%) über 2019, 36% (44%) über 2020.

Neuestes Quartal: Q1 '22

Im jüngsten Quartal ist LVMH um 29% im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Da davon allerdings 6%P. auf Wechselkurseffekte entfallen, ist das organische Wachstum von 23% aussagekräftiger.

Verteilung & Herkunft der Umsätze

Die Umsätze werden in fünf Segmente aufgesplittet (inkl. Umsatzanteil):

  • Wines & Spirits: 9%
  • Fashion & Leather Goods: 48%
  • Perfumes & Cosmetics: 10%
  • Watches & Jewelry: 14%
  • Selective Retailing: 19%

Der Mode-Bereich dominiert. Hinter "Selective Retailing", dem zweitstärksten Segment, verbergen sich über 2.000 Luxus-Geschäfte, die LVMH (bspw. in Paris) betreibt.

Untypisch für ein europäisches Unternehmen ist die regionale Herkunft der Umsätze: Der größte Markt ist Asien. Japan eingerechnet macht Asien 42% der Umsätze aus (vor zwei Jahren waren es 41%).

Profitabilität

Wieviel Geld verdient LVMH? In den letzten 12 Monaten:

  • Bruttomarge: 66%
  • Operative Marge: 27%
  • Nettomarge: 19%

Von 2012 bis 2020 lag die operative Marge bei ~20%, die Nettomarge bei ~13%. 2021 stiegen beide deutlich an, die operative Marge auf 27%, die Nettomarge auf 19%.

Es ist schwer zu sagen, wie nachhaltig dieser deutliche Margenanstieg in 2021 ist. Analysten gehen sogar davon aus, dass die Margen über die nächsten Jahre noch minimal weiter steigen.

Etwa 2 Prozentpunkte entstanden durch die gesteigerte Bruttomarge. Der Rest womöglich dadurch, dass in der Pandemie Kosten gestrafft wurden und weniger neue Mitarbeiter dazu kommen, die Umsätze dann aber stärker als vorher wiedergekommen sind. Auch Zukäufe können Margen verändern.

Solide Bilanz

Abschließend zeigt ein Blick auf die Nettoverschuldung von LVMH ein stabiles Bild: Sie beträgt aktuell 20% des Gesamtkapitals. Das liegt über den 11% des Vorjahres, was vor allem an der Akquisition von Tiffany liegt. 20% entspricht aber etwa dem historischen Durchschnitt und ist immer noch ziemlich wenig.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Frankreich
  • Branche: Luxusgüter
  • Marktkapitalisierung: 280 Mrd. EUR
  • Umsatz: 64 Mrd. EUR (2019, vor-Pandemie: 54 Mrd.)
  • Operatives Ergebnis: 17 Mrd. EUR
  • Gewinn: 12 Mrd. EUR (2019: 7,2 Mrd.)
  • Operativer Cashflow: 19 Mrd. EUR (2019: 12 Mrd.)
  • Free Cashflow: 13,5 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 4,4
  • KGV: 23
  • KGVe: 27
  • KCV: 21
  • PEG-Ratio: 3

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 66%
  • Operative Marge: 26% 
  • Nettomarge: 19%
  • Umsatzwachstum (2-Jahres-CAGR): 9% p.a.
  • Umsatzwachstum (letztes Quartal, YoY, organisch): 23%
  • Gewinnwachstum (2-Jahres-CAGR): 29% p.a.

Analyse von Geschäftsmodell, Strategie & Markt

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Konkurrenz

LVMH hat in jedem Segment einzelne Konkurrenten. Es gibt überall auf der Welt auch Modemarken außerhalb des eigenen Konzerns. Das ist allerdings im Konsumgüterbereiche in jeder Branche so.

Kering ist ein ebenfalls in Frankreich ansässiger Konzern, der Luxusmarken bündelt. Zu Kering gehören Marken wie Gucci, Saint Laurent, Balenciaga, Brioni oder Boucheron. Kering ist aktuell an der Börse etwas vorsichtiger bewertet als LVMH und heute 90 Mrd. Euro wert.

Weitere Konkurrenz könnte durch Luxusmarken kommen, die durch Prominente aufgebaut werden. So wurde bspw. Beats von Dr. Dre mit aufgebaut und an verkauft, Jay-Z hat einen eigenen Luxuswodka erschaffen. Aber: Auch diese Marken könnten mögliche Akquisitionsziele von LVMH sein oder gemeinsam aufgebaut werden. Ein Beispiel dafür ist die LVMH-Marke "Fenty Beauty by Rihanna".

Business Breakdown: Mechanismen des Geschäftsmodells

Worauf kommt es an, wenn man Luxusmarken etablieren und verkaufen möchte? Wodurch entstehen starke Marken, die wiederum hohe Margen erzielbar machen? Darauf basierend lässt sich abschätzen, wie groß LVMHs Burggraben ist.

Ich konnte drei Faktoren in wissenschaftlichen Studien und Tipps von Luxusagenturen identifizieren. Die Studie trägt den Titel "Why are we seduced by luxury brands?" fragt, warum Kunden von Luxusmarken verführt werden.

#1 Tradition

Die älteste Marke von LVMH, das Weingut Château d’Yquem, geht bis 1593 in der Geschichte zurück. Auch andere Marken wurden über Jahrzehnte aufgebaut.

Viele Marken leben von der Geschichte, die um sie herum erzählt werden. Das ist ein großer Burggraben für LVMH: Auch heute können Luxusmarken etabliert werden, aber eine 30-jährige Historie kann nicht so einfach kopiert oder neu gegründet werden.

#2 Exklusivität

Luxusmarken stellen klassische BWL- und VWL-Preiskonzepte auf den Kopf. Normalerweise gilt: Je höher der Preis, desto geringer die Nachfrage.

Nicht so bei Luxusmarken. Die Nachfrage der Luxusmarken würde vermutlich einbrechen, wenn der Preis normal wäre.

Je exklusiver, desto mehr wird eine Marke als Luxus wahrgenommen. Das ist allerdings erstmal kein Burggraben, da jeder Preise einfach erhöhen kann. Viel mehr ist es auch eine Limitierung in der Skalierung: Wenn Marken wahllos abverkauft werden (niedrigere Preise, keine Wartezeiten mehr, jeder trägt es,...), verlieren sie ihren Wert.

#3 Qualität

Qualität ist ein Versprechen von Marken. Dazu gehört auch Service, der von Problemlösung bis zur Einladung zur besonderen Events reicht.

Bietet LVMH Inflationsschutz?

LVMH bietet damit etwas Wichtiges: Preissetzungsmacht. Warren Buffett hat diese mal als "the single most important decision in evaluating a business”, also als wichtigste Entscheidung bei der Unternehmensbewertung, beschrieben.

Aktuell erleben wir hohe Inflationsraten. Einige Unternehmen können höhere Rohstoffpreise und Löhne besser an Kunden weitergeben, andere schlechter.

LVMH hat eine enorme Preissetzungsmacht. Viele Kunden würden vermutlich gar nicht merken, ob eine Handtasche oder Uhr nun 5% teurer ist oder nicht.

Selbst wenn LVMH Preise nicht anpassen könnte, wäre das zwar schmerzhaft, aber hohe Gewinnmargen würden es zumindest abfedern können.

Strategie

LVMH hat langfristig sechs Säulen festgelegt, auf denen die LVMH als Konzerngruppe aufgebaut sein soll.

  1. Dezentrale Organisation: Die einzelnen Marken sollen möglichst autonom agieren können
  2. Vertikale Integration: LVMH möchte in jedem Schritt der Wertschöpfungskette, von der Produktion bis zur Auslieferung, vertreten sein
  3. Fachwissen erhalten und untereinander austauschen
  4. Organisch wachsen, wofür jede Marke ausreichend Mittel erhöht
  5. Synergien erschaffen, indem wichtige markenübergreifende Funktionen in der Gruppe geteilt werden
  6. Ausgewogene Verteilung zwischen Segmenten und Regionen

Die drei großen Ziele

LVMH kommuniziert darüber hinaus aktuell immer wieder drei Ziele in den Geschäftsberichten:

  1. Die Markenlandschaft weiter stärken ("Remain focused on preserving value of our brands, quality of our products and their distribution")
  2. Integration neuer Marken, aktuell vor allem von Tiffany, einem der jüngsten Zukäufe
  3. E-Commerce Geschäft ausbauen ("Pursue digitalization of our Maisons to enrich customers’ experience both online and in stores")

Ehrlicherweise wird der dritte Punkt nur kurz und eher selten erwähnt, sollte aber einen hohen Stellenwert eingeräumt bekommen. Das Markenerlebnis ist vor allem durch prunkvolle Ladengeschäfte aufgebaut wurden. Nun muss LVMH gelingen, dass auch beim Online-Shopping (und womöglich auch der Lieferung) ein Luxuserlebnis geboten werden kann.

In den nächsten Jahren soll jeder vierte Euro im Luxussegment online ausgegeben werden. Hier wird LVMH attestiert etwas spät zu kommen. Online-Marktplätze für Luxusgüter wie Farfetch wachsen deutlich stärker. Auch die E-Commerce Aktivitäten sind laut Branchenexperten noch recht vage. 

Aktienrückkäufe

LVMH hat kürzlich, Mitte Mai '22, Aktienrückkäufe angekündigt. Demnach sollen bis November '22 eigene Aktien im Wert von 1 Mrd. Euro zurückgekauft werden, was 3 - 4% des Börsenwerts entspricht.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab?

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Die Umsätze sind im größten Teil nicht wiederkehrend.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Es gibt keine Netzwerkeffekte im Geschäftsmodell. Womöglich sind die Netzwerkeffekte sogar negativ: Je mehr Menschen die Produkte kaufen, desto weniger exklusiv und damit weniger "wertvoll" sind diese.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Sind hoch. Die Produktionskosten werden nicht zwangsweise günstiger (und sind auch eher irrelevant). Durch die vielen Marken kann LVMH die Marken aber viel besser distribuieren und platzieren, Events organisieren und markenübergreifend Know How nutzen.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

LVMH ist kein Technologieunternehmen ist. Die Frage ist hier aber: Gibt es ein Geheimrezept im Geschäftsmodell, das sich nicht so einfach nachmachen lässt? Eher weniger. Für die meisten Produkte gibt es qualitativ gleichwertige Konkurrenz.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Mehr Markenpower geht nicht.


Geschäftsmodell-Bewertung: 12 / 25

Der resultierende Wert sieht für mich etwas niedriger aus als geschätzt. Was gut klar wird: Das Alleinstellungsmerkmal beruht quasi nur auf Skaleneffekten und starken Marken, andere Faktoren spielen kaum eine Rolle. Für die Markenwelt ließen sich womöglich auch 6 oder 7 Punkte vergeben.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Marken: Die starken Marken erlauben hohe Gewinnmargen und ziehen global konstant Käufer an
  • Stabile Ertragslage und Profitabilität: Die Margen liegen seit Jahren >15%, zuletzt mit einem leicht positiven Trend.
  • Solide Bilanz: Die Nettofinanzveschuldung liegt bei 20%, was ziemlich wenig ist, gerade für einen hochprofitablen Konzern wie LVMH.
  • Historie: Gerade traditionsreiche Marken liefern einen kaum angreifbaren Burggraben für neue Marken. Neue Marken können auch populär werden, aber eine 200-jährige Historie nicht kopieren.
  • Preissetzungsmacht: LVMH kann Preise stark bestimmen. Gerade in der aktuell inflationären Phase ist das eine wichtige Stärke.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Limitierte Skalierung: Exklusivität von Luxusmarken limitiert die Skalierung und das Wachstum, wenn die Marken nicht an Kraft verlieren sollen.
  • Online: Konkurrenten im Luxussegment wachsen online schneller.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Akquisition und Integration weiterer Luxusmarken, um das Portfolio zu erweitern und dadurch inorganisch zu wachsen
  • Weiteres Wachstum mit Rückenwind, denn der Luxusmarkt ist seit 2008 deutlich stärker gewachsen als der Gesamtmarkt - womöglich sind Social Media und wachsender Wohlstand die Treiber?
  • Schwellenländer: Die hohe Präsenz in wachsenden Schwellenländern kann auch weiterhin für eine Wachstumsrate oberhalb des Wachstums der Industrienationen sorgen

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Wechsel in Online-Welt birgt Risiken, hier nicht wie gewohnt im Vertrieb, dem Aufbau und Erhalt von Marken an die bisherige Stärke anknüpfen zu können
  • Wirtschaftskrise, die zu sinkenden Einkommen führt, könnte gerade im Luxussegment die Kauffrequenz dämpfen
  • Beschädigung der Marken: Die Marken sind das größte Asset von LVMH. Diese könnten beschädigt werden, sollten diese aus kurzfristiger Profitgier zu aggressiv vermarktet werden oder es zu negativer PR kommt. Bisher deutet sich das bei LVMH allerdings nicht an.

Aktienbewertung: Der faire Wert der Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Zuletzt habe ich die Aktie Mitte 2021 analysiert. Damals ergab sich eine jährliche Renditeerwartung von -0,9% bzw. damit verbunden eine Überbewertung von ~50%. Seitdem ist die Aktie knapp 25% gefallen. Wie sieht's heute aus?

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: Von 2009 bis 2019 ist LVMH mit ca. +12% p.a. im Umsatz gewachsen. +15% in 2019, -17% in 2020 und +36% (organisch) in 2021. Die 2-Jahres-Wachstumsrate von 2019 bis 2021 liegt bei 9% p.a.
  • Analystenerwartung: +10% in 2022, +9% in 2022
  • Meine kurzfristige Annahme: +9% p.a.
  • Meine langfristige Annahme: Ich nehme hier durch Herausforderungen im E-Commerce und den nicht unbegrenzt skalierbaren Produkten (um Marken nicht zu beschädigen) langfristig 5% an.

Nettomarge

Die Nettomarge lag über die letzten Jahre durchschnittlich bei 13%, zuletzt allerdings bei 19%. Die operative Marge im Durchschnitt bei 20%, heute bei 27%. Analysten gehen über die nächsten Jahre von einer leichten Margenerhöhung aus. Ich bin hier eher vorsichtig, da - rein zahlenseitig - das Jahr 2021 einen positiven Ausreißer darstellt. Ich gehe daher langfristig von 18% Nettomarge aus.

Bewertungsniveau

Heute liegt die Aktie etwa bei einem 23er KGV und 22er KGVe. Das KCV liegt bei 15. Im Vergleich zu den letzten fünf Jahren sind alle Gewinn-Kennzahlen heute etwa ein Viertel niedriger (sprich: günstiger). Davor war die Aktie allerdings etwas niedriger bewertet.

Gemessen am Free Cashflow ist die Aktie heute historisch günstiger als in den letzten 10 Jahren.

Durch zurückgehendes Wachstum gehe ich trotzdem langfristig von leicht niedrigeren Bewertungsniveaus aus, auch von 2012 bis 2015 gab es Zeiten mit KGVs von unter 20. Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen - noch mit einem leicht überdurchschnittlichen KGV von 18 bewertet sein wird, also leicht zurückgeht.

Meine Renditeerwartung

Durch diese Annahmen, die ich in weiteren Szenarien noch etwas pessimistischer und optimistischer variiere, ergeben sich folgende Renditeerwartungen:

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: LVMH.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV (langfristig) Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

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Die Scorecard

Der SI Score landet im Durchschnitt. Die Qualität ist top, es gibt wenig unternehmerische Risiken, die Bewertung aber sehr hoch.

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Pro

  • Unternehmen mit hoher Qualität von Margen über Bilanz
  • Burggraben durch zahlreiche Traditionsmarken
  • Synergieeffekte zwischen den Luxusmarken im gemeinsamen Konzern
  • Starke Position in Schwellenländern mit Wachstumschancen
  • Hohe Preissetzungsmacht

Contra

  • Bewertungsniveau ist den Erträgen in den letzten Jahren deutlich voraus geeilt
  • Wechsel in digitale Welt birgt Risiken im Wachstum und Vertrieb der Marken

Fazit

Vor einem Jahr habe ich geschrieben:

Tolles Unternehmen mit starken Marken. Aber: In meinen Augen überbewertet.

Heute sieht es schon etwas anders aus. Die Preissetzungsmacht ist in der inflationären Phase ein starker Vorteil. Die Umsätze sind gewachsen, die Margen gestiegen, der Gewinn hat also überproportional zugelegt. Der Kurs ist 25% seit meiner letzten Analyse gefallen, die Bewertung ist also heute deutlich günstiger geworden.

Damit rutscht LVMH auf meine engere Watchlist. Ich erwarte keine Wunderrenditen - und bin selbst kein Luxusmarken-Liebhaber - finde die Aktie aber auch hinsichtlich ihres begrenzten Risikos spannend.

Tags: LVMH | Aktien: LVMH

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #13: Wir widerlegen unsere eigenen Ideen.

Gute Ideen hat jeder. Die wenigsten schaffen es aber, eigene Ideen selbst zu widerlegen und die Gegenseite einzunehmen. Wir fragen uns: Was spricht gegen meine These? Warum könnte ich falsch liegen? 

„Du musst dich zwingen, gegensätzliche Argumente zu erwägen. Besonders, wenn sie deine liebsten Ideen in Frage stellen.“ - Charlie Munger

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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