Enterprise Value (EV) einfach erklärt

von Jannes Lorenzen

Gründer, Investor, Strategie-Lead & Ökonom

Der Enterprise Value hat in den letzten Jahren mehr Bekanntheit erlangt. Aber was steckt dahinter und was unterscheidet ihn von dem Börsenwert, den wir mit der Marktkapitalisierung gleichsetzen? Das erfährst du hier.

Was ist der Enterprise Value?

Der Enterprise Value ist eine Kennzahl für den Unternehmenswert. Er berechnet sich aus dem aktuellen Börsenwert sowie den Nettofinanzverbindlichkeiten.

Die Formel zur Berechnung: Enterprise Value = Marktkapitalisierung + Summe der zinstragenden Verbindlichkeiten - nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Vereinfacht gesagt gibt der Enterprise Value an, wie viel jemand insgesamt bezahlen müsste, um ein Unternehmen komplett schuldenfrei zu kaufen. Oder, falls das Unternehmen keine Schulden, aber Geld hat, dieses Kapital direkt ausschütten würde.

Rechenbeispiel 1: Ein Unternehmen ist 1 Mrd. Euro an der Börse wert. Es hat Verbindlichkeiten in Höhe von 300 Mio. Euro und 100 Mio. Euro Cash. Der Enterprise Value liegt hier also bei 1,2 Mrd. Euro, der Börsenwert bei 1 Mrd. Euro.


Rechenbeispiel 2: Ein Unternehmen ist 1 Mrd. Euro an der Börse wert. Es hat Verbindlichkeiten in Höhe von 50 Mio. Euro und 350 Mio. Euro Cash. Der Enterprise Value liegt hier also bei 700 Mio. Euro, die Marktkapitalisierung bei 1 Mrd. Euro.

Was ist der Vorteil vom Enterprise Value?

Nehmen wir an, wir haben zwei identische Unternehmen A und B. Sie erzielen den gleichen Umsatz, den gleichen Gewinn und betreiben das gleiche Geschäftsmodell. Sie sind an der Börse jeweils 10 Mrd. Euro wert (Marktkapitalisierung).

Es gibt einen Unterschied:

Unternehmen A hat 500 Mio. Euro an Schulden und 500 Mio. Euro an Cash.

Unternehmen B hat 100 Mio. Euro an Schulden und 600 Mio. Euro an Cash.

Nach der Marktkapitalisierung sind beide Unternehmen gleich bewertet. Ziehen wir allerdings Schulden vom Wert ab und addieren das Cash, ist der Enterprise Value von Unternehmen B 500 Mio. Euro niedriger. Entsprechend ist Unternehmen B günstiger bewertet und wäre hier kaufenswert.

Anders gesagt: Wenn die Ertragssituation die gleiche ist, sollte das Unternehmen wertvoller sein, dass mehr Kapital (abzüglich der Schulden) besitzt.

Es gibt auch extremere Fälle, bei denen in einem Unternehmen mehr Kapital ist als das Unternehmen nach der Marktkapitalisierung wert ist. Wenn es mit 1 Mrd. Euro bewertet ist, aber 1,2 Mrd. Euro an Cash in der Bilanz hat, könnte man - theoretisch - das Unternehmen schließen, das Geld ausschütten und hätte 20% Gewinn erzielt. Auf so etwas deutet der Enterprise Value hin.

Was ist der Unterschied zur Marktkapitalisierung?

Die Marktkapitalisierung berechnet sich aus allen umlaufenden Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs. Je nach Aktienkurs variiert der Börsenwert damit.

Die Marktkapitalisierung ist der größte Bestandteil des Enterprise Values. Letzterer nimmt vor allem noch eine Bereinigung um die Verschuldung vor.

Die Marktkapitalisierung gibt also an, wie teuer es wäre, ein Unternehmen zu 100% zu kaufen, dann aber auch ggf. noch Schulden oder Vermögen zu übernehmen. Der Enterprise Value gibt an, wie teuer es wäre, ein schulden- und vermögensloses Unternehmen zu 100% zu übernehmen.

Kennzahlen auf Basis des Enterprise Value

Über den Enterprise Value lassen sich, analog zur Marktkapitalisierung, unterschiedliche Bewertungskennzahlen mit den bekannten Ertragszahlen berechnen.

  • EV-Umsatz-Verhältnis
  • EV-EBIT-Verhältnis
  • EV-Gewinn-Verhältnis

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