von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 12. Februar 2023

Intel liefert mit seinen Chips & Halbleitern das Fundament der aktuellen Digitalisierung und den neuesten Technologien wie künstliche Intelligenzen, 5G und autonomes Fahren. Das könnte so schön sein. Die Realität sieht aber anders aus.

  • 📉 Zahlen brechen ein: Der Umsatz lag im letzten Quartal etwa 25% unter Vorjahr, das Ergebnis dreht sich langsam ins Negative, Intel verliert Marktanteile. Das zeigt auch der Aktienkurs.
  • 🏅 Marktführer im CPU-Segment: Nichtsdestotrotz ist Intel noch der Marktführer vor AMD im CPU-Bereich. Die Innovationskraft hat aber stark nachgelassen und muss sich jetzt wieder teuer erkämpft werden.
  • 💻 Zukunftsmarkt: Halbleiter werden gebraucht und der Markt wird wachsen. Intel könnte als Marktführer von diesem Rückenwind profitieren können. Dazu kommen hohe staatliche Investitionen der USA, von denen auch Intel profitieren kann.
  • 🔥 Gewagte Strategie: Einerseits kündigt Intel große Einsparmaßnahmen an, andererseits will und muss es investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Gelingt der Spagat?
  • 🪤 Value-Chance oder Falle: Intels Aktienkurs ist niedrig wie lange nicht mehr. Ist der maximale Pessimismus eingepreist und Aktionäre haben eine gute Chance auf hohe Gewinne oder geht die Talfahrt weiter?

Du erfährst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Intel Aktie überbewertet ist oder man die Intel Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell wirklich? Gibt es (noch) einen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich Erträge und Profitabilität? Warum sind sie abgestürzt?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus, um AMD wieder die Stirn zu bieten?
  • Gegenüberstellung der Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der Investorenpräsentation, den letzten Earnings Calls, Einschätzungen von Marktexperten, Interviews der Führungsebene und mehr. Viel Spaß!

Überblick & Investment-These

Intel wurde schon 1968 in den USA gegründet. Seit Januar 2021 ist Pat Gelsinger der CEO, der das Amt von Robert Swan (seit 2019) übernommen hat.

Intel ist ein Halbleiterunternehmen. Mit den hergestellten Chips stellt Intel die Grundlage für die Computer und wegweisende Technologien der Zukunft: Autonomes Fahren, KI, Cloud und weitere Bereiche. Ohne die Rechenkraft, die u.a. die Chips von Intel liefern, hätten wir nicht den starken technologischen Fortschritt der letzten Jahre gesehen.

Intel selbst sagt dazu im Investor Relations Bereich:

Shaping the Future of Technology

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre schwankend entwickelt (aber auch jährlich eine Dividende von zuletzt 2% ausgeschüttet):

Zuletzt habe ich Intel im Januar 2021 analysiert. Mein Fazit damals: Die hohe Dividende rettet etwas, insgesamt hielt ich die Aktie für 20% überbewertet. Eine Bedrohung waren die schlechten Vorzeichen:

Schlechte Vorzeichen: Letzte Quartale und Prognosen deuten auf Umsatzrückgang und teilweise auch Margenrückgang hin. […] Die Prognosen für 2021 zeigen einen bedenklichen Rückgang und auch die Ankündigungen lassen eher vermuten, dass es ein paar Jahre dauern wird, bis dieser Trend gestoppt oder umgekehrt wird.

Es ist nicht nur so gekommen, sondern fundamental hat Intel seitdem mehrfach enttäuscht.

Investment-These

Intel ist eine Value-Aktie: Im Vergleich eine ziemlich günstige Bewertung, da der Markt das Unternehmen skeptisch sieht, es aber noch (hoch)profitabel ist. Die Chance sehe ich vor allem darin, dass die Zukunftsaussichten sich verbessern und die Intel Aktie dadurch stark profitiert.

Geschäftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Geschäftsmodell

Einige Unternehmen im Halbleitermarkt sind ‚fabless‘. Das heißt: Sie haben keine eigene Produktion. Sie kümmern sich um die Entwicklung und Vermarktung, lagern aber die Produktion an andere Unternehmen, oft an  oder Samsung, aus. Intel gehört aktuell nicht zu den fabless-Unternehmen, sondern zu den IDMs (Integrated Device Manifacturer) – mehr dazu aber gleich.

Das Geschäft wird in mehrere Segmente aufgeteilt. Historisch gab es ein PC- und ein Daten-zentriertes Geschäftsmodell.

  • Client Computing (CCG): 47% Umsatzanteil. Jeglicher Einbau von CPUs in Computer.
  • Datacenter and AI (DCAI): 31%. Alle Produkte, die für Datenzentren und KI-Anwendungen genutzt werden.
  • Network and Edge (NEX): 15%. Netzwerke und die neueren Edge-Ansätze.
  • Accelerated Computing Systems and Graphics (AXG): 2%. Hochleistungschips.
  • Intel Foundry Services (IFS): 2%. Spezialisierte Halbleiter-Fertigung.
  • Mobileye: 4%. Technologie für autonomes Fahren.

Mobileye ist eine Tochter von Intel und entwickelt Software zum autonomen Fahren. Ein Teil der Aktien wurde 2022 an die Börse gebracht, Hauptanteilseigner ist Intel aber nach wie vor.

Marktanalyse & Konkurrenz

Intel ist vor allem auch durch Konkurrenten geprägt: AMD, Nvidia und Taiwan Semiconductors (TSMC) spielen im Spielfeld der Halbleiterindustrie und den zahlreichen Nischen darin mit.

AMD ist fabless. Intel nicht, d.h. Intel designt nicht nur Chips, sondern produziert diese auch selbst. Ben Thompson sieht auch Intels eigene Produktion als mögliches Problem, warum es vermehrt zu Verzögerungen gekommen ist.

Wer produziert die besten CPUs? Jedes Unternehmen sieht sich selbst am stärksten. Sie werfen mit technischen Details um sich und zitieren den Test, der ihre Chips am besten aussehen lässt. Das macht es für technische Laien ziemlich schwer, den besten Anbieter zu sehen. Die Komplexität steigt dadurch, dass nicht nur Rechenleistung, sondern auch Stromverbrauch, Kosten und Einsatzzweck zu anderen Ergebnissen führen können.

Was wir sehen: AMD hat über die letzten Jahre massiv Marktanteile gewonnen, vor allem im Bereich der Desktop-PCs (wo es mittlerweile fast gleich auf ist), auch im Laptop-Bereich, ganz leicht im Server-Bereich. Es gilt in der Meinung vieler Experten als innovativer. Es hat mittlerweile oft das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis – und das spiegelt sich auch in AMDs starker Aktienkurs- und Zahlenentwicklung wider.

Intel verliert also schrittweise Marktanteile an AMD, sowohl im CPU-Markt (wenn auch hier zuletzt halbwegs stabil) und im Datacenter-Bereich. Neue Prozessoren sollen die Wende bringen, mehr dazu gleich.

Spannend ist ein Vergleich der Zahlen, auch der Margen basierend auf 2022er-Niveau:

in USD

AMD

Intel

Nvidia

Börsenwert

130 Mrd.

115 Mrd.

520 Mrd.

Umsatz

23 Mrd.

63 Mrd.

29 Mrd.

Bruttomarge

47%

43%

65%

Operative Marge

11,5%

4%

37%

Umsatzwachstum 2022

68%

-16%

61%

Umsatzwachstum letztes Quartal

29%

-29%

-17%

Umsatzwachstum Prognose

12% p.a.

-5% p.a.

17% p.a.

KUV

6

2

20

In der Vergangenheit war eine meiner Thesen, dass Intel aufgrund überlegener Bruttomargen gegenüber AMD (in 2019 lag Intel bei 59%, AMD bei 43%) einiges an Spielraum hat, um mit Preissenkungen Marktanteile zu gewinnen und trotzdem noch mehr daran zu verdienen als AMD. Diese Situation hat sich gerade leicht umgekehrt.

Die Herausforderungen der letzten Jahre

Intel hatte schon 2020 unterschiedliche Herausforderungen, die nach eigener Aussage vor allem Covid-Effekte waren: Aufwind für Laptops und Cloud, Gegenwind für Desktop-PCs, Enterprise-Unternehmen & IoT-Lösungen.

Analysten und Marktbeobachter sagen eher: Intels Produkte sind heute schlechter und/oder teurer als die Konkurrenz. Nicht umsonst hat der Konkurrent AMD sich seit Februar 2020 im Wert um +70% gesteigert, während Intel ein Drittel des Werts eingebüßt hat.

Dazu musste Intel wiederholt Produktlaunches verschieben, da die Entwicklung und die Produktion die angekündigten Termine nicht halten konnten. Beispielsweise die Produktion der 7nm Chip Technologie, die die Grundlage zukünftiger CPUs darstellt, lag zum Q2 2020 etwa 12 Monate hinter den internen Zielen.

Auch der Umstand, dass Apple nun auf eigene Chips setzt (mit großem Erfolg) statt auf Intel war einer von vielen Gegenwinden.

Anandtech hat die Performance der Single-Core Recheneinheiten von  und Intel verglichen. Dort ist zu sehen, wie Apple (grau) Intel (blau) mittlerweile überholt hat:

Tech-Analyst Ben Thompson sieht vor allem schlechtes Management als Ursache. Er hat 2020 die These aufgestellt, dass es Intel durch den Rückenwind im Markt noch zu gut geht, um finanziell die Auswirkungen der eigenen Fehler zu merken – was zu weiteren Fehlern geführt hat:

This is a company that has completely lost its way technologically for years now, but because of its dominant position in a category (server chips) driven by secular changes in computing (cloud shift in back-end services plus mobile-driven explosion in usage) it has yet to feel any sort of financial pain from that failure; this, sadly, has only led to further failures, and as I noted last month, serious national security vulnerabilities for the United States. This is abject management failure.

Seitdem wurde der CEO tatsächlich ausgetauscht und die Zahlen sind eingebrochen. Dadurch haben unterschiedliche Effekte dazu geführt, dass Intel zuletzt viel Vorsprung verspielt hat.

Die neuen Probleme

Nun ist es offenbar nicht besser geworden. Der Grund, wenn es nach dem Management geht: Makroökonomische Probleme. Diese gibt es tatsächlich und alle Chip-Hersteller leiden darunter. Die Weltwirtschaft kühlt sich ab, die Chip-Hersteller (und einige Kunden) haben Überbestände und werden diese nicht oder nur mit Preisabschlägen los. Das führt zu Umsatz- und Margenrückgängen bei AMD, Intel, Nvidia und anderen Unternehmen.

Der CEO erwartet, dass sich die Situation Ende 2023 wieder verbessern sollte.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

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Tags: Intel | Aktien: Intel

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #7: Wir kaufen nicht nur, weil etwas steigt.

Einige Aktionäre kaufen Aktien nur wegen eines „Geheimtipps“, eines steigenden Kurses oder eines Hypes und merken erst dann, wenn sie fällt, dass die Geschäftszahlen die Bewertung kaum rechtfertigen konnten. Angesagte Aktien können auch gute Aktien sein. Sie nur wegen eines Hypes zu kaufen, wäre aber kurzfristige Spekulation. Und wir wissen: Nur weil eine Aktie gut ist, stark wächst oder im Hype ist, heißt es nicht, dass sie auf Dauer überdurchschnittlich gute Renditen abwirft. Oftmals ist das Gegenteil der Fall.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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