Gewinnarten im Vergleich: Was hinter EBITDA, operativem Gewinn und Nettoergebnis steckt

von Jannes Lorenzen

Oft sprechen wir bei Aktienanalysen über den Gewinn. Dabei verbirgt sich hinter dem Gewinn oft nicht nur eine, sondern viele Kennzahlen, die unterschiedliche Aspekte eines Unternehmens offenlegen.

Ich möchte dir hier einen Überblick darüber geben, welche Gewinne wir unterscheiden, was hinter Abkürzungen wie EBITDA steckt, wann welche dieser Gewinnarten die richtige ist und liefere dir dazu Beispiele aus der Praxis.

Die Kennzahlen, die du hier kennenlernst:

  • Bruttogewinn & Bruttomarge
  • EBITDA & EBITDA-Marge
  • Bruttogewinn & Bruttomarge
  • EBIT (auch Betriebsergebnis oder operatives Ergebnis) & EBIT-Marge
  • EBT (auch Vorsteuerergebnis)
  • Nettoergebnis (auch Nettogewinn) & Nettomarge

Vom Umsatz über EBITDA zum Nettogewinn

Die Zahlen, die wir hier besprechen, findest du in der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens.

Umsatz

Als Erstes steht der Umsatz. Darin sind alle Erlöse festgehalten, die ein Unternehmen erzielt.

Bruttogewinn & Bruttomarge

Der Bruttogewinn verrät uns, wie viel das Unternehmen am direkten Verkauf der Produkte verdient. Dazu ziehen wir vom Umsatz die direkten Produktionskosten (im englischen "costs of goods sold") ab.

Beispiel: Adidas erzielt einen Umsatz von 23,6 Mrd. Euro. Die direkten Herstellungs- und Verkaufskosten liegen bei 11,4 Mrd. Euro. Der Bruttogewinn ist die Differenz und liegt hier also bei 12,2 Mrd. Euro.

Die Bruttomarge gibt das Verhältnis von Bruttogewinn zum Umsatz an.

Beispiel: Die Bruttomarge von Adidas liegt bei 52 % (Bruttogewinn / Umsatz). Adidas verdient also durchschnittlich 52 % an jedem verkauften Produkt.

Wann nutzt du die Bruttomarge? Die Bruttomarge ist hilfreich, um zu erkennen, wie profitabel ein Unternehmen arbeitet, ohne bis dahin die operativen Kosten oder Investitionen zu berücksichtigen. Außerdem ermöglichst es einen weitestgehend unverfälschten Vergleich der Gewinnmargen zu Konkurrenten.

EBITDA (& EBITDA-Marge)

EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Das heißt übersetzt so viel wie „Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen“.

Abschreibungen sind in der Regel Wertverluste, die ein Unternehmen bspw. bei Maschinen, Immobilien oder Autos haben kann. Aber auch immaterielle Vermögenswerte, wie bspw. ein nach unten korrigierter Wert von Patenten oder aufgekauften Unternehmen, können abgeschrieben werden und wirken gewinnmindernd, auch wenn kein Geld dadurch das Unternehmen verlässt.

Dadurch ist das EBITDA oft dem operativen Cash Flow recht ähnlich, da Abschreibungen auch beim Cash Flow ausgeklammert werden.

Was ändert sich also zum Bruttogewinn? Es werden ebenfalls alle operativen Kosten berücksichtigt, die beim Bruttogewinn unberücksichtigt geblieben sind: Marketing, Administration, Personalmanagement, Buchhaltung, Entwicklung und mehr.

Damit gibt das EBITDA an, wie gut das operative Geschäft des Unternehmens funktioniert. Die EBITDA-Marge gibt an, wie das Verhältnis vom EBITDA zum Umsatz ist.

Beispiel: Adidas erzielt ein EBITDA von 3,88 Mrd. Euro. Das ergibt eine EBITDA-Marge von 12,2 % (EBITDA / Umsatz).

Wann nutzt du das EBITDA? Das EBITDA ist vor allem dann hilfreich, wenn (a) ein Unternehmen noch Verluste schreibt, du aber trotzdem das operative Geschäft beurteilen möchtest oder (b) große einmalige Effekte, bspw. Abschreibungen oder Steuernachzahlungen, den Gewinn verzerren. In der Regel ist das EBITDA stabiler und weniger schwankend als andere Gewinnarten.

Beispiel: Kraft Heinz, der bekannte Anbieter von Soßen (u.a. Ketchup), musste 2018 eine außerplanmäßige Abschreibung in Milliardenhöhe vornehmen. Das EBITDA blieb weitestgehend stabil bei 7 Mrd. USD, während das EBIT und das Nettoergebnis stark ins Negative (ca. - 10 Mrd. USD) gerutscht sind.

Aber: Das EBITDA (oder auch das "adjusted EBITDA") können auch dazu genutzt werden, die eigene Unprofitabilität zu verschleiern. Es ist also vor allem auch in Ergänzung zu den anderen Gewinnkennzahlen sinnvoll.

EBIT (Betriebsergebnis & operativer Gewinn)

Das EBIT wird oft auch als "operativer Gewinn" bezeichnet. EBIT steht für Earnings Before Interest and Taxes. Anders als beim EBITDA werden hier also Abschreibungen berücksichtigt.

Dadurch zeigt das EBIT das vollumfassende Bild des operativen Gewinns. Steuern und Zinsen bleiben unberücksichtigt, um länderspezfisiche Steuereffekte oder finanzierungsspezifische Zinskosten unberücksichtigt zu lassen. Auch hier kannst du die EBIT-Marge aus dem Verhältnis von EBIT zu Umsatz berechnen.

Beispiel: Adidas erzielt ein EBIT von 2,67 Mrd. Euro. Die EBIT-Marge liegt also bei 11,3 % (EBIT / Umsatz).

Wann nutzt du das EBIT? Es ist, ähnlich wie beim EBITDA, vor allem dann hilfreich, wenn du nur das operative Geschäft und dessen Profitabilität beurteilen möchtest. 

EBT (Vorsteuerergebnis)

Das EBT steht für Earnings Before Taxes. Hier werden also nur die Steuern außen vorgelassen, der Rest allerdings berücksichtigt.

Nettoergebnis (Nettogewinn & Nettomarge)

Das Nettoergebnis ist die Zahl, die wir üblicherweise als Gewinn (oder Verlust) bezeichnen und übrig bleibt, wenn wir alle Ausgaben vom Umsatz abziehen.

Auch hier ist die Berechnung der Marge sinnvoll. Die Nettomarge ergibt sich aus dem Verhältnis von Nettogewinn zum Umsatz.

Beispiel: Adidas erzielt ein Nettoergebnis von 1,98 Mrd. Euro. Die Nettomarge liegt also bei 8,4 % (Nettoergebnis / Umsatz).

Das Nettoergebnis ist die meist zitierte Kennzahl und gibt an, was am Ende wirklich übrig bleibt. Oft gibt es aber, wie in den Beispielen gezeigt, Fälle, in denen die anderen Gewinnkennzahlen aussagekräftiger sind.

Zusammenfassung und Praxisbeispiel der Gewinnarten

Schritt für Schritt: Vom Umsatz zum Nettogewinn

Umsatz
- Direkte Herstellungs- und Verkaufskosten
= Bruttogewinn
- operative Kosten
= EBITDA
- Abschreibungen
= EBIT (operatives Ergebnis)
- Zinsen
= EBT (Vorsteuerergebnis)
- Steuern
= Nettogewinn

Hier findest du die entsprechenden Kennzahlen beispielhaft in Apples Gewinn- und Verlustrechnung in den Quartalszahlen vom Q2 2020: