von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 28. Februar 2021

Dropbox war eines der ersten Unternehmen, dass das Speichern, Abrufen und Teilen von Dateien und Ordnern über die Cloud ermöglicht hat. Mittlerweile ist Dropbox nach eigenen Aussagen aber mehr als das, nämlich der erste "smarte Workspace".

Während Tech-Unternehmen zuletzt rasant gestiegen und immer wieder auch in den Medien sind, ist es um Dropbox ziemlich ruhig. Auch der Aktienkurs ist in den letzten 3 Jahren eher in einer Seitwärtsbewegung und leicht fallend.

Ich sehe aber drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. Starkes Geschäftsmodell: Hohe Gewinnmargen, wiederkehrende Umsätze und Rückenwind durch Digitalisierung
  2. Vergleichsweise günstige Bewertung: Dropbox ist heute mit weniger als dem 5-fachen des Umsatzes bewertet, was im Vergleich zu anderen Tech-Unternehmen recht wenig ist
  3. Wenig Aufmerksamkeit: Dropbox als Aktie erzeugt kaum Schlagzeilen, was sie aus Sicht langfristiger Anleger interessant macht

Darüber hinaus erlebt Dropbox einen strategischen Wandel und könnte auch als potenzielles Akquisitionsziel interessant sein.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert, wie Chancen und Risiken gegenüber der großen Tech-Unternehmen aussehen, was mögliche Gründe der Zurückhaltung der Anleger sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

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Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen


Das Unternehmen

Dropbox wurde 2007 gegründet und war ein Vorreiter im Bereich Cloud Hosting bzw. Cloud Storage, also im Speichern und Bereitstellen von Daten in der Cloud.

CEO ist der damalige Mitgründer von Dropbox Drew Houston. Er hielt bis zum Börsengang 2018 außerdem 25% der Anteile an Dropbox, was ihm zu einem Vermögen von über 2 Mrd. USD verhilft.

Produkt & Geschäftsmodell

Wenn du Dropbox nutzt, kannst du Dateien in einen Dropbox-Ordner schieben und von überall darauf zugreifen. Er wird im Hintergrund synchronisiert und in der Cloud gespeichert. Außerdem kannst du andere zur Nutzung einladen, bspw. Kollegen oder Freunde, die dann auch Zugriff darauf haben.

Dropbox nutzt einen Freemium-Ansatz: Zu Beginn ist der Zugang kostenlos, mit steigendem Speichervolumen (und anderen Features) steigen die Kosten. Die Abrechnung erfolgt monatlich und beginnt bei 9,99€ / Monat.

Dieses Produkt war bei Gründung und ist bei heute der Kern von Dropbox.

Aber: Die Vision ist heute größer. Es ist der "kluge digitale Arbeitsplatz". So beschreibt Dropbox es selbst:

Dropbox entwickelt den weltweit ersten Smart Workspace.
2007 konnte man leichteres Arbeiten noch ganz einfach durch die Entwicklung einer effizienteren Dateisynchronisierung möglich machen. Heute braucht man dafür Produkte, die unseren Arbeitsaufwand reduzieren, damit wir uns beim Arbeiten auf das Wesentliche konzentrieren können.

Die meisten „Produktivitätstools“ behindern uns nur. Ständige Pings, Ablenkungen und Unterbrechungen stören den ganzen Ablauf im Team: So verbringen wir unsere Tage damit, zwischen Apps hin- und herzuwechseln und Feedback zu koordinieren. All das bedeutet unnötigen Aufwand – und das, was wirklich zählt, bleibt dabei auf der Strecke. Das wollen wir endlich ändern.

Wir sind davon überzeugt, dass intelligenteres Arbeiten möglich ist. Dropbox unterstützt mehr Organisation, höhere Konzentration und bessere Zusammenarbeit im Team.

Zu der Datei-Synchronisierung kommen also weitere Features: Organisation unterschiedlicher Dokumente, personalisierte Empfehlungen und Integrationen in Business-Tools wie bspw. PowerPoint.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre eher seitlich bis leicht fallend entwickelt, was im Vergleich zur Entwicklung des restlichen Marktes und speziell des Tech-Marktes eher ungewöhnlich ist.

Auch seit dem Tiefpunkt in der Corona-Krise März 2020 steht die Aktie "nur" um 28% höher.

Chance

  1. Vergleichsweise günstige Bewertung: Dropbox ist heute mit weniger als dem 5-fachen des Umsatzes bewertet
  2. Starkes Geschäftsmodell: Hohe Gewinnmargen, wiederkehrende Umsätze und Rückenwind durch Digitalisierung
  3. Wenig Aufmerksamkeit: Dropbox als Aktie erzeugt kaum Schlagzeilen, was sie aus Sicht langfristiger Anleger interessant macht

Phase & entscheidende Fragen

Dropbox ist am Markt etabliert. Auch wenn es noch nicht auf einem riesigen Umsatzniveau angekommen ist, sehe ich es zwischen Phase 2 und 3: Es wächst überdurchschnittlich, hat aber keine enormen Wachstumsschübe mehr.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert


Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Die folgende Grafik aus der Investorenpräsentation zeigt die Entwicklung der Umsätze, des Free Cashflows sowie den Gewinnmargen. Alle zeigen in eine positive Richtung:

Google Trends zeigt außerdem ein interessantes Bild: Die weltweite Nachfrage nach "Dropbox" hatte 2014 und 2015 einen Höhepunkt, ist danach aber stark rückläufig. Dafür ist wohl vor allem die starke Konkurrenz verantwortlich, mehr dazu gleich.

Dropbox hat starke 700 Mio. registrierte Nutzer, theoretisch (wenn es keine doppelten Accounts gäbe) hat also jeder 10. Mensch auf der Welt einen Dropbox-Account.

Interessanter sind noch andere Kennzahlen:

  • Zahlende Kunden: 15,5 Mio. (+8%)
  • 80% der Kunden nutzen Dropbox beruflich
  • Durchschnittlicher Umsatz pro Kunde ist auf 128,50 $ gestiegen (+4%)

Diese Zahlen sehen erstmal solide aus, auch wenn ich in dem Corona-Jahr 2020 einen höheren Zuwachs an zahlenden Kunden erwartet hätte.

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

Schauen wir einmal auf die drei wichtigsten Konzepte im Geschäftsmodell.

Vorteile vom Cloud Hosting Prinzip

Cloud-Lösungen sind heute etabliert. Sie bieten einige starke Vorteile:

  • Flexibel im Speicherplatz erweiterbar
  • Von überall zugreifbar
  • Bessere Backup-Möglichkeiten
  • Zusammenarbeit mit mehreren Personen

Es ist klar, dass dieses Prinzip auch in Zukunft weiter überlegen sein wird und die Nachfrage in Richtung von Cloud Lösungen geht.

Unabhängigkeit als Alleinstellungsmerkmal

Apple und Google haben einen großen Vorteil im Cloud-Hosting: Sie besitzen den direkten Kundenzugang. Wer ein Gerät von ihnen nutzt, kann direkt das perfekt integrierte Cloud-Speichersystem dazu buchen und nach Belieben upgraden.

Dropbox ist allerdings unabhängig auf allen Betriebssystemen nutzbar. Egal ob Windows PC, Android Smartphone oder iOs Tablet: Dropbox verbindet alle Geräte. Wer die gleiche Verknüpfung schon mal mit Google Drive oder vor allem iCloud Drive probiert hat (ich spreche aus Erfahrung), weiß, dass es dort deutlich schwieriger ist.

Dropbox ist gut positioniert für eine Zielgruppe, die gemischte Betriebssysteme und Geräte hat - oder in Freundeskreisen oder Unternehmen, die wiederum unterschiedliche Geräte und Betriebssysteme nutzen.

Dropbox ist zwar nicht so optimal integriert und abgestimmt wie der iCloud Speicher für Apple-Geräte, bietet dafür aber die Gewissheit, dass jeder es gut nutzen kann.

Der erste Smart Workspace

Dropbox selbst bezeichnet sich als ersten Smart Workspace.

Es bietet sowohl eigene Lösungen an (bspw. Dropbox und Hellosign), aber auch Integrationen von anderen Produktivitäts- und Business-Tools.

Dadurch ist Dropbox nicht nur auf Eigenentwicklungen und Zukäufe angewiesen, sondern kann auch bestehende Lösungen zum Vorteil der Kunden integrieren. Gleich schauen wir genauer drauf, wie die konkreten Lösungen von Dropbox hier aussehen (werden).

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Cloud-Hosting
  • Marktkapitalisierung: 10 Mrd. USD
  • Umsatz: 1,9 Mrd. USD
  • Ergebnis: -0,3 Mrd. USD
  • Free Cashflow: +0,5 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 5
  • KGV: -
  • KGVe: 18
  • KCV: 17
  • PEG-Ratio: 1,5

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 300 %
  • Bruttomarge: 78 %
  • Nettomarge: -13 %
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 20 % p.a.

Zusammenfassung

Dropbox wächst recht konstant mit 20% p.a. im Umsatz. Im Corona-Jahr konnte es nicht so stark wie andere Tech-Unternehmen profitieren. Es ist im Cashflow deutlich positiv. Der Kern, Cloud Hosting, ist ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, in welchem der Vorteil von Dropbox die Unabhängigkeit ist. Darüber hinaus möchte Dropbox sich jetzt mehr zum "Smart Workplace" entwickeln.

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven


Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Marktgröße

In Zukunft werden immer mehr Menschen und vor allem Unternehmen auf Cloud-Speicherlösungen setzen. Die Entwicklungen zum Arbeiten im Home Office verstärken den Trend und machen solche Technologien noch wichtiger.

Der Markt ist also in keinem Fall ein Wachstumslimit für Dropbox: Der Markt ist riesig und Dropbox mit knapp 2 Mrd. USD Umsatz pro Jahr hat erst einen winzig kleinen Teil davon.

"Smart Workspace" als strategischer Fokus

In der Investorenpräsentation zeigt Dropbox die Strategie vom bestehenden (links) zur Zukunft (rechts):

Zum Smart Workspace gehören Tools zur Zusammenarbeit, sicheres Hinterlegen von Accounts & Passwörtern, digitale Unterschriften, Backups, Erfassen von handgeschriebenen Notizen und mehr.

Alles an einem Ort und es soll einfach funktionieren.

CEO Drew Houston sagt selbst:

"One element of the Dropbox experience people love is that it just works"

Bezogen auf die neuen Initiativen, die durch die Corona-Pandemie und die Anforderungen an das remote Arbeiten noch verstärkt wurden, sagt er:

"There's a lot of stuff associated with it," he said. "A lot of Slack messages and docs, PowerPoints, Paper documents, Google Sheets, whatever. I've got 10 different places to see what's going on. I can't just click, like, 'Launch Project.'"

Was ich an der Vorgehensweise smart finde:

  • Durch bestehende Geschäftskunden hat Dropbox einen unfairen Vorteil beim Aufbau eines solchen Modells
  • Intuitive Datenspeicherung, die Dropbox schon als Technologie bietet, sind essenziell für alle Unternehmen, die digital arbeiten wollen
  • Dropbox kann die neuen Tools auf die bestehende Basis bauen, statt komplett neu zu starten, was das Risiko senkt

Es steht keinesfalls fest, dass Dropbox der Wandel gelingt. Die Konkurrenz in den einzelnen Bereichen ist stark, wie wir gleich sehen werden. Auch bestehende Kunden müssen den Schritt mittragen und akzeptieren, dass ihre App mehr Funktionen bekommt, dadurch aber auch komplexer und schlimmstenfalls weniger übersichtlich und langsamer wird.

Falls es nicht gelingt, wird es viel Geld kosten. Aber: Es wird Dropbox höchstwahrscheinlich nicht das Genick brechen, sondern das Unternehmen kann weiter mit dem Kerngeschäft bestehen.

Burggraben & Konkurrenz

Wer ist nun die Konkurrenz von Dropbox?

Cloud Hosting Konkurrenz: Alphabet & Apple

Vor allem andere Cloud-Hosting Lösungen. Gerade Alphabet bzw. Google mit Google Drive und Apple mit iCloud Drive haben die Nase vorn.

Sie haben den direkten Kundenzugang und die Lösungen optimal integriert. Dropbox hat die beschriebene Stärke in geräteübergreifenden Lösungen.

Gerade Google Drive (gelb) sticht im Interesse auf Google hervor:

Produktivitäts-Tools als Konkurrenz

Auf der anderen Seite positioniert sich Dropbox auch als Produktivitätslösung. Andere Unternehmen wie Atlassian und Asana sind dort ebenfalls unterwegs, haben den Fokus aber noch stärker auf konkretem Projektmanagement (Deadlines, Aufgaben und Zuständigkeiten zuweisen,...).

Auch digitale Unterschriften (eSignature) nennt Dropbox als Bestandteil. Die Lösung bietet das 2019 für 230 Mio. USD aufgekaufte Unternehmen Hellosign an. Auch im neuesten Quartalsbericht findet Hellosign viel Erwähnung, was die Wichtigkeit des Bereichs verdeutlicht. Dort konkurriert Dropbox mit DocuSign oder Adobe.

Insgesamt ist auch hier Google, aber auch Microsoft, durch Office-Suiten in einem ähnlichen Bereich unterwegs, der File-Hosting, Chat, Notizen etc. vereint.

Finanzielle Ziele

Dropbox selbst plant langfristig:

  • Gleichbleibend hohe Bruttomarge von 78 - 80%
  • Senken der Forschung- & Entwicklung-Ausgaben um 3 - 5 Prozentpunkte
  • Senken der Sales- & Marketing-Ausgaben um 0 - 2 Prozentpunkte
  • Senken der Administrationsausgaben um 0 - 8 Prozentpunkte
  • Damit einhergehend ein Erhöhen der operativen Marge von 21% auf 28 - 30%
  • ein Free Cashflow von 1+ Mrd. USD pro Jahr

In Summe plant Dropbox also weiter zu wachsen, die Gewinnmargen durch Kostensenkungen zu verbessern und dadurch den Free Cashflow zu erhöhen.

Zusammenfassung

Dropbox sieht die eigene Zukunft als "Smart Workplace". In meinen Augen ein sinnvoller Schritt mit einer großen Vision und überschaubarem Risiko. Die größte Konkurrenz sind nach wie vor andere Cloud Hosting Anbieter, gerade Google (Drive). Langfristig möchte Dropbox die operative Gewinnmarge auf bis zu 30% steigern.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert


Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet das Unternehmen aktuell aus?

Solides Umsatzwachstum

Dropbox ist zuletzt mit 20% pro Jahr im Umsatz gewachsen. Das haut im Tech-Bereich niemanden vom Hocker, ist aber eine starke Wachstumsrate über dem allgemeinen Marktniveau.

Rule of 40 übertroffen

Die Kennzahl für Kapitaleffizienz, die Rule of 40, übertrifft Dropbox: Die Summe aus Umsatzwachstum (+20%) und Free Cashflow Marge (26%) liegt über 40, was für kapitaleffizientes Wachstum spricht und nur der kleinere Teil der Unternehmen erfüllt.

Sinnvolles Produkt

Dropbox bietet eine gute und nützliche Lösung für Kunden, die auch in Zukunft nicht mehr wegzudenken ist. Es stellt sich also glücklicherweise nicht mehr die Frage, ob das Produkt am Markt ankommt oder nicht.

Unabhängigkeit als USP

Die großen Tech-Unternehmen, v.a. Google und Apple, sind mit ihrem Ökosystem und dem direkten Kundenzugang eine große Bedrohung - mehr dazu gleich.

Dropbox ist allerdings unabhängig auf allen Betriebssystemen nutzbar und bietet dafür eine gute Lösung.

Dropbox ist zwar nicht so optimal integriert und abgestimmt wie der iCloud Speicher für Apple-Geräte, bietet dafür aber die Gewissheit, dass jeder es gut nutzen kann.

Langfristig denkender CEO Drew Houston

CEO Drew Houston ist seit der Gründung an Bord. Dass er ein so erfolgreiches Unternehmen bis heute aufgebaut habt zeigt, dass er weiß, was er tut. Außerdem stellt es sicher, dass er langfristig agiert. Er hat kein Interesse daran, dass Unternehmen kurzfristig an der Börse gut darzustellen.

So eine Einschätzung eines CEOs ist aus der Ferne schwierig. Ich achte aber vor allem auf zwei Faktoren: 1. Den Track Record, also den Erfolg oder Misserfolg eines CEOs und 2. ob der CEO laufend Unternehmensentwicklungen beschönigt und zu große Versprechungen macht, die am Ende nicht gehalten werden, oder auch Negatives klar anspricht.

In Interviews wirkt er sehr ehrlich, sagt bspw. offen, dass Dropbox sich bei der Entwicklung der neuen Produkte in einer Phase mit viel Chaos befinde. Hier wird also nichts beschönigt, um kurzfristig Investoren zu gefallen.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Schauen wir auf die Schwachstellen des Unternehmens.

Noch kein Gewinn (aber positiver Cashflow)

Die Ertragsseite von Dropbox ist zwiegespalten: Der Cashflow sieht sehr stark aus, die Ergebnisseite eher mau. Dort ist seit Jahren ein Verlust zu verbuchen.

Immerhin: 2020 musste Dropbox eine Abschreibung in Höhe von 400 Mio. USD hinnehmen, was den Nettogewinn gedrückt hat. Der operative Gewinn (ohne diese Abschreibung) war positiv.

Darüber hinaus ist der größte Kostenblock der Bereich "Research and Development", der ca. 38% am Umsatz ausgemacht hat. Diese Ausgaben sind wichtige Ausgaben für die Zukunft und aus Anlegersicht bessere Kosten als bspw. administrative Ausgaben.

Recht hohe Verschuldung

Der Verschuldungsgrad von Dropbox liegt etwas über 300%. Die Vermögenswerte von Dropbox bestehen also zu ca. 75% aus Fremdkapital und 25% aus Eigenkapital.

Da die Bilanz absolut gesehen aber nicht so riesig ist, Zinsen günstig und Dropbox aktuell jedes Jahr positive Cashflows erzielt, ist das Risiko daraus aktuell begrenzt.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

Akquisitionsziel

Diese Chance betrifft mehr die Aktie als das Geschäftsmodell selbst. Aber: Auch das Geschäftsmodell könnte profitieren, wenn ein anderes Unternehmen Dropbox kauft, das wiederum Vorteile (bspw. Kunden) für Dropbox bedeutet.

Beispiel: Das B2B-Kommunikationstool Slack (Teil von Salesforce) könnte ein Datei-Managementsystem und die Produktivitätstools integrieren, wodurch Dropbox direkt auf viele Kundenbeziehungen zugreifen kann.

Diese Chance aus Aktiensicht beleuchte ich gleich noch genauer.

Natürliches Wachstum durch Digitalisierung

Je mehr Menschen und vor allem Unternehmen sich digitalisieren, desto mehr Cloud Hosting Dienste werden auch genutzt und gebraucht. Das gleiche gilt für Produktivitätslösungen. Damit hat Dropbox selbst dann ein Wachstum, wenn der relative Marktanteil der gleiche bleiben würde.

Wandel zum Smart Workplace

Durch die strategische Vision hat Dropbox die Chance sich von anderen Cloud Hosting Anbietern zu differenzieren und weitere Potenziale in der Wertschöpfungskette abzugreifen.

In meinen Augen scheint es sinnvoll zu sein: Dropbox hat Know-How, Kundenzugang, laufende Umsätze und die Unternehmenskultur, um so etwas umzusetzen. Trotzdem wird sich zeigen, ob der Markt sich davon überzeugen lässt.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

Große Tech-Unternehmen mit eigenem Ökosystem & direktem Kundenzugang

Apple und Google können viele Kunden gewinnen, bevor Dropbox überhaupt mit diesen ins Gespräch kommt. Wenn jemand Dropbox auf einem Smartphone installieren will, dann nur über die App Stores von Apple oder Google.

Diese Bedrohung ist dadurch real, hat in der Vergangenheit viele Kunden gekostet und wird das auch in Zukunft tun. Hier kann Dropbox wenig ausrichten, außer sich zu differenzieren - was vermutlich einer der zentralen Gründe ist, warum Dropbox zum Smart Workplace werden möchte.

Es ist ein Modell, dass nicht einfach von den großen Tech-Unternehmen kopiert wird und mehr Alleinstellungsmerkmal schafft. Trotzdem bleiben die Tech-Konzerne im Kern-Modell, dem Cloud-Hosting, führend.

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch | Auswirkung bei Eintritt: hoch

CEO als Risiko

Ein langjähriger CEO, der auch Gründer und Anteilseigner ist, bringt oft eine langfristige Vision mit sich, ist aber auch ein Risiko: Was passiert, wenn diese Person das Unternehmen verlässt? Oder wenn sie nicht mehr die beste Person für den Job ist?

Diese Risiken sind bei Dropbox nicht abzusehen, sie sind in so einem Konstrukt, das stark von einem CEO abhängig ist, vorhanden.

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig | Auswirkung bei Eintritt: mittel

Strategischer Wandel als Kostenfaktor

Der strategische Wandel bringt immer auch Kosten mit sich: Neues Personal wird eingestellt, andere Unternehmen (bspw. Hellosign) werden akquiriert und die Marketing-Geschütze aufgefahren. Anders gesagt: Kosten entstehen, unabhängig davon, ob der Wandel gelingt oder nicht.

Was gut ist: Selbst wenn Dropbox das neue Modell nicht enorm erfolgreich am Markt platziert, kann Dropbox die geschaffenen Dienste und Services weiter anbieten. Es kostet sie quasi nichts, da es Software ist, und bietet auch langfristig Mehrwert für bestehende Kunden.

Kosten entstehen also in jedem Fall, es entsteht aber auch ein Nutzen - wie groß dieser werden kann, muss die Zeit zeigen.

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch | Auswirkung bei Eintritt: niedrig

Aktienbewertung: Der faire Wert der Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Ich sehe drei wesentliche Szenarien:

  • Pessimistisch: Der strategische Wandel gelingt nicht. Das große Umsatzwachstum bleibt aus und Dropbox damit weitestgehend auf dem aktuellen Stand.
  • Erwartet: Dropbox wächst solide weiter, wenn auch etwas langsamer. Durch die neue Strategie kann das Wachstum länger aufrecht erhalten und bereits hohe Margen beibehalten werden.
  • Optimistisch: Die neue Strategie setzt neues Wachstum frei und beflügelt Dropbox. Nicht nur der Umsatz, sondern auch die Bewertung an der Börse steigt dadurch.

Für die Ermittlung des fairen Werts habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

#1 Umsatzwachstum

In den letzten 3 Jahren lag das Umsatzwachstum bei 20% p.a. 2020 hat Dropbox um +15% im Umsatz zugelegt. Analysten erwarten für Dropbox in den kommenden Jahren ein Umsatzwachstum von 10% (2021) und 9% (2022).

Ich halte die Schätzungen angesichts des bisherigen Wachstums, den hohen Investitionen und der gestiegenen Notwendigkeit des Produkts für realistisch bis etwas vorsichtig. Ich gehe im mittleren Szenario von 11% kurzfristigem Wachstum aus.

Ich nehme außerdem an, dass sich das Umsatzwachstum langfristig (> 10 Jahre) bei 7 % p.a. einpendelt. Es entsteht dadurch ein Jahresumsatz von 4 - 5 Mrd. USD.

Hier sehe ich im optimistischsten Szenario noch die größten Chancen, um zusätzliches Wachstum durch die neue Positionierung zu erreichen und damit nach oben abzuweichen.

#2 Nettomarge

Die Bruttomarge liegt heute bei knapp 80%, die EBIT-Marge bei 21% (soll auf bis zu 30% erhöht werden) und die Free Cashflow Marge bei 26%. Die hohe Bruttomarge gibt in jedem Fall viel Raum, dass das in Aussicht gestellte Margenwachstum realisiert werden kann.

Ich gehe davon aus, dass langfristig eine Nettomarge nahe des Niveaus der heutigen Free Cashflow Marge von 24% erreicht werden kann.

Übrigens: Mit diesem Umsatzwachstum und dieser Marge wäre das selbst gesteckte Ziel von 1+ Mrd. USD an jährlichen Free Cashflow in 10 Jahren nicht ganz erreicht, aber in greifbarer Nähe.

#3 Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KCV von 17 und einem KUV von 5 bewertet. Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen, vor allem der hohen Marge - noch mit einem leicht überdurchschnittlichen (im aktuellen Umfeld eher durchschnittlichen) KGV von 20 bewertet sein wird.

Meine Renditeerwartung in fünf Szenarien

Ich erwarte durch diese Annahmen langfristig eine jährliche Rendite von knapp 9 %.

Wie sehen die abschätzbaren Ränder nach oben und nach unten aus?

  • Im sehr pessimistischen Szenario: +1 % p.a.
  • Im sehr optimistischen Szenario: + 18 % p.a.

Insgesamt deckt sich das Bild mit meiner Intuition: Das Risiko nach unten ist begrenzt, die Chancen nach oben bestehen - insofern meine Erwartungen hier realistisch sind und keine enorm negativen Entwicklungen auftauchen, die ich hier noch nicht kommen sehe.

Dropbox als Akquisitionsziel?

Gerade zuletzt ist es immer wieder zu Akquisitionen gekommen. Visa wollte Plaid für 5 Mrd. USD übernehmen, Salesforce hat Tableau und Slack für jeweils einen zweistelligen Milliardenbetrag übernommen und auch Facebook kauft fleißig ein.

Bei einer Akquisition zahlt das akquirierende Unternehmen in aller Regel mehr als den Börsenwert, um alle Aktionäre zu überzeugen. Deshalb ist dieses Szenario für Anleger attraktiv.

Dropbox liegt mit einem Wert von knapp 10 Mrd. USD in einem attraktiven Bereich für größere Tech-Unternehmen. Das KUV liegt bei 5. Hier könnten Unternehmen auch auf eine mögliche Multiple-Arbitrage abzielen: Ein Unternehmen, das selbst bspw. mit dem 10-fachen der eigenen Umsätze bewertet wird, könnte Umsätze zum 5-fachen einkaufen und ggf. auf das eigene Bewertungsniveau heben.

Für wen könnte Dropbox also interessant sein?

Ich sehe vor allem Produktivitätsunternehmen: Bspw. Atlassian (hier analysiert) ist heute 60 Mrd. USD wert und hat auch Akquisitionen als strategisches Ziel benannt. Durch Dropbox könnte es die eigenen Tools durch eine Speicherplattform erweitern.

Auch Salesforce war zuletzt sehr kauffreudig und könnte in die Palette an B2B-Software (Salesforce, Slack, Tableau,...) eine B2B-Produktivitätsplattform bzw. Speicherlösung integrieren.

Bisher gibt es keine Anzeichen oder Gerüchte für eine Akquisition, ich halte es aber für denkbar und ein vages Potenzial für die Aktie.

Die Scorecard

Mein Fazit inkl. Pro & Contra: Aktie jetzt kaufen?


Pro

  • Solides und zukunftsträchtiges Geschäftsmodell
  • Gutes Umsatzwachstum und hohe Free Cashflow Marge
  • Hohe Bruttomarge (80%) spricht für hohe Profitabilität des Geschäftsmodells
  • Positives Ergebnis in der Aktienbewertung
  • Langfristiges Management und große Vision

Contra

  • Unsicherheit durch strategischen Wandel
  • Starke Konkurrenz durch Apple, Alphabet und Microsoft
  • Im Vergleich zu anderen Tech-Unternehmen wenig von 2020 profitiert

Fazit

Dropbox wächst solide, hat eine Vision, ein langfristiges Management und wird voraussichtlich in naher Zukunft nicht nur im Cashflow, sondern auch im Ergebnis grüne Zahlen schreiben. Das Bewertungsniveau ist nicht auf der Höhe der anderen Tech-Unternehmen.


Klar, Dropbox hat Unsicherheiten: Der strategische Wandel bringt Herausforderungen und Kosten mit sich, deren Ergebnis unklar ist. Ich persönlich finde den Schritt mutig, sinnvoll und kann mir gut vorstellen, dass es Dropbox langfristig besser differenziert und nützlicher macht.


Unterm Strich finde ich die Dropbox Aktie attraktiv: Vieles passt gut zusammen und ich sehe keine großen, existenziellen Risiken. Das geringe Interesse der Börse sehe ich eher als Chance aus Sicht eines langfristigen Anlegers.

Tags: Dropbox | Aktien: Dropbox

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Wo ich Aktien & ETFs kaufe: Meine Empfehlungen →

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #7: Wir kaufen nicht nur, weil etwas steigt.

Einige Aktionäre kaufen Aktien nur wegen eines „Geheimtipps“, eines steigenden Kurses oder eines Hypes und merken erst dann, wenn sie fällt, dass die Geschäftszahlen die Bewertung kaum rechtfertigen konnten. Angesagte Aktien können auch gute Aktien sein. Sie nur wegen eines Hypes zu kaufen, wäre aber kurzfristige Spekulation. Und wir wissen: Nur weil eine Aktie gut ist, stark wächst oder im Hype ist, heißt es nicht, dass sie auf Dauer überdurchschnittlich gute Renditen abwirft. Oftmals ist das Gegenteil der Fall.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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