von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 10. Mai 2022

Wer verkauft im Goldrausch – äh, im Cloudrausch – die Schaufeln? Unter anderem ein kaum bekanntes Aktienunternehmen: .

DigitalOcean bietet die Infrastruktur für die Cloud. Unternehmen können ihre Systeme über DigitalOcean einfach und transparent aufsetzen und skalieren. Einerseits ein hochattraktiver Markt, andererseits in direkter Konkurrenz zu den großen Tech- und Cloud-Anbietern.

DigitalOcean besticht durch Einfachheit, Fokus auf Entwickler und kleinere Unternehmen sowie hohe Transparenz. Die Zahlen sehen heute tatsächlich enorm stark aus und verbessern sich, die Kunden sind enorm zufrieden.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 🥇 „Verkaufe Schaufeln im Goldrausch“: Die Welt will in die Cloud. DigitalOcean verkauft die Infrastruktur dafür. Es verkauft also die Schaufeln für den Goldrausch.
  2. 📈 Hohes Wachstum: DigitalOcean ist zuletzt mit über 30% pro Jahr gewachsen, die Wachstumsrate ist – anders als bei vielen anderen Unternehmen – über die letzten Quartale sogar gestiegen.
  3. 💰 Profitabel: Die adj. EBITDA-Marge liegt bei 30%, DigitalOcean erzielt schon Überschüsse. Das reduziert das Risiko.

Finden wir also heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Aktie überbewertet? Oder sollte man jetzt noch Aktien kaufen? Diesen Fragen versuchen wir uns zu nähern.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben besteht. Dazu schauen wir auf die aktuelle Strategie, wie die Chancen von dieser sind, gegen wen sich das Unternehmen behaupten muss und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht.

Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

DigitalOcean wurde 2011 gegründet. Seit 2019 ist Yancey Spruill CEO, gehört aber nicht zu den fünf Gründern. Im März 2021 ist DigitalOcean Holdings zu einem Preis von 47 Dollar je Aktie an die Börse gegangen.

Produkt & Geschäftsmodell

DigitalOcean ist ein Anbieter von Cloud-Infrastruktur. Es richtet sich damit zentral an Entwickler.

Was heißt das konkret?

Unternehmen gehen zunehmend dazu über, ihre Services, Software und Tools nicht selbst auf eigenen Servern und Computern zu installieren, sondern dies in der Cloud zu tun. Die Vor- und Nachteile des Cloud Computings habe ich bereits ausführlicher beschrieben.

Dabei gibt es unterschiedliche Dinge zu beachten:

Welche Dienste brauche ich? Wie setze ich sie richtig auf? Wieviel Speicherplatz brauche ich? Wie viel darf ich ausgeben? Wie integriere ich sie miteinander? Wie stelle ich sicher, dass sie nicht ausfallen? Wie bekomme ich sie regelmäßig aktualisiert? Wo werden Backups zur Sicherheit hinterlegt?

All diese Fragen vereinfacht DigitalOcean. Es bietet eine Plattform, auf der Entwickler die Cloud-Infrastruktur ihres Unternehmens aufbauen und definieren können.

Die Mission von DigitalOcean:

DigitalOcean simplifies cloud computing so developers and businesses can spend more time creating software that changes the world.

Dieses Video zeigt ein Beispiel der Nutzung:

In wenigen Minuten können Entwickler Teile der IT-Infrastruktur über DigitalOcean aufsetzen.

We offer mission-critical infrastructure solutions across compute, storage and networking, and we also enable developers to extend the native capabilities of our cloud with fully managed application, container and database offerings. In just minutes, developers can set up thousands of virtual machines, secure their projects, enable performance monitoring and scale up and down as needed. Our pricing is consumption-based and billed monthly in arrears, making it easy for our customers to track usage on an ongoing basis and optimize their deployments.

DigitalOcean nutzt dabei sogenannte Virtual Private Servers (VPS), die sie selbst „Droplets“ nennen. Es sind virtuelle Server mit eigenem Betriebssystem und eigener Software, die sich innerhalb eines Droplets einrichten lässt. Letztendlich wird dabei ein physischer Server in mehrere virtuelle Server aufgeteilt, um so eine bestmögliche Auslastung zu erreichen.

Ausgehend von diesen VPS erweitert DigitalOcean sein Angebot und möchte umfassendere Angebote für Entwickler machen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs ist nach IPO stark gestiegen, jetzt aber wieder leicht über Ausgangsniveau von vor einem Jahr.

Zusammenfassung

DigitalOcean bietet eine umfassende Cloud-Infrastruktur, auf der Entwickler von Unternehmen ihre eigene Software- und Toollandschaft aufsetzen können. Seit März 2021 ist DigitalOcean an der Börse, der Kursverlauf dabei ziemlich volatil.

Zahlencheck & Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie sich das Geschäft zuletzt entwickelt hat.

Wachstum

Das jährl. Umsatzwachstum ist zuletzt gestiegen:

  • Q1 ’20: 25%
  • Q2 ’20: 24%
  • Q3 ’20: 24%
  • Q4 ’20: 26%
  • Q1 ’21: 29%
  • Q2 ’21: 35%
  • Q3 ’21: 37%
  • Q4 ’21: 37%
  • Q1 ’22: 36% (aktuellstes Quartal)

Dieses Wachstum kommt vor allem durch Mehrausgaben der Kunden. Der ARPU (= durchschn. Umsatz pro Nutzer) ist zuletzt um 28% gestiegen, die Kundenanzahl um 6%.

Erfreulich ist, dass sich das Wachstum sogar beschleunigt hat und keine Verlangsamung zu erkennen ist. Womöglich kommt diese in Kürze, da die Vergleichsquartale stärker werden, dazu gleich mehr.

Profitabilität

Die Bruttomarge liegt 2021 bei 59%, bereinigt (vor allem um Abschreibungen, aber auch aktienbasierte Vergütung) bei 79%. Auch hier ist der Trend leicht positiv über die letzten Quartale.

Stark ist auch die adjustierte EBITDA-Marge, die in diesem Zeitraum bei 32% liegt. Auch die offizielle EBITDA-Marge liegt bei 18%. Die operative Cashflow-Marge liegt über die letzten 12 Monate bei ca. 30%.

Aber: Das Ergebnis ist noch leicht negativ mit -5% Marge, das operative Ergebnis ca. bei 0. Auch hier ist die Entwicklung über die letzten Jahre aber positiv und die offizielle Profitabilität nur eine Frage von Quartalen.

Im aktuellsten Quartal Q1 ’22:

  • Bruttomarge: 63%
  • Free Cashflow Marge: 4%
  • Eigene Aktien für 150 Mio. US-Dollar wurden zurückgekauft, was ~4% der Marktkapitalisierung entspricht

Wie wird hier bereinigt?

Die bereinigte Bruttomarge lag zuletzt bei 81%, die offizielle bei 63%. Die bereinigte operative Marge liegt bei 11%, die bereinigte bei -10%. Auch Cashflow-Zahlen und offizielle Ergebniszahlen gehen auseinander.

Woran liegt das?

An (a) Abschreibungen und (b) aktienbasierten Vergütungen von Mitarbeitern. Beides sind keine Vorgänge, bei denen Geld fließt, die daher Cashflows nicht berühren.

Die Abschreibungen erklären vor allem den Unterschied in der Bruttomarge. Im aktuellsten Quartal haben diese 22 Mio. Dollar ausgemacht, was den adjustierten Bruttogewinn von 103 Mio. auf 81 Mio. Dollar senkt.

Bei der operativen Margen spielen die aktienbasierten Vergütungen die Hauptrolle. 26 Mio. Dollar wurden im letzten Quartal an aktienbasierter Vergütung gezahlt, was aus 14 Mio. bereinigtem operativen Gewinn einen offiziellen operativen Verlust von -13 Mio. macht.

Bei den Abschreibungen kann man darüber streiten, inwiefern diese bei Software-Produkten so zutreffen. Die aktienbasierte Vergütung halte ich für relevant, da sie sonst als Gehalt gezahlt werden und dann auch Mehrausgaben bedeuten würde. Insgesamt finde ich die bereinigten Kennzahlen sowie die Cashflows daher eher zu hoch.

Qualitätsmetriken

Neben den Top-Level-Kennzahlen gibt es bei DigitalOcean weitere interessante Metriken.

Rule of 40

Die Rule of 40 (Summe aus EBITDA-Marge und Umsatzwachstum) zeigt an, wie kapitaleffizient ein Unternehmen wächst. Alles über 40 gilt als sehr gut. DigitalOcean liegt hier mit knapp 40% Umsatzwachstum und ca. 30% adj. EBITDA-Marge (bzw. 18% offizieller EBITDA-Marge) eher bei 70 und damit deutlich darüber. 

Forschungsausgaben

Neben dem Geld, was übrig bleibt, ist spannend, wofür Geld ausgegeben wird. Speziell, wie hoch der Anteil ist, der in die Weiterentwicklung des Unternehmens fließt.

Hier liegt DigitalOcean zuletzt bei ca. 25% Capex-Ausgaben am Umsatz. Das ist ein überdurchschnittlich hoher Wert, spricht also für eine stärkere Weiterentwicklung und kein Verwalten des Status Quo.

Bestandskundenwachstum

Die Net Dollar Retention Rate gibt an, wie viel Kunden heute ausgeben im Vergleich zu vor einem Jahr. Diese Kennzahl hat sich verbessert, lag zuletzt bei zwischen 110 und 120%. Sprich: Bestandskunden geben nach einem Jahr 10 bis 20% mehr für DigitalOcean aus.

Umsatzverteilung

Positiv zu sehen ist außerdem die regionale Verteilung der Umsätze. Anders als bei vielen anderen US-Unternehmen verteilen sich die Umsätze global recht stark. Auf die USA entfallen „nur“ 38%.

Kundenzufriedenheit

Auf Gartner erzielt DigitalOcean 4,9 von 5 Sternen bei 27 Bewertungen, schneidet damit enorm gut ab. Auf G2 gibt’s 255 Bewertungen und im Schnitt 4,5 / 5 Sterne.

Positiv hervorgehoben werden vor allem die einfache Bedienbarkeit, das transparente Abrechnungsmodell und der Featureumfang.

Bilanz

Positiv zu erwähnen ist die Bilanz von DigitalOcean. Kaum Verschuldung, knapp 1 Mrd. Dollar an Eigenkapital. Etwa 600 Mio. US-Dollar in Cash. Zusätzlich zur Profitabilität sollte das den Kapitalbedarf ziemlich gut decken, gleichzeitig auch Sicherheit bieten.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Cloud-Infrastruktur
  • Marktkapitalisierung: 3,8 Mrd. USD
  • Umsatz: 0,46 Mrd. USD
  • Ergebnis: -0,05 Mrd. USD
  • Operativer Cashflow: 0,1 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 8
  • KGV: –
  • KGVe: 55
  • KCV: 25
  • PEG-Ratio: 2

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 60% (adj.: 80%)
  • EBITDA-Marge: 18% (adj.: 30%)
  • Nettomarge: -5%
  • Umsatzwachstum: 37% YoY

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Zusammenfassung

DigitalOcean wächst stark, leicht zunehmend und ist dabei deutlich profitabel. Die Rule of 40 ist deutlich über-erfüllt. Der Umsatz ist global recht stark verteilt. Die Bilanz ist ziemlich solide. Insgesamt also ein gutes bis sehr gutes Zahlenwerk.

Analyse von Geschäftsmodell, Strategie & Markt

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: DigitalOcean | Aktien: DigitalOcean

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #7: Wir kaufen nicht nur, weil etwas steigt.

Einige Aktionäre kaufen Aktien nur wegen eines „Geheimtipps“, eines steigenden Kurses oder eines Hypes und merken erst dann, wenn sie fällt, dass die Geschäftszahlen die Bewertung kaum rechtfertigen konnten. Angesagte Aktien können auch gute Aktien sein. Sie nur wegen eines Hypes zu kaufen, wäre aber kurzfristige Spekulation. Und wir wissen: Nur weil eine Aktie gut ist, stark wächst oder im Hype ist, heißt es nicht, dass sie auf Dauer überdurchschnittlich gute Renditen abwirft. Oftmals ist das Gegenteil der Fall.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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