von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 26. Januar 2022

Geschäftsmodelle sind der Kern von Unternehmen. Sie bestimmen langfristig den Erfolg oder Misserfolg - viel mehr, als es kurzfristige Kennzahlen, Preisschwankungen oder politische Ereignisse es tun.

Starke Geschäftsmodelle schaffen hochwertige Unternehmen.

Es entspricht dem weisen Spruch von Warren Buffett:

„Ich versuche Aktien von Unternehmen zu kaufen, die so wunderbar sind, dass ein Idiot sie führen könnte - denn früher oder später wird es einer tun.“

In unterschiedlichen Epochen und Phasen gab es historisch unterschiedliche Geschäftsmodelle, die profitiert haben (wie bspw. Industrie- und Eisenbahnunternehmen nach der Industrialisierung).

Was sind also heute die stärksten Geschäftsmodelle? Ich zeige dir die Börsenlieblinge, passende Unternehmen dazu und die Gründe für die Stärke.

Die 4 stärksten Geschäftsmodelle

Ich habe vier Geschäftsmodelle herausgesucht, die zu den stärksten Modellen aktuell gehören. Teilweise können diese sich bei Unternehmen auch überschneiden oder ergänzen.

Die Unternehmen, die diese Geschäftsmodelle umsetzen, sind heute vor allem Technologie- und Digitalunternehmen. Die Gründe dafür habe ich u.a. hier (Warum Tech-Aktien die Börse dominieren) und hier (Diese Grafik muss jeder Aktionär kennen) dargelegt.

#1 - Software-as-a-Service (SaaS)

SaaS-Modelle erfreuen sich an der Börse großer Beliebtheit. Es sind Geschäftsmodelle, die Zugang zu einer Software, üblicherweise in einem Abo-Modell (siehe "Subscription-Modell"), verkaufen.

Grundsätzlich wird Software angeboten. Und Software besteht erstmal aus nichts anderem als Code, der von Programmieren geschrieben wurde. Ob dieser Code 1.000 oder 1.000.000 Kunden zugänglich gemacht wird, ist für die Kostenstruktur quasi egal. Dadurch ist bei diesen Modellen vor allem die Skalierung reizvoll.

Diese Vorteile treffen fast auf alle hier gezeigten Geschäftsmodelle zu, auf das SaaS-Modell aber ganz besonders.

Software ist auch ohne ein Abo-Modell ein gutes Produkt. Bisher wurden aber vor allem einmalige Lizenzen verkauft, wie es fast jeder kennt, der regelmäßig das neue Windows (95, 98, XP, 2000, Vista,...) oder das neue Office kaufen musste.

Heute wird Software aber bevorzugt über ein Abo-Modell angeboten. Es gibt also keine hohen, einmaligen Kosten zu Beginn, sondern einen geringeren, dafür monatlich oder jährlich anfallenden Betrag.

ist ein gutes Beispiel für die Transition der Software-Geschäftsmodelle. In der SAP Aktienanalyse habe ich geschrieben:

Kurzfristig sinken Umsätze, die dafür langfristig und wiederkehrend höher ausfallen. Der Gesamtumsatz wird höher angepeilt, findet dafür aber etwas später statt.

CEO Klein hat auch zuletzt wieder die Bedeutung der Cloud für SAP-Kunden betont:

"Für Unternehmen ist der Umstieg in die Cloud, verbunden mit einer echten Neuausrichtung ihres Geschäfts, unerlässlich geworden. „Denn nur so können sie widerstandsfähiger werden und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen können.“"

Unternehmen, die das SaaS-Geschäftsmodell umsetzen:

#2 - Plattform

Eine Plattform bringt mehrere Parteien zusammen, die durch ihren Austausch einen Mehrwert erleben. Die Nutzung kann die Plattform monetarisieren.

So eine Plattform ist bspw. Facebook: Es bringt Nutzer zusammen. Auch Unternehmen sind heute auf der Plattform, interagieren und sorgen mit ihren Werbeanzeigen für die Monetarisierung der Plattform.

Das Besondere an vielen Plattformen ist außerdem, dass sie oft eine Leistung anbieten, die sie selbst nur vermitteln und nicht selbst anbieten: Uber ist der größte Fahrtenvermittler der Welt, besitzt aber kein Taxi. ist der größte Vermittler von Unterkünften der Welt, besitzt aber selbst keine Wohnung. Und bspw. Flixbus in Deutschland ist der größte Bus-Fernreisenanbieter, ohne dafür selbst Busse zu besitzen (außer einen aus Lizenzgründen).

Es ist profitabler, weniger kapitalintensiv und schneller skalierbar eine Plattform aufzubauen, als das Geschäft zu betreiben, das die Plattform vermittelt.

Auf der anderen Seite ist es nicht einfach eine solche Plattform aufzubauen: Ohne ein Angebot kommt keine Nachfrage und umgekehrt. Das Henne-Ei-Problem muss also gelöst und eine kritische Masse erreicht werden, bis das Potenzial einer Plattform sich entfaltet.

Hier habe ich die Aggregation Theory von Ben Thompson genauer beschrieben, der zahlreiche Aspekte von Plattformen, deren Vorteile und Unterschiede aufzeigt.

Analag zu den SaaS-Modellen gibt es auch Platform-as-a-Service Modelle. Bspw. Fastly könnte man auch in diese Kategorie zählen, da dort Plattformzugang in einem Abo angeboten wird. Auch Microsoft Azure als Cloud-Hosting Anbieter zählt dazu, da dort nicht nur eine Software, sondern eine gesamte Infrastruktur geboten wird.

Unternehmen, die ein Plattform-Geschäftsmodell umsetzen:

#3 - Marktplätze

Marktplätze sind eine spezifischere Variante der Plattformen. Im Grunde sind sie schon seit Jahrtausenden ein Bestandteil unseres Lebens.

Früher wurde auf Marktplätzen gehandelt. Der Marktplatzbetreiber hat dabei von allen Teilnehmern, meistens von den Anbietern, eine Gebühr oder eine prozentuale Gebühr verlangt. Genau das gleiche passiert heute in der digitalen Welt.

Ein Unternehmen wie ist ein Marktplatz für Selbstgemachtes. Anbieter von selbstgemachten Produkten treffen dort auf die Käufer. Etsy monetarisiert den Marktplatz über eine prozentuale Provision am Verkauf und zusätzliche kostenpflichtige Services für Anbieter, u.a. prominentere Platzierungen im Marktplatz.

Auch Amazon hat vor Jahren entschieden, sich zu öffnen und auch dritte Händler auf anbieten zu lassen. Damit wurde Amazon vom Händler zur Plattform, auf dem Amazon einer von vielen Händlern ist.

Unternehmen, die ein Marktplatz-Modell umsetzen:

#4 - Subcription-Modell

Ein Subscription-Modell bezeichnet ein Geschäftsmodell, in dem die Umsätze regelmäßig, also aus Kundensicht in einem Abo, erzielt werden.

Dieses Prinzip ist erstmal simpel. Erst jetzt, durch die problemlose zahlungsseitige Abwicklung, aber vor allem die Kombination zu den anderen Geschäftsmodellen, rücken Abo-Erlöse in den Fokus.

Was sind die Vorteile des Modells - sowohl aus Sicht des Anbieters, als auch aus Sicht der Kunden?

  • Höhere Planbarkeit der Umsätze.
  • Kunden müssen nicht jedes mal neu durch Marketingkampagnen gewonnen werden.
  • Die Anfangsinvestitionen für Kunden sinken.
  • Durchgehender Service beim Produktkauf aus Kundensicht.

Diese Vorteile machen Erlöse aus einem Abo-Modell wertvoller. Du kannst dir ja selbst die Frage stellen:

Würdest du zum gleichen Preis lieber in Unternehmen A investieren, das im letzten Monat einmalig Software-Lizenzen im Wert von 1.000.000€ verkauft hat oder in Unternehmen B, das im letzten Monat 1.000.000€ über Abo-Erlöse eingenommen hat?

Unternehmen A muss neu in die Akquise gehen. Unternehmen B kann sich darauf konzentrieren, neue Kunden zu gewinnen, die zu den bestehenden dazu kommen.

Würdest du lieber in ein Restaurant investieren, das im letzten Monat für 1 Mio. Euro Essensbestellungen ausgeliefert hat, oder in ein Unternehmen (wie bspw. HelloFresh), das solche Umsätze monatlich durch das Liefern von Kochboxen im Abo erzielt?

Dazu kommt eine Herausforderung für Unternehmen, aber eine Chance für Aktionäre. Denn bei einem Abo-Modell stehen in der Regel am Anfang hohe Ausgaben, während die Umsätze erst mittel- und langfristig reinkommen. Die ersten Jahre sehen die Zahlen also schlecht aus. Langfristig verbessern sich die Zahlen aber fast zwangsläufig.

Unternehmen, die ein Subcription-Modell umsetzen:

Fazit: In diesen Branchen gibt's die starken Geschäftsmodelle

Viele dieser Geschäftsmodelle sind im Tech- und Digitalbereich verankert und vor allem in den folgenden Branchen zu finden:

Tipp: Hier habe ich unterschiedliche Kriterien gezeigt, die spezifisch an ein Geschäftsmodell angelegt werden können, also noch tiefer einsteigen.

Es ist oft aber auch eine Komponente aus der traditionellen Welt dabei: Bspw. Airbnb ist eine vollständig digitale Lösung für ein physisches Produkt (Unterkünfte). Für gilt das genauso. und hingegen sind rein digital, sowohl die Plattformen, als auch die Produkte.

Einige Produkte richten sich an private Endkunden (B2C), andere an Unternehmenskunden (B2B).

Die stärksten Geschäftsmodelle haben also einen digitalen Kern, gehen darüber hinaus aber in unterschiedlichste Richtungen. Das macht die Möglichkeiten, damit das eigene Depot divers zu gestalten, so spannend.

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #13: Wir widerlegen unsere eigenen Ideen.

Gute Ideen hat jeder. Die wenigsten schaffen es aber, eigene Ideen selbst zu widerlegen und die Gegenseite einzunehmen. Wir fragen uns: Was spricht gegen meine These? Warum könnte ich falsch liegen? 

„Du musst dich zwingen, gegensätzliche Argumente zu erwägen. Besonders, wenn sie deine liebsten Ideen in Frage stellen.“ - Charlie Munger

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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