von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 9. Oktober 2022

Deere & Company und die Hauptmarke John Deere sind vermeintlich langweilige Old Economy. Sie stellen Maschinen für die Agrar- und Bauwirtschaft her. Dabei ist das nicht nur eine der wichtigsten und unverzichtbarsten Branchen, sondern auch eine, die gerade eine kaum beachtete Revolution durchläuft.

  1. 🌱 Wichtige, zeitlose Branche: Agrarwirtschaft ist essenziell und unverzichtbar. Gerade heute sind solche Schlüsselindustrien in besonderem Fokus.
  2. ⭐️ Marktführer: John Deere ist der weltweit größte Landmaschinenhersteller.
  3. 🦾 Agrarwirtschaftliche KI-Revolution: Eine Studie aus 2020 sagt, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Agrarwirtschaft einer Revolution gleichkommt.
  4. 🚀 Tesla der Agrarwirtschaft? Tesla hat die Automobilindustrie disruptiert. Das Auto ist software-, nicht mehr hardwarebasiert, was Chancen wie höhere Margen bietet. Kann John Deere als Marktführer ähnlich davon profitieren?
  5. 💰 Rekordzahlen, aber auch Rekordkurs: Deere hat gerade nicht nur den größten Jahresumsatz und Gewinn, sondern auch ein Rekordhoch im Aktienkurs erreicht. Ist die Bewertung gerechtfertigt?

Finden wir also heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Deere & Company Aktie überbewertet? Oder kann man jetzt noch Deere & Company Aktien kaufen und damit langfristig profitieren? Diesen Fragen werden wir uns hier nähern.

Die Analyse beruht u.a. auf folgenden Quellen & Einschätzungen:

  • Aktuellste Finanzkennzahlen bis zum letzten Quartal
  • Geschäftsbericht & Investorenpräsentation
  • Wissenschaftliche Studien zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Agrarwirtschaft
  • Einschätzungen von Marktexperten & Investoren
  • Interviews & Aussagen der Führungsebene, v.a. der Digitalstrategin und dem Autonomie- und Autonomie-Verantwortlichen

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben besteht, wie die aktuelle Strategie aussieht, wie die Chancen von dieser sind, gegen wen sich Deere behaupten muss und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

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Überblick & Entwicklung

Unternehmensentwicklung

Deere & Company stellt Landmaschinen her. Die Hauptmarke ist John Deere, benannt nach dem vor über 200 Jahren geborenen Gründer. Weitere Marken sind Deere, Kemper, Frontier, PartsCountry und Vapormatic.

Vor allem ist John Deere bekannt für Traktoren, die schon um 1900 angeboten wurden und sich seitdem durch den technologischen Fortschritt immer weiterentwickelt haben.

Deere hat mittlerweile die Marke von 40 Mrd. Dollar Jahresumsatz geknackt und beschäftigt über 70.000 Mitarbeiter. Damit ist es im Bereich der Landmaschinen Marktführer, auch wenn der Markt von unterschiedlichen Herstellern bedient wird.

Heute wird Deere & Company mit etwa 100 Mrd. Dollar an der Börse bewertet. Das liegt auch am Aktienkurs, der über die letzten Jahre enorm stark gestiegen ist. Seit 2016 hat sich der Kurs etwa vervierfacht, seit Beginn der Pandemie 2020 mehr als verdoppelt.

Produkte & Geschäftsmodell

Deere stellt eine breite Palette an Maschinen und Fahrzeugen her, die für die Landwirtschaft gebraucht werden. Dazu gehören:

  • Traktoren
  • Mähdrescher
  • Feldhäcksler
  • Ballenpressen
  • Spezielle Erntegeräte (u.a. für Baumwolle und Zuckerrohr)
  • Maschinen für Aussaat, Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung
  • Baumaschinen (Radlader, Planierraupen, Bagger)

Im Kern werden also große, komplexe Maschinen für den Einsatz in der Landwirtschaft, teilweise auch Bauwirtschaft, hergestellt. Ein moderner und gut ausgestatteter Traktor kann durchaus 500.000 US-Dollar und mehr kosten.

John Deere unterteilt das Geschäft in drei Segmente (mit Umsatzanteil):

  1. Production & Precision Agriculture (41%): Traktoren, Mähdrescher und Lader für mittel- und großflächigen An- und Abbau von Getreide, Baumwolle und Zucker.
  2. Small Agriculture & Turf (30%): Für kleinere Landwirtschaft, u.a. Viehzucht, Molkerei und hochwertige Ernte. Verkauft werden hier u.a. kleinere Traktoren und Rasenmäher.
  3. Construction & Forestry (29%): Maschinen für die Bau- und Forstwirtschaft.

Zahlencheck

Deere & Company weist meistens die Ergebnisse für "equipment operations" aus. Darin wird das operative Geschäft abgebildet. Es grenzt sich von den Finanzservices ab, die Verkäufe oder Leasings finanzieren (ähnlich wie bei deutschen Automobilherstellern). Spannend sind wohl die Gesamtergebnisse und die des operativen Geschäfts,

Ertragsentwicklung & Wachstum

Die Meilensteine des Umsatzes:

  • 1995: 8,8 Mrd. Dollar
  • 2000: 11,2 Mrd. Dollar
  • 2005: 19,4 Mrd. Dollar
  • 2010: 23,6 Mrd. Dollar
  • 2015: 25,8 Mrd. Dollar
  • 2020: 28,3 Mrd. Dollar
  • 2021: 39,7 Mrd. Dollar

Deere berichtet als Erfolgskennzahl Shareholder Value Added (SVA). Diese besteht aus dem Gewinn vor Steuern abzüglich der Kapitalkosten.

SVA is, in effect, the pretax profit left over after subtracting the cost of enterprise capital.

Bei dieser lag Deere bis 2003 einige Jahre im Verlust, auch der Umsatz stieg nur langsam oder stagnierte. Seitdem war der SVA immer positiv, in 2021 bei einem Spitzenwert von 4,7 Mrd. Dollar.

Der operative Cashflow ist durchgehend positiv, lag 2021 bei knapp 6 Mrd. Dollar, was ebenfalls ein Rekordwert ist.

Herkunft der Umsätze

Das größte Segment ist "Production & Precision Ag". Das sind Großmaschinen für die Agrarwirtschaft. Danach kommen kleinere Maschinen für die Landwirtschaft.

Dazu wird über die Hälfte des Umsatzes in Nordamerika erzielt. Danach kommt Europa mit 21%, danach der Rest der Welt (Lateinamerika, Asien, Africa).

Profitabilität & Kapitalverwendung

Die Bruttomarge liegt bei 29%. Die operative Marge kann Deere seit Jahren über 10% halten, zuletzt bei 16%.

Ein direkter Vergleich von Umsatz, operativem Ergebnis, Nettoergebnis und SVA:

in Mrd. USD

Umsatz

Oper. Ergebnis

Ergebnis

SVA

2019

39

4,1

3,3

1,5

2020

35

3,9

2,8

1,5

2021

48

7,5

6

4,7

Deere schüttet konstant Dividenden aus und konnte diese über die beiden letzten Jahrzehnte immer weiter steigern. Pro Aktie wird heute etwa das 10-fache ausgeschüttet wie noch 2004. Allein in 2021 wurden die Dividenden um 38% erhöht.

Q3 '22 Ergebnisse

Die letzten Quartalszahlen waren solide (jeweils YoY):

  • Umsatz +22% (operatives Geschäft: +25%)
  • Ergebnis +13%
  • Gewinn pro Aktie +16% (durch zurückgekaufte Aktien über Ergebniswachstum)

Factsheet

Factsheet

Sofern nicht anders angegeben in jeweiliger Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). 3J = 3-Jahres-Durchschnitt. 'e' = erwartet. 'YoY' = im Jahresvergleich, '3J' = letzte 3 Jahre.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Landmaschinenbau
  • Marktkapitalisierung: 105 Mrd. USD
  • Enterprise Value: 150 Mrd. USD
  • Umsatz: 46 Mrd. USD
  • Ergebnis: 6,2 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0,6 Mrd. USD (davor eher ~5 Mrd.)

Bewertung

  • KUV: 2
  • KGV: 18
  • KGVe: 14
  • KCV: 27
  • PEG-Ratio: 1,2

Qualität & Wachstum

  • Eigenkapitalquote: 20%
  • Bruttomarge: 29%
  • Operative Marge: 16% (5J: 12%)
  • Nettomarge: 13% (5J: 9%)
  • operatives Gewinnwachstum: 13% YoY, 23% p.a. (3J)
  • Umsatzwachstum: 22% YoY, 6% p.a. (3J)

Geschäftsmodell & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Marktanalyse & Konkurrenz

John Deere ist nicht alleine am Markt, mit 46 Mrd. Dollar Jahresumsatz aber am größten. In Nordamerika ist es mit 60% am Traktormarkt klarer Marktführer, in vielen anderen Märkten hat der Marktführer oft 20 - 25%, was zeigt, dass der Markt noch recht fragmentiert ist. John Deere liegt dort oft auf einem der ersten drei Plätze. Relevante Konkurrenten sind auch einige aus Deutschland:

  • CNH Industrial (Niederlande) stellt, ähnlich wie Deere & Company, alle Arten von Nutzfahrzeugen für Agrar- und Bauwirtschaft her. 28 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • AGCO (USA, inkl. deutscher Hersteller Fendt). In Deutschland kämpft John Deere mit Fendt Kopf an Kopf um die Marktführerschaft im Traktor-Bereich. Fendt ist allerdings ein deutsches Unternehmen, in den meisten internationalen Märkten führt daher John Deere. Der Gesamtumsatz von AGCO liegt bei 11 Mrd. USD.
  • Claas (Deutschland) stellt ebenfalls Landwirtschaftsmaschinen her. 4 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • Krone bietet vor allem Landwirtschaftsmaschinen an. 2 Mrd. Euro Jahresumsatz.

Nur wenige der Unternehmen scheinen Software und Digitalisierung so ernst zu nehmen wie John Deere. Bei vielen Unternehmen findet sich dazu wenig. Bei Krone sieht schon die Webseite aus, als wäre sie noch im vorletzten Jahrzehnt stecken geblieben.

AGCO und Fendt nehmen die KI-Entwicklung ernst. Während Deere den vollautonomen Ansatz ansteuert, möchte AGCO die günstigere Nachrüstung der bestehenden Flotte forcieren. Seth CNBC zitiert Seth Crawford von AGCO so:

Whereas Deere is focused on adding full autonomy to its own farm equipment, AGCO is eying the wider retrofit market, Crawford said. “In summer 2023, we’ll have a performance-enhancing retrofit kit available for multiple brands of machines,” he said. “Where others say we bring you autonomy with a half-million-dollar tractor,” he said, alluding to the price tag of Deere’s 8R, “we have kits that allow you to do that with your existing fleet. We see a huge opportunity with the installed base, where farmers want to adopt technology to enhance their outcomes, and yet don’t want to flip their entire fleet and make that massive investment.”

CNH hat unter anderem die Digitalstrategin von John Deere abgeworben. Die Ausgaben in Forschung & Entwicklung in 2021 im Vergleich:

  • Deere & Co: 1,5 Mrd. Dollar
  • CNH: 1,2 Mrd. Dollar
  • AGCO: 0,4 Mrd. Dollar

Im Vergleich zu den beiden größten Konkurrenten ist Deere & Co deutlich teurer bewertet. Die KGVs und erwartete KGVs:

  • Deere & Co: 18 / 14
  • CNH: 10 / 8
  • AGCO: 10 / 9

Five-Forces-Analyse

Nach der Strategieanalyse von Michael Porter gibt es fünf Kräfte, die auf ein Unternehmen einwirken. Wie steht John Deere hier da?

  1. Wettbewerb: Hoch. Es gibt einige Wettbewerber, die ebenfalls signifikante Marktanteile in den jeweiligen Nischen haben.
  2. Bedrohung durch neue Anbieter: Gering. Das Geschäft ist enorm kapitalintensiv, Verkaufsprozesse langwierig und es gibt bereits viele etablierte Marken.
  3. Verhandlungsstärke der Lieferanten: Gering.
  4. Verhandlungsstärke der Kunden: Mittel. Durch die alternativen Hersteller gibt es eine gewisse Verhandlungsmacht. Dadurch, dass Kunden aber sehr fragmentiert sind, gibt es keine großen Klumpenrisiken.
  5. Bedrohung durch Ersatzprodukte: Gering. Hier sehe ich für einige Anwendungsfälle bspw. Drohnen, aber im Kern ist schwer denkbar, wie die Maschinen auf absehbare Zeit durch andere Produkte abgelöst werden.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass Deere überschaubaren Risiken vom Markt ausgesetzt ist.

Organisation

John Deere ist entlang der drei Kernsegmente ausgerichtet. Diese können auf gemeinsam genutzte Bereiche zugreifen, die Kundensupport, IT-Lösungen, Finanzservices und Entwicklung von Motoren abdecken.

Skaleneffekte & Daten

Als Marktführer profitiert Deere von Skaleneffekten: Größere Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten, weltweite Ausbreitung und mehr mögliche Investitionen in Forschung zu Software und Technologie.

In einer technologisierten Welt können auch Daten ein Burggraben sein. Je größer die Datenbasis, desto besser können eigene Lösungen werden.

John Deere erhält Daten von über 315 Mio. Acres. Ein Acre entspricht etwa 4.000 Quadratmetern. Daraus kann Deere lernen, wie die eigenen Maschinen eingesetzt werden und wo Ineffizienzen auftreten.

Diese Skaleneffekte, sowohl in der Hardware und der Software-Welt, spielen bei der Strategie, die wir gleich sehen werden, eine große Rolle.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Große Maschinen werden eher einmalig und nach Bedarf gekauft. Wiederkehrende Umsätze entstehen allerdings durch Wartung und Ersatzteile, die zwangsläufig nach Verkauf anfallen. Dieser Anteil ist aber noch gering, soll bis 2023 auf 10% steigen.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Gibt es kaum.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Als Marktführer hat Deere die größten Skaleneffekte. Sie schaffen Vorteile im Einkauf, Marketing, dem Vertrieb und auch der Entwicklung von Software-Lösungen.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

John Deere liegt nach meiner Einschätzung aktuell mit vielen Konkurrenten eher gleich auf, könnte aber durch die Fortschritte im KI-Bereich bald die führende Rolle einnehmen.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

John Deere ist die führende Marke im Markt, gilt als Premium-Produkt und hat mit fast 200 Jahren eine kaum vergleichbare Historie.


Geschäftsmodell-Bewertung: 13 / 25

Zukunft & Strategie

John Deere hat die Smart Industrial strategy ausgerufen:

John Deere’s Smart Industrial strategy will revolutionize agriculture and construction
John Deere will deliver intelligent, connected machines and applications that will revolutionize production systems in agriculture and construction to unlock customer economic value across the lifecycle in ways that are sustainable for all

Im Kern stehen Innovation, smarte Maschinen, Software und Technologie für bessere ökonomische Nutzung entlang des gesamten Wertschöpfungszyklus. Gleichzeitig soll das eine nachhaltigere Nutzung ermöglichen.

Künstliche Intelligenz ist oft ein Buzzword, hinter dem entweder zu viel oder zu wenig Fantasie steckt. Was lässt sich mit dieser in der Agrarwirtschaft machen, kann es realistisch klappen und wer wäre dafür am besten positioniert?

KI: Die agrarwirtschaftliche Revolution

2020 ist eine Studie erschienen, in der der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Agrarwirtschaft diskutiert wird. Darin wird der Einsatz mit einer "agrarwirtschaftlichen Revolution" gleichgesetzt.

Dadurch können Herausforderungen des Klimawandels, Bevölkerungswachstums, Arbeitermangel und Lebensmittelsicherheit bekämpft werden. Es hilft den Verbrauch von Wasser, Pestiziden und Herbiziden zu reduzieren und den Boden gesünder zu halten.

Artificial Intelligence in agriculture has brought an agriculture revolution. This technology has protected the crop yield from various factors like the climate changes, population growth, employment issues and the food security problems. [...] These technologies saves the excess use of water, pesticides, herbicides, maintains the fertility of the soil, also helps in the efficient use of man power and elevate the productivity and improve the quality.

Eine Studie aus 2019, die den aktuellen Stand von Automatisierung und KI in der Agrarwirtschaft analysiert, stellt fest: Für eine nachhaltige Entwicklung in der Landwirtschaft sind Themen wie künstliche Intelligenz und Machine Learning nicht nur förderlich, sondern notwendig.

Penetration of Artificial intelligence and machine learning is necessary for sustainable development in farming sector.

Es gibt also einen großen Nutzen für den Landwirt, für die Welt (durch höhere Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit) und für John Deere, wenn es dadurch die eigene Position stärken kann.

In der Agrarwirtschaft gibt es einige Vorteile gegenüber dem Einsatz in der Automobilbranche:

  • Es gibt durch Zäune klar abgesteckte Grenzen eines Felds.
  • Bei einigen Anwendungsfällen kann neben einem GPS auch auf optische Sensoren zurückgegriffen werden, die erkennen, ob der Boden bereits bearbeitet wurde.
  • Keine Verkehrsregeln, keine oder kaum andere Verkehrsteilnehmer, niedrige Geschwindigkeiten.
  • Hohe Fahrzeugpreise, sodass autonomes Fahren relativ gesehen weniger Aufpreis wäre.
  • Direkte Einsparung, wenn weniger Fahrer gebraucht werden sollten und dadurch hohe Zahlungsbereitschaft.

Chancen durch KI in der Agrarwirtschaft:

  • Nachhaltigerer und kostensparender Einsatz von Düngemittel, Pestiziden und Wasser
  • Effizientere Nutzung von Maschinen: Weniger menschliche Leistung bei mehr Ergebnis. Autonomes Fahren und autonome Geräte können Arbeitermangel ausgleichen.
  • Höhere Versorgungssicherheit und produzierte Menge für wachsende Weltbevölkerung, die in 20 Jahren bei 10 Mrd. Menschen liegen wird
  • Flächendeckende Anwendung durch hohe Vorteile der Geschäftskunden

Einsatzmöglichkeiten von KI & Software

Für KI und Softwarelösungen gibt es hier viele Einsatzmöglichkeiten:

  • Autonomes Fahren
  • Präzisionslandwirtschaft - effizienter düngen, Überlappungen verringern, Krankheiten erkennen
  • Optimierung in der Planung - wann säen, wann ernten, wann düngen, wann wässern, wann verkaufen
  • Daten
  • Neuartige Geräte wie Drohnen

John Stone, verantwortlich für John Deeres Intelligent Solutions Group (ISG) betont, wie sehr er die Technologien für die Agrarwirtschaft geeignet hält und dass John Deere hier an der Spitze stehen sollte.

“Now we’re very much pushing into artificial intelligence, computer vision, and machine learning … what’s amazing is how all of this technology is such a hand-in-glove fit for agriculture.

It’s very clear that we need to be on the vanguard of these technologies – there’s a lot of economic upside and profitability as well as sustainability that can be unlocked for farmers through them.”

Schauen wir also darauf, wie John Deere dieses Feld anführen möchte.

John Deeres Strategie

Die drei Grundpfeiler der Strategie von Deere & Co:

  • Produktionssysteme: Effizientere Produktion und Maschinen.
  • Technologie: Klügere, präzisere und produktivere Maschinen.
  • Lebenszyklus-Lösungen: Höhere Verfügbarkeit, geringere Wartungskosten.

Vor ~25 Jahren dominierten Hardware und erste, simple Software sowie Hilfsmittel. Beipsielsweise Autotrac, ein Lenkassistent, der Überlappungen beim Fahren minimiert.

Dann kamen Konnektivitätslösungen dazu. Wo steht der Traktor gerade? Wie viel ist noch im Tank? Wie effizient werden die Maschinen ausgelastet? Ist etwas defekt?

Die nächste Ausbaustufe: Automatisierung und "Machine IQ". Pflanzen im Boden können erkannt und gezielt angesprüht werden. Traktoren vernetzen sich und fahren nebeneinander, können Fahrdaten teilen und von einem Fahrzeug aus gesteuert werden. John Deere schreibt:

Verbindet drahtlos mehrere Maschinen - Traktoren, Mähdrescher und selbstfahrende Feldhäcksler in ihrem eigenen Netzwerk. Eine Maschine fungiert als "Führungsfahrzeug" und steuert die Geschwindigkeit, Richtung und Position der "Folgefahrzeuge".

Die neueste Ausbaustufe ist Autonomie. Darin findet Forschung zu autonomen Fahren, inklusive neuer Akquisitionen, dar.

Die fünf wichtigsten Anwendungsfälle und Initiativen von John Deere:

#1 Autonomes Fahren

Ein Gerät wie ein Traktor kann schon (weitestgehend) eigenständig ein Feld beackern. Dabei gibt es unterschiedliche Stufen zwischen halb- und vollautonomem Fahren. Ein Fahrzeug kann alleine ein Feld pflügen oder dabei noch von außen gelenkt werden. Es kann eine gerade Linie halten, während der Fahrer alle anderen Elemente bedient. Es kann eine Linie auch dann halten, wenn ein menschliches Auge sie womöglich wetterbedingt nicht erkennt.

Während ein menschlicher Fahrer wohl nach spätestens acht Stunden eine Pause braucht, kann ein Traktor theoretisch 24 Stunden - womöglich mit Ladestopp - durchfahren. Womöglich kann ein Arbeiter so drei Traktoren steuern. Weniger Pausen, weniger Menschen pro Maschine und damit eine höhere Auslastung kann der noch größere Hebel sein.

Ende 2022 erscheint der autonome 8R Traktor. Dieser kann autonom fahren und per App gesteuert werden, wofür der Fahrer nicht mehr im Fahrzeug selbst sitzen muss.

Nicht nur das: Ein Führerfahrzeug kann auch andere steuern, beispielsweise bei der Ernte, um im richtigen Abstand und Tempo nebeneinander zu fahren.

Die Basis für solche Technologien hat John Deere schon in den späten 1990ern gelegt. Es hat das GPS-Unternehmen NavCon gekauft und wollte damit satellitengesteuerte Lenksysteme für Traktoren entwickeln. Dieses war nach ein paar Jahren auf wenige Zentimeter genau, vorher waren es eher Meter. Das führte sogar zu Partnerschaften mit der NASA. Auch Sona Raziabeegum, damals Strategy Lead Digital Solutions bei John Deere, bezeichnet das als Startpunkt für stärkeren Fokus auf Software statt nur auf Hardware.

Auch eigenständige Sprayer können die Pflanzen auf den Feldern besprühen. Diesen ist die Uhrzeit egal, sie können also auch nachts ausfahren, wenn das die optimale Zeit wäre.

Jorge Heraud, VP Autonomy & Automation, sagt auf die Frage, wann mit einer vollautonomen Farm zu rechnen ist: Ende diesen Jahrzehnts.

It’ll be here before the end of the decade.

Aber, was auch zur Wahrheit gehört: Bisher liegt die autonom fahrende Flotte unter 50.

#2 Präzisionslandwirtschaft

Deere hat gerade mit "See & Spray" eine Technologie implementiert, mit der nicht großflächig Mittel zur Unkrautvernichtung aufgesprüht werden, sondern nur dort, wo das System die Notwendigkeit erkennt. Diese effizientere Düngung senkt Kosten und schont den übrigen Boden. Die Alternativen, einfach das gesamte Feld mit Pestiziden zu besprühen oder große Flächen per Hand erscheinen wären viel ineffizienter.

Es kann präziser gefahren werden, wodurch Überlappungen mit bereits befahrenen Teilen minimieren lassen. Anhänger können smart gefüllt werden.

Die Saat kann präziser eingepflanzt werden, dabei die Tiefe und Abstand der Saat bestimmt und optimiert werden.

Wer einen kurzen, konkreten Einblick in einen von vielen Anwendungsfällen bekommen möchte, in welchem die Präzision der Arbeit erhöht werden soll:

#3 Optimierung in der Planung

Wann sollte ich aussähen? Wann sollte ich (wieder) düngen? Wann sollte ich ernten?

Dafür spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, die mit Hilfe von Software und Datenauswertung optimiert werden können: Wetterdaten und Prognosen, Zustand des Feldes, Preisentwicklung der Rohstoffe.

Der Zustand des Feldes und den dortigen Pflanzen kann durch Aufnahmen von Drohnen, über Sensoren am Boden, Videokameras oder eine bewirtschaftende Maschine gemessen werden. Je mehr Daten, desto besser die Einschätzung.

#4 Big Data

Moderne Maschinen sammeln auf jedem gefahrenen Kilometer Daten. Nicht nur über sich selbst (Verbrauch, Geschwindigkeit, Zustand, mögliche Defekte), sondern auch über das befahrene Feld. Kommen diese Daten zusammen, könnten daraus neue Erkenntnisse gezogen werden, die ein einzelner Landwirt nicht hat.

Wenn Maschinen defekt sind und nicht genutzt werden können, bedeutet das für den Landwirt hohe Kosten und drohende Ausfälle. Ein hoher Wert besteht also darin diese schon vorher zu erkennen und aktiv zu werden, bspw. durch Bestellen von Ersatzteilen.

#5 Neuartige Geräte

Sowohl die schweren Maschinen, die große Last stemmen können, werden weiterentwickelt. Es gibt aber auch Anwendungsfälle, für die andere Geräte besser geeignet sein können: Drohnen.

Wie sieht ein Feld aktuell aus? Ist es zu trocken oder hat sich zu viel Unkraut gebildet? Das könnten Drohnen herausfinden. Sie können auch ein Feld vermessen und damit den Traktor unterstützen.

Sie können auch selbst aktiv werden und beladen mit einer geringen Menge an Wirkstoff Unkraut bekämpfen, wie im Video zur "autonomen Sprühdrohne" von John Deere zu sehen. Darin wird gezeigt, wie eine Drohne ein Feld ansteuert, es filmt, analysiert, besprüht und automatisch Batterie und Tank nachgefüllt werden.

Nicht nur das: Sie könnten auch den Maschinen am Boden wertvolle Informationen und Bilder liefern, die deren Arbeit verbessern kann.

Akquisitionen

John Deere hebt im Geschäftsbericht 2021 vor allem eine Art von Investments heraus: Akquisitionen, die sich auf Software, sauberere Motoren und autonomes Fahren fokussieren.

Strategic investments include the purchase of Bear Flag Robotics, a technology startup that specializes in adding autonomous features to existing machines. Also, Deere invests in ClearFlame Engine Technologies, dedicated to the development of clean-engine technology, and acquires Harvest Profit, whose advanced software helps farmers measure profit at the field level.

Bear Flag Robotics wurde kürzlich für 250 Mio. Dollar übernommen. Es wurde erst 2017 gegründet und entwickelt Lösungen zu autonomen Fahren, mit denen bestehende Traktoren nachgerüstet werden können.

Harvest Profit bietet eine Software für Landwirte, die damit einen besseren Überblick sowie bessere Planbarkeit zu Kosten und Umsätzen ihres Geschäfts haben wollen. Der Kaufpreis wurde nicht kommuniziert.

Deere hat sich an ClearFlame Engine Technologies beteiligt. Diese forschen an nachhaltigeren Antrieben und einer Dekarbonisierung von großen Motoren.

Im Verhältnis zu den Zahlen von Deere & Company sind das eher kleine Investments und Beteiligen. Sie zeigen aber, welche Entwicklungsmöglichkeiten es in der Branche gibt und wie Deere sich weiterentwickelt.

Konkrete Ziele & Meilensteine

Deere nennt einige Ziele. Es sind weniger die konkreten Zahlen, sondern viel mehr die Faktoren, die Deere als Erfolgsmetriken (North-Star-Metriken) definiert. Diese sind:

  • Landwirtschaftliche Fläche, die vernetzt ist und zu der Daten erhoben werden
  • Anzahl vernetzter Maschinen und Ausrüstung
  • Breitere Abdeckung elektrischer Antriebe (und teilweise hybride)
  • Ein vollautonomer, batteriebetriebener Traktor
  • Anteil der Maschinen, die mit smarten Technologien verkauft werden
  • 10% wiederkehrender Umsatz bis 2030
  • Höhere Sicherheit, insgesamt nachhaltiger

Für mich zeigt es, dass die Strategie einerseits noch viele Chancen bietet und andererseits gut mit Interessen von Aktionären vereinbar ist. John Deere wird immer mehr zu einem Software-Unternehmen, wird nachhaltiger und setzt auch wiederkehrende Umsätze als Ziel fest.

Ich glaube nicht, dass dadurch sprunghaft Erträge steigen. Ich glaube aber, dass die Umsatzqualität steigt: Software hat höhere Margen, der Lock-In steigt, wiederkehrende Umsätze sind besser als einmalige. Für diesen Wandel ist Deere gut positioniert und könnte zusätzliche Marktanteile gewinnen.

Kapitalverwendung

Durch die kontinuierlich hohe Profitabilität hat Deere Erträge, die es klug verwenden sollte. Deere will die starke Bonität aufrechterhalten, Investitionen ins eigene Geschäfts finanzieren, Dividende ausschütten (25 - 35% Ausschüttungsquote) und, wenn es sich anbietet, eigene Aktien zurückkaufen.

Die Investitionen ins eigene Geschäft bestehen auch aus den R&D-Ausgaben. Diese bewegen sich recht konstant bei 4% des Umsatzes. Dadurch, dass dieser zuletzt gestiegen ist, sind die absoluten Forschungsausgaben ebenfalls mitgewachsen.

Meine Einschätzung der Chancen

Um diese Dinge umzusetzen braucht es einige Dinge: Genug finanzielle Mittel zum Investieren. Bestehende Daten, um Lösungen zu entwickeln und zu verbessern. Software Know-How.

Die ersten beiden Punkte hat Deere definitiv. Die Software-Kompetenz sehe ich nicht besonders ausgeprägt, aber definitiv nicht weniger als bei der Konkurrenz.

John Deere ist recht gut mit Volkswagen in der Automobilbranche zu vergleichen. Nur mit dem Unterschied, dass es im Landmaschinenbau kein Tesla gibt und damit wohl John Deere die führende Stellung hat.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Skaleneffekte: Deere ist der größte Landmaschinenhersteller der Welt. Das hilft gerade für die neue Software- und KI-Welt.
  • Profitabilität: Deere ist seit zwei Jahrzehnten fast durchgängig profitabel. Davor gab es auch einige verlustreiche Jahre, was zeigt, dass das Geschäft Risiken birgt. Trotzdem ist die Konstanz seitdem ein Pluspunkt.
  • Kontinuierliches Wachstum: Deere konnte nicht nur konstant Überschüsse erzielen, sondern auch Wachstum. Dieses ist aber nicht vergleichbar mit richtigen Wachstumsunternehmen.
  • Beständige und wichtige Branche: Es ist kaum denkbar, dass in Zukunft keine Landmaschinen gebraucht werden. Aktuell möchten dazu westliche Staaten ihre Kernindustrien stärken, um Abhängigkeit vom Ausland (vor allem China) zu senken. Hier könnte die Agrarwirtschaft ein wichtiger Baustein sein.
  • Fortune's Most Admired Companies: Im Bereich "Construction and Farm Machinery" landet Deere in der Liste der am meisten bewunderten Aktien von Forbes, die von Industrieexperten zusammengestellt wird, auf Platz 1.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Kein hohes Wachstum: Deere wächst, aber Wachstumsraten von >10% waren auch in der Vergangenheit sehr selten und erwarte ich auch nicht in der Zukunft. Entsprechend sollte die Bewertung nicht zu hoch sein.
  • Verschuldung: Deere & Company hat nur 20% Eigenkapital, 80% ist Fremdkapital und damit Verschuldung. Solange Deere profitabel ist, was zuletzt durchgehend der Fall war, ist das kein großes Problem. Wenn das nicht mehr der Fall ist, erhöht es aber Insolvenzrisiken. Aktuell wird die Bonität von mehreren Ratingagenturen als sehr gut eingeschätzt.
  • Höherer Enterprise Value: Dadurch, dass Deere höher verschuldet ist, liegt der Enterprise Value deutlich über der Marktkapitalisierung. Alle Bewertungsmetriken auf Basis des Enterprise Values fallen daher ca. 30% teurer aus.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Software & KI: John Deere ist in meinen Augen am besten positioniert und geht am konsequentesten vor, um die Lösungen durch Software, Technologie und KI zu verbessern. Das könnte einen starken Burggraben schaffen, gleichzeitig die Umsätze und/oder Margen erhöhen.
  • Burggraben durch Regulatorik: Deere könnte eines der Unternehmen sein, dass der Westen und vor allem die USA unterstützen würde, um keine Abhängigkeit von China einzugehen.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Hier geht's nun viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Konkurrenz: Es gibt einige Konkurrenten, die gut vergleichbare Produkte anbieten. Insgesamt ist der Markt dadurch kein "Winner takes it all" Markt, auch wenn ich die neuen Entwicklungn als Vorteil für Deere & Company sehe.
  • Regionale Anbieter: Entgegen der Skaleneffekte stehen womöglich kleinere Anbieter, die in den jeweiligen Regionen noch besser an die Regulatorik oder Gegebenheiten angepasste Produkte anbieten können, die sich von denen im Heimatmarkt USA unterscheiden.
  • Drohnen-Disruption: Drohnen könnten zunehmend in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Noch sind sie eher wenig im Einsatz und wenn, dann werden sie keine kraftaufwendigen Arbeiten erledigen können. Sollte der Drohneneinsatz steigen, ist der Markt allerdings offener. Immerhin forscht John Deere auch hier.

Aktienbewertung & Investment-These

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Finanzielle Ziele

Die im Februar 2022 für das Geschäftsjahr 2022 angepeilten Zahlen liegen etwa auf dem Niveau von 2021, tendenziell leicht darunter. Allerdings hat sich das Wirtschaftsklima danach deutlich verschlechtert, weshalb ich hier vorsichtiger wäre.

Renditeerwartung & fairer Wert

Berechnen wir nun die zu erwartende Rendite. Kann ich diese hellsehen? Nein (alle Versuche sind bisher zumindest gescheitert). Ich kann aber das Chance-Risiko-Verhältnis auf Basis der Analyse abschätzen und in Zahlen gießen, die sich gut interpretieren lassen.

Dafür kalkuliere ich drei Szenarien: Ein pessimistisches, ein optimistisches und das Szenario, das ich im Mittel erwarte. Auch Ausreißer nach unten oder oben sind immer möglich.

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich im mittleren Szenario folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: 6 - 8% pro Jahr seit 2015. Im letzten Quartal lag der Umsatz 22% über Vorjahr.
  • Prognose: -
  • Analystenerwartung: +18% im Geschäftsjahr 2022 (endet schon im Oktober), +8% in 2023. Das Marktwachstum bis 2027 wird auf 3% jährlich geschätzt.
  • Meine kurzfristige Annahme: 7% pro Jahr. Ich sehe das Risiko, dass Sondereffekte das aktuell hohe Wachstum verursacht haben und das Wachstum deutlicher auf die historische Wachstumsrate zurückfällt.
  • Meine langfristige Annahme: Insgesamt wächst der Markt kaum. Kurz- und mittelfristig stellt die wachsende Weltbevölkerung eine natürliche Nachfrage dar. Mehr KI-getriebene Lösungen sorgen nicht zwangsläufig für mehr benötigte Maschinen, könnten aber die Zahlungsbereitschaft erhöhen. Ich nehme 5% pro Jahr an.

Nettomarge

Die operative Marge liegt heute bei 16%, die Nettomarge bei 12%. Der 5-Jahres-Durchschnitt ist niedriger und liegt bei 12% und 9%. Analysten gehen trotzdem kurzfristig tendenziell von einer leicht steigenden Marge aus, wo ich aufgrund des niedrigeren historischen Niveaus etwas vorsichtiger bin. Der KI-Trend wirkt sich tendenziell margensteigernd aus, auch dadurch, dass Deeres Burggraben gestärkt werden könnte. Ich gehe langfristig von 11% Nettomarge aus.

Bewertungsniveau

Heute ist die Aktie mit einem KGV von 18 und einem KGVe von 14 bewertet. Im Mittel lag die Aktie über die letzten 10 Jahre bei einem KGV von 16. Das nehme ich ebenfalls langfristig wieder an, was einen kleinen Bewertungsrückgang einkalkuliert.

Sonstiges

Deere kauft kontinuierlich eigene Aktien zurück, zuletzt etwa 1% der ausgegebenen Aktien. Auch eine Dividende wird ausgeschüttet, diese liegt zurzeit bei etwa 1,3% am Aktienkurs. Ich nehme konstant 40% Ausschüttungsquote an.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Erklärung hier. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: DCO.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

↘︎
↗︎
Wachstum
kurzfristig, in % Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum
langfristig, in % Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge
kurzfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge
langfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV
langfristig Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

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Die Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

18
Qualität

Profitabilität, Bilanz & Risiken

13
Geschäftsmodell

Burggraben, Alleinstellung & Preismacht

5
Wachstum

Umsatz, Gewinne & Rule of 40

14
Bewertung

KUV, KGV & weitere

50

Gesamtscore

Gut 🙂

Pro, Contra & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Pro

  • Essenzielles und unverzichtbares Geschäftsmodell mit Rückendeckung der Regierung
  • Marktführer in Branche
  • Gut positioniert für KI-Revolution in der Agrarbranche, die gleichzeitig deutlich konkreter nutzbar sein wird als in vielen anderen Branchen, in denen KI nur ein Buzzword ist
  • Seit 20 Jahren profitabel und leicht wachsend

Contra

  • Überdurchschnittliches Wachstum und Margen könnten bei Rückkehr auf historisches Niveau die Bewertungskennzahlen teurer werden lassen
  • Bei meinen Annahmen eher niedrige Renditeerwartung
  • Hoher Enterprise Value durch recht hohe Verschuldung

Mein Fazit

Für mich ist Deere & Company eines der spannendsten Old Economy Unternehmen. Es verbindet ein wichtiges, unverzichtbares Geschäftsmodell mit einer guten Positionierung für die laufende Transformation in Software- und KI-getriebene Produkte.

Die Deere-Aktie spricht reine Wachstumsinvestoren nicht an. Sie vereint aber einerseits moderne Technologie mit einem langweiligen, profitablen Geschäftsmodell, was sonst recht selten ist.

Ich investiere aktuell noch nicht, da die Bewertung optisch zwar durchaus günstig ist, ich aber das Risiko sehe, dass Margen und Wachstum eher auf den historischen Durchschnitt sinken, wodurch die aktuelle Bewertung etwas täuschen könnte. Auch der Enterprise Value als alternatives Maß zum Börsenwert ist höher, entsprechend auch damit berechnete Renditekennzahlen. Bei einem Rückgang von 15% oder mehr würde ich persönlich durchaus überlegen hier eine Position aufzubauen.

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

Für deinen Wissensaufbau: Alle Know How Beiträge | Videokurs | Anlagestrategie in 20 Punkten

Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Wo ich Aktien & ETFs kaufe: Meine Empfehlungen →

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #8: Wir diversifizieren.

Wir wissen, dass wir nicht alles wissen können. Diversifikation ist daher der beste Schutz vor zu großen Risiken. Indem wir diversifizieren schützen wir uns vor den Börsenlaunen und Extremen. Dafür setzen wir nicht nur auf einzelne Branchen, Trends oder Märkte. Wir schaffen eine breite Grundlage, nutzen dafür einzelne Aktien oder ETFs.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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