von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 8. September 2021

Der DAX wird aufgefrischt und erweitert: Veränderte Kriterien und zehn neue Mitglieder stoßen jetzt zum wichtigsten deutschen Aktienindex.

Über die Änderungen (und was ich daran gut und schlecht finde) habe ich hier geschrieben. Was sich konkret ändert:

  • Der DAX umfasst 40 statt 30 Unternehmen. Der mDax wird von 60 auf 50 Unternehmen verkleinert.
  • Das wichtigste Kriterium wird die Marktkapitalisierung. Aktuell ist bspw. noch der Börsenumsatz relevant, welcher dadurch abgelöst wird.
  • Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Nun werden die Änderungen umgesetzt. Daher ein kurzer Blick auf die zehn neuen Kandidaten, die den Index nun erweitern. Es sind alte Bekannte, unscheinbare Riesen und auch spannende Tech-Aktien dabei.

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#1 Airbus

Die Airbus-Aktie liegt nach Marktkapitalisierung bei allen DAX-Aktien auf Platz 5. Nur weil der Großteil des Handelsvolumens in Paris lag, ist Airbus bisher nicht in den DAX gekommen.

Im ersten Halbjahr 2021 konnte Airbus den Umsatz um 30% im Vergleich zum Vorjahr steigern und 2,7 Mrd. Euro Gewinn erzielen.

Airbus ist bei einigen ESG-Fonds, u.a. auch beim schwedischen Staatsfonds, ausgeschlossen. Der größte Konkurrent ist Boeing aus den USA.

Quick Facts:

  • KUV: 1,6
  • KGVe: 23
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): -5% p.a.

Mein erster Eindruck: Schwieriges Geschäft. Hoher Kapitalaufwand, schwankende Nachfrage, Kritik (bspw. Rüstungsindustrie), Klimawandel, Risiko von Flugzeugabstürzen. Keine Aktie, die ich langfristig halten wollen würde.

#2 Zalando

Zalando ist eines der jüngeren Digitalunternehmen, das es in den DAX geschafft hat.

"Schrei vor Glück" - damit ist in Deutschland bekannt geworden. Nach dem aggressiven Marketing steckt vor allem operativ sehr gute Arbeit hinter dem Erfolg der letzten Jahre von Zalando.

Unter der Oberfläche von Zalando, die viele noch als Schuh-Versandhändler im Kopf haben, steckt heute einiges: Eine spannende Plattformstrategie mit großen Visionen in Europa, starker Rückenwind und eine günstigere Bewertung, als so ein E-Commerce Unternehmen vermutlich in den USA haben würde.

Ausführlicher habe ich es in dieser Analyse dargelegt. Ich bin selbst bis heute investiert.

Quick Facts:

  • KUV: 2,7
  • KGVe: 77
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 21% p.a.

Mein erster Eindruck: Ich bin und bleibe investiert. Kein überragendes, aber solides Wachstum und profitabel. Die Bewertung ist okay. Dazu gibt es noch weitere Wachstumschancen.

#3 Siemens Healthineers

Seit 2018 ist Siemens Healthineers als Abspaltung von Siemens an der Börse. Darin war bzw. ist die Medizintechnik-Sparte gebündelt. Siemens hält heute noch 75% der Anteile.

Das Unternehmen konnte zuletzt zulegen: Die Pandemie war eher ein Nachfragetreiber und auch andere Bereiche, bspw. die Diagnostik, konnten gute Ergebnisse erzielen.

Außerdem stand Anfang des Jahres die größte Akquisition der Firmengeschichte an: Varian, Marktführer für die Strahlenbehandlung von Krebs, wurde für 14 Mrd. Euro gekauft - mit all den Chancen und Risiken, die solche Akquisitionen mit sich bringen.

Quick Facts:

  • KUV: 3,7
  • KGVe: 26
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 2% p.a.

Mein erster Eindruck: Interessanter Bereich mit viel Konkurrenz. Bewertung angesichts des langsamen Wachstums okay.

#4 Brenntag

Brenntag ist Weltmarktführer in der Distribution von Chemikalien und Inhaltsstoffen. Brenntag ist also der Händler, der zwischen den Herstellern und den Unternehmen sitzt, die die Chemikalien und Inhaltsstoffe verarbeiten.

2020 ist der Umsatz im Vergleich zu den Vorjahren leicht gefallen. Das Q2 2021 lief allerdings wieder gut: +23% Umsatz auf 3,5 Mrd. Euro, Gewinn von ca. 350 Mio. Euro.

Auch Brenntag hat Akquisitionen getätigt: 2021 wurde JM Swank gekauft. Ende 2020 stand dazu konzernintern noch eine Umstrukturierung an.

Quick Facts:

  • KUV: 1
  • KGVe: 18
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 0% p.a.

Mein erster Eindruck: Schwer einzuschätzendes Geschäft, vermutlich aber recht stabil. Bei 0%-Wachstum würde die Rendite etwas über 5% pro Jahr liegen, was okay ist.

#5 Porsche Automobil Holding

Ein beliebtes Missverständnis bei Anlegern ist die Porsche Aktie. Diese enthält nicht den Autohersteller Porsche, sondern ist eine Beteiligungsgesellschaft, in der 53% der VW-Stammaktien liegen.

Wer in die Porsche Automobil Holding investiert, investiert also in bzw. eine Investmentgesellschaft, die aktuell nur in Volkswagen investiert.

Darin liegen noch weitere Investments, die allerdings einen eher kleinen Teil ausmachen, bspw. Beteiligungen an Aerospace oder an Aeva Technologies.

Mein erster Eindruck: Ich würde eher in die VW-Aktie direkt investieren als in eine Zwischengesellschaft.

#6 HelloFresh

HelloFresh ist das nächste Digitalunternehmen, das es in die oberste Börsenliga Deutschlands geschafft hat. Der Versand von Kochboxen entwickelt sich stark, profitabel und hat gerade in der Coronapandemie zugelegt.

verschickt Kochboxen mit Zutaten und Rezepten im Abo-Modell und ist damit über 15 Mrd. Euro wert. Gerade in der Coronakrise konnte das Unternehmen aus Berlin nochmal stark zulegen.

Ausführlicher habe ich HelloFresh hier analysiert und bin seit der Analyse auch investiert.

Quick Facts:

  • KUV: 3,3
  • KGVe: 44
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 60% p.a.

Mein erster Eindruck: Ich bin und bleibe investiert. Ich finde die Bewertung dafür, dass HelloFresh enorm stark wächst und profitabel ist, sehr fair.

#7 Puma

Puma ist ein bekannter Hersteller von Sportartikeln aller Art. In Q2 2021 gab es, nach einem operativen Verlust im Vorjahr, wieder ein operatives Plus. Die Jahresprognose wurde ebenfalls leicht angehoben.

Der naheliegendste Konkurrent ist . Zum Vergleich: Adidas ist mit einem KGVe von 29 und einem KUV von 2,8 bei einem Umsatzwachstum von -2% p.a. bewertet. Adidas ist also zuletzt leicht geschrumpft (auch coronabedingt), während Puma eher gewachsen ist.

Quick Facts:

  • KUV: 2,5
  • KGVe: 38
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 8% p.a.

Mein erster Eindruck: Ich habe nichts von Puma zuhause, dadurch vielleicht nicht den besten Markenbezug. Die Zahlen sehen im Vergleich zur Bewertung aber gut aus und etwas attraktiver als Adidas und . Entscheidend wäre für mich wie die Marke und das Online-Geschäft aufgebaut werden.

#8 Symrise

Symrise ist ein Hersteller von Düften und Aromen. Offenbar ist das ein Milliardengeschäft: Der Umsatz lag zuletzt bei 3,6 Mrd. Euro, die Nettomarge bei 9%.

Letztendlich stecken die Düfte und Aromen von Symrise fast überall drin: Lebensmittel, Kosmetik, Getränke, Reinigungsmittel und mehr.

In Symrise steckt im Kern u.a. Vanillin, das schon 1874 gegründet wurde. Auch Symrise hat einige Unternehmen in der Vergangenheit übernommen: Belmay (2013), Probi (2014), Diana (2014) und ADF (2019). Alle Unternehmen bieten für einzelne Nischen (bspw. Tierfutter) eigene Produkte an. Der weltweite Marktanteil von Symrise wird auf 10% geschätzt.

Quick Facts:

  • KUV: 4,7
  • KGVe: 38
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 6% p.a.

Mein erster Eindruck: Interessantes und stabiles Geschäft, Bewertung aber beim geringen Wachstum recht hoch.

#9 Qiagen

Qiagen ist ein Diagnostikunternehmen. Entsprechend gut lief auch das Jahr 2020, da Qiagen an den Covid-Tests mit verdiente.

Mittlerweile wurden allerdings große Teile der Bevölkerung geimpft, Tests lassen nach. Vorher sind 20% Wachstum für 2021 anvisiert worden, nun noch 12%.

Aber: Kurzfristig sind die corona-bedingten Umsätze gestiegen, die Umsätze abseits davon sind allerdings mit +52% ebenfalls stark gestiegen.

Quick Facts:

  • KUV: 6
  • KGVe: 27
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 10% p.a.

Mein erster Eindruck: Spannendes Unternehmen, das auf den ersten Blick durchaus fair bewertet ist. Entscheidend ist hier herauszufiltern, wie viel Umsatz "nach Corona" bleibt.

#10 Sartorius

Sartorius ist Zulieferer der Pharmaindustrie und Ausrüster von Laboren. Auch hier gilt: Die Coronapandemie hat dem Kurs gut getan. Sartorius liefert u.a. Zubehör für Hersteller von Coronatests. Die Aktie hat sich vervielfacht.

Der Kurs eilt damit auch dem Umsatz voraus, wie das KUV von 20 anzeigt. Allerdings ist Sartorius recht gut profitabel mit einer Nettomarge von 12%.

Für 2021 anvisiert: Umsatz +45%, operativer Gewinn +34%. Bis 2025 will Sartorius auf 5 Mrd. Euro Gewinn kommen, was dem 14-fachen des heutigen Börsenwerts entspricht. Das Wachstum soll auch durch Zukäufe erzielt werden.

Neben den frei handelbaren Aktien gehören signifikante Anteile noch der Erbengemeinschaft des Gründers sowie dem US-Unternehmen Bio Rad Lab.

Quick Facts:

  • KUV: 20
  • KGVe: 85
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 18% p.a.

Mein erster Eindruck: Die Bewertung ist sportlich, nach dem das Unternehmen enorm Rückenwind bekommen hat. Aktuell ist die Rule of 40 erfüllt, entscheidend ist aber, ob dieses hohe Wachstum auch "nach Corona" ähnlich aufrechterhalten werden kann. Dass die Bruttomarge nur bei 50% liegt macht die Bewertung (bspw. im Vergleich zu Software-Unternehmen) noch sportlicher.

Tags: HelloFresh, Zalando | Aktien: HelloFresh, Zalando

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #16: Wir kennen unsere Schwächen.

Die Verhaltensökonomen wissen, wie irrational wir uns oft in unseren Finanzen und in unserer Wahrnehmung verhalten. Das Schlimmste: Die meisten "kognitiven Verzerrungen", wie Wissenschaftler sie nennen, merken wir nicht mal. Wir nutzen das Wissen der Anlegerpsychologie, beobachten und reflektieren uns selbst, um uns vor Fehlern zu bewahren.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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