Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 26. September 2021

49 Mrd. US-Dollar. Auf diesen Wert wird allein die Marke „Mercedes-Benz“ geschätzt. Daimler ist heute mit etwa 100 Mrd. US-Dollar an der Börse bewertet.

Daimler befindet sich im Umbau. Das Ziel: Die vollständige Umstellung auf Elektroantriebe bis Ende des Jahrzehnts und marktführende Software, im Kern zu autonomen Fahren, anzubieten.

Das sind große Herausforderungen – und die Bewertung an der Börse drückt eine gewisse Skepsis aus. Aber: Darin stecken auch einige Chancen. Die Bewertung ist günstig wie lange nicht mehr, Daimler macht Fortschritte und der Wandel birgt Umsatzpotenziale, die Automobilhersteller in der Vergangenheit nicht hatten.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 💰 Hohe Profitabilität: Über 13 Mrd. Euro Gewinn und über 17 Mrd. Euro Cashflow stehen über die letzten 12 Monate zu Buche. Daimler fährt gerade also hohe Gewinne und Kapitalzuflüsse ein.
  2. 🔋 Umbruch & Wandel: Der Wandel in Richtung Elektroauto und Software steht an. Dieser birgt viele Gefahren, aber auch einige Chancen. Dazu kommt konzerninterner Umbau mit der Abspaltung der LKW-Branche.
  3. 📊 Günstige Bewertung: Das KGV von Daimler liegt bei 5,5 bis 6 und einem KUV von knapp 0,5, was – gerade in einem Umfeld historisch hoher Bewertungsniveaus – ziemlich günstig ist. Andere E-Auto-Hersteller notieren zu einem Vielfachen.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Daimler Aktie zu riskant? Oder sollte man gerade jetzt Daimler Aktien kaufen? Diesen Fragen versuchen wir uns zu nähern.

Dabei erfährst du, wie die aktuelle Strategie aussieht (und was gut funktioniert, was nicht), woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter Daimler

Das Unternehmen

Die Geschichte von Daimler beginnt vermutlich 1883. Damals wurde das Unternehmen „Benz & Cie.“ gegründet, das 1926 mit der „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ fusioniert wurde. Es entstand: Die Marke Mercedes-Benz. Die zentrale Marke, die heute in der Daimler AG gebündelt ist.

CEO ist seit 2019 der Schwede Ola Källenius. Heute erzielt Daimler über 170 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigt weltweit knapp 300.000 Mitarbeiter.

Produkt & Geschäftsmodell

Daimler verkauft im Wesentlichen PKWs, LKWs und Finanz- und Mobilitätsdienste.

Zum PKW-Segment zählen Marken wie Mercedes-Benz, Smart, Maybach und AMG. In der LKW-Branche werden LKW unter der Marke Mercedes-Benz und LKW unter unterschiedlichen Submarken vertrieben. Im „Daimler Mobility“ Segment werden Leasing- und Finanzierungsangebote, Management von Fuhrparks und Mobilitätskonzepte wie Carsharing (Share Now) gebündelt.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich zuletzt wieder stark erholt, nachdem er viele Jahre seitwärts und bis zur Coronapandemie stark abwärts lief:

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Automobilhersteller
  • Marktkapitalisierung: 90 Mrd. EUR
  • Umsatz: 171 Mrd. EUR
  • Ergebnis: 13,4 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 17,8 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 0,45
  • KGV: 5,7
  • KGVe: 6
  • KCV: 3
  • PEG-Ratio: 0,3

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 200%
  • Bruttomarge: 38%
  • Nettomarge: 8%
  • Umsatzwachstum: ca. 0%

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Daimlers Umsätze:

  • 2016: 153 Mrd.
  • 2017: 164 Mrd.
  • 2018: 167 Mrd.
  • 2019: 173 Mrd.
  • 2020: 154 Mrd.
  • TTM: 171 Mrd.

Daimler steuert also tatsächlich gerade auf den höchsten Jahresumsatz der Firmengeschichte zu, nachdem 2019 den vorläufigen Höhepunkt markierte.

Im aktuellen Quartal hat der Umsatz im Jahresvergleich um 44% zugelegt, das EBIT ist von -1,7 Mrd. Euro auf 5,2 Mrd. Euro gestiegen. Auch der Free Cashflow war mit 2,6 Mrd. Euro deutlich positiv.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

Wie schlagen sich die drei Segmente – Cars & Vans, Trucks & Buses, Mobility – im direkten Vergleich? Basis ist das erste Halbjahr 2021:

  • Mercedes-Benz Cars & Vans: EBIT von 7,5 Mrd. Euro, im Vorjahr noch leicht negativ
  • Daimler Trucks & Buses: EBIT von 1,9 Mrd. Euro, im Vorjahr ebenfalls leicht negativ
  • Daimler Mobility: EBIT von 1,7 Mrd. Euro, ca. 500% mehr als im Vorjahr (wo gerade Mobilitätsdienstleistungen pandemiebedingt weniger nachgefragt wurden)

Die verkauften Einheiten im ersten Halbjahr:

  • 1,25 Mio. PKWs & Vans (+21% YoY)
  • 220.000 LKW & Busse (+38% YoY)

Das Segment Trucks & Buses wird in naher Zukunft vom Hauptkonzern abgespalten. Zum 1.1.2022 geht diese dann separat an die Börse. 35% der Aktien möchte Daimler selbst halten, 65% gehen an die Daimler-Aktionäre: Für je zwei Daimler-Aktien gibt es eine Aktie von Daimler Truck. Auch das Mobility-Segment teilt sich dann auf beide Konzerne auf.

Das Ziel: Mehr Fokus. Jedes Unternehmen soll sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, statt beides unter einem Mischkonzern zu vereinen.

Die Elektroauto- und Software-Fortschritte

Die ganze Branche setzt auf Elektroantriebe und Software, vor allem autonomes Fahren. Die Auswirkungen und Thesen sind vielfältig (und eher in einer separaten Analyse gut aufgehoben). In Kürze mögliche Effekte:

  • Bei autonomen Fahren müssen Automobilhersteller selbst Versicherungen anbieten, was Umsätze steigern könnte.
  • Einige Unternehmen arbeiten an eigenen Ladenetzen oder beteiligen sich daran. Auch das könnte Umsätze steigern, da Automobilhersteller bisher nichts mit Tankstellen zu tun haben.
  • Software im Auto kann als monatlicher Service angeboten werden, bspw. bestimmte Funktionen oder Updates für 10€ im Monat angeboten werden.

Das Elektro-Flaggschiff von Daimler ist der Mercedes EQS. Tatsächlich lesen sich viele Testberichte in Fachzeitschriften und Videos auf YouTube ziemlich positiv.

Der Akku hat eine Reichweite für bis zu 780 Kilometer Reichweite. Das Cockpit hat einen riesigen Bildschirm, der quer von links nach rechts verbaut ist. Dazu kommt das für Mercedes typische Premium-Feeling.

Im Bereich des autonomen Fahrens wird Daimler eine recht gute Leistung nachgesagt. Das Handelsblatt behauptet sogar, dass der stufenweise Ansatz der deutschen Autobauer schneller zum Ziel führen könnte als der Robotaxi-Wunsch von Waymo & Co.

Hier arbeitet Daimler mit Nvidia zusammen:

Mercedes-Benz und NVIDIA, der weltweit führende Anbieter von GPU-beschleunigtem Computing, beabsichtigen, bei der Entwicklung eines fahrzeuginternen Computersystems sowie einer KI-Computing-Infrastruktur zu kooperieren. Ab 2024 soll die neue Technologie über alle Mercedes-Benz Baureihen eingeführt werden, um Fahrzeuge der nächsten Generation mit upgrade-fähigen, automatisierten Fahrfunktionen auszustatten.

Konkret möchte Mercedes-Benz in naher Zukunft mit autonomen Fahren der Stufe 3 starten. Der Fahrer gibt dabei zeitweise die Kontrolle an das Fahrzeug ab, muss aber selbst jederzeit eingreifen können.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Es gibt quasi keine wiederkehrenden Umsätze, auch wenn es Gedankenspiele gibt für einige Fahrservices (bspw. autonomes Fahren oder Entertainment bei Ladezeiten) Gebühren zu verlangen, sodass auch nach dem Kauf noch Umsatz erzielt wird.

Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Je mehr Nutzer es gibt, desto besser wird die Ladeinfrastruktur, desto mehr Nutzer gibt es wiederum etc. Es gibt daher Netzwerkeffekte bei der Elektromobilität, die aber weniger speziell für Daimler gelten. Die eigenen Netzwerkeffekte sind daher gering.

Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger?

Als einer der größten Automobilhersteller genießt Daimler Skaleneffekte: Zum einen im Materialeinkauf, zum anderen beim Entwickeln von Software und Ladeinfrastruktur, also Aspekte der Elektromobilität, die immer wichtiger werden. Ob Software für 20 oder 2 Mio. Autos gebaut wird, ist egal, senkt für Daimler die anteiligen Kosten aber deutlich. Andere Unternehmen wie VW und Toyota liegen hier aber leicht vorne.

Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Daimler hat mittlerweile eigene Technologie (sowohl Software als auch Batterietechnologie), die allerdings noch nicht auf dem Stand ist wie bspw. bei Tesla. Teslas Software ist umfangreicher, funktioniert noch besser und auch die Reichweiten sind höher. Tesla besitzt darüber hinaus das wohl beste Netz an Ladeinfrastruktur. Technologisch holt Daimler auf, ist aber hier noch deutlich im Nachteil.

Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Daimler hat mit Mercedes-Benz eine starke Marke, die höhere Preise und auch höhere Gewinnmargen ermöglicht.

Geschäftsmodell-Bewertung: 13 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: Daimler

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, derer du dir vorher bewusst sein musst.

Für deinen Wissensaufbau: Glossar (mit Begriffserklärungen) | Videokurs | How To: Aktien bewerten

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