von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 2. August 2020

hat das Taxigeschäft revolutioniert: Es ist heute der größte Vermittler von Fahrten und damit eines der zentralen Unternehmen der neuen Mobilität.

Trotz des großen Einflusses von Uber hat das Unternehmen einen schwierigen Stand: Die Taxibranche beschwert sich weltweit, Gesetze und Regulierungen bremsen neue Mobilitätslösungen aus (auch in Deutschland) und der Aktienkurs liegt heute ca. 30 % unter Ausgabepreis im Mai 2019.

Schauen wir uns also einmal im heutigen Business Breakdown das Geschäftsmodell von Uber genauer an. Viel Spaß!

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Das steckt hinter Uber

Uber wurde 2009 in den USA, im Silicon Valley, gegründet. Uber ist ein Online-Vermittlungsdienst in der Personenbeförderung. Das geschieht in unterschiedlichen Modellen, die wir uns gleich genauer anschauen.

Der bekannteste Teil des Konzepts: Fahrer buchen ihr Uber online per App und zahlen auch darüber. Die Fahrer sind nicht unbedingt ausgebildete Fahrer in Taxis, sondern können auch Privatpersonen in deren privaten Autos sein. Das variiert nochmal nach den Gesetzen eines Landes, weshalb Uber in Deutschland nur Fahrten an lizenzierte Mietwagenunternehmen mit profressionellen Fahrern vermitteln darf.

Uber verdient eine Provision an diesen Fahrten, die variiert, aber in der Regel bei über 25 % des Fahrpreises liegt.

Mittlerweile bietet Uber auch Essensauslieferung unter dem Namen "UberEats" an.

Uber musste in der Vergangenheit auch immer wieder Kritik einstecken: Die Unternehmenskultur wurde 2017 als "hemmungslos" und als gnadenloser Konkurrenzkampf beschrieben. Andere Kritik trifft im Kern das Geschäftsmodell: Dabei bewegt sich Uber oft in einer Grauzone und versucht die Rahmenbedingungen zu umschiffen, die es als Taxiunternehmen erfüllen müsste. Wir konzentrieren uns jetzt aber auf das Geschäftsmodell, die Zahlen und Mechnismen dahinter.

Welche Vorteile bietet Uber den Kunden?

  • Geringere Wartezeit
  • Geringere Kosten
  • Höhere Transparenz zu Preisen und Zeiten
  • Einfache Zahlungsabwicklung
  • Vertrauen durch Bewertungen und geprüfte Fahrer

Welche Vorteile bietet Uber den Fahrern?

  • Zusätzliche Einkommensquelle
  • Einfache Zahlungsabwicklung
  • Dynamische Preisgestaltung durch Technologie
  • Höhere Auslastung
  • Effiziente Fahrwegplanung

So entwickelt sich das Geschäft von Uber

Schauen wir uns zunächst einmal die wichtigsten Eckdaten des Unternehmens an:

Die Eckdaten

Alle Zahlen, wenn nicht anders angegeben, TTM (= letzte 12 Monate) und in der jeweiligen Landeswährung.

  • Marktkapitalisierung: 54 Mrd. USD
  • Außenumsatz (Buchungsvolumen): 65 Mrd. USD
  • Umsatz: 14,6 Mrd. USD
  • Gewinn: -10,4 Mrd. USD
  • operativer Gewinn: -8,8 Mrd. USD
  • Free Cashflow: -4,7 Mrd. USD
  • Land: USA

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 75 %
  • Bruttomarge: 50 %
  • Nettomarge: -71 %
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 54 % p.a.
  • Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): -

Mir fallen vor allem zwei Dinge auf:

  1. Uber wächst enorm stark - im Umsatz so stark wie - und ist dafür "nur" mit dem 3,7-fachen der Umsätze bewertet. Speziell die Bewertungskennzahlen schauen wir uns in Zukunft in der Aktienanalyse noch genauer an.
  2. Uber verliert enorm viel Geld. Auf 14,6 Mrd. USD an Umsatz kommen 25 Mrd. USD an Kosten. Auch der Free Cash Flow ist deutlich negativ.

Schauen wir einmal auf die historische Entwicklung der Ertragsseite von Uber.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich mehrere Segmente. Es ist recht spannend, sich diese nochmal genauer anzuschauen, da wir dadurch auch einen oft verbreiteten Irrtum entdecken. Uber weist insgesamt fünf Segmente im Geschäftsbericht aus:

  1. Ride: Das Hauptsegment, die Vermittlung von Fahrten.
  2. Eats: Der Essenslieferdienst.
  3. Freight: Die Logistiklösung von Uber.
  4. Other Bets: Das Investment-Segment. Beispielsweise Investitionen in eine E-Bike oder E-Scooter Plattform fällt hier rein.
  5. ATG and Other Technology Programs: Die Entwicklung von Technologie, vor allem um autonomes Fahren und andere Ridesharing-Technologien kommerziell anbieten zu können.

Schauen wir auf die Zahlen, die dahinter stehen.

Das Ride-Segment ist mit Abstand das umsatzstärkste. Interessant wird es jetzt, wenn wir jetzt noch auf das EBITDA, also die operativen Gewinne ohne Abschreibungen, nach Segment schauen:

Wir sehen: Das Hauptsegment, das Fahrgeschäft (Ride), ist bereits profitabel. Er wächst zudem umsatzseitig mit ca. 25 % pro Jahr, gewinnseitig wurde der Gewinn ver-5-facht, über die letzten beiden Jahre.

Die Erträge aus diesem Segment finanzieren aktuell die anderen Segmente: Vor allem die Forschung und Technologie-Entwicklung, aber auch Uber Eats.

Das heißt aber auch: Sollte Uber die Forschung einstellen, die aktuell keine signifikanten Umsätze einbringt, und das Eats-Segment einstellen oder an Konkurrenten verkaufen, wäre es vermutlich ein profitables, stark wachsendes Unternehmen, auf einem dann etwas niedrigeren Umsatzniveau.

Das Ride- und das Eats-Segment genauer analysiert

In der Präsentation zum Geschäftsbericht 2019 aus dem Februar 2020 gibt Uber noch weiteren Einblick in die Zahlen und die Ziele, die erreicht werden sollen.

Die "Take Rate" stellt dabei den Anteil an, den Uber als Provision einbehält. Diese liegt im Ride-Segment bei 22,5 % und soll langfristig auf 25 % steigen. Die Höhenunterschiede der Balken sollen vermutlich einen stärkeren Anstieg suggerieren... 😉

Das deutlich ambitioniertere Ziel: Das EBITDA soll segmentbezogen von aktuell 24,4 % auf 45 % steigen.

Das Eats-Segment folgt laut Uber dem Ride-Segment: Der Außenumsatz, also der vermittelte Gesamtumsatz, steigt noch stärker als beim Launch von Uber Ride. Dieser Umsatz steigt außerdem deutlich stärker als bei der Konkurrenz und macht Uber Eats heute nach eigener Aussage zum - am Außenumsatz gemessen - größten Essenslieferanten weltweit.

Beim Innenumsatz, also dem tatsächlich verdienten Umsatz, liegt Uber Eats aktuell etwa gleichauf mit und Grubhub.

Mechanismen des Geschäftsmodells

Es gibt drei besondere Elemente des Geschäftsmodells, die ich einmal hervorheben möchte.

#1 - Plattform

Uber ist ein Vermittler von Fahrten und damit eine Plattform. Es besitzt im Kern keine eigenen Autos (auch wenn das heute teilweise der Fall ist), sondern verdient an der Provision.

Nach der Aggregation Theory ist Uber ein Stufe 2 Aggregator: Angebot und Nachfrage können zwar deutlich stärker steigen als die Kosten, die Uber entstehen, allerdings muss Uber neue Fahrer und Autos prüfen, weshalb bei größerem Angebot auch in kleinerem Umfang zusätzliche Kosten entstehen (anders als bei Google und Facebook, die ihr Angebot nahezu unbegrenzt hochskalieren konnten).

#2 - Zweiseitige Netzwerkeffekte

Das Geschäftsmodell funktioniert vor allem bei einer großen Skalierung, da dann sowohl bei der Nachfrage, als auch im Angebot, Netzwerkeffekte eintreten, die dem Geschäftsmodell einen Burggraben verschaffen. Ohne Angebot gibt es keine Nachfrage und umgekehrt. Auf dieser Grafik habe ich den positiven Kreislauf der zweiseitigen Netzwerkeffekte visualisiert:

Je mehr Nachfrage, desto mehr Fahrer sind auf der Plattform. Dadurch steigt die Abdeckung, was (a) zu einer schnelleren Verfügbarkeit der Fahrer und (b) zu geringeren Standzeiten der Fahrer führt, was die Kosten und damit die Preise senkt. Beides führt wiederum zu einer höheren Nachfrage und befeuert diesen positiven Kreislauf.

#3 - Disruption und Widerstände

Uber ist dadurch disruptiv, dass es die fragmentierte und veraltete Taxibranche auf den Kopf stellt und viele Vorteile in diesen Markt bringt. Es nimmt der Taxibranche aber auch den direkten Kundenzugang.

Diese Disruption stößt naturgemäß auf Widerstände, da sie fast immer auch Verlierer erzeigt. Vor allem die Taxibranche fürchtet den Verlust des Kundenzugangs und der Nachfrage.

Auch die Gesetzeshüter sind allerdings gefragt: Welche Gesetze gelten für Uber? Sind die Gesetze überhaupt noch zeitgemäß?

So gibt es bspw. in Deutschland die umstrittene Rückkehrpflicht, bei der Autos nach jeder Fahrt auf den Betriebssitz zurückkehren müssen. Laut Uber Deutschlandchef ist das ein Relikt vom Anfang des 20. Jahrhunderts, das eingeführt wurde, damit Menschen einen zentralen Ort haben um ein Taxi zu bekommen. Zeitgemäß ist das natürlich nicht.

Ausblick: Ubers Weg zur Profitabilität

Offensichtlich ist die größte Frage bei Uber, ob, wie und wann die Profitabilität erreicht werden kann. Einige Hebel haben wir schon besprochen. Uber hat außerdem selbst einen groben Plan vorgestellt, wie die Profitabilität erreicht werden soll. 

Jährlich soll sich das angepasste EBITDA gemessen am Umsatz weiter verbessern. Langfristig wird eine EBITDA-Marge von 25 % angepeilt. Sprich: Ein Viertel des Umsatzes soll als Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern zu Buche stehen.

Dazu will Uber:

  • in Produkte mit hohen Margen und nachhaltig geringen Kosten investieren
  • die zahlbereitesten Nutzer für die Plattform gewinnen und halten
  • kostendiszipliniert arbeiten und Skaleneffekte nutzen
  • in Produkt- und Technologieinnovation investieren um die Nutzererfahrung und die operative Effizienz kontinuierlich zu steigern

Stärken & Schwächen des Geschäftsmodells gegenübergestellt

Uber ist eine kontroverse Aktie: Zahlreiche Analysten lassen kein gutes Haar an der Aktie, andere sehen Uber als den nächsten Kandidaten aus dem Tech-Sektor, der durchstarten könnte.

Pros:

  • Hohes Wachstum
  • Zweiseitige Netzwerkeffekte, die Marktführer stärken
  • Breit in Zukunftsmärkten der Mobilität aufgestellt
  • Ride-Segment allein ist wachstumsstark und profitabel
  • Attraktives Plattform-Geschäftsmodell

Cons:

  • Hoher Cash Burn
  • Bisher kaum Erlöse aus Segmenten außerhalb des Ride-Segments
  • Investitionen in autonomes Fahren und andere Technologien sind riskante Zukunftswetten
  • starke Konkurrenz im Ride-Segment durch Lyft, im Eats-Segment durch Lieferando und GrubHub, beim autonomen Fahren durch Tesla, Google, und weitere

Soviel zum Business Breakdown und dem Blick ins Geschäftsmodell. In Zukunft werde ich mir die Aktie nochmal genauer vornehmen. Freu dich drauf!

Tags: Uber | Aktien: Uber

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #1: Wir vertrauen auf die Aktienmärkte.

Aktien sind seit Beginn der Finanzmärkte die renditestärkste aller Anlageklassen. Sie haben Weltkriege, Wirtschaftskrisen, Hyperinflationen, unterschiedlichste politische Regime und mehr überstanden. Aktienmärkte steigen langfristig zu 99,9% - und darauf vertrauen wir.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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