von Jannes Lorenzen

GrĂŒnder, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 16. Februar 2022

In der Börsenwelt hat sich einiges getan:

Misslungene und angepeilte Akquisitionen, Earnings von großen Tech-Unternehmen, große Kursverluste bei . Außerdem ein genauerer Blick aufs umstrittenenen Weg zum Börsenerfolg, Metas AufwĂ€rtspotenzial und die Frage, ob Storys oder Zahlen bei der Aktienbewertung wichtiger sind. Viel Spaß!

Viel Spaß!

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Storys der Woche

📊 Nvidias gestoppter Kauf, Meta steigt bei Diem aus, Peloton könnte gekauft werden

Kurz und knapp ein Überblick ĂŒber wichtige Ereignisse der letzten Wochen:

  • Nvidias Kauf gestoppt: wollte ARM kaufen. Ein Riesendeal mit bis zu 50 Mrd. Dollar war angepeilt. Nun wurde der Deal von den WettbewerbshĂŒtern abgesagt.
  • Meta steigt bei Diem aus: Die KryptowĂ€hrung, von (damals) Facebook als (damals) Libra etabliert heißt heute Diem. Nun hat Meta sich zurĂŒckgezogen, das Vermögen darin wurde an einen Finanzinvestor verkauft. Von Anfang an schien das Projekt auf wackeligen Beinen - und vor allem hatte es viele skeptische Blicke auf sich gerichtet.
  • und interessieren sich fĂŒr : Es gibt GerĂŒchte, nach denen sich Amazon und Nike stĂ€rker mit einer Akquise von Peloton beschĂ€ftigen. Peloton bietet SportgerĂ€te mit Live-Kurszugang und ist zuletzt ca. 80% im Wert gefallen, nachdem es zu Beginn der Pandemie stark gestiegen ist.

Quartalsberichte

💰 Earnings: Spotify, Amazon, Twilio, Walt Disney, HubSpot, Delivery Hero & Zendesk

  • : Zahlen sind meiner Meinung nach okay, Kurs gab aber 10% nach den Earnings nach. Umsatz +18%, Bruttomarge stabil, operative Marge leicht verbessert (aber noch negativ), gesteigerter Free Cashflow auf 4% Marge, vorsichtigerer Ausblick.
  • Amazon:  Aktienkurs nach Earnings +10%, v.a. da sich vorherige BefĂŒrchtungen nicht bestĂ€tigt haben. Zahlen sind okay. Umsatz +10%, operativer Gewinn -50%, AWS Umsatz knapp +40%, Ausblick fĂŒr Q1 '22 unter Erwartungen. Mehr Gewinn als vor einem Jahr erzielt, aber nur durch Rivian-Beteiligung.
  • Twilio: Positive Überraschung mit Kursplus von 20%. Umsatz +54%, organischer Umsatz +34%. Prognose fĂŒr Q1 '22: Umsatzwachstum von 45 - 47%, organisches Umsatzwachstum 32 - 34%.
  • : Positive Überraschung mit 9% Kursplus. Umsatz +34% (22 Mrd. Dollar im Quartal), Gewinn knapp ĂŒber 1 Mrd. Dollar (vorher eher bei 0), Free Cashflow -1 Mrd. Dollar.
  • HubSpot: Positive Überraschung mit +6% Kursplus. Umsatz +47%, damit stabil auf dem hohen 2021er Niveau. Operative Marge um 0,5 Prozentpunkte verbessert. Ausblick fĂŒr 2022: +32% Umsatz (damit exakt auf meiner Annahme der Analyse), stabile operative Marge. Zahlen finde ich damit ĂŒberraschend positiv, den Ausblick okay.
  • Delivery Hero: Die Aktie hat fast ein Drittel verloren, Kurs damit unter 2018er Niveau und 65% unter Allzeithoch. Umsatz +66%, Außenumsatz +39%. Im Vergleich zum Vorquartal mit +1% der schwĂ€chste Anstieg der Geschichte. Adj. EBITDA-Marge bei -2,2%, wohlgemerkt im VerhĂ€ltnis zum GMV und leicht unter Erwartungen. Ausblick fĂŒr 2022: Umsatz auf 9,5 bis 10,5 Mrd. Euro (+44 bis 59%), EBITDA-Marge auf -1%.
  • Zendesk: 15% Kursplus. In Q4 '21 im Umsatz +32% (in 2021 +30% ggĂŒ. 2020). Auch die weniger offensichtlichen Kennzahlen sehen gut aus: Die RPOs (vereinfacht gesagt noch ausstehende UmsĂ€tze) sind um +40% gestiegen. Die Ausgaben fĂŒr Forschung & Entwicklung sind nicht nur absolut, sondern auch prozentual auf 28% gestiegen. Ausblick fĂŒr 2022: +26% Umsatz. In meiner Analyse zuletzt hatte ich 25% angenommen, damit ziemlich dicht dran, aber minimal positiver. Die Margen sollen stabil bleiben. Das bestĂ€tigt die alte Guidance.

Aktie im Blick

📉 Quickcheck nach dem Meta-Desaster von -25%

Die Meta-Aktie hat nun knapp 30% nach den Earnings verloren. Gerade der schwache Ausblick hat viele abgeschreckt. Was ist passiert? Ist Meta jetzt unterbewertet? Ein kurzer Check.

  • Umsatz +20% YoY
  • Operative Marge von 46% auf 37% runter (v.a. durch höhere VR-Ausgaben)
  • Operativer Gewinn unterm Strich -1%
  • Ausblick: 3% bis 11% Wachstum fĂŒr Q1 '22

Die Kosten sind durch hohe Investitionen im VR-Bereich („Metaverse“) gestiegen, also (hoffentlich) sinnvolle Ausgaben. 2,3 Mrd. Dollar Umsatz stehen Ausgaben von ĂŒber 12 Mrd. Dollar gegenĂŒber, sodass das VR-Segment ĂŒber 10 Mrd. Dollar Verlust macht.

Aber warum ist der Ausblick so vorsichtig?

  • Mehr Konkurrenz um Aufmerksamkeit durch TikTok
  • Mehr Views gehen auf Reels, die bisher weniger monetarisiert werden
  • Effekte von Apples strikterem Datenschutz werden sichtbar
  • Inflation & Logistikprobleme senken Marketingausgaben

Meine Meinung: Die Zahlen sind insgesamt okay, gerade da die Aktie nicht teuer bewertet war. Der RĂŒckgang der Marge war zu erwarten. Der Ausblick ist enttĂ€uschend, aber noch eine große Spanne.

Meta hat in jedem Fall einige Risiken: Regulierung, stÀrkerer Datenschutz (vor allem von ) und verlangsamendes Nutzerwachstum.

Diese sind stark diskutiert. Es gibt aber auch optimistischere Thesen, die ich hier beleuchten möchte.

Zum einen ist Meta jetzt optisch ziemlich gĂŒnstig bewertet:

  • KUV: 5,5
  • KGV: 17
  • KGVe: 15
  • KCV: 11

Lass uns daraus kurz per Aktienbewertung auf dem Bierdeckel nĂ€herungsweise die Renditeerwartung ĂŒberschlagen.

Meta hat 2021 stolze 58 Mrd. Dollar an operativem Cashflow erzielt. Der Börsenwert liegt heute bei 665 Mrd. Dollar.

Das ergibt eine Cashflow-Rendite von 8,7%. Die Gewinn-Rendite liegt bei 5,9%. Das wÀre die Rendite, wenn Meta weder wÀchst noch schrumpft und das Bewertungsniveau stabil bleibt.

Dabei gibt es neben allen HĂŒrden auch noch große Wachstumshebel im Meta-Universum.

Allen voran: Das sagenumwobene Metaverse.

Enorme Ausgaben fließen bereits in den VR-Bereich, wĂ€hrend hier noch kaum Umsatz realisiert wird. Im Metaverse besteht damit eine große Zukunftswette, die kaum ein Konzern so konsequent angeht wie Meta.

Aber es gibt noch weitere Hebel auf den sozialen Plattformen:

  • Social Commerce: Instagram & Facebook sollen direkteren Verkauf ermöglichen, dadurch Payment-UmsĂ€tze und bessere Werbemöglichkeiten bieten.
  • WhatsApp: Über 1 Mrd. Nutzer weltweit werden bisher kaum monetarisiert. WhatsApp ist gerade fĂŒr Unternehmen zur Kommunikation spannend.
  • Creator Economy: Riesige UmsĂ€tze werden von Influencern & Creatorn auf Metas Plattformen umgesetzt, wĂ€hrend Meta davon nichts direkt abschöpft. Subscriptions auf Instagram sind erste Schritte in Richtung dieser Monetarisierung.

Wie es weitergeht weiß niemand sicher. Zum aktuellen Bewertungsniveau - und auch bei den definitiv vorhandenen Risiken - halte ich Meta aber fĂŒr ziemlich attraktiv bewertet.

Klar ist aber auch: Die Aktie wird volatil bleiben und AktionĂ€re mĂŒssen im Wochentakt negative Presse aushalten, die den WohlfĂŒhlfaktor bei der Aktie drĂŒcken kann.


Aktie im Blick

đŸ€„ 7 Tricks von Tesla & Elon Musk auf dem Weg zum Börsenerfolg

Keine Frage: Tesla ist ziemlich erfolgreich und hat viele Skeptiker eines Besseren belehrt. Die Diskussion darĂŒber, ob der Börsenwert von Tesla gerechtfertigt ist, gehen weiter.⁠

AuffĂ€llig ist aber auch, wie viele ungewöhnliche Ereignisse es auf dem Weg zum aktuellen Erfolg gab. Die einen nennen diese Tricks eine geniale Strategie fĂŒr PR & Kapitalbeschaffung, andere nennen es eine unzulĂ€ssige TĂ€uschung von Anlegern zur eigenen Bereicherung.⁠

Ein Überblick:


Denkanstoß

📃 Story vs. Zahlen: Was ist wichtiger?

Große Börsenerfolge der letzten Jahre waren u.a. Apple, Amazon, Tesla und .

Was diese Aktien gemeinsam haben: Sie alle waren lange defizitĂ€r („schlechte“ Zahlen), hatten aber eine große Vision und viele Analysten, die diese Vision angezweifelt haben.

Nun jagen viele Anleger der nĂ€chsten Mega-Aktie mit der grĂ¶ĂŸten Vision hinterher. Eine gute Idee?

Robert Shiller ist NobelpreistrĂ€ger und Autor von „Narrative Wirtschaft“. Er sagt u.a.:

  • Narrative sind Geschichten, die weitergetragen und auf die sich immer wieder berufen wird
  • Ökonomen forschen meistens nach KausalitĂ€ten, oft sind aber Narrative entscheidende Auslöser
  • Narrative betreffen die ganze Wirtschaft, schaffen Chancen aber auch Spekulationsblasen

Ganze Anlageklassen - Aktien, Immobilien, Gold oder KryptowÀhrungen - unterliegen Narrativen.

„Immobilien steigen immer! Jeder kann mit Kryptos schnell reich werden! Nur noch Tech-Aktien!“

oder:

„Aktien sind Teufelszeug! Immobilien lohnen sich nicht! Value-Aktien können gar nicht funktionieren!“

Narrative treffen auch die AktienmÀrkte und Börsentrends.

  • 1999: Internet-Unternehmen sind die Zukunft!
  • 2001: Internet-Unternehmen crashen. Niemand will mehr in rein digitale Unternehmen investieren. Banken & Versicherungen braucht man immer!
  • 2008: Finanzmarktkrise. Niemand will mehr Banken & Versicherungen im Depot.
  • 2012: Eurokrise. In Europa sollte man nicht investieren!

Kurzfristig dominieren am Aktienmarkt Narrative, langfristig die Regression zum Mittelwert.

Und Narrative treffen auch einzelne Unternehmen.

Viele Unternehmen erzÀhlen eine positive Story. Einige stÀrker als andere. Einige werden sie erreichen, andere nicht. Einigen glaubt die Börse, anderen nicht. Einige Unternehmen sind daher nach Vision, andere nach Zahlen bewertet.

Und erstere schaffen teilweise eine Self-fulfilling prophecy: Sie erzeugen eine höhere Bewertung und nutzen diese, um damit das GeschÀft zu fördern, bspw. durch Kapitalerhöhungen oder Akquisitionen.

Achtung: Visionen von Unternehmen können wahr werden. Große Börsenerfolge beruhten auf großen Visionen. Aber Visionen können auch wahnsinnig stark in die Irre fĂŒhren und irrational hohe Bewertungen erzeugen.

Aktien immer nur nach Vision, Story & Narrativ zu kaufen, ohne diese realistisch einzuschÀtzen und den Preis der Aktie einzubeziehen, ist langfristig zum Scheitern verurteilt.

Das fĂŒhrt auch zu Spekulationsblasen. Wenn zu viele Anleger daran glauben, dass Preise von Anlageklassen, MĂ€rkten oder Unternehmen nur steigen können, entstehen frĂŒher oder spĂ€ter zwangslĂ€ufig Spekulationsblasen.

(Immobilien, Bitcoin, Tesla, deine Lieblingsaktie oder Wachstumswerte können nur steigen? 
)

Was ist also besser: Zahlen oder Story?

Nicht oder, sondern und. Zahlen & Story.

Zahlen zeigen die Vergangenheit, Story und Vision einen Ausblick in die Zukunft. Nur wer beide Seiten der Medaille anschaut erhĂ€lt ein komplettes Bild. Zu starker Zahlenfokus kann zu verpassten Chancen fĂŒhren. Zu starker Storyfokus kann die Chancen mitnehmen, aber auch viel Geld verbrennen.


Inspiration

💡 Börsenweisheit des Tages

"Wenn jemand gute Aktien hat, wĂ€re er verrĂŒckt, wenn er sie nur wegen eines KursrĂŒckschlags verkaufen wĂŒrde. Ich suche Unternehmen, die ich verstehe und von deren Zukunftsaussichten ich ĂŒberzeugt bin." - Warren Buffett

Die klĂŒgsten Börsenweisheiten und Börsenzitate →


✌ Das war es mit dem heutigen Briefing. Danke, dass du dabei bist!

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prĂŒfen.

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Ich bin Jannes, GrĂŒnder von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #9: Wir schÀtzen Tiefe.

Wir brauchen nicht noch mehr News, Kursticker, Alertings oder Geheimtipps. Das brauchen nur Medien. Wir brauchen mehr durchdachte Informationen, fundiertes Know-how und klare Gedanken. Mehr Tiefe, weniger ablenkendes Börsengeschrei.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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