von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 3. März 2021

In der Börsenwelt hat sich einiges getan. Heute:

  • : Was macht eigentlich Warren Buffett gerade? Größte Positionen, Geldprobleme & SPAC-Kritik
  • Aktienmarkt-Updates: Zinsanstieg in den USA, IPOs von Oatly & Südkoreas E-Commerce Hoffnung, auf dem Weg zur Super App, macht Konkurrenz, Spotifys Expansionspläne
  • Quartalsergebnisse im Check: Shopify, , theTradeDesk, , Coca Cola, &
  • Neu: Kostenloses Renditerechner-Tool
  • die Börsenweisheit der Woche

Viel Spaß!

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? Berkshire Hathaway: Was macht eigentlich Warren Buffett gerade?

Warren Buffett ist wohl jedem Anleger ein Begriff. Trotzdessen, dass die letzten Jahre nicht vom größten Erfolg gekrönt waren, gilt er nach wie vor als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt.

Aber was machen Warren Buffett, sein Geschäftspartner Charlie Munger (und viele weitere) in ihrer Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway aktuell eigentlich und wie schauen sie auf den Markt?

Buffetts Portfolio besteht fast zur Hälfte aus Apple: Wer in Buffett investiert, investiert also auch in den größten Konzern der Welt.

Neben Apple machen vor allem Finanz- und Konsumgüteraktien das Portfolio aus. Auch die US-amerikanische Tochter der wurde zuletzt aufgestockt.

Buffett und Munger haben Geldprobleme. Sie haben zu viel Geld und wissen nicht, wie sie es gut loswerden. Aktuell liegen etwa 138 Mrd. US-Dollar an Cash auf den Konten.

Deshalb hat Berkshire Hathaway allein 2020 eigene Aktien im Wert von 25 Mrd. US-Dollar zurückgekauft. Warren Buffett hat schon vor Jahren betont, dass er immer Berkshire Hathaway Aktien zurückkaufen wird, wenn er die eigene Aktie für unterbewertet hält.

Und: Charlie Munger mag keine SPACs. Zuletzt habe ich SPACs hier vorgestellt und auch die Kritik an diesen. Auch sein Geschäftspartner, der mittlerweile 97 Jahre alte Charlie Munger, hat sich kritisch zu diesen geäußert:

„Investmentbanker werden Shit verkaufen, solange man Shit verkaufen kann. [...] Die Welt wäre besser dran ohne SPACs."

? Das ist am Aktienmarkt passiert

One-Stop-Transportation-Shop. Mit Google Maps können zukünftig User in mehr als 400 US-amerikanischen Städten via der App fürs Parken und in mehr als 80 Transit-Systemen weltweit für öffentliche Verkehrsmittel zahlen. Search, Navigate, Discover, Pay. Google's Ökosystem für Reisende wächst. Google Maps ist Axios zufolge aktuell auf Platz 4 der meist-genutzten Apps in den USA. [Mehr erfahren]

? Zinsanstieg in den USA

Die NZZ schreibt zum jüngsten Zinsanstieg in den USA:

In den USA stiegen die Renditen für amerikanische Staatsanleihen in dieser Woche auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten vorübergehend mit bis zu 1,6% am Donnerstag, am Freitagnachmittag lag ihre Rendite noch bei 1,47%. Anfang des Jahres betrug diese noch 0,91%.

Im Zuge dieses Zinsanstiegs haben auch viele Aktien leicht verloren. Auch wenn wir natürlich immer noch auf einem niedrigen Zinsniveau sind (und das auch noch bleiben werden): Jetzt ist die Umlaufrendite in den USA in recht kurzer Zeit mal wieder gestiegen.

? IPO-Pläne von Oatly & Coupang

Oatly ist ein Startup aus Schweden, das heute auch in fast jedem deutschen Supermarkt zu finden ist. Es stellt vegane Produkte im Getränke- und Lebensmittelbereich her, vor allem die namensgebende Hafermilch.

Obwohl Oatly erst jetzt richtig Fahrt aufnimmt, wurde das Unternehmen schon 1994 gegründet. Jetzt hat Oatly bestätigt, dass ein Börsengang in den USA geplant ist. Die Fakten: 2019 konnte der Umsatz auf 200 Mio. Euro verdoppelt werden. Angepeilt wird eine Bewertung von stattlichen 10 Mrd. US-Dollar.

Außerdem mehren sich die asiatischen E-Commerce Giganten. Sea, Alibaba und Tencent waren bereits in der Analyse. Jetzt plant der südkoreanische E-Commerce Gigant Coupang seinen Börsengang - wie könnte es anders sein - ebenfalls in den USA. Hier steht eine Bewertung von 50+ Mrd. USD im Raum.

Ich halte dich auf dem Laufenden, was aus beiden Unternehmen wird.

? PayPal auf dem Weg zur Super App

PayPal habe ich mir vor Kurzem hier in der PayPal Aktienanalyse genauer angeschaut. Nun hat der CEO Dan Schulman auf dem Investorentag die große Vision bekräftigt.

Das Handelsblatt hat einige zentrale Aussagen zusammengefasst:

Eine Super-App würde „all unsere Finanzdienstleistungen auf einer Plattform vereinen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen machen es dann möglich, all diese Daten zu analysieren und den Kunden individuelle Empfehlungen zu geben“, sagte Schulman. Seine Vision erinnert an die chinesische Super-App Wechat, die Bezahldienste, soziale Netzwerke und E-Commerce verbindet.

„Wir werden sehen, wie ein neues Finanzsystem entsteht“, glaubt der Paypal-Chef. Dazu gehöre auch das Thema Geldanlage. „Leute, die Geld bei uns haben, sollen das investieren können, nicht nur in Kryptowährungen, sondern in Aktien und andere Vermögenswerte“, stellte Schulman klar. Dafür will er mit anderen Finanzinstituten zusammenarbeiten.

Dass Paypal nun auch den Handel mit Kryptowährungen anbietet, habe dazu geführt, dass Nutzer sich deutlich öfter in die App einloggen. Mehr als die Hälfte der Krypto-Nutzer prüfen ihre Kontostände mindestens einmal pro Tag. Das will das Unternehmen nutzen, um die Kunden auch für andere Angebote auf der Plattform zu halten.

Spannend ist hier der wichtige Aspekt, den wir auch in der Aktienanalyse gesehen haben: Es geht bei PayPal durch neue Angebote und Features nicht um direkte Monetarisierung, sondern darum, Nutzer überhaupt ins eigene Ökosystem zu ziehen.

Spannend finde ich - und das ist ein Aspekt, den ich in der Aktienanalyse bisher nicht gesehen habe (und auch noch vorsichtig bin) - dass auch das Thema Geldanlage für PayPal eine Rolle spielt.

Die Erwartung von Paypal im neuen Fünfjahresplan: Verdoppelung der aktiven Konten auf 750 Mio. Auch der Umsatz soll mehr als verdoppelt werden und bei 50 Mrd. USD landen. Für den Gewinn pro Aktie wird +22% pro Jahr angepeilt.

Wenn du willst, kannst du diese Zahlen und die aus der Aktienanalyse direkt mal ausprobieren - mehr dazu am Ende des Briefings!

? Amazon macht Shopify Konkurrenz - oder auch nicht?

Kurze News zu Amazon: Dort wurde mal wieder ein Unternehmen gekauft. Dieses mal ist es Selz, ein australischer Anbieter von E-Commerce Software. Damit ist Selz ein Konkurrent von Shopify (und erinnert mich auf der Startseite auch direkt daran).

Es sind keine Details bekannt. Strategisch ist der Schritt spannend: Auch wenn es ins Gebiet von Shopify fällt, gibt es da noch einen enormen Größenunterschied.

Wofür käuft Amazon Selz also? Ein paar Mutmaßungen:

  • Für mehr Know-How (wie t3n vermutet)
  • Um Marken, die auf dem Amazon-Marktplatz handeln, ein weiteres Standbein zu ermöglichen
  • Als Absicherung, sollten eigene Online-Shops wichtiger und Amazon als Plattform unwichtiger werden
  • Um Amazon Pay als Zahlungssystem zu integrieren und die Finanzdienstleistungen zu stärken

? Spotifys Expansionspläne

ist durch das Plus von ca. +130% mittlerweile eine der größten Positionen in meinem Depot. Nun gab es ein neues Event mit dem Titel "Spotify Stream On", auf dem die Expansionspläne vorgestellt wurden.

Was wurde dort verkündet?

  • Spotify möchte expandieren: 85 neue Länder werden angepeilt (was eine Verdoppelung hin zu einer Gesamtzahl von ca. 170 Länder bedeuten würde)
  • Dabei stehen viele Entwicklungsländer, bspw. aus Afrika und Asien, im Fokus
  • In diesen Ländern leben ca. 1 Mrd. Menschen, also für Spotify potenzielle Kunden. Aber: Die Kaufkraft ist dort natürlich wesentlich geringer. Zum Vergleich: Ein Premium-Abo kostet in Deutschland 9,99€, in Nigeria umgerechnet 1,80€.
  • Der Ausbau des Podcast-Bereichs geht weiter: Es wurden Creator-spezifische Abonnements, ein eigenes Werbenetzwerk und weitere Tools angekündigt.

Auch wenn der Preis gegenüber meinem Kaufpreis deutlich gestiegen ist: Die damalige These der Analyse (die v.a. darin bestand, dass Podcasts stark wachsen werden und bisher deutlich untermonetarisiert sind im Vergleich zu anderen Medieninhalten wie TV, Radio oder Webseiten) geht bisher auf, wird weiter verfolgt und auch die Zahlen haben sich seitdem sehr gut entwickelt. 


? Quartalsergebnisse im Schnelldurchlauf

Ein ganz kurzer Check einiger Quartalsergebnisse:

  • fiverr: Die Freelancer-Plattform fiverr ist im Jahresvergleich um +89% gewachsen, was die Erwartungen positiv übertroffen hat. Für 2021 wird ein Umsatz von ca. 280 Mio. US-Dollar angepeilt.
  • Shopify: Umsatzanstieg in 2020 von +81% auf knapp 3 Mrd. US-Dollar. Profitabel mit 330 Mio. USD Gewinn. Hervorragende Zahlen, die die Börse abermals belohnt.
  • TheTradeDesk: Die Werbeplattform TTD war zuletzt hier in der Aktienanalyse. Die neuen Zahlen waren stark: +48% Wachstum YoY und 150 Mio. USD Gewinn - nur im letzten Quartal. Den Aktienkurs hat es unterm Strich eher unverändert gelassen.
  • Cloudflare: Cloudflare ist u.a. im Bereich Cybersecurity unterwegs und steht weit oben auf der Liste der Aktien, die ich hier in Kürze analysieren werde. Es ging an der Börse steil bergauf, nach den letzten Quartalszahlen aber erstmal in die andere Richtung, obwohl diese eher die Analystenerwartungen erfüllt haben. Der Umsatz konnte um +50% gesteigert werden, der Verlust auf ein Minimum reduziert werden und der Ausblick sieht knapp 600 Mio. US-Dollar für 2021 vor.
  • Coca Cola: Umsatz im Jahresvergleich -5%. 2021 soll es wieder im hohen einstelligen Prozentbereich bergauf gehen. Die Aktie steht leicht im Minus.
  • Fastly: Die Cloud Computing Plattform Fastly (hier analysiert) bewegt sich seit einem halben Jahr weitestgehend seitwärts. Daran ändern auch die jüngsten Quartalsergebnisse nichts: +40% Umsatzwachstum YoY und ein gestiegener Verlust.
  • Twilio: Twilio hingegen (ebenfalls bald hier in der Analyse), eine Cloud-Kommunikationsplattform, ist zuletzt rasant gestiegen. Die Quartalszahlen waren überraschend stark: Der Umsatz ist YoY um +65% gestiegen und liegt nun bei knapp 1,8 Mrd. US-Dollar. Der Verlust ist leicht gestiegen. Unterm Strich belohnt die Börse die Zahlen aber.

?‍? Neu: Tool zur Aktienbewertung

Im Hintergrund habe ich außerdem weiter fleißig gebastelt. Das erste Ergebnis: Die Methodik der Aktienbewertung findest du jetzt in einem interaktiven Online-Tool.

Du kannst dort also selbst mit den Zahlen herumspielen, meine Zahlen anpassen und das Tool für deine eigene Analyse nutzen.

Es ist noch in einer Art Beta-Phase - gib mir also gern Feedback, falls dir etwas auffällt. Weitere Features wie das Hinzufügen mehrerer Szenarien, farbliche Markierungen etc. sind bereits in Arbeit.

Das Tool findest du hier (ca. in der Mitte).


? Börsenweisheit des Tages

Passend zum Berkshire Hathaway Einstieg ein Zitat von Warren Buffett am Ende:

Es ist besser ungefähr recht zu haben, als sich tödlich zu irren. - Warren Buffett

✌️ Das war es mit dem heutigen Briefing. Danke, dass du dabei bist!

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #19: Wir bleiben.

Aktienkäufe werden auch mal schief gehen und Aktienmärkte werden auch mal fallen. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir rechnen damit. Wir können nachkaufen. Wir können auch nichts tun. Aber: Wir bleiben dabei. 

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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