Jannes Lorenzen

20. Januar 2021

In der Börsenwelt hat sich einiges getan. Heute:

  • Geldmenge M1 steigt so schnell wie wie nie zuvor
  • Der Bitcoin erobert die Medien, Apple und Hyundai, Tech vs. Trump, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, US-Aktien Rabatt, Tweet-Wahnsinn, überraschende E-Auto Zulassungen & Elon Musk schlägt Jeff Bezos
  • Elon Musks Tesla-Masterplan von 2006
  • die Börsenweisheit(en) der Woche

Viel Spaß!


👉 Geldmenge M1 steigt so schnell wie wie nie zuvor

Die Geldmenge M1 ist zuletzt ziemlich rasant gestiegen:

Zum Hintergrund: Die Geldmenge wird üblicherweise in M1, M2 und M3 unterschieden. M1 bezeichnet sehr kurzfristig einsetzbares Geld (bspw. Bargeld und Münzen), M2 mittelfristig (bspw. Tagesgeldkonten) und M3 (bspw. kurzfristig liquidierbare Wertpapiere oder Anleihen).

Die so schnell steigende Geldmenge weckt natürlich direkt Inflationssorgen. Über den Zusammenhang von Inflation und Geldmenge habe ich zuletzt hier gesprochen und geschrieben. Kurzfassung: Die Geldmenge allein führt nicht zu Inflation, ohne steigende Geldmenge kann es aber keine Inflation geben.

Gründe für die schnell gestiegene Geldmenge M1:

  • Private Haushalte halten durch die Krise größere Rücklagen.
  • Stimulus-Checks in den USA, also Einmalzahlungen, die direkt aufs Konto gehen.
  • Die Umlaufgeschwindigkeit in der Corona-Pandemie ist gesunken (also: ein US-Dollar hat weniger Hände gewechselt als sonst), weshalb gemäß der Quantitätsgleichung die Geldmenge steigen muss und das Preisniveau trotzdem gleich bleiben kann. Ergo: Keine Inflation.

📊 Das ist am Aktienmarkt passiert

  • Bitcoin in der BILD: Der Bitcoin hat das vorherige Allzeithoch geknackt, indem er innerhalb von einer Woche mal eben um 20% gestiegen ist. Nun haben auch wieder Medien den Bitcoin gefunden: Die BILD erzählt auf der Startseite, wie Anleger davon profitieren können. Beginnt jetzt erst die sogenannte Dienstmädchen-Hausse oder sind wir schon mittendrin?
  • Apple und Hyundai: Apple und Hyundai sind in Gesprächen zur Herstellung von autonom fahrenden E-Autos. Apple hat noch keine Stellungnahme abgegeben, Hyundai aber schon: Demnach gab es "Anfragen für eine Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung von autonomen Elektrofahrzeugen von verschiedenen Unternehmen". Die Hyundai-Aktie ist seitdem mal eben um 60% nach oben gesprungen. Demnächst gibt's die Analyse, was das für Apple, aber auch für Tesla und den Rest der Automobilbranche bedeuten könnte.
  • Tech bannt Trump: Die beiden Social Media Plattformen Facebook und Twitter haben Trump kurz nach der Stürmung des Capitols in den USA auf ihren Plattformen gesperrt. Ein Eingriff, der gerade von Facebook in letzter Zeit immer öfter gewünscht wurde. Jetzt gibt es viele Diskussionen: Ist das legitime Zensur, wenn sie Gewalt verhindert? Oder macht es das nur schlimmer? In jedem Fall möchte ich aktuell kein CEO einer Social Media Plattform sein.
  • Deutschland auf Platz 17: Das ZEW hat den "Länderindex Familienunternehmen" veröffentlicht, der seit 2006 alle zwei Jahre erscheint. Dieser vergleicht Länder hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit und ihrer Attraktivität aus Sicht von Unternehmen. Von 21 untersuchten Industrienationen liegt Deutschland nur auf Platz 17. An der Spitze sind die USA, Großbritannien und die Niederlande.
  • Rabatt auf US-Aktien für Europäer: Der Wechselkurs EUR zu USD steht aktuell günstig für alle, die US-Aktien kaufen. Er liegt heute bei 1,22, da der Euro gegenüber dem US-Dollar zuletzt stärker geworden ist. Das heißt zum einen, dass bestehende Investitionen in US-Aktien darunter leicht gelitten haben, du heute aber Aktien aus den USA ca. 10% günstiger kaufst als noch vor einem Jahr, da du heute 10% mehr US-Dollar für dein Geld bekommst. Die Magie der Wechselkurse. Falls dich übrigens Wechselkurse intensiver interessieren, habe ich dazu gerade in der Academy neue Lektionen hochgeladen.
  • Elon Musk schlägt Jeff Bezos: Elon Musk hat nun den ruhmreichen Platz 1 der reichsten Menschen der Welt erobert. Das ist auf mehreren Ebenen verblüffend: Er schafft es in einer Zeit, in der Amazon eigentlich der viel stärkere Profiteur als Tesla von der Corona-Pandemie ist und Meldungen wie Apples möglicher Auto-Einstieg eher Gegenwind für Tesla sein sollten. Elon Musks Tesla-Aktien sind damit jetzt etwa 1,6 mal so viel wert wie Tesla von 2003 bis 2020 insgesamt an Umsatz gemacht hat. Auf der anderen Seite: Wer hat es so verdient auf Platz 1 zu stehen, wenn nicht jemand, der wie besessen riesige Visionen umsetzt und dabei ein ums andere mal All-In geht? Die erste große Gründung von Elon Musk ist übrigens ebenfalls enorm erfolgreich - die Analyse dazu gibt's hier Sonntag.
  • Elektroauto-Zulassungen in Norwegen überraschen: Was waren wohl in Norwegen, einem führenden Land in der Elektromobilität (u.a. durch hohe steuerliche Anreize), die meisten Neuzulassungen im Zeitraum Januar bis November 2020? Es waren erstmals mit 54% über 50% Elektroautos dabei. Natürlich auf Platz 1: Audi e-tron. Ja, tatsächlich. Tesla kommt erst auf Platz 6 mit dem Tesla Model 3. Der Volkswagen-Konzern belegt mit dem Audi e-tron, dem VW ID.3 und dem VW e-Golf die drei vorderen Plätze.
  • Die Macht des Tweets: Elon Musk hat einen simplen Tweet abgesetzt: "Use Signal". Damit meint er den Messengerdienst Signal. Was passiert ist: Die Aktie "Signal Advance" ist völlig durch die Decke gegangen. Das Problem: Das ist ein Unternehmen der Gesundheitsbranche und hat nichts mit dem Tweet von Elon Musk zu tun.

💡 Elon Musks Tesla-Masterplan von 2006

Anlässlich dieser Ablöse in der Liste der Superreichen schauen wir einmal auf den sogenannten Masterplan, den Elon Musk am 2. August 2006 für Tesla veröffentlicht hat - und für den er natürlich zu der Zeit nur belächelt wurde.

Was schreibt Musk darin? Wie hat der Mann, der heute der reichste Mensch der Welt ist, Tesla 2006 geplant?

Ziel & Mission

Tesla hatte zu der Zeit nur das Hochleistungsauto Tesla Roadster. Aber das Ziel ist eine breite Produktpalette, inklusive familienfreundlichen und bezahlbaren Modellen.

Die Mission von Tesla: Den Wandel von einer "Fördern-und-Verbrennen" Wirtschaft zu einer solarstrombasierten Wirtschaft als Teil einer nachhaltigen Lösung.

Wie soll das gelingen?

Musk will ein "Elektroauto ohne Kompromisse". Der Roadster soll einen Porsche oder Ferrari schlagen. Aber er stellt selbst die Frage: Braucht die Welt wirklich noch einen Supersportwagen?

Elon Musk sagt: Nein. Aber er ist der Weg zum Masterplan.

Fast jede Technologie hat hohe Stückkosten bevor sie optimiert werden kann, genau wie bei Elektroautos. Deshalb steigt Tesla im margenstarken Premium-Segment ein, um damit die Entwicklung bezahlen zu können und günstiger zu werden:

Almost any new technology initially has high unit cost before it can be optimized and this is no less true for electric cars. The strategy of Tesla is to enter at the high end of the market, where customers are prepared to pay a premium, and then drive down market as fast as possible to higher unit volume and lower prices with each successive model.

Möglicher Überschuss wird reinvestiert und alle Erlöse aus dem Premium-Modell helfen bei der Finanzierung des günstigeren Familienautos:

In keeping with a fast growing technology company, all free cash flow is plowed back into R&D to drive down the costs and bring the follow on products to market as fast as possible. When someone buys the Tesla Roadster sports car, they are actually helping pay for development of the low cost family car.

Es war also nie geplant, einen Überschuss zu erzielen, bis Tesla in der Lage ist, einen breite und bezahlbare Produktpalette anzubieten. Das ähnelt stark der Strategie von Amazon und Jeff Bezos. Gerade dieser fehlende Gewinn wurde bei Tesla immer wieder kritisiert.

Zusammenfassung des Masterplans

Abschließend fasst er den Masterplan zusammen:

Build sports car
Use that money to build an affordable car
Use that money to build an even more affordable car
While doing above, also provide zero emission electric power generation options

💭 Börsenweisheit des Tages

"Wette niemals gegen Elon Musk." - Peter Thiel

Okay, kleiner Spaß.

Aber anlässlich einiger Preisentwicklungen:

"Der Markt kann länger irrational bleiben als Sie liquide." - John Maynard Keynes, Ökonom (1883 - 1946)

✌️ Das war es mit dem heutigen Briefing. Danke, dass du dabei bist!

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