von Jannes Lorenzen 

6. Januar 2021

In der Börsenwelt hat sich einiges getan. Heute:

  • Zu Allzeithochs investieren? Eine gute Idee!
  • Apple baut Autos, Alibaba im Schwitzkasten, Jack Ma verschwunden?, Tech liebt Immobilien, Niederlage für quantitatives Investieren & Diem statt Libra
  • Amazon: Unprofitabilität als Strategie
  • die Börsenweisheit der Woche

Viel Spaß!


📈 Investiere zu Allzeithochs!

Die Analysten von JP Morgan haben eine Studie veröffentlicht. Sie fragen sich: "Is it worth investing at all time highs?"

Sie haben also untersucht, ob es sich lohnt, zu Allzeithochs zu investieren. Die kurze Antwort, basierend auf den letzten 30+ Jahren: Ja, definitiv.

If you invested in the S&P 500 on any random day since the start of 1988 and reinvested all dividends, your investment made money over the course of the next year 83% of the time. On average, your one year total return was +11.7%.
Now, what do those figures look like if we only consider investments on days when the S&P 500 closed at an all-time high? They’re actually better! Your investment made money over the course of the next year 88% of the time, and your average total return was +14.6%.

Also:

  • Wenn du seit 1988 an einem zufälligen Tag in den S&P500 investiert hättest, hättest du dein Geld in 83% der Folgejahre vermehrt bei einer durchschnittlichen Rendite von +11,7%.
  • Wenn du nur dann investiert hättest, wenn der S&P500 am Tag bei einem neuen Höchststand beendet wurde, wäre es noch besser gewesen: Im Folgejahr wärst du zu 88% im Gewinn gewesen mit einer Durchschnittsrendite von +14,6%.

Auch wenn das für die folgenden 3-Jahres- und 5-Jahres-Perioden berechnet wird ist die Tendenz die gleiche.

Das zeigt: Es lohnt sich immer, zu investieren. Gerade Allzeithochs allein sollten nie ein Grund sein, vom Aktienmarkt fern zu bleiben.


📊 Das ist am Aktienmarkt passiert

  • Apple baut Autos: Es mehren sich die Gerüchte, dass Apple 2024 ein eigenes Auto rausbringen möchte. Demnach führt Apple Gespräche mit unterschiedlichen Lieferanten. Ein spannendes Vorhaben: Autos herzustellen ist ein kapitalintensives und margenarmes Geschäft, könnte aber in Zukunft durch autonomes Fahren mehr Potential für Software-Integrationen bieten. Für andere Automobilhersteller, auch Tesla, wäre diese Konkurrenz ein schlechtes Zeichen. Etwa zeitgleich hat Elon Musk übrigens getwittert, dass er Apple damals angeboten hat, Tesla für 1/10 des heutigen Werts zu kaufen - was offensichtlich nicht geschehen ist. In Zukunft schaue ich hier im Premiumbereich noch genauer auf Apples Idee und was sich dahinter für alle Beteiligten verbergen könnte.
  • Alibaba im Schwitzkasten: Nach dem ersten Kurssturz habe ich die Alibaba Aktie hier analysiert. Eines der Risiken aus der Analyse: Die chinesische Regierung, die die Regulierungen erhöht, vor allem im Finanzsegment. Kurz danach kam die Ankündigung von Chinas staatlicher Behörde für Marktregulierung, dass eine Untersuchung gegen Alibaba wegen monopolistischen Verhaltens eingeleitet wird, woraufhin die Aktie nochmal ca. 8 % gefallen ist. Also: Die Risiken sind etwas größer, die Fundamentaldaten von Alibaba sehen bei der jetzt durch die politische Unsicherheit günstigeren Bewertung (KGV von 30, KCV von 20, KGVe von 18) aber noch stärker aus.
  • Jack Ma verschwunden? Weiter geht's mit Alibaba. Die Financial Times fragt: Ist Jack Ma, der Alibaba Gründer, seit Oktober, verschwunden? Zumindest ist seitdem nichts auf seinem vorher sehr aktiven Twitter-Account passiert und auch in seiner eigenen afrikanischen Talent-Show wurde er in der Jury ersetzt. Vorher hatte er sich kritisch zur chinesischen Regierung geäußert. Jack Ma hält heute "nur" noch 5% der Alibaba-Aktie, trotzdem reiht diese Meldung sich in den politischen Druck auf die Alibaba-Aktie ein. Das zeigt, warum China ein höheres politisches Risiko hat und ich jede Aktie aus China mit einem gewissen Standortrisiko auch in der Scorecard versehe.
  • Tech liebt Immobilien: Laut dem Wall Street Journal stecken hinter den großen Tech-Konzernen mittlerweile auch große Immobilienbestände. Demnach gehören Amazon, Apple, Facebook, Alphabet und Microsoft zusammen sagenhafte 54 Millionen Quadratmeter Immobilienfläche in den USA. Das ist mehr Bürofläche als in ganz New York überhaupt verfügbar ist. Aus Zeilen von Code sind mittlerweile auch Ziegelsteine geworden.
  • Quantopean-Fonds schließt: Quantopian hat das algorithmische Investieren für Do-it-yourself Anleger 2011 geöffnet. 300.000 Privatanleger haben es genutzt. Sie konnten also regelbasierte Strategien testen und umsetzen sowie über Tutorials dazu lernen. Nun wird der dahinter stehende Fonds geschlossen: Der Fonds hat deutlich unterperformt.
  • Aus Libra wird Diem: Die Kryptowährung von Facebook, ursprünglich Libra, heißt nun Diem. Das Projekt ist seit Beginn umstritten, da hier von Zentralbanken großer Einfluss auf das Finanzsystem befürchtet wird. Außerdem gab es immer wieder Ein- und Austritte von Unternehmen. Nun heißt die Währung Diem - und von dem ursprünglichen Plan, den Libra-Coin an einen internationalen Währungskorb zu koppeln, ist man nun wohl auch abgewichen. Ich bin gespannt, was daraus wird - in naher Zukunft wird es hier einige Analysen dazu geben.

💡 Unprofitabilität als Strategie

Der Investor Gavin Baker hat eine spannende These geäußert - und zwar zur Unprofitabilität von Amazon als strategisches Mittel zur Konkurrenzabwehr:

Amazon war jahrelang unprofitabel. Die Fundamentaldaten haben viele Anleger abgeschreckt, aber auch viele andere Unternehmen aus dem Einzelhandel davon abgehalten, in den E-Commerce zu investieren. "Zu teuer", "unprofitabel", "wird sich nicht durchsetzen" waren Schlagworte, die überall zu hören und zu lesen waren (und es teilweise noch heute sind).

Das hat sich als großer Irrtum herausgestellt. Für Amazon war die Niedrigpreisstrategie nicht nur nützlich, um schnell Marktanteile zu gewinnen und dazu zu lernen, sondern auch, um sich Konkurrenz vom Leib zu halten, die aufgrund Amazons geringer Margen keine Ambitionen gezeigt hat, dort investieren zu wollen.


💭 Börsenweisheit der Woche

Wer mit Aktien Geld verdienen will, macht dies nicht mit dem Kopf oder mit dem Bauch, sondern mit dem Hintern, indem er möglichst lange drauf sitzen bleibt.

✌️ Das war es mit dem heutigen Briefing. Danke, dass du dabei bist!

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