von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 29. August 2021

Die Reiselust zieht wieder an. Und es gibt ein Unternehmen, das davon umso stärker profitiert, nachdem es 2020 stark gelitten hat.

Booking.com ist eines der größten Online-Reiseportale der Welt und Teil eines der größten Tech-Unternehmen Europas. Booking.com wurde in der Niederlande gegründet und ist der größte Teil der Booking Holdings, die in den USA ansässig sind.

2019, vor der Coronakrise, hat Booking über 5 Mrd. US-Dollar Gewinn erzielt. Ein Vergleich wird zeigen: Kein direkter Konkurrent kommt auch nur ansatzweise in diese Region.

Ich sehe drei Gründe, warum die Aktie aktuell spannend ist:

  1. 📈 Turnaround-Chance: Die Booking-Aktie hat sich zwar wieder auf Vor-Corona-Niveau erholt, könnte nun aber von anziehender Nachfrage profitieren.
  2. 💰 Starke Kennzahlen: Booking hat bis 2019 fast ein Drittel das Umsatzes als Gewinn eingestrichen, hat also eine enorm hohe Profitabilität.
  3. 🏘 Spannendes Geschäftsmodell: Booking ist eine Online-Plattform für alles rund um Reisen, vor allem Ferienunterkünfte. Plattformen gehören zu den stärksten Geschäftsmodellen unserer Zeit.

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die Booking Holdings Aktie überbewertet? Oder sollte man jetzt noch Booking Holdings Aktien kaufen? Diesen Fragen versuchen wir uns zu nähern

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind (inkl. direktem Vergleich zu Airbnb, Expedia, Hotelketten und Google) und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

More...

Überblick: Das steckt hinter Booking Holdings


Das Unternehmen

Booking selbst beschreibt sich als "weltweit führendes Unternehmen im Online-Reisebereich":

Booking Holdings is the world’s leading provider of online travel & related services, provided to consumers and local partners in more than 225+ countries and territories through six primary consumer-facing brands: Booking.com, KAYAK, Priceline, Agoda, Rentalcars.com and OpenTable.

Die Gründung von Priceline erfolgte 1997. 2005 wurde Booking.com dazu gekauft, was heute namensgebend für das gesamte Unternehmen ist.

Produkt & Geschäftsmodell

Zu den Booking Holdings, die weltweit aktiv sind, gehören sechs Marken, die alle digitale Angebote haben, mit unterschiedlichen Positionierungen:

  1. Booking.com (Online-Buchungsplattform für Unterkünfte aller Art)
  2. KAYAK (Reisesuchmaschine)
  3. Priceline (Dienstleister für reduzierte Reisen)
  4. Agoda (Online-Hotelbuchungsplattform)
  5. Rentalcars.com (Vergleichsseite für Mietwagen)
  6. OpenTable (Reservierungs- und Gästemanagement für Restaurants)

So unterscheiden sich die Marken laut Geschäftsbericht 2019 konkret in ihrem Angebot:

Es ist also alles weitestgehend auf Reisen ausgelegt, innerhalb dieser Branche aber breiter gestreut: Von direkten Buchungen über Vermittlungen, von Unterkünften über Flüge bis hin zu Mietwagen wird fast alles abgedeckt.

Das verdeutlicht schon ein wichtiges Element: Booking Holdings ist stark mit der Entwicklung der Reisebranche verwoben, profitiert dabei von der stetigen Verschiebung von Offline- zu Online-Buchungen.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt, selbst trotz des temporären Einbruchs in der Coronapandemie. Seit 2011 hat sich der Kurs etwa verfünffacht.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet, 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Tourismus
  • Marktkapitalisierung: 94 Mrd. USD
  • Umsatz: 15 Mrd. USD (2019), 7,2 Mrd. USD (TTM)
  • Ergebnis: 5 Mrd. USD (2019), 0,4 Mrd. USD (TTM)
  • Free Cashflow: 4,5 Mrd. USD (2019), 1 Mrd. USD (TTM)

Bewertung

  • KUV: 13 (6 auf 2019er Basis)
  • KGV: 200 (19 auf 2019er Basis)
  • KGVe: 55
  • KCV: 70 (19 auf 2019er Basis)
  • PEG-Ratio: 0,5

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 260%
  • Bruttomarge: 98%
  • Operative Marge: 7%, 35% (2019)
  • Nettomarge: 6%, 32% (2019)
  • Umsatzwachstum (bis 2019): 15% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert


Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Je mehr über die eigenen Plattformen der Booking Holdings gebucht wird, desto besser entwickelt sich das eigene Geschäft. Der Außenumsatz und die Anzahl der gebuchten Nächte steigen im Gleichschritt ziemlich kontinuierlich, wobei sich das Wachstum von 2018 auf 2019 leicht verlangsamt hat. 

So haben sich Umsatz, Gewinne und der Free Cashflow entwickelt:

Der Umsatz ist um +18% (2017), +15% (2018), +4% (2019) gewachsen, 2020 hat er sich dann mehr als halbiert.

Der Außenumsatz spiegelt sich, wie erwartet, im Umsatz wieder. Und, ebenfalls auffällig: Nahezu der komplette Umsatz ist auch gleichzeitig der Bruttogewinn. Das liegt vor allem daran, da Booking an direkten Produktkosten lediglich die eigenen Webseiten betreibt und prozentual am vermittelten Umsatz verdient.

Die Welt sah vor der Corona-Krise also, trotz des zuletzt langsameren Wachstums, recht stabil und gesund aus: Wachsende Umsätze, steigende Gewinne und ein positiver Cashflow als Überschuss. Aber wie ging es dann weiter?

Corona-Krise: Wie hat sie die Booking Holdings getroffen?

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind noch nicht vollständig abschätzbar, da der größte Effekt in Q2 2020 erwartet wird, zu welchem die Ergebnisse erst in Kürze veröffentlicht werden.

Klar ist aber: Es gibt kaum eine Branche, die so stark getroffen wurde wie die Reisebranche. Im ersten Quartal 2020 ist der Gewinn, der im Vorjahr noch 0,77 Mrd. USD betrug, zu einem Verlust von - 0,7 Mrd. USD geworden. Der Aktienkurs von Booking ist um 39 % und damit "nur" ähnlich stark wie der gesamte Markt gefallen.

Nach aktuellen Erwartungen wird der Gewinn in Q2 2020 im Vergleich zum Quartal des Vorjahres von 23,6 auf -11,9 USD pro Aktie fallen. Ab Q3 wird wieder ein Gewinn erwartet, der allerdings noch deutlich unter dem Vorjahresniveau liegt.

Für das komplette Jahr 2020 wird durchschnittlich ein Gewinn pro Aktie von 17,7 USD erwartet, für 2021 ca. 65 USD. Zum Vergleich: 2019 lag der Gewinn pro Aktie bei 112 USD, 2018 bei 83 USD, 2017 bei 47 USD. Die Schätzung für 2021 liegt also zwischen dem 2017er- und 2018er-Niveau.

Klar ist: Diese Schätzungen sind mit hoher Unsicherheit verbunden. Sie zeigen aber, dass die Effekte der Coronakrise noch länger wirken.

Wie verdient das Unternehmen Geld?

Das Booking-Geschäftsmodell ist simpel und entsprechend einer Plattform: Von jeder Buchung, die über eine der Plattformen stattfindet, bekommt Booking eine anteilige Gebühr.

Booking selbst teilt das Geschäft noch in drei Segmente auf (mit jeweiligen Umsatzanteil):

  • Agency-Umsätze (67%): Hier tritt Booking nur als Vermittler auf, die Buchung selbst wickelt der jeweilige Anbieter ab.
  • Merchant-Umsätze (25%): Booking selbst übernimmt die gesamte Buchung und Abwicklung.
  • Advertising und weitere Umsätze (8%): Werbeerlöse und Empfehlungen (vor allem von KAYAK) landen in diesem Segment.

Je mehr vermittelt wird und je höher der Anteil von Booking daran ist, desto höher ist auch der Umsatz. Diesem Umsatz stehen kaum direkte Kosten entgegen, da die jeweiligen Dienstleister auf den Plattformen (Hotels, Mietwagenverleiher, Airlines,...) die kapitalintensiven Angebote abwickeln.

Bewertung des Geschäftsmodells

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt's hier und hier.

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Booking hat nur wenig wiederkehrende Umsätze und keine Lock-In Effekte. Es gibt Loyalitätsprogramme, die Nutzer reaktivieren sollen.


Netzwerkeffekte

Sehr stark ausgeprägt: Je größer das Angebot, desto größer die Nachfrage und umgekehrt.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Die Skaleneffekte greifen schon jetzt: Booking hat hohe Gewinnmargen, da der Umsatz stärker steigt als die Kosten. Ein typisches Muster digitaler Geschäftsmodelle. Selbst wenn Booking in einen Preiskampf geraten sollte, sollte es mit den größten Spielraum aller Wettbewerber haben.


Proprietäre Technologie

Booking hat eine eigene Plattform, die technisch und aus Marketingsicht durchoptimiert ist. Technologie ist in meinen Augen aber kein zentrales Differenzierungsmerkmal.


Marke (Branding)

Booking ist eine Marke und oft eine direkte Anlaufstelle, kann also Google und Facebook umgehen. Aber: Airbnb als direkter Konkurrent ist noch einen Schritt voraus.


Geschäftsmodell-Bewertung: 17 / 25

Zukunft: Burggraben, Strategie & Wachstumsperspektiven


Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Konkurrenz

Wenn wir uns auf den Kernmarkt, das Vermitteln von Ferienunterkünften konzentrieren, gibt es zwei Segmente von Konkurrenten: Andere Online-Plattformen und Hotels.

Hotels besitzen selbst Immobilien und Wohnungen, die sie wiederum vermieten. Online-Plattformen konzentrieren sich nur auf die Vermittlung.

Auf der einen Seite konkurriert Booking also mit Hotelketten (Marriott, Hilton,...), auf der anderen Seite mit Online-Plattformen wie Airbnb.

Meine These: Booking und Airbnb werden in Zukunft die Marktführer in diesem Segment werden bzw. bleiben. Gerade Booking sehe ich daher als direkten Konkurrenten. Deshalb, bevor wir gleich die Bewertungen und Kennzahlen vergleichen: Was haben beide gemeinsam und was machen sie unterschiedlich?

  • Beide agieren weltweit, v.a. im Bereich kurzfristiger Aufenthalte, und haben ein schlankes Geschäftsmodell, das auf Margen basiert (die darüber hinaus relativ eng beieinander liegen).
  • Booking kommt aus dem Anbieten von Hotelzimmern, hat aber immer mehr private Unterkünfte, dringt also in das Geschäftsmodell von Airbnb vor. Airbnb hingegen hat noch immer den starken Fokus auf private und "einzigartige" Unterkünfte.
  • Airbnb hat "Experiences" auf der eigenen Plattform integriert. Zur Booking Holdings gehören weitere Unternehmen, die bspw. Mietwagenvergleiche oder Reisebuchungen ermöglichen.

Bookings Stärke ist die Auswahl: Wem egal ist, ob Hotel oder Ferienwohnung, wird Booking bevorzugen. Airbnbs Stärke ist die starke und beliebte Marke und der Fokus auf einzigartigere und individuellere Unterkünfte.

Gleich vergleiche ich beide Unternehmen noch in Zahlen.

Expedia vermittelt ebenfalls Reisen und Unterkünfte und ist damit als direkter Konkurrent anzusehen. Es ist stolze 22 Mrd. US-Dollar wert und günstiger bewertet als die Konkurrenten. 2019 hat es 12 Mrd. USD Umsatz erzielt bei 600 Mio. USD Gewinn. 

Weitere Konkurrenz

Aber: Es gibt noch weitere Konkurrenten - was logisch ist, da Booking mittlerweile in vielen Segmenten aktiv ist.

  • Google: Mittlerweile schaltet sich Google auch schon in den Suchergebnissen mit Hotels und Flügen zwischen den Suchenden und Plattformen wie Booking. Der Weg, hier unterm Strich Booking und anderen Konkurrenz zu machen, ist in meinen Augen aber noch weit.
  • Trivago ist eine von mehreren Hotelsuchmaschinen, die u.a. Booking.com mit Expedia und anderen Angeboten (TUI, FeWo-direkt etc.) vergleicht. Trivago ist 1 Mrd. USD wert und hat 2018 knapp 1 Mrd. USD Umsatz erzielt, auf 2019 aber sogar schon Umsatz verloren. Das Problem: Immer mehr Menschen scheinen direkt Airbnb oder Booking anzusteuern und den Prozess des Hotelvergleichs zu überspringen.
  • Tripadvisor ist um Erfahrungsberichte rund um Reisen aufgebaut. Das betrifft Hotels, Sehenswürdigkeiten, Restaurants und mehr. Tripadvisor ist aktuell ca. 5 Mrd. USD wert, mit dem 8-fachen des Umsatzes bewertet und hat 2018 ca. 1,6 Mrd. USD Umsatz erzielt bei 100 Mio. USD Gewinn. Auch hier war der Umsatz schon auf 2019 leicht rückläufig.

Booking vs. Airbnb vs. Expedia

Unterm Strich sehe ich Airbnb und Expedia als direkteste Konkurrenten. Wie entwickelt sich das Interesse basierend auf Google Trends in den letzten 5 Jahren?

Auf den ersten Blick scheint Airbnb beide deutlich hinter sich zu lassen. Aber: Suchen Menschen nach "Booking" oder nach "Booking.com"? Vermutlich umfasst der erste Suchbegriff zu viele Anfragen (wobei Google ganz oben tatsächlich Booking.com anzeigt, was andeutet, dass die meisten Menschen das suchen), der letzte aber zu wenig.

Dazu kommt: Booking Holdings besteht nicht nur aus Booking.com, sondern aus den eingangs genannten weiteren Plattformen.

Im zweiten Vergleich interessant: Booking scheint aus der Coronakrise etwas stärker herausgekommen zu sein.

EBITDA-Vergleich: Wer verdient am meisten im Reisemarkt?

Von den börsennotierten Unternehmen kennen wir die Finanzzahlen. Ein Blick aufs EBITDA aus 2019 zeigt, wer die größte Finanzkraft hat:

  1. Booking: 5,35 Mrd. USD
  2. Marriott (Hotelkette): 2 Mrd. USD
  3. Hilton (Hotelkette): 1,6 Mrd. USD
  4. Expedia: 1 Mrd. USD
  5. Tripadvisor: 0,2 Mrd. USD
  6. Trivago: 0,04 Mrd. EUR
  7. Airbnb: -0,5 Mrd. USD

Booking steht unangefochten an der Spitze, selbst im Vergleich zu indirekteren Konkurrenten. Dazu haben andere Unternehmen leichte Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, Booking nicht. Airbnb wird voraussichtlich zukünftig deutlich profitabler, schreibt aber noch keine schwarzen Zahlen.

Strategie: Connected Trips

Booking hält sich leider recht bedeckt. Man könnte sagen: Sie kommunizieren nur das nötigste, was sie als Aktienunternehmen kommunizieren müssen.

Was man festhalten kann: Sie wollen überall dort, wo Reisebuchungen vermittelt werden, aktiv sein. Entweder über eigene Plattformen oder Zukäufe anderer Plattformen.

Ein großer Vorteil besteht in der Integration, die bei Booking aus 1 + 1 = 3 machen kann (wie hier beschrieben): Booking hat bestehende Nutzer und kann im Buchungsprozess weitere Dienste integrieren, die den Umsatz direkt steigern.

Daher betont der CEO auch zuletzt (u.a. im Interview im Manager Magazin 08/21) vermehrt ein großes Ziel: Connected Trips. Bei uns würde man sagen: Pauschalreisen - und noch mehr als das.

Bisher bietet Booking vor allem einzelne Bestandteile der Buchungen. Das Hotel wird auf einer anderen Seite gebucht als der Flug und auf einer anderen Seite als der Mietwagen und als die Aktivität oder Restaurantreservierung. Mit dem Ziel "Connected Trip" möchte Booking Lösungen schaffen, dass über ein Portal alles gleichzeitig gebucht werden kann.

Vorteile für den Kunden: Insgesamt günstigere Kosten und nur ein Ansprechpartner, der sich um alles kümmern kann. Mit KI (und simpler Logik) möchte Booking in der Lage sein die Flugverspätung automatisch dem Hotel zu melden und eigenständig die Restaurantreservierung um eine Stunde zu verschieben.

Vorteile für Booking Holdings: Mehr Erlöspotenziale. Nicht nur wird eine größere Zielgruppe angesprochen, sondern auch der Umsatz ist höher - wenn auch im Durchschnitt vermutlich mit niedrigeren Gewinnmargen als im Bereich der Unterkunftsvermittlung.

Klappt die Strategie?

Dafür spricht, dass Booking bereits den Kundenzugang hat, eine etablierte Marke mit Vertrauen ist und auch die Technologie stemmen kann. Dagegen spricht, dass Kunden im Reisemarkt teilweise gezielt einzeln buchen möchten, da sie über das Buchen bei Spezialisten bessere Preise erwarten.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert


Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Fassen wir die Stärken zusammen, die wir im Geschäftsmodell identifizieren konnten.

  • Marktführer: Booking Holdings gilt mit booking.com als größte Online-Plattform für Ferienunterkünfte. Sie bieten die komplette Bandbreite von Ferienwohnungen über Hotels bis zu besonderen Unterkünften an.
  • Netzwerkeffekte: Je mehr Angebot, desto mehr Nachfrage und umgekehrt. Dadurch bleibt Booking für Anbieter und Reisende attraktiv.
  • Hohe Gewinnmargen: Bis 2019 hat Booking fast ein Drittel des Umsatzes als Nettogewinn behalten.
  • Kontinuierliches Wachstum vor Corona-Krise: Bis zur Pandemie ist Booking mit ca. 15% im Jahr gewachsen.
  • Global diversifizierte Umsätze: Da Booking weltweit agiert, sind auch die Umsätze weltweit gestreut. Es gibt also kaum regionale Klumpenrisiken.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Fassen wir die Schwachstellen des Unternehmens zusammen.

  • Externe Risikofaktoren: Die Tourismus-Branche ist nicht geschützt vor externen Faktoren. Eine Pandemie, politische Spannungen oder der Klimawandel können Reisebereitschaft und -möglichkeit einschränken.
  • Abnehmendes Wachstum: Ein sich verlangsamendes Wachstum ist normal. Von 2018 auf 2019 war das Wachstum allerdings mit +4% Umsatzwachstum deutlich unter den Vorjahren, obwohl es darin noch keine Corona-Effekte gab. Wie stark wird das Wachstum danach also sein?

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Kurzfristiger Wachstumsschub: Durch globale Lockdowns wurde lange auf Reisen verzichtet, weshalb es nun zu Nachholeffekten und damit hohe Nachfrage kommen kann.
  • Langfristige Digitalisierung: Durch den langfristigen Trend zur Digitalisierung, sowohl im Angebot, als auch bei der Nachfrage, gibt es natürliches Wachstum, von dem Booking profitiert. Das jährliche Wachstum von Online-Reisebuchungen lag zuletzt (Corona ausgenommen) bei ca. 9 - 12% pro Jahr.
  • Erschließung von weiteren Segmenten: Booking steckt schon in Segmenten außerhalb der Vermittlung von Unterkünften: Flüge, Aktivitäten, Mietwagen etc. Diese können noch weiter ausgebaut und erschlossen werden.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Hier geht's nun viel mehr darum: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Unsicherheit durch Corona-Krise: Noch immer gibt es Reiseeinschränkungen, die den Umsatz dämpfen. Dazu kommt möglicherweise veränderte Nachfrage, die nicht zwangsweise schlecht ist, aber eine Unsicherheit darstellt, wie die Zahlen in einer "normalen" Welt wieder aussehen. Auch Geschäftsreisen sind vermutlich dauerhaft betroffen, schätze ich aber nur untergeordnet für Booking ein.
  • Konkurrenz (v.a. Airbnb): Airbnb ist eine Online-Plattform für Ferienunterkünfte und Aktivitäten, damit ein direkter Konkurrent. Auch größere Hotelketten entwickeln eigene Lösungen, wobei ich diese nicht wirklich als Gefahr sehe.

Aktienbewertung: Der faire Wert der Booking Holdings Aktie


Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Der faire Wert der Aktie

Für die Ermittlung des fairen Werts (alle Erläuterungen dazu über diesen Link) habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

#1 Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: +15% langfristig
  • Analystenerwartung: Im Mittel 10,4 Mrd. USD für 2021, 15,1 Mrd. USD (+45%) für 2022.
  • Meine kurzfristige Annahme: Ich gehe stark davon aus, dass das alte Umsatzniveau spätestens 2022 wieder erreicht wird. Ab dann gehe ich von +10% p.a. kurzfristig aus.
  • Meine langfristige Annahme: Durch weitere Digitalisierungseffekte halte ich langfristig +6% p.a. für realistisch.

#2 Nettomarge

Die Nettomarge lag vor Corona bei ca. 32%. Den Wert halte ich auch langfristig für realistisch.

#3 Bewertungsniveau

Ich gehe davon aus, dass die Aktie - basierend auf den anderen Annahmen - noch mit einem leicht überdurchschnittlichen KGV von 19 bewertet sein wird.

Meine Renditeerwartung

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Erklärung hier. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: BKNG.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

↘︎
↗︎
Wachstum
kurzfristig, in % Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum
langfristig, in % Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge
kurzfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge
langfristig, in % Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV
langfristig Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

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Bewertungsvergleich gegenüber Airbnb

Wie ist Booking Holdings im Vergleich zu Airbnb bewertet?

Hinweis: Ergebnisse und Cashflows stammen größtenteils aus 2019, um Corona-Effekte herauszurechnen.

Header

Airbnb

Booking Holdings

Börsenwert

96 Mrd.

94 Mrd.

Umsatz (2019)

5 Mrd.

15 Mrd.

Umsatz (TTM)

4,4 Mrd.

7 Mrd.

Oper. Ergebnis (2019)

-0,5 Mrd.

5,3 Mrd.

Free Cashflow (2019)

0,1 Mrd.

4,5 Mrd.

KUV

22

13

Umsatzwachstum

35%

12%

Bruttomarge

75%

98%

Wir sehen: Airbnb ist insgesamt wertvoller, obwohl Booking Holdings ca. das 3-fache an Umsatz erzielt hat und profitabel ist. Dafür wächst Airbnb deutlich schneller.

Ich finde Booking im direkten Vergleich leicht attraktiver bewertet.

Die Scorecard

Booking erzielt einen Score von 53. Dazu angemerkt: Sollten sich die Zahlen auf Vor-Corona-Niveau erholen, würde der Wert ca. 10 Punkte höher liegen, v.a. durch verbesserte Bewertungskennzahlen.

Pro, Contra & Fazit: Booking Aktie jetzt kaufen?


Pro

  • Attraktives Geschäftsmodell mit hohen Gewinnmargen, das dauerhaft profitabel ist
  • Netzwerk- und Skaleneffekte, die einen langfristigen Burggraben schaffen
  • Chance auf kurzfristigen Nachfrageschub über das Vor-Corona-Niveau, was zu einer recht günstigen Bewertung führen würde
  • Auf Tourismus konzentriert, darin aber diversifiziertes Geschäftsmodell über Regionen und Angebote hinaus

Contra

  • Wachsende Konkurrenz, v.a. Airbnb
  • Risiken des Tourismus-Markt, der einigen externen Faktoren (Pandemien, politische Risiken, Klima) ausgesetzt ist)
  • Unklar, wie sich Zahlen kurzfristig tatsächlich entwickeln werden und dadurch leicht erhöhtes Risiko

Fazit

Insgesamt hat Booking Holdings ein digitales und technologiegetriebenes Geschäftsmodell mit starken Kennzahlen. Die hohe Abhängigkeit von der Verfassung der Reisebranche, stark gezeigt durch die Corona-Krise, ist dabei der Nachteil des Modells.


Wenn man bereit ist, in diesen Markt investieren zu wollen, halte ich Booking Holdings für eine der spannendsten Aktien. Die Gewinnmarge ist hoch, das Unternehmen wächst und erzielt im Vergleich zur Konkurrenz ungeschlagen hohe Gewinne.


Das ist nicht nur ein Renditebringer für Aktionäre, sondern auch ein Sicherheitspuffer für schwierige Zeiten oder um gegen Konkurrenz dauerhaft bestehen zu können - sei es durch Preissenkungen, Akquisitionen oder Investitionen.


Ich halte die Aktie aktuell für fair bis leicht attraktiv bewertet und nehme sie daher selbst in meine persönliche Watchlist auf.

Tags: Booking | Aktien: Booking

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Wo ich Aktien & ETFs kaufe: Meine Empfehlungen →

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #9: Wir schätzen Tiefe.

Wir brauchen nicht noch mehr News, Kursticker, Alertings oder Geheimtipps. Das brauchen nur Medien. Wir brauchen mehr durchdachte Informationen, fundiertes Know-how und klare Gedanken. Mehr Tiefe, weniger ablenkendes Börsengeschrei.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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