von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 3. Juli 2022

ist eine der großen Börsengeschichten der Pandemie: Durch die Entwicklung des Corona-Impfstoffs hat BioNTech viele Menschen geschützt, aber geschäftlich eine große Chance genutzt und erheblich an Reputation gewonnen. Es ist heute auf Platz 13 der größten Unternehmen der Pharma-Branche, obwohl es vor ein paar Jahren noch nahezu komplett unbekannt war.

Was bedeutet das nun langfristig für die Aktie? Ist das nur der Auftakt für das, was Biontech in Zukunft im Gesundheitsmarkt leisten kann?

In der Analyse geht’s u.a. um folgende fünf Punkte:

  1. 💉 Impfstoff-Erfolg sorgt für hohe Umsätze, teils gesicherte Bestellungen und hohe Gewinne, da die Investitionen bereits getätigt wurden.
  2. 🏆 Großer Reputationsgewinn, durch den neue Entwicklungen, Innovationen, Gelder, Partner und Mitarbeiter einfacher gewonnen werden können
  3. 🚀 Zukunftsmarkt: Biotechnologie als spannendes Geschäftsmodell, das sich vielen großen Gesundheitsproblemen (Covid, Krebs, seltene Erkrankungen) annimmt und langfristiges Potenzial birgt.
  4. 🧮 Ich stelle eine These und Berechnung auf: Mit dem aktuellen Vermögen und den Erlösen der nächsten 1,5 Jahre allein kann sich die Biontech-Aktie schon rechnen – selbst, wenn sie das Geschäft dann einfach stoppen würde. Das Abwärtsrisiko ist demnach begrenzt.
  5. 📊 Volatilität: Kaum ein Unternehmen hat so hohe Ausschläge bei den Erträgen wie Biontech (und Biotechnologie-Unternehmen). 60% Nettomarge, ein KGV von 3 und über 1.000% Umsatzwachstum verdeutlichen das. Wie nähert man sich also der Bewertung?

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte und was die Zukunft für Biontech bereit hält.

Die operativen Zahlen sind durch den Impfstoff-Erfolg stark schwankend, was die Bewertung komplexer macht. Probieren wir es trotzdem, indem wir die Chancen und Risiken abwägen.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben wirklich besteht, wer die Konkurrenten sind und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Das Unternehmen

Biontech wurde 2008 gegründet. Seit 2019 ist es an der Börse notiert. Der Sitz ist in Mainz in Deutschland, die Börsennotierung erfolgte am Nasdaq in den USA.

CEO ist Uğur Şahin, der 2008 Biontech mit seiner Ehefrau gegründet hat, die aktuell Marketingchefin im Unternehmen ist.

Produkt & Geschäftsmodell

Startpunkt für Biontech war die Erforschung von Krebsimmuntherapien. Das Ergebnis daraus waren Patente und Technologieplattformen in diesem Bereich. Mittlerweile ist Biontech auch in die Bekämpfung von Infektionskranheiten und die Impfstoff-Entwicklung für die Corona-Pandemie eingestiegen.

Die eigene Vision umschreibt Biontech so:

Harnessing the immune system’s full potential to fight human disease.

Biontech setzt auf Immuntherapien, also auf Methoden, die das körpereigene System zur Abwehr von Krankheiten, speziell von Krebs, nutzen. Biontech spricht von der „Immuntherapie der nächsten Generation“.

Es möchte:

  • ein vollständig-integriertes biomeditinisches Unternehmen bauen
  • Immuntherapien für Krebs und weitere Krankheiten entwickeln
  • breit auf die neuesten Technologien setzen
  • mit anderen Marktführern kooperieren

Ganz zentral setzt Biontech dabei auf mRNA Technologie, die auch maßgebend für den Covid-19-Impfstoff ist.

Dabei möchte Biontech in naher Zukunft weitere Impfungen auf mRNA Basis entwickeln. Langfristig werden autoimmun Krankheiten, Allergien, Entzündungen und mehr anvisiert.

Was steckt eigentlich hinter „mRNA“?

Diese Technologie ist recht neu, setzt aber auf bewährten Prinzipien auf. Vereinfacht: Bei einer mRNA-Impfung soll das Immunsystem des Körpers so gestärkt werden, dass es sich eigenständig gegen Erreger schützen kann.

Herkömmliche Impfungen setzen tote Erreger oder Bestandteile eines Erregers in einen Körper ein, wodurch das geschieht. Der mRNA-Impfstoff gibt dem Körper viel mehr den Bauplan, um selbst Antikörper zu entwickeln (und nicht Bestandteile des Erregers selbst). Die mRNA ist dieser Bauplan.

Im Vorteil soll diese Technologie zum einen in der Genauigkeit, zum anderen in der Geschwindigkeit sein, mit der diese Therapien angewandt werden können.

Kursentwicklung

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt, gerade seit der Verkündung, dass der Impfstoff bereit steht. Zuletzt ist der Kurs allerdings wieder deutlicher gefallen.

Zuletzt habe ich die Aktie vor ziemlich genau einem Jahr, Ende Juni 2021, analysiert. Die Aktie war schon damals schwer einzuschätzen, ich fand sie im Mittel aber zu teuer. Auch im 1-Jahres-Vergleich hat sie leicht verloren.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet.

Die Eckdaten

  • Land: Deutschland
  • Branche: Biotechnologie
  • Marktkapitalisierung: 35 Mrd. EUR
  • Umsatz: 23,3 Mrd. EUR
  • Operatives Ergebnis: 18 Mrd. EUR
  • Ergebnis: 13 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 5 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 2
  • KGV: 3
  • KGVe: 4
  • KCV: 7

Qualität & Wachstum

  • Eigenkapitalquote: 25%
  • Bruttomarge: 90%
  • Nettomarge: 60%
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 1.000+ % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Zahlencheck & Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Biontechs Umsätze (in Euro) haben sich wie folgt entwickelt:

  • 2017: 0,06 Mrd.
  • 2018: 0,13 Mrd.
  • 2019: 0,11 Mrd.
  • 2020: 0,48 Mrd.
  • 2021: 19 Mrd.
  • TTM: 23 Mrd.

Die hohe Schwankungsbreite fällt direkt auf. Auf 2019 ist der Umsatz sogar leicht gesunken. Danach hat der Corona-Impfstoff die Erträge gesteigert.

Vom Umsatz bleibt der Großteil auch als Gewinn hängen. Im letzten Quartal wurden 6,4 Mrd. Euro umgesetzt, wovon 75% als operatives Ergebnis zu Buche stehen.

Außerdem spannend: Die Cash-Position.

Biontech hat mit 6,2 Mrd. Euro Cash und 12,7 Mrd. Euro an offenen Forderungen kurzfristige Liquidität von etwa 19 Mrd. Euro. Das ist etwas mehr als die Hälfte der heutigen Marktkapitalisierung, die Biontech theoretisch sofort an Aktionäre ausschütten könnte.

Der Erfolg mit dem Corona-Impfstoff

Der Gesellschaft ist Biontech vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie ein Begriff. Im Projekt Lightspeed hat Biontech sich entschlossen einen Covid-Impfstoff zu entwickeln. Die letztendlich Produktion wurde dabei von Pfizer übernommen.

Erste Tests gab es im April 2020. Im November 2020 wurde verkündet, dass der Impfstoff eine Wirksamkeit von über 95% hat. Im Dezember folgte der Antrag auf Zulassung. Seit Ende Dezember 2020 wird der Impfstoff offiziell vertrieben.

Der Großteil der Einnahmen wird über den Vertrieb von Pfizer und Fosun Pharma erzielt. Danach kommen eigene Direktverkäufe und schlussendlich die Verkäufe an Kollaborationspartner.

Wie verdient BioNTech Geld?

Schauen wir grundlegender auf das Geschäftsmodell von BioNTech und die Mechanismen, die im Biotechnologie-Bereich wirken.

Grundlegend ist das Geschäftsmodell eine Wette auf einzelne Erfolge durch Medikamente und Therapien, die die hohen Forschungsausgaben (auch von den nicht-erfolgreichen Forschungen) refinanzieren können.

Die Entwicklung solcher Medikamente und Therapien ist langwierig: Von einer anfänglichen These müssen erste Lösungen entwickelt werden, die dann wiederum getestet werden müssen. Diese Testzeiträume sollen sicherstellen, dass (a) eine Wirkung besteht und (b) keine ungewünschten Nebenwirkungen auftreten.

Je nach öffentlichem Interesse und Eindeutigkeit der Studien kann ein Medikament auf den Markt kommen und Anwendung in der Medizin finden. Durch Patente sind die Therapien und Medikamente kurz- und mittelfristig geschützt.

BioNTech hat gerade 21 mögliche neue Produkte in 16 klinischen Studien in der Pipeline.

Im Vergleich zum Vorjahr fällt auf: Es gibt einige neue Forschungen, die jetzt in der „preclinical“ Phase sind. Dazu sind einige Forschungen von der Phase 1 in Phase 2 fortgeschritten.

So sah die Pipeline vor einem Jahr aus:

Dazu kommen weitere Produkte, die noch im „Early-stage“ Bereich sind und zu denen klinische Studien starten sollen.

Für die Forschung an einem Produkt gegen Hodenkrebs hat BioNTech im Juni ’22 den PRIME-Status erhält, der eine schnellere und priorisierte Prüfung zulässt. Sie schreiben dazu:

Erster BioNTech-Produktkandidat, der von der Europäischen Arzneimittelagentur den Priority-Medicines (PRIME)-Status erhält; dies ermöglicht eine verstärkte regulatorische Unterstützung bei der klinischen Evaluierung des Zelltherapie-Kandidaten BNT211 ab der Drittlinienbehandlung von Patienten mit stark vorbehandeltem Hodenkrebs

Geschäftsmodell, Burggraben & Strategie

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir in die Zukunft. Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Falls du schon Mitglied bist, kannst du dich hier einloggen:

Tags: Biontech | Aktien: Biontech

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

Für deinen Wissensaufbau: Alle Know How Beiträge | Videokurs | Anlagestrategie in 20 Punkten

Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

Ähnliche und verwandte Beiträge:
Neueste Beiträge:
Uber Update: Kurs stagniert, Umsatz +72% – was macht der Fahrtvermittler?
Varta Crash-Update: Deutscher Batteriechampion fällt 80% – langfristige Vision intakt?
Wie ich jetzt in der Krise investiere: 5 Dos & Don’ts
BASF Aktienanalyse: Der weltgrößte Chemiekonzern steckt in der Krise
Stürzt jetzt auch Big Tech ab?
TeamViewer Aktienanalyse: Abgestürzte Tech-Hoffnung jetzt mit der Kehrtwende?
Amazon Aktienanalyse: Der nächste Tech-Gigant taumelt 40% unter Allzeithoch – wie geht’s weiter?
Alphabet Update: -7% nach Q3 ’22 Earnings – was droht dem Tech-Giganten?
Nvidia Aktienanalyse: Halbleiter- und KI-Gigant >50% unter Allzeithoch wieder attraktiv?
Netflix Update: Kurs steigt, Erwartungen übertroffen & neuer Werbezugang
Shopify Aktienanalyse: Führende E-Commerce-Plattform nach -82% endlich kaufenswert?
Deere & Company: Mit Agrarmaschinen zu einem der wichtigsten KI-Unternehmen der Welt

Auszug aus dem Manifest:

Regel #17: Wir bilden uns weiter.

Die Intuition aus dem "echten" Leben - mehr Zeit zu investieren, viel zu handeln, nur Wachstum zu suchen etc. - führt an der Börse nachweislich zu schlechten Ergebnissen. Die Historie, Finanzwissenschaft und kluge Köpfe halten viel Wissen bereit, das wir suchen und nutzen. Auch neue Technologien und Gedanken nehmen wir auf, statt in alten Denkmustern gefangen zu bleiben. Wir bilden uns nicht ein, dass wir alles wissen, sondern bilden uns weiter.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}