von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht: 20. August 2023

Ein deutsches Unternehmen kennt kaum jemand, ist aber ein wichtiger Zulieferer für große Teile der Automobilbranche, mit der diese sich für die Elektromobilität wappnet. Die Zahlen verbessern sich, die Bewertung sieht fair aus. Mehr als genug Gründe für einen genaueren Blick.

  • 💨 E-Auto Rückenwind ohne Markenwette: Gewinnt VW, Mercedes-Benz oder BMW? Oder doch Stellantis? Wer diese Frage nicht beantworten kann, Tesla zu teuer findet aber trotzdem von der Elektromobilität profitieren möchte, wird Aumann spannend finden.
  • 🔋 Zukunftsmarkt: Für nahezu alle Automobilhersteller ist die Elektromobilität die ausgemachte Zukunft. Die einzige Frage ist, wie schnell es dort hin geht. Aumann verdient zwar auch noch mit Verbrennern Geld, mittlerweile aber vor allem mit Maschinen für E-Autos.
  • 📊 Volatile Zahlen: Mal steigt der Umsatz stark, mal ist er aber auch gefallen. Die Auftragslage bei den Automobilherstellern schwankt mit der Nachfrage – und kommt bei Aumann wohl verstärkt an.
  • 📉 80% unter Allzeithoch: In 2019 erlebte die Aktie einen enormen Aufschwung. Seitdem ging es deutlich nach unten und der Chart sieht seit einem Jahr eher seitwärts aus.

Du erfährst in dieser Analyse, ob sich eine Investition lohnen könnte, ob die Aktie überbewertet ist oder man die Aktie jetzt kaufen kann, um langfristig zu profitieren. Konkret geht es um:

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell wirklich? Gibt es einen dauerhaft beständigen Burggraben?
  • Zahlencheck: Wie entwickeln sich Erträge und Profitabilität?
  • Wie sieht die Zukunft und die eigene Strategie aus?
  • Gegenüberstellung der Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken
  • Berechnung der konkreten Renditeerwartung und historischer Bewertungsvergleich

Die Analyse beruht auf aktuellsten Kennzahlen, dem Jahresbericht, der Investorenpräsentation, der letzte Earnings Call (zu dem mir kein Transkript bekannt ist, an dem ich aber selbst teilgenommen habe), Einschätzungen von Marktexperten, Aussagen der Führungsebene und mehr. Viel Spaß!

Überblick & Investment-These

Aumann wurde 1936 gegründet. Sie schreiben über sich selbst im Geschäftsbericht 2022:

Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit dem Fokus auf die Elektromobilität. Mit den deutschen Standorten in Beelen, Espelkamp und Limbach-Oberfrohna in Europa sowie der chinesischen Gesellschaft in Changzhou und einem Standort in Clayton in den USA verfügt das Unternehmen über fünf Standorte in den drei wichtigsten Märkten.

Im Kern stellen sie also Maschinen her, die mittlerweile vor allem für den Bau von Elektroautos eingesetzt werden. Partner sind viele namhafte Hersteller, vor allem die deutschen Traditionsmarken wie Volkswagen, Mercedes Benz oder BMW, aber auch Stellantis oder Bosch. Tesla ist nicht dabei.

Neben den klassischen Autosystemen gibt es auch Energiesparsysteme. Historisch steht Aumann seit Jahrzehnten für die Entwicklung von Spulenwickelmaschinen für Elektromotoren.

Der Aktienkurs über 5 Jahre sieht ernüchternd aus. Gegenüber dem Hoch aus 2018 steht der Kurs heute 75% niedriger.

Auf 1-Jahres-Sicht sehen wir ein Auf und Ab, insgesamt eher eine Seitwärtsbewegung.

Eigentümerstruktur & Management

49% der Aktien sind frei handelbar, 3% besitzt die Hansainvest und 48% die MBB SE. MBB ist eine Beteiligungsgesellschaft, die auch schon andere Unternehmen an die Börse gebracht hat und sich als langfristiger Investor versteht.

Auch die MBB SE selbst ist börsennotiert. Wer in diese investiert, investiert also auch in Aumann (neben anderen Beteiligungen).

CEO ist seit 2021 Sebastian Roll. Bezahlt werden die Vorstände sowohl fix, als auch variabel. Auch das Grundgehalt ist allerdings leicht an den Umsatz gekoppelt. Der variable Teil orientiert sich an der Umsatzrendite, wobei 2% darin die wichtigste Schwelle ist. Als weiteres Element werden Aktienoptionen vergeben.

Insgesamt gefällt mir die Koppelung an Umsatz, Profitabilität und Aktienkursentwicklung. Beim CEO war das Verhältnis von fix zu variablem Gehalt in 2021 64% zu 36% (Vergütungsbericht).

Investment-These

Aumann profitiert vom Rückenwind der Elektromobilität und unabhängig davon, welche Marke am Ende gewinnt. Die Bewertung ist etwas höher, aber fair angesichts des Wachstums, der soliden Bilanz und der steigenden Profitabilität.

Eine These steht am Anfang einer Investment-Idee. Schauen wir jetzt, ob sie aufgehen könnte.

Geschäftsmodell, Markt & Burggraben

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

Der Wandel zur Elektromobilität

In den letzten Jahren hat Aumann sich stark gewandelt: Erst war das Classic-Segment, v.a. für Verbrenner-Autos, der Fokus. Schrittweise ist aber das E-Mobility-Segment immer stärker gewachsen und macht heute den Großteil aus.

2016 kamen nur 27% der neuen Aufträge aus dem E-Mobility Segment. 2022 waren es 78%. Die Wachstumsrate in dem Zeitraum lag bei 29% pro Jahr.

Dahinter steckt der langfristige Wandel zur Elektromobilität, der sich nahezu jeder Automobilhersteller mittlerweile verschrieben hat. Aumann liefert die Maschinen dafür. Wer mehr Elektroautos bauen will, braucht also mehr Maschinen, wodurch Aumann hier vom langfristigen Trend profitiert.

Aumann selbst nennt fünf Vorteile der eigenen Positionierung:

  • Es hat eine schlüsselfertige Lösung für alle E-Mobilitätskomponenten
  • Die Elektromobilität wird weiter wachsen durch die steigende Konsumentennachfrage und den Ausbau der Kapazitäten der Automobilhersteller
  • Aumann kann auf jahrzehntelange Erfahrung und Partnerschaften zurückblicken (was potenziell das Risiko eines neu aufkommenden Disruptors senkt)
  • Aumann ist profitabel (mehr dazu gleich), wenig kapitalintensiv und hat spezialisierte Ingenieure
  • Aumann hat solide Finanzen und ausreichend überschüssiges Kapital

All diese Punkte werden wir gleich genauer prüfen.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Ein starkes Geschäftsmodell ermöglicht Wachstum, einen Burggraben und damit Differenzierbarkeit von der Konkurrenz, höhere Gewinnmargen und Preismacht.

Wie schneidet das Unternehmen in der Geschäftsmodell-Bewertung der Scorecard ab? Tiefergehende Erklärungen zu den Kriterien gibt’s hier und hier.

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Tags: Aumann | Aktien: Aumann

Disclaimer: Die Inhalte stellen keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden, die du selbst prüfen musst. Es gibt keine Garantien. Ich kann selbst in besprochene Aktien investiert sein. * Bei Partnerlinks erhalte ich ggf. eine Provision.

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #6: Wir sind geduldig.

Viele Dinge brauchen einfach Zeit. Sie lassen sich nicht übers Knie brechen. Auch Aktien können kurzfristig irrationale Richtungen einschlagen. Wer fundamentale Unterbewertungen feststellt, braucht Geduld, bis der Markt diese überhaupt erkennen kann. Ständiges Überprüfen von Aktienkursen hilft dabei nicht. Wir geben unseren Aktien Zeit um zu wachsen.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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