ASML Aktienanalyse: Die Maschinen der Halbleiterwelt – 27% unter Allzeithoch mit erster Bewährungsprobe

veröffentlicht: 8. November 2023

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von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

Halbleiter und Mikrochips sind das Herz der vernetzten Welt und Industrie. Und ASML ist das niederländische Unternehmen, das die Halbleiterindustrie und Chip-Hersteller mit Maschinen ausstattet. Über 60% Marktanteil macht es zum unangefochtenen Marktführer.

  • 💰 Hochprofitabel: Die EBIT-Marge liegt konstant über 30%, konnte über die letzten Jahre ausgebaut werden. Auch der Free Cashflow ist weiter gewachsen. Die Überschüsse werden zu großen Teilen in Dividenden und Aktienrückkäufe gesteckt.
  • 🧑‍💻 Megatrends: Der aktuelle Chipmangel zeigt, wie abhängig die Weltwirtschaft von der Halbleiterindustrie ist. Zahlreiche Megatrends werden die Nachfrage weiter befeuern.
  • 📉 Kurzfristige Herausforderungen: Das Wachstum droht kurzfristig einzubrechen. Einerseits durch die schwächelnde Weltwirtschaft, andererseits durch Exportverbote nach China. Ist die Bewertung dafür immer noch zu hoch?
  • 🇪🇺 Leader aus Europa: Viele Tech-Giganten, die monopolähnlichen Erfolg vorweisen, kommen aus den USA. ASML ist ein europäischer Champion, den viele bisher nicht kennen.

Finden wir also heraus, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Ist die ASML Aktie überbewertet? Oder kann man jetzt noch guten Gewissens ASML Aktien kaufen?

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell funktioniert und wie gut es ist, woraus der Burggraben besteht. Dazu schauen wir auf die aktuelle Strategie, wie die Chancen von dieser sind, gegen wen sich das Unternehmen behaupten muss und ob die Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht.

Überblick, Entwicklung & Zahlencheck

Das Unternehmen

ASML wurde 1984 in der Niederlande gegründet. CEO ist seit 2013 Peter Wennink. Es gilt als größter Hersteller von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie mit einem Marktanteil von über 60%, was einer Verdoppelung gegenüber 2005 entspricht. ASML beschreibt sich selbst so:

The most important tech company you’ve never heard of

  • ASML beschäftigt heute 39.000 Mitarbeiter an über 60 Standorten
  • Das letzte Kalenderjahr 2022 wurde mit über 21 Mrd. Euro Umsatz abgeschlossen
  • Allein 3,3 Mrd. Euro werden in Forschung & Entwicklung investiert

Produkt & Geschäftsmodell

Halbleiter werden mittlerweile in allen möglichen Produkten gebraucht. Unternehmen wie Intel, Samsung oder TSMC stellen diese her.

Um diese herstellen zu können werden komplexe Maschinen benötigt. Diese Maschinen liefert ASML.

Diese Maschinen sind groß, komplex und verdammt teuer. In einem Quartal werden nur etwas mehr als 100 Stück verkauft, die jeweils im Durchschnitt für zweistellige Millionenbeträge verkauft werden.

Quelle: ASML

Wer sich für den komplexen Prozess interessiert, wie Chips mithilfe der Maschinen hergestellt werden, kann sich den Prozess auf Slide 12 des Geschäftsberichts anschauen.

ASML hat Zulieferer und Forschungspartner, stellt damit selbst Maschinen her und forscht. Die Kunden sind dann IDMs, die Chips entwickeln, herstellen und vermarkten. Ggf. greifen diese auf OEMs zurück, die nur die Produktion übernehmen.

Chip-Industrie kurz erklärt

Chips bzw. Microships sind mittlerweile in jedes denkbare Gerät integriert. Alles, was irgendein Display hat oder kommuniziert, braucht sie dafür.

So ein Microchip besteht vereinfacht gesagt aus elektronischen Schaltkreisen auf einer dünnen Siliziumschicht. In der Halbleiterindustrie ist Silizium ein entscheidendes Material. Es ist ein „Halbleiter“, anders als übliche Metalle. Silizium wird aus speziellem Sand hergestellt.

Das Ziel der Industrie ist ständige Effizienzoptimierung: Mehr Leistung für weniger Geld auf weniger Platz.

Auf einem Chip in Fingernagel-Größe befinden sich Milliarden von Transistoren. Übliche Messeinheiten sind daher Nanometer. Bisher ist die kleinste Struktur auf fortgeschrittenen Chips bei 10nm. ASML will das mit der EUV (extreme ultraviolet) Technologie weiter in Richtung 2nm reduzieren, indem Chips mit extrem ultravioletten Licht beleuchtet werden. Es gilt aktuell als einziges Unternehmen mit dieser Technologie.

Es gibt Chips zweier Arten: Logic und Memory Chips. Die Logic Chips verarbeiten Prozesse und steuern Geräte, dazu gehören CPUs, GPUs oder auch NPUs. Memory Chips speichern Informationen, dazu gehören DRAM und NAND Flash.

Okay, das sollte als Hintergrundwissen reichen. Zurück zur Aktie.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich langfristig und gerade 2020 und 2021 stark entwickelt, seitdem ging es aber eher seitwärts und leicht bergab. Heute steht der Kurs 21% unter Allzeithoch, bis vor wenigen Tagen noch -27%.

Ich habe die Aktie zuletzt im März 2022 nach einem Kursrücksetzer analysiert. Mein Fazit damals:

ASML ist ein enorm starkes Qualitätsunternehmen. Es ist bestens aufgestellt um von den kommenden Megatrends zu profitieren und mit hohen Margen weiter zu wachsen.Auf der anderen Seite glaube ich, dass sich das Wachstum mittelfristig verlangsamen wird. In Kombination mit der etwas höheren Bewertung entsteht mit meinen Annahmen an eine eher überschaubare zu erwartende Rendite. Aber: Auch mit unterdurchschnittlichem Risiko.

Ich habe damals nicht investiert. Danach ist die Aktie tatsächlich erst noch 35% gefallen, ehe sie sich wieder erholt hat und heute, trotz Wachstums in der Zwischenzeit, etwa beim gleichen Kurs wie damals steht.

Zusammenfassung

ASML stellt Maschinen her, die wiederum für die Entwicklung und Produktion für Mikrochips in der Halbleiterindustrie genutzt werden. ASML sitzt in der Niederlande und hat einen monopolähnlichen Marktanteil von über 60%.

Zahlencheck & Business Breakdown

Ab in die Zahlen-Corner. Wie sieht das Geschäft zahlenseitig aus?

Ertragsentwicklung & Wachstum

Das dritte Quartal 2023 wurde gerade abgeschlossen. Der Umsatz liegt 15% über Vorjahr. Die Bruttomarge ist konstant, die Nettomarge leicht niedriger.

Was deutlich niedriger ist: Die Net bookings, also die Auftragseingänge. Diese sind mit nur 2,6 Mrd. Euro der niedrigste Wert seit langem und quasi der Vorläufer für das Umsatzwachstum der Zukunft.

Der Umsatz ist seit 2012 um durchschnittlich 14,5% pro Jahr gewachsen. Die Umsatzhistorie der letzten Jahre:

  • 2017: 9 Mrd. Euro
  • 2018: 11 Mrd. Euro (+22%)
  • 2019: 11,8 Mrd. Euro (+7%)
  • 2020: 14 Mrd. Euro (+19%)
  • 2021: 18,6 Mrd. Euro (+33%)
  • 2022: 22,1 Mrd. Euro (+19%)

Auch die Überschüsse wachsen immer weiter. Der Free Cashflow ist, wie üblich, etwas volatiler, aber steigt trotzdem im Gleichschritt mit dem operativen Ergebnis und dem Nettoergebnis. Ende 2021 war der FCF außerordentlich hoch, aktuell dafür wieder etwas niedriger.

Umsatz nach Segment & Nutzung

ASML verkauft unterschiedliche Systeme. 80% werden für Logic-, 20% für Memory-Chips verwendet. Neben den Logic- und Memory-Segmenten gibt es das „Installed Base Management“ Segment, dass das Managen und Optimieren bestehender Systeme umfasst.

Nahezu alle Maschinen werden nach Asien geliefert, der Großteil nach Taiwan (u.a. TSMC) und Südkorea (u.a. Samsung). Aber: Im letzten Quartal gingen mit 46% die meisten Maschinen nach China. Und das ist ein Problem.

Bis Ende des Jahres darf ASML noch die beste Technologie, die DUV-Lithografie-Systeme, nach China und an Chipfertiger wie SMIC verkaufen. Danach ist erstmal Schluss und es dürfen nur noch die älteren Systeme nach China verkauft werden.

Finanzchef Roger Dassen sagt, dass viele Bestellungen schon 2021 und 2022 eingingen, das Interesse anderer Käufer nun aber zurückging, während das der chinesischen Käufer eher gestiegen ist. Daher kommt es zu diesem Wandel.

Ich habe mal ein paar Zahlen überschlagsweise addiert, um den Anteil der Verkäufe an China zu schätzen:

  • 2020: 16,5%
  • 2021: 14,5%
  • 2022: 14%
  • 2023 (9M): 27%

Dieser Anteil umfasst alle Verkäufe, ich konnte nichts finden, wo es nach Systemen aufgeschlüsselt wäre. Was passiert also? Der chinesische Anteil wird vermutlich runtergehen, schätzungsweise unter das Niveau der letzten Jahre fallen. Statt die besten Systeme zu bestellen, werden einige wohl auf ältere Systeme umstellen.

ASML sollte also – Stand jetzt – nicht den kompletten Umsatz verlieren. Das könnte sich in Zukunft verschärfen. Der chinesische Anteil ist aber auch Sonderkonjunktur, die durch das kommende Verbot getrieben ist: Chinesische Kunden sichern sich noch Maschinen, so lange sie können. Auch ist der Burggraben bei den älteren Technologien und damit bei chinesischen Kunden zukünftig nicht mehr so stark.

Profitabilität

Die Bruttomarge, operative Marge und Nettomarge sind über die letzten Jahre gestiegen:

  • Bruttomarge auf 51% (∅ 46%)
  • EBIT-Marge auf 33% (∅ 28%)
  • Nettomarge auf 28% (∅ 25%)

Kapitalmanagement

ASML schüttet fleißig Geld aus. Jedes Jahr werden Aktien zurückgekauft und Dividenden ausgeschüttet. Gerade 2021 stellt nochmal einen steilen Anstieg da.

Daher ist auch die Zahl der Aktien rückläufig. Von 447 Mio. Aktien Ende 2013 existieren heute noch ~400 Mio. Jemand, der damals eine Aktie besaß, besitzt heute ca. 10% mehr am Unternehmen.

In 2023 kehrt bei der Dividende eher die Normalität zurück. Der Großteil fließt aber in Aktienrückkäufe.

Finanzielle Ziele

Der Aktienkurs hat nachgegeben, was vor allem an den vorsichtigeren Zukunftsaussichten liegt. Woher kommen die aktuellen Probleme?

Der CEO sagt: Kunden sind vorsichtiger geworden. Auch die politische Situation sollte eine Rolle spielen.

„The semiconductor industry is currently working through the bottom of the cycle and our customers expect the inflection point to be visible by the end of this year“ – CEO, Peter Wennink

Der konkrete Ausblick: Der Umsatz soll gegenüber 2023 30% höher liegen bei weiterhin etwas höherer Bruttomarge. Der im Mittel für Q4 ’23 erwartete Umsatz liegt nur 7% über dem Vorjahresquartal.

Zu den jüngsten Ergebnissen sagt CEO Peter Wennink, dass man nun vorsichtiger auf 2024 schaut, der Umsatz ähnlich bleiben wird, ab 2025 wird dann aber wieder mit Wachstum gerechnet.

„Based on our current perspective, we take a more conservative view [on 2024] and expect a revenue number similar to 2023. But we also look at 2024 as an important year to prepare for significant growth that we expect for 2025.“ – CEO, Peter Wennink

In der Ergebnispräsentation Q3 ’23 heißt es:

Based on different market scenarios as presented during our Investor Day in November 2022, we modeled an opportunity to reach annual revenue in 2025 between approximately €30 billion and €40 billion, with a gross margin between approximately 54% and 56% and in 2030 an annual revenue between approximately €44 billion and €60 billion, with a gross margin between approximately 56% and 60%

ASML hat 2021 auch einen mittel- und langfristigen Ausblick gegeben:

Für 2025 glaubt ASML 24 Mrd. (pessimistisch) oder 30 Mrd. Euro (optimistisch) Umsatz erzielen zu können bei einer leicht gestiegenen Bruttomarge von 54 – 56%. Heute liegt der Umsatz bei fast 27 Mrd. Euro, das Ziel ist also schon vorzeitig erreicht. Die Bruttomarge liegt noch bei 51%.

Für 2020 bis 2030 erwartet ASML eine jährliche Wachstumsrate von 11% pro Jahr.

Factsheet

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz ‚e‘ = erwartet, ‚YoY‘ = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: Niederlande 🇳🇱
  • Branche: Halbleiter
  • Marktkapitalisierung: 233 Mrd. EUR
  • Enterprise Value: 233 Mrd. EUR

Erträge

  • Umsatz: 26,8 Mrd. EUR
  • EBIT: 8,8 Mrd. EUR
  • Ergebnis: 6 Mrd. EUR
  • Free Cashflow: 5,6 Mrd. EUR

Bewertung

  • KUV: 8,7
  • KGV: 31
  • KGVe: 30
  • EV-FCF-V: 42

Qualität & Wachstum

  • Bruttomarge: 51% (∅ 46%)
  • Operative Marge: 33% (∅ 28%)
  • Nettomarge: 28% (∅ 25%)
  • Umsatzwachstum: 36% TTM, 15% YoY, langfristig ∅ 14,5%

Geschäftsmodell, Burggraben & Strategie

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht. Außerdem: Wie sieht die Strategie aus? Wie ist die Konkurrenzsituation und der eigene Burggraben gegenüber der Konkurrenz? Welche Wachstumsperspektiven gibt es?

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Tags: ASML | Aktien: ASML

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Ich bin Jannes, Jahrgang 1993 und Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse. Damals habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin nun seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche aktiv, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher Investieren, Technologie und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch aus der Praxis. Die Erkenntnisse daraus teile ich hier.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #19: Wir bleiben.

Aktienkäufe werden auch mal schief gehen und Aktienmärkte werden auch mal fallen. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir rechnen damit. Wir können nachkaufen. Wir können auch nichts tun. Aber: Wir bleiben dabei. 

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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