von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 9. August 2020

In einer digitalisierten und technologisierten Welt würde nichts ohne Computer und die darin verbauten Chips funktionieren.

als auch sind in genau diesem Markt aktiv und sehr bekannt. Nun hat die AMD-Aktie zuletzt aufgrund einer positiven Gewinnüberraschung einen Sprung nach oben gemacht, während Intel die Erwartungen verfehlt hat.

Was steckt also hinter AMD? Ist AMD auf dem Weg, Intel als bisherigem Marktführer Konkurrenz zu machen?

Ich schaue mir die AMD-Aktie genauer an und möchte herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Unter anderem erfährst du in der AMD Aktienanalyse:

  • Wie gut steht das Unternehmen wirtschaftlich aktuell da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell und was macht es so stark?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Scorecard: Ist die AMD Aktie aktuell kaufenswert?

Tipp: Am Ende gibt's die neue Bewertung sowie die neue StrategyInvest Scorecard zu AMD.

More...

1. Was macht das Unternehmen überhaupt?

Überblick

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Hard Facts

AMD ist ein US-amerikanischer Chip-Entwickler, der bereits 1969 gegründet wurde. Seit 2014 ist Lisa Su die CEO. Seit 2017 ist AMD im S&P500.

Geschäftsmodell

AMD produziert allerlei Chips für unterschiedliche Computer: Mikroprozessoren, Grafikchips und andere Lösungen für Computer und Kommunikationstechnologien. Dabei stellt AMD die Chips nicht selbst her, sondern entwickelt diese und lässt sie dann von Dritten fertigen.

Damit sind Konkurrenten unter anderem Intel und .

Größe & Kennzahlen

AMD hat in den letzten Jahren einiges durchgemacht: Der Umsatz lag schon höher als heute, das Nettoergebnis ist stark geschwankt und 2014 war sogar eine Insolvenz im Gespräch.

Heute steht AMD aber sehr solide da: AMD erzielt heute etwa 7 Mrd. US-Dollar Umsatz und ist dabei profitabel. Über die letzten 12 Monate liegt das Nettoergebnis bei knapp 0,8 Mrd. USD.

2. Fakten und Kennzahlen zur Aktie

Factsheet

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Das Factsheet zur Aktie:

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Marktkapitalisierung: 92 Mrd. USD
  • Umsatz: 7,3 Mrd. USD
  • Gewinn: 0,5 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 0,4 Mrd. USD
  • Land: USA
  • Branche: Chip-Entwicklung

Bewertung

  • KUV: 12
  • KGV: 147
  • KGVe: 70
  • KCV: 105
  • PEG-Ratio: 2

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 27 %
  • Bruttomarge: 44 %
  • Nettomarge: 8 %
  • Gewinnwachstum (letzte 2 Jahre): 20 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 16 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

3. Business Breakdown: Geschäftsmodell von AMD analysiert

Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Entwicklung

Die folgende Grafik zeigt die Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Entwicklung. Beachte dabei, dass der letzte Punkt (TTM) die letzten 12 Monate darstellt und sich daher naturgemäß dicht am letzten Jahr befindet.

Mechanismen des Geschäftsmodells

AMD unterteilt das eigene Geschäft in zwei Segmente:

  1. Computing & Graphics (ca. 75 % der Umsätze): GPUs (Radeon), CPUs (Ryzen) und APUs. GPUs sind Prozessoren, die vor allem der Grafikverarbeitung dienen, während CPUs allgemeinere Prozessoren darstellen. APUs sind Chips, die sowohl GPU als auch CPU vereinen.
  2. The Enterprise, Embedded and Semi-Custom Markets (ca. 25 % der Umsätze): EPYC-Chips, die v.a. bei Servern eingesetzt werden, aber auch Chips für Telekommunikation, VR-Brillen und andere spezialisierte Anwendungsfälle fallen in dieses Segment.

AMD liefert Chips für viele Computer, die wiederum in klassichen PCs, Spielekonsolen ( PlayStation, Xbox,...), Servern etc. eingebaut werden. AMD liefert Rechenpower, die diese Produkte ermöglicht und u.a. auch beim Mining von Bitcoins, wo viel Rechenkraft nötig ist, populär wurde.

Ein wichtiger Unterschied zu Konkurrent Intel: Intel hat die Chip-Produktion vertikal ins Unternehmen integriert, während AMD die Produktion outsourct ("fabless").

Schauen wir einmal auf die Zahlen dahinter:

Umsätze nach Segment bis Q2 2020

Das erste Segment (Computing and Graphics) macht sowohl im Umsatz, als auch im operativen Gewinn, den überwiegenden Teil aus. Auch das Wachstum war dort zuletzt deutlich stärker.

Ein Blick auf den Markt der Chiphersteller

In naher Zukunft werde ich spezielle Märkte, wie auch die Chip-Herstellung, noch genauer in einer gesonderten Analyse unter die Lupe nehmen.

Um dir aber hier aber ein besseres Verständnis des Marktes zu geben, möchte ich kurz auf die Größenverhältnisse eingehen.

Die größten Unternehmen im Markt sind Intel, Nvidia und AMD. Alle sind im GPU-Segment unterwegs, allerdings nur AMD und Intel im CPU-Segment.

Hier habe ich einmal diese drei Unternehmen in den wichtigsten Kennzahlen verglichen.

TTM | in USD

Intel

Nvidia

AMD

Börsenwert

203 Mrd.

260 Mrd.

92 Mrd.

Umsatz

79 Mrd.

11,8 Mrd.

7,3 Mrd.

Operativer Gewinn

26,3 Mrd.

3,5 Mrd.

0,8 Mrd.

Nettogewinn

24 Mrd.

3,3 Mrd.

0,5 Mrd.

Free Cashflow

21,9 Mrd.

4,4 Mrd.

0,4 Mrd.

Umsatzwachstum

7 %

16 %

16 %

Gewinnwachstum

27 %

19 %

20 %

KUV

2,7

22

12

KGV

9

78

147

Bruttomarge

58 %

63 %

44 %

Nettomarge

23 %

28 %

8 %

Im Branchenvergleich der Fortune Liste der meist bewundertsten Unternehmen 2020 liegt Nvidia auf Platz 1, Taiwan Semiconductors auf Platz 2, Intel auf Platz 3 und AMD auf Platz 4. AMD schneidet vor allem beim Management, der Qualität und der Innovation sehr gut ab, in den Bereichen Finanzielle Gesundheit und Langfristiger Investment-Wert eher schlecht.

Auch zahlreiche Testberichte und Vergleiche heben vor allem das bessere Preis-Leistung-Verhältnis hervor, das AMD zurzeit bietet. In der absoluten Leistung liegt - je nach Anwendungsgebiet (bspw. Videoschnitt, Gaming,...) - mal AMD, mal Intel vorne.

Auffällig ist: Intel hat im Vergleich zu Nvidia und AMD eine um ein Vielfaches günstigere Bewertung. Es ist die Value-Aktie in der Branche, Nvidia & AMD die Growth-Aktien.

AMD hat zuletzt Marktanteile im Bereich der Grafikprozessoren (GPUs) gewonnen:

Auch im CPU-Bereich hat AMD nach einer jahrelangen Dominanz von Intel Marktanteile erobern können:

4. Strategie: Das sind die Wachstumspläne

Strategie

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Einen guten Überblick liefert die aktuelle Präsentation (Q2 2020) für Investoren. Darin ist aufgegliedert, wie AMDs Produktportfolio aufgestellt ist, wie die kurzfristige Produkt-Roadmap und die langfristigen Ziele aussehen.

Die Hinweise, dass man sich selbst und die eigenen Produkte fast überall als branchenführend ansieht, sollte man natürlich etwas vorsichtig sehen. 😉

AMD plant Investitionen in vier Bereichen: CPUs und GPUs, fortgeschrittene Technologien, Datencenter und PC / Gaming.

Die Strategie teilt sich in drei Bereiche auf: Graphics, Compute und Solutions.

Vieles davon haben wir bereits zusammengefasst angeschaut, ist aber in der Investorenpräsentation detaillierter aufgegliedert.

Außerdem gibt AMD einen interessanten Ausblick darauf, die sich die KPIs langfristig (ohne Angabe einer konkreten Zeitspanne) entwickeln sollen.

Dabei soll das Umsatzwachstum bei ca. 20 % liegen, die Bruttomarge bei > 50 %, die operative Marge bei ca. 25 % und die Free Cashflow Marge bei > 15 %.

Diese Zahlen werden wir nachher im Rahmen der Aktienbewertung verwenden, um unterschiedliche Szenarien für den fairen Wert zu kalkulieren.

5. SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert

SWOT-Analyse

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet AKTIE aktuell aus?

Hervorragendes Management

2014 war AMD in der Krise. Mit dem Amtsantritt von Lisa Su als CEO hat das Unternehmen eine Kehrtwende hingelegt. Seitdem hat Su einige Auszeichnungen bekommen als eine der weltweit besten Führungskräfte.

Positive Entwicklung über die letzten Jahre

In den letzten Jahren hat AMD eine positive Entwicklung hingelegt: Die Umsätze sind gewachsen, das Unternehmen ist mittlerweile wieder profitabel und die Schulden wurden reduziert. 

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Schauen wir auf die Schwachstellen des Unternehmens.

Volatile Historie

AMDs Vergangenheit ist von schwankenden Umsätzen, aber vor allem von stark schwankenden Ergebnissen geprägt. Hier ist die Zeit von 2003 bis 2016 visualisiert:

Möglicherweise steuert AMD auf eine ruhigere und konstant positivere Zukunft zu. Möglicherweise deutet diese Volatilität im Geschäftsmodell aber auch darauf hin, dass der Markt stark umkämpft ist und AMD bisher über die letzten 15 Jahren nie eine Position inne hatte, die einem nachhaltigen Burggraben entspricht.

Fehlender Burggraben

Daran knüpft eine Beobachtung an: Ich sehe aktuell bei AMD keinen starken Burggraben. Weder sehe ich ihn in den Zahlen der Vergangenheit, noch heute. Das kann zwei Gründe haben: Entweder liegt es daran, dass 1. ich die technischen Aspekte des Marktes zu wenig verstehe oder 2. dass es tatsächlich keinen gibt.

Der größte Vorteil von AMD scheint in einigen Segmenten die Leistungsfähigkeit, meistens aber das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis zu sein, nicht eine technologische Überlegenheit (bspw. wie bei Teslas Elektromobilität gegenüber Verbrennern), die für die finanzstarken Konkurrenten wie Intel oder Nvidia nicht zu erreichen wäre.

Ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis wäre für mich nur dann ein Burggraben, wenn ein Unternehmen - bspw. durch technologische Überlegenheit oder Skaleneffekte - dauerhaft niedrigere Produktionskosten hat und dadurch bei niedrigeren Preisen ähnlich hohe Gewinnmargen wie die Konkurrenz erzielt. Die Zahlen zeigen aber, dass AMD eine um 20 Prozentpunkte niedrigere Bruttomarge als Intel und Nvidia hat. AMD erzielt das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis also zulaste der Gewinnmargen.

Was passiert aber, wenn Intel und Nvidia auch ihre Gewinnmargen auf das Niveau von AMD senken? Oder was passiert, wenn AMD die Preise erhöhen will, um profitabler zu werden? Das sind Szenarien, in denen ich nicht sehe, wie AMDs heutiges Wachstum auf dem gleichen Niveau fortgesetzt werden soll.

Anders gesagt: AMDs Vorteile sind aktuell in einigen Segmenten die Qualität, die Schwäche der Konkurrenz (v.a. Intel) und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich vermisse dabei aber den Burggraben, der das Wachstum auch bei eigenen Preiserhöhungen oder bei Preissenkungen der Konkurrenz dauerhaft verteidigt.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

Wachstumsmarkt (IoT, KI, Cloud, Gaming,...)

Überall brauchen wir heute und in Zukunft Chips. Nahezu alle aufstrebenden Märkte ganz besonders: Internet of Things (also das Verknüpfen von Maschinen mit dem Internet), Rechenkraft für künstliche Intelligenzen, Cloud Computing oder die gesamte Gaming-Branche.

Das Risiko, dass Chips nicht mehr gebraucht werden, geht gegen Null. Der Markt wird weiter wachsen. Das heißt natürlich nicht, dass AMD zwangsweise wächst, aber AMD ist in jedem Fall in einem der Zukunftsmärkte unterwegs. Es ist dabei die "Schaufel im Goldrausch".

Steigern der Gewinnmarge

AMD selbst peilt in den nächsten Jahren eine Nettomarge von 20 % an. Wenn das so kommt, wird das den Gewinn signifikant erhöhen. Aber: Das ist bei der aktuellen Bewertung auch zwingend notwendig.

Gewinn von Marktanteilen

Eine offensichtliche Chance besteht im Erobern weiterer Marktanteile, wie AMD es über die letzten Jahre erfolgreich geschafft hat. Dadurch kann AMD in einem wachsenden Markt überproportional gewinnen. Das hängt auch stark davon ab, wie sich die Konkurrenz - vor allem Intel und Nvidia - entwickeln werden und wie gut die jeweiligen Unternehmen operativ in den nächsten Jahren abliefern.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

Wie lange gilt Moores Law?

Das Mooresche Gesetz ("Moores Law") besagt (sehr vereinfacht), dass sich die Leistungsfähigkeit "integrierter Schaltkreise" alle 12 bis 24 Monate verdoppelt.

Es stellt letztendlich die Grundlage dafür da, dass bspw. Computer und deren Bestandteile immer kleiner, leistungsstärker und günstiger werden. Wo selbst vor 10 - 15 Jahren noch MP3-Player mit 512MB modern wirkten, denkt heute niemand mehr in solchen Dimensionen.

Dabei wird immer wieder diskutiert, wo und wann die physikalischen Grenzen dieses Zusammenhangs erreicht sind (Quelle: Wikpedia):

"Auf Intels Entwicklerforum (IDF) im Herbst 2007 sagte Moore das Ende seines Gesetzes voraus: Es werde wahrscheinlich noch 10 bis 15 Jahre Bestand haben, bis eine fundamentale Grenze erreicht sei. Allerdings prognostizierte Pat Gelsinger, Chef der Digital-Enterprise-Sparte von Intel, bereits ein halbes Jahr später, dass das mooresche Gesetz noch bis 2029 Gültigkeit behalten würde."

Wenn selbst Ingenieure und die größten Experten sich dabei nicht einig sind, müssen wir uns an keine Prognose wagen. Klar ist aber: Je dichter wir an die physikalischen Grenzen kommen, desto schwieriger wird es, die neuen Innovationen auf altbekannte Weise zu liefern. Noch scheint dieses Szenario nicht anzustehen, es ist aber auf lange Sicht eine Unsicherheit.

Konkurrenz

Ich habe dir die Konkurrenz-Situation gezeigt: Intel ist deutlich größer, erzielt hohe Gewinne und ist weltweit das Unternehmen mit der höchsten Anzahl an Patenten. Nvidia ist ebenfalls größer, profitabel und auf gleichem Niveau wachsend wie AMD. Auch andere Unternehmen aus dem asiatischen Raum, wie bspw. Taiwan Semiconducturs, sind Konkurrenten.

Aktuell hat AMD Rückenwind, gute Produkte und eine anerkannte Qualität. Die Konkurrenz schwächelt teilweise, ist aber stark aufgestellt, um den Trend wieder umzukehren.

Anknüpfend an die Schwäche des aus meiner Sicht fehlenden Burggrabens ist hier die Frage: Was hält bspw. Intel, mit einem Nettogewinn und freiem Cashflow von über 20 Mrd. US-Dollar pro Jahr (!), was etwa dem 3-fachen der Umsätze von AMD entspricht, davon ab, durch Investitionen, Produktinnovationen oder Preissenkungen den aktuellen Trend umzukehren?

Fazit: Aktie kaufen? Pro & Contra

Fazit

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Aktienbewertung der AMD-Aktie: Wo liegt der faire Wert?

Die 3 Einflussgrößen, zu denen ich Annahmen treffe, sind (a) das Umsatzwachstum über die Jahre 1 - 5 und die Jahre 6 - 10, (b) die mögliche Nettogewinnmarge in 10 Jahren und (c) das Bewertungsniveau (KGV) in 10 Jahren. Ausführlichere Erklärung zur Emittlung des fairen Werts findest du hier.

Alle Annahmen und Ergebnisse kannst du dem gleich folgenden Diagramm entnehmen. Ich möchte kurz erklären, wie ich zu den Zahlen im von mir erwarteten Szenario gekommen bin.

Umsatzwachstum: Ich rechne im erwarteten Szenario mit 17 % in den Jahren 1 - 5, was leicht über dem Umsatzwachstum der letzten 3 Jahre liegt, den aktuell gestiegenen Trend aber berücksichtigt. Im Vergleich zur eigenen längerfristigen Historie wäre dieses Wachstum recht hoch. Für die folgenden fünf Jahre habe ich 13 % pro Jahr angenommen, also leicht niedriger.

Nettomarge: AMD liegt heute bei nur 8 %. Hier gehe ich von 16 % aus. Intel liegt bei 23 % und Nvidia bei 28 %. Aber: 1. Diese sind größer, haben dadurch Skaleneffekte. 2. Beide haben deutlich höhere Bruttomargen, die auch höhere Nettomargen zulassen. 3. AMD peilt selbst eine operative Marge im Mitte 20er Bereich an. Die Nettomarge liegt historisch etwa 3 - 5 % darunter und ich vermute, dass das Ziel eher optimistisch gewählt wurde. Deshalb gehe ich insgesamt davon aus, dass die Nettomarge von AMD steigen wird, aber nicht ganz auf das Niveau von Intel oder Nvidia heute.

Bewertung (KGV): Diese Kennzahl ist die am schwierigsten zu schätzende, da die Bewertungen im Markt immens auseinandergehen. Intel ist aktuell mit einem KGV von nur 9 bewertet, Nvidia mit 78 und AMD mit 149. Wenn das Wachstum und die Nettomarge erzielt wird, halte ich langfristig ein KGV von 22 gerechtfertigt. Das könnte niedrig erscheinen, da AMD und Nvidia heute deutlich höher bewertet sind, halte ich bei den Wachstumsraten und Gewinnmargen allerdings für fair. Ich habe die Spanne vom pessimistischen (KGV = 10) bis zum optimistischen Fall (KGV = 35) außerdem bewusst größer gewählt, auch wenn mit Sicherheit auch noch stärkere Ausschläge möglich sind.

Das sind die Ergebnisse der fünf Szenarien:

Nach meinen Annahmen ergibt sich aktuell eine Überbewertung von 47 %. Im eher optimistischen Szenario ist die Aktie leicht unterbewertet (ca. 20 %). Nur im optimistischen Szenario mit einem Umsatzwachstum von 23 % (Jahr 1 - 5) und 17 % (Jahr 6 - 10), einer Nettomarge von 23 % und einem KGV von 35 ergibt sich eine stärkere Unterbewertung und ein Kurspotential von 84 %. Insgesamt überwiegt - basierend auf meinen Annahmen - die Überbewertung.

Pro

  • Starker Wachstumsmarkt
  • Gutes Management
  • Positives Momentum nach Übertreffen der Gewinnerwartungen
  • In Kernbereichen (Qualität & Innovation) gute Bewertung von Brancheninsidern

Contra

  • Hohe Bewertung, auch im Branchenvergleich
  • Historisch starke Schwankungen im Aktienkurs und den Erträgen
  • In meinen Augen kein starker Burggraben
  • Konkurrenzkampf mit Nvidia, Intel und anderen Entwicklern und Herstellern

Fazit

Für mich ist AMD aktuell kein Investment. Ich setze hier eher auf die Value-Aktie Intel. Der Markt ist spannend, AMD ein gutes und hervorragend gemanagtes Unternehmen. Mir fehlt allerdings der Burggraben (oder das technische Detailwissen, um diesen zu erkennen) bei der aktuell hohen Bewertung und der finanzkräftigen Konkurrenz.

Tags: AMD | Aktien: AMD

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #4: Wir legen mittel- und langfristig an.

Die Finanzwissenschaft weiß längst: Je mehr getradet und je öfter ins Depot geschaut wird, desto schlechter die Rendite. Market Timing, also Einschätzen kurzfristiger Marktbewegungen, funktioniert nicht und richtet mehr Schaden als Nutzen an.Langfristig anlegen ist erfolgversprechender und entspannter. Und: Es ist der einzige Anlagehorizont, der logisch zu einer fundamentalen Bewertung, an die sich der Aktienkurs mit der Zeit im Optimalfall annähert, passt.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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