von Jannes Lorenzen 

12. Juli 2020

Die Suchmaschine, Google Maps, Gmail, Android als Marktführer bei Smartphone Betriebssystemen, YouTube und mehr - Alphabet hat viele Dienste und Produkte gebündelt, die wir tagtäglich nutzen. Es gibt aber auch starke Produkte, die weniger bekannt sind.

Dazu ist Alphabet mit einem Börsenwert von über 1 Bio. US-Dollar der viertgrößte Konzern der Welt - und wächst trotzdem aktuell mit über 20% pro Jahr im Umsatz. Auch in der Liste der meist bewundertsten Unternehmen der Welt landet Alphabet 2020 auf Platz 7 und war auch in den letzten Jahren Stammgast darin.

Grund genug, dass wir uns Alphabet genauer anschauen und herausfinden, ob die Aktie aktuell kaufenswert ist. Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • wie abhängig der Mutterkonzern Alphabet von Google noch ist
  • woher die Umsätze und Gewinne von Google kommen
  • wie groß Alphabets Burggraben ist und welche Risiken es gibt
  • wie teuer oder günstig die Aktie von Alphabet aktuell in Anbetracht der Erlöse wirklich bewertet ist
  • ob ich aktuell Alphabet-Aktien kaufe oder halte

More...

Tipp: Am Ende bekommst du die Erkenntnisse der Analyse – das Factsheet, Geschäftsmodell, Strategie, SWOT-Analyse und Bewertung – anschaulich als Infografik zusammengefasst.

1. Was macht Alphabet überhaupt?

Überblick

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Hard Facts

Alphabet hieß bis 2015 nur Google und ist jetzt der Mutterkonzern, der Google und weitere Unternehmen umfasst. Google wurde 1998 von Larry Page und Sergey Brin gegründet und hat den Ursprung in der weltweit bekannten und genutzten Suchmaschine.

Alphabet hat übrigens zwei Aktien: Die A-Aktien (mit Stimmrechten, ähnlich einer Stammaktie in Deutschland) und die C-Aktien (ohne Stimmrechte, ähnlich einer Vorzugsaktie in Deutschland).

Geschäftsmodell

Die Brancheneinordnung von Wikipedia zeigt bereits, wie divers das Geschäftsmodell aufgestellt ist: "Internetdienstleistungen und -handel, Werbung, Softwareentwicklung, Gesundheit, Biotechnologie, Investment, Technologie". Der Großteil der Umsätze kommt von Google und aus dem Geschäft mit Werbeumsätzen, wie wir gleich noch sehen werden.

Größe & Kennzahlen

Alphabet ist aktuell 1,05 Bio. US-Dollar wert und damit auf Platz 4 der wertvollsten Aktienunternehmen der Welt. Der Jahresumsatz lag 2019 zuletzt bei 162 Mrd. USD bei einem Gewinn von 34 Mrd. USD.

2. Fakten und Kennzahlen zur Aktie

Factsheet

Der Aktienkurs hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt:

Das Factsheet zur Aktie:

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet.

Die Eckdaten

  • Marktkapitalisierung: 1,05 Bio. USD
  • Umsatz: 167 Mrd. USD
  • Gewinn: 35 Mrd. USD
  • Free Cashflow: 29 Mrd. USD
  • Land: USA

Bewertung

  • KUV: 6,4
  • KGV: 31
  • KGVe: 37
  • KCV: 20
  • PEG-Ratio: 2,7

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 8 %
  • Bruttomarge: 55 %
  • Nettomarge: 21 %
  • Gewinnwachstum (letzte 3 Jahre): 21 % p.a.
  • Umsatzwachstum (letzte 3 Jahre): 21 % p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

3. Business Breakdown: Geschäftsmodell von Alphabet analysiert

Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Umsatz- und Gewinnentwicklung von Alphabet

Die folgende Grafik zeigt die Umsatz-, Gewinn- und Cashflow-Entwicklung. Beachte dabei, dass der letzte Punkt (TTM) die letzten 12 Monate darstellt und sich daher naturgemäß dicht am letzten Jahr befindet.

Woher kommen die Umsätze?

Etwa 83 % der Umsätze von Alphabet stammen aus digitalen Werbeumsätzen über die Suchmaschine, das Display-Netzwerk (bspw. Bannerwerbung auf Webseiten), YouTube, Gmail, Google Maps und im Google Play Store.

Knapp 11 % entfallen auf andere Google Dienste. Dazu gehören u.a. der Google Play Store (der App Store bei Android Smartphones), Hardware wie Smartphones (Google Pixel) und Laptops (Pixelbook) und Dienste wie YouTube Premium.

Knapp 6 % der Umsätze entfallen auf die Google Cloud. Dazu gehört die Google Cloud Plattform, die eine Infrastruktur für Daten und Analysen liefert, die G Suite mit den dazugehörigen Produktivitätstools (bspw. GDrive) für Unternehmen.

Außerdem gibt es das Segment "Other Bets", in dem Alphabet neue Geschäftsmodelle, wie u.a. autonomes Fahren oder Lieferungen per Drohnen, ausprobiert. Darüber kommen aber noch keine nennenswerten Umsätze.

Quelle der Grafik: Visual Capitalist

Wir sehen also: Google ist noch stark abhängig von den Werbeumsätzen. Schauen wir uns die Umsätze noch einmal über den Zeitverlauf an, sehen wir, dass in absoluten Zahlen speziell das Wachstum der Google-Suche dominiert.

Schauen wir einmal auf die prozentuale Zusammenstellung dieser Umsätze. Dort sehen wir, dass die Suche trotz des absoluten Wachstums relativ gesehen einen minimal geringeren Anteil ausmacht. Die YouTube Werbeerlöse sind das einzige Werbe-Segment, dessen Anteil größer wurde. Daneben konnte auch die Google Cloud leicht gewinnen.

Mechanismen des Geschäftsmodells

Halten wir fest: Der Großteil der Umsätze stammt aktuell aus Werbeerlösen.

Segmente wie Google Cloud sind ebenfalls spannend, wachsend (zuletzt +70 % auf Jahresbasis) und vermutlich sehr profitabel (ähnlich wie bei Amazon oder Microsoft), aber im Vergleich noch wenig ausschlaggebend. Google ist hier nach den beiden genannten Konkurrenten auf Platz 3.

Was bestimmt also den Großteil der Umsätze von Alphabet, um herauszufinden, welche Chancen und Risiken damit einhergehen?

Die Google Suche, mit über 60 % immer noch der Umsatztreiber für Alphabet, funktioniert im Inneren hochkomplex, nach außen aber simpel:

Die Suchergebnisse bei Google sind in einen organischen Teil und einen bezahlten Teil geteilt. Advertiser können auf bestimmte Suchbegriffe bieten und damit ihre Anzeigen über dem organischen Teil platzieren. Das geschieht in einem Auktionsverfahren, sodass nur die meistbietenden Unternehmen dort angezeigt werden. Auch demografische Kriterien, wie bspw. das Alter oder der Ort, von dem aus gegooglet wird, spielen dabei eine Rolle.

Sucht also Jürgen aus Regensburg nach "Friseur", bekommt er Ergebnisse aus Regensburg und Friseure haben die Möglichkeit, durch ihre Gebote ganz oben aufzutauchen und Jürgen als Kunden zu gewinnen.

Google ist damit ein perfekter Aggregator: Es bündelt auf der einen Seite das Angebot - quasi alle Webseiten des Internets in einer Rangliste - und auf der anderen Seite die Nachfrage in Form von Suchanfragen.

Die Werbeanzeigen bei YouTube sind Clips und Platzierungen, die vor, während und neben dem angeschauten Video stattfinden. Diese werden ebenfalls basierend auf Suchbegriffen und noch stärker auch basierend auf demografischen Merkmalen und Interessen ausgepielt.

Die "Google Network Member Ads" sind vor allem Bannerwerbungen, die auf Webseiten von Dritten eingebunden sind. Hier dominiert die Ausspielung nach Demografie und Interessen.

Diese Unterscheidung zwischen (1) suchbasierter Werbung und (2) personenbasierter Werbung ist wichtig, um das Geschäftsmodell zu verstehen.

Die Umsatzgleichung bei Google

Welche Faktoren bestimmen nun die Erlöse der Werbeumsätze?

Um das zu verstehen, hilft es auf ein Unternehmen zu schauen, das fast ausschließlich Werbung nach Prinzip 2, also personen-, demografie- und interessensorientiert, ausspielt: Facebook. Dort gibt es kaum Werbung, die basierend auf einem Suchbegriff ausgespielt wird.

In der Facebook Aktienanalyse habe ich folgende Umsatzgleichung aufgestellt:

Umsatz = [Anzahl der Nutzer] x [Aktivität der Nutzer] x [Frequenz der Werbeanzeigen] x [Kosten je Werbeeinblendung]

Dieses Prinzip lässt sich generell auf Werbung nach Prinzip 2, also hier auf YouTube und das "Google Network Member", übertragen. Google kann durch mehr Nutzer, eine höhere Aktivität der Nutzer, eine höhere Frequenz der Werbeeinblendungen oder eine genauere Ausspielmöglichkeit (die zu höheren Umsätzen je Werbeanzeige führt) die Umsätze steigern.

Aber wie sieht es bei Prinzip 1, der suchbasierten Werbung, aus?

Die Umsatzgleichung ist prinzipiell die gleiche, der Hebel über den letzten Faktor aber deutlich geringer als in Prinzip 2.

Facebook hat alle vier Faktoren in den letzten Jahren stark gesteigert. Der letzte Faktor, die genauere Ausspielung der Werbung durch enorm exakte Kenntnisse über einzelne Nutzer (die immer wieder den Verdacht schürt, Facebook würde jemanden abhören), war ein großer Hebel.

Die Google Suche basiert aber nur zu einem kleinen Anteil auf den Interessen des Nutzers. Diese sind weniger relevant, wenn "Friseur", "Griechenland Urlaub" oder "Bester Mail Anbieter" gesucht wird. Bedeutet gleichzeitig: Es ist bei der Suche kaum ein Hebel.

Das bedeutet nicht, dass der Umsatz je Werbeanzeige nicht steigen kann. Auch Google hat dafür Hebel entwickelt, bspw. eine bessere automatische Synonymerkennung, künstliche Intelligenz beim Bieten oder auch eine Zunahme der Unternehmen, die online über Google werben, erhöhen natürgemäß bei einer Auktion die Preise.

Um das mit Zahlen zu füttern: Im Jahresvergleich ist die Anzahl der bezahlten Klicks 2018 um +62 %, 2019 um +23 % gestiegen. Der Preis pro Klick ist 2018 um - 25 % gefallen, 2019 um - 7 %. Als Grund nennt Alphabet dafür in der wechselseitigen Abhängigkeit: Da man vor allem die Werbung auf YouTube ausgedehnt hat, wurden die Klickpreise geringer.

Außerdem denke ich, dass die Frequenz der Suchen pro Nutzer nur wenig beeinflusst werden kann. Sie kann erhöht werden, indem es Nutzern noch einfacher gemacht wird zu suchen (bspw. durch entsprechende Einbindungen auf dem Smartphone), hier sehe ich aber keinen großen Hebel.

Das heißt, das im Wesentlichen die folgende Umsatzgleichung bleibt:

Umsatz = [Anzahl der Nutzer] x [Frequenz der Werbeanzeigen]

Gleich gehe ich noch genauer darauf ein, wie sich aus dieser Umsatzgleichung Stärken, aber auch Schwächen für Alphabet ergeben.

4. Strategie: Das sind die Wachstumspläne von Alphabet

Strategie

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Im aktuellsten Geschäftsbericht werden einige Punkte hervorgestellt:

  • Access and technology for everyone
  • "Moonshots", um zukünftige Trends nicht zu verpassen: "We continue to look toward the future and continue to invest for the long-term. As we said in the original founders’ letter, we will not shy away from high-risk, high-reward projects that we believe in because they are the key to our long-term success."
  • The power of machine learning: "Across the company, machine learning and AI are increasingly driving many of our latest innovations."

Außerdem werden einige der Ziele vorgestellt, die speziell auf die Google Produkte - den Großteil des Konzerns - bezogen sind:

  • Noch bessere Wege entwickeln, mit denen Menschen weltweit die besten Inhalte finden können.
  • Das Fundament der Digitalwelt, die Plattformen und Hardware, auszubauen. Das bedeutet u.a., dass weiter stark in Android, Google Chrome etc. und die Kombination aus Hardware mit Software, vor allem künstlicher Intelligenz, investiert wird.
  • Datensicherheit: "Key to building helpful products for users is our commitment to keeping their data safe online."
  • Weiteres Investieren in die Google Cloud, die Unternehmen zur Verfügung steht, also Infrastruktur, Sicherheit, Datenmanagement, Analytics und Künstliche Intelligenz. Auch die G Suite und die zugehörigen Produktivitätstools (ähnlich wie Microsoft Office) gehören dazu.

Unterm Strich nichts revolutionäres, sondern vor allem ein Fortsetzen der aktuellen Richtung. Vor allem wird aber auch betont, größere langfristige Investitionen abseits der Werbeumsätze zu planen, was zeigt, dass Alphabet sich breiter aufstellen möchte.

5. SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken von Alphabet analysiert

SWOT-Analyse

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet Alphabet aktuell aus?

Hohe Sicherheit: Kaum Verschuldung & hohe Gewinnmargen

Alphabet ist kaum verschuldet. Der Verschuldungsgrad beträgt aktuell 8 %. Das heißt: Von den 276 Mrd. US-Dollar in der Bilanz sind nur knapp 16 Mrd. US-Dollar Verschuldung.

Diese Bilanz, gepaart mit stabilen und relativ hohen Gewinnmargen von 21 % Nettomarge und 55 % Bruttomarge, ist ein gewaltiger Sicherheitsanker.

Cashflow-Geschäftsmodell

Die Suche macht 60 % der Umsätze aus. Sie ist ein enorm schlankes Geschäftsmodell für Google und läuft präzise wie ein Schweizer Uhrwerk seit Jahren und mittlerweile Jahrzehnten. Kein anderes Unternehmen hat es geschafft, die Position von Google auch nur ansatzweise anzugreifen.

Google besitzt sowohl die Nutzer, als auch die Werbekunden. Und einen Haufen Daten, die es unwahrscheinlich machen, dass Google diese Position streitig gemacht werden kann: Durch Google Chrome, Google Analytics (als Analysetool für Webseiten), das Betriebssystem Android und mehr kann Google besser als jedes andere Unternehmen der Welt verstehen, wie gut Suchen erfüllt werden und dadurch immer bessere Suchergebnisse liefern.

Ob die Suche in der Zukunft das große Wachstum liefern wird ist nicht klar, aber in jedem Fall ist es ein gewaltiger und stabiler Cashflow-Lieferant bei wenig Kapitaleinsatz.

Essentielle Produkte für viele Menschen

Die Google Produkte sind in den Alltag vieler Menschen integriert: Das Android Betriebssystem, die Google Suche, Google Maps, Gmail, YouTube etc. Auch, wenn Wahrnehmungen und Nutzung dieser Produkte variieren, ist klar: Wenn es diese Produkte nicht geben würde, würde für viele Menschen ein großes Stück in der Welt fehlen.

Der Vorteil aus Anlegersicht: Es sind notwendige und nützliche Produkte, die den Nutzern helfen und teilweise keine ansatzweise so guten Alternativen haben. Das stärkt die Stabilität der Umsätze.

Diversifizierte Werbeumsätze

Google ist zwar recht stark vom digitalen Werbeumfeld abhängig, darin allerdings recht gut diversifiziert: Wie im Teil  zum Geschäftsmodell aufgeführt, bedient Google sowohl Werbung über (1) suchbasierte Ausspielung (bspw. in der Google Suche) und über (2) interessens- und personenbasierte Ausspielung (bspw. auf YouTube oder Bannerwerbung).

Beide Varianten haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Google ist deutlich stärker auf Variante 1 fokussiert, aber immerhin ca. ein Viertel der Werbeumsätze entsteht mittlerweile größtenteils durch Variante 2.

Monopolist

Auch wenn Google es nach außen natürlich anders verkauft ist Google in einigen Bereichen ein Monopolist, bspw. in der Suche oder mit YouTube im Bereich der Video-Netzwerke.

Das hat Vor- und Nachteile, auf die ich gleich eingehe, sind aber prinzipiell ein Ausdruck der Stärke. Google hat darüber die Macht, eigene Dienste in Bestlage zu platzieren, ohne dafür bezahlen zu müssen.

Eins von unzähligen Beispielen: Google zeigt Jobs direkt in den Suchergebnissen an. Das sah so aus:

So hat sich die Sichtbarkeit der Google Jobsanzeige im Vergleich zu etablierten Job-Suchmaschinen in den Suchergebnissen entwickelt:

Dieses Beispiel verdeutlicht, welche Macht Google hat - und diese auch zu nutzen weiß.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Schauen wir auf die Schwachstellen des Unternehmens.

Wenig Innovationskraft

Alphabet hat viel Geld, stabile Umsätze und Gewinne. Doch "das nächste große Ding" seit der Suchmaschine ist Google nie gelungen. Das ist gerade deshalb verwunderlich, da Alphabet zu den Unternehmen gehört, die weltweit am meisten in Forschung und Entwicklung investieren.

YouTube wurde dazu gekauft und ist stark gewachsen. Auch Android muss als Erfolg verbucht werden. Im Cloud-Geschäft steht Google gut dar, aber noch recht deutlich hinter Amazon und Microsoft.

Bei anderen Projekte, wie dem sozialen Netzwerk Google Plus, der Smartphone- und Laptop-Sparte oder auch den damals populären Google Glasses bleibt Alphabet hinter den Erwartungen zurück. Andere Tech-Konzerne sind da deutlich erfolgreicher.

Kann die Suche noch wachsen?

Die Umsätze im digitalen Werbegeschäft hängen, wie oben gezeigt, von unterschiedlichen Faktoren ab. Die wichtigsten bei der Google Suche: (a) Die Anzahl der Nutzer und (b) die Anzahl der Werbeeinblendungen.

Die Anzahl der Nutzer (a) ist vor allem daran gekoppelt, wie viele Menschen das Internet nutzen. Das ist eine gute Nachricht, da die weltweite Nutzung immer weiter steigt. Da Google schon jetzt nahezu den gesamten Suchemarkt ausmacht, können aber kaum Marktanteile gewonnen werden.

Die Anzahl der Werbeeinblendungen (b) hat in den letzten Jahren zu einem steigenden Umsatz geführt. Google hat schrittweise den Anteil organischer Suchergebnisse gesenkt und den Anteil bezahlter Suchergebnisse erhöht. Klar ist aber, dass es nicht unendlich erhöht werden kann. Schon jetzt wird mein Handybildschirm 2x von bezahlten Suchergebnissen gefüllt, wenn ich nach "Tommy Hilfiger Shirt" suche.

Vielleicht steckt darin noch Potential, allerdings glaube ich, dass dieses Potential immer kleiner wird. Alphabet ist also umso mehr von anderen Umsatzpotentialen abhängig.

Sucherlöse sind anfälliger für Branchenrisiken

In der Corona-Krise hat sich gezeigt, dass Alphabets Umsätze etwas stärker zurückgegangen sind als die von Facebook. Ein möglicher Teil der Erklärung:

Beide basieren auf einem Auktionsverfahren. Wenn in der Corona-Krise niemand mehr nach "Griecheland Urlaub" sucht oder dafür Werbung kauft, bricht Google der Umsatz zu 100 % weg. Wenn sich Reiseanbieter von Facebook zurückziehen, können zig andere Unternehmen, die von der Corona-Krise nicht beeinflusst sind oder sogar profitieren, diesen Werbeplatz minimal günstiger einnehmen.

Das hat Vorteile in Facebooks Werbegeschäft gezeigt. Genauer habe ich das hier beschrieben.

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

Natürliches Digitalwachstum

Alphabet ist naturgemäß ein großer Profiteur von zunehmender Digitalisierung: Durch die Quasi-Monopolstellung in einigen Bereichen (Suche und YouTube als Video-Netzwerk) führt kein Weg an Google vorbei. Auch Unternehmen, die Dienste immer weiter digitalisieren, werden zumindest teilweise auf Google zurückgreifen. Ein natürliches Wachstum ist also einprogrammiert.

Stabile Umsätze durch Google Cloud

Das Cloud-Geschäft ist enorm profitabel und wachstumsstark, wie wir auch bei Amazon und Microsoft festgestellt haben. Es ist die Chance für Alphabet, die Umsätze weiter zu diversifizieren und ein margenstarkes Geschäft zu etablieren. Dazu kommt, dass Google - anders als Amazon, aber ähnlich wie Microsoft - anderen Unternehmen nicht nur eine Cloud-Lösung, sondern auch weitere Produktivitätstools anbieten kann. Google liegt hier zwar recht deutlich hinter Amazon, hat damit aber einen kleinen Vorteil, der das aktuell höhere Wachstum in dem Segment erklären kann.

Hier sind die (teilweise geschätzten) Marktanteile und Wachstumsraten aufgeführt, in denen Google nach Alibaba das zweithöchste Wachstum aufweist:

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

Datenschutz erschwert Werbegeschäft

Google ist trotz der großartigen und für Nutzer oft kostenfreien Produkte nicht unbedingt als Good Guy bekannt. Einer der Gründe: Die Datenkrake.

Google sammelt viele Daten und gilt, neben Facebook, als Unternehmen, das ein Gegner der Privatsphäre ist. Google verdient schließlich Geld mit Daten bzw. der Werbung, die basierend auf diesen Daten ausgespielt werden kann.

Hier können Einschnitte drohen. Beispiel: Durch Maßnahmen wie der DSGVO in Europa wird es Werbetreibenden erschwert, ihre Werbekampagnen eindeutig nachzuvollziehen. Diese Nachvollziehbarkeit, das Tracking, ist aber oft ein essentieller Bestandteil, um Kampagnen gut auswerten zu können - was zugleich einer der größten Vorteile der digitalen Werbung ist.

Unterm Strich gehen viele Experten davon aus, dass Regulierungen wie die DSGVO zwar ungemütlich für Alphabet (und auch für Facebook) ist, diese jedoch groß genug sind, um gute Lösungen zu finden. Schwerer trifft es kleinere Unternehmen oder Konkurrenten, für die die Eintrittshürde nochmal höher gesetzt wird.

Monopolvorwürfe

Der andere Grund, warum Google nicht immer gut da steht: Vorwürfe, dass Google seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt.

2017 musste Google 2,42 Mrd. Euro als Strafe zahlen wegen Produktanzeigen in Suchergebnissen.

2018 wurde eine Strafe von 4,34 Mrd. Euro verhängt wegen Wettbewerbseinschränkungen im Smartphone-Betriebssystem Android.

2019 gab es eine Strafe von 1,49 Mrd. Euro wegen Behinderung anderer Anbieter bei der Suchmaschinen-Werbung.

Diese Strafen kann Alphabet natürlich verkraften, zeigen aber, dass Google aufpassen muss. Auch Zerschlagungen werden vereinzelt gefordert. Ob diese allerdings den Wert von Alphabet senken würden, ist fraglich, da es einige Analysten gibt, die davon ausgehen, dass die Segmente von Alphabet & Google separat an der Börse sogar mehr wert sein könnten.

Fazit: Alphabet Aktie kaufen? Pro & Contra

Fazit

Wir haben uns nun ein gutes und umfangreiches Bild von Alphabet verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, führen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Pro

  • Hohe Sicherheit durch stabile Margen, geringe Verschuldung und starke Stellung im Markt
  • Natürliches Wachstum durch Megatrend der Digitalisierung
  • Gute, nützliche und teilweise alternativlose Produkte aus Nutzersicht
  • Vergleichsweise günstige Bewertung im Vergleich zu anderen FAANG-Aktien bei aktuell relativ stabilem Wachstum (+ 21 % Umsatz- und Gewinnwachstum)

Contra

  • Keine klaren Wachstumstreiber wie in der Vergangenheit oder wie bei anderen Unternehmen der gleichen Größe
  • Risiken durch Vorwürfe von Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung und beim Datenschutz

Fazit

Ich habe selbst im März 2019 und im Juli & August 2019 Alphabet Aktien gekauft und bin bis heute investiert. Seitdem liegt der interne Zinsfuß aufs Jahr hochgerechnet trotz Corona-Krise bei 16,63 % und 28,69 % pro Jahr.

Deshalb kaufe ich aktuell nicht nach, halte meine Aktien aber. Ich sehe Alphabet als Value-Aktie unter den Tech-Aktien: Es ist nicht die Aktie, von der ich große Umsatzsprünge erwarte, die für mich aber eine hohe Sicherheit bietet. Dadurch ähnelt es eher Microsoft als Amazon, Netflix oder Spotify.

Tags: Alphabet

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