Jannes Lorenzen

veröffentlicht; 7. Februar 2021

zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2021

Einer der größten Anbieter von Unterkünften besitzt selbst keine einzige Immobilie: Airbnb.

Airbnb ist eine Online-Plattform für Ferienunterkünfte (und mittlweile noch mehr als das) und Ende 2020 mit viel Aufsehen an die Börse gegangen. Direkt am ersten Tag hat sich der Kurs verdoppelt.

Dabei war der Zeitpunkt recht ungewöhnlich: Der IPO wurde lange vorhergesagt, dass er dann aber ausgerechnet in einem Jahr stattfindet, das für die Reisebranche ein sehr schwieriges war, hat einige Beobachter verwundert.

Trotzdem war der Börsengang enorm erfolgreich. Und: Airbnb hat damit endlich Zahlen offengelegt, die heiß erwartet wurden.

Aus drei Gründen ist die Airbnb-Aktie aktuell spannend:

  1. Airbnb hat als Online-Plattform ein attraktives Geschäftsmodell: Schlank, weltweit skalierbar und potenziell mit hohen Gewinnmargen
  2. Der Markt für Ferienunterkünfte wird auch in Zukunft existieren und als Marktführer ist Airbnb gut positioniert, davon einen großen Anteil zu bekommen
  3. Airbnb wächst stark und hat eine hohe Kundenzufriedenheit, die möglicherweise auch den Eintritt in weitere Märkte ermöglicht

Mehr als genug Gründe also, dass wir uns die Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte.

Dabei erfährst du, wie das Geschäftsmodell von Airbnb funktioniert, woraus der Burggraben wirklich besteht, wie die Umsatzgleichung aussieht, wer die Konkurrenten sind und ob die Airbnb Aktie heute attraktiv bewertet ist oder nicht. Viel Spaß!

1. Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Überblick

Das Unternehmen

Airbnb wurde in den USA 2008 gegründet und ist im Dezember 2020 an die Börse gegangen. Es ist eine Plattform für Ferienunterkünfte, bietet mittlerweile aber auch Services darüber hinaus an.

Airbnb hat 2019 einen Umsatz von knapp 5 Mrd. US-Dollar jährlich erzielt und ist heute über 100 Mrd. US-Dollar wert.

Heute zählt Airbnb weltweit 5,6 Mio. angebotene Unterkünfte von über 4 Mio. Anbietern.

Firmengeschichte

Brian Chesky und Joe Gebbia, die 2007 zusammengewohnt haben: Hatten eine Idee: Sie legen eine Luftmatratze in ihr Wohnzimmer und vermieten diesen Schlafplatz.

Gesagt, getan: Aus der Idee wurde ein Unternehmen, das sie AirBed & Breakfast nannten.

Die ersten Kunden kamen dann 2008, als die „Industrial Design Conference“ stattfand und die Konferenzbesucher Schwierigkeiten hatten, bezahlbare Schlafplätze in der Nähe zu finden.

Anschließend hat Airbnb sich weiter professionalisiert und vergrößert. Bis Ende 2013 hatte Airbnb 9 Mio. Gäste seit der Gründung. Allein 2013 kamen fast 250.000 neue Unterkünfte auf die Plattform.

2016 war Airbnb in der zweiten Jahreshälfte das erste Mal profitabel. Seitdem wurden aber, vor allem aufgrund des hohen Wachstums, noch überwiegend Verluste geschrieben.

2020 war durch die Covid-Pandemie ein schwereres Jahr für Airbnb: Buchungen gingen zwischen 40 und 90% zurück. Airbnb musste die Bewertung beim Aufnehmen von neuem Kapital senken und den IPO verschieben. Im Mai 2020 mussten 25% der Mitarbeiter entlassen werden.

Produkt & Geschäftsmodell

Airbnb ist gestartet mit dem Vermitteln von Zimmern. Wer also eine Wohnung hatte, konnte ein Zimmer für wenige Nächte untervermieten. Mittlerweile gibt es darüber hinaus ganze Wohnungen und Häuser kurzfristig zu mieten und auch Aktivitäten vor Ort können über Airbnb gebucht werden.

Die Monetarisierung ist in all diesen Angeboten klar und einheitlich: Airbnb behält eine prozentuale Gebühr am vermittelten Volumen. Diese liegt im Durchschnitt im niedrigen zweistelligen Bereich.

Aktuell zahlen Gastgeber eine Gebühr von 3%, in einigen Fällen noch etwas mehr. Die meisten Gäste zahlen laut Airbnb weniger als 14,2% Gebühr. Im Segment „Entdeckungen“ wird eine Servicegebühr von 20% fällig. Unterm Strich, basierend auf den 2019er Zahlen, erzielt Airbnb 12,6% des vermittelten Volumens als eigenen Umsatz.

Aktienkurs

Der Aktienkurs hat sich beim IPO direkt verdoppelt und ist seitdem noch leicht gestiegen:

Chance

  • Airbnb hat als Online-Plattform ein schlankes und potenziell sehr profitables Geschäftsmodell
  • Der Markt für Ferienunterkünfte wird auch in Zukunft existieren und als Marktführer ist Airbnb gut positioniert, davon einen großen Anteil zu bekommen
  • Airbnb wächst stark und hat eine hohe Kundenzufriedenheit, die möglicherweise auch den Eintritt in weitere Märkte ermöglicht

Phase & entscheidende Fragen

Airbnb ist in Phase 2: Zwar wurde die Gewinnschwelle noch nicht erreicht, das Geschäftsmodell ist aber klar umrissen und soll jetzt weiter skaliert werden.

Wichtig ist also vor allem die Frage: Wie groß ist der Markt? Und in welchem Markt ist Airbnb überhaupt? Wie sieht außerdem die Konkurrenz und der eigene Burggraben aus?

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

2. Business Breakdown: Geschäftsmodell analysiert

Business Breakdown

Schauen wir uns einmal an, wie das Geschäftsmodell aussieht.

Unternehmensentwicklung

Für Airbnb zählt in der aktuellen Phase vor allem das Umsatzwachstum. Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Kosten, aber auch durch das Wachstum ist es normal, dass noch ein Verlust zu Buche steht – auch wenn es in der Vergangenheit immer mal wieder profitable Quartale gab.

Die Umsatzentwicklung von Airbnb sieht so aus:

2017: 2,6 Mrd. USD2018: 3,7 Mrd. USD2019: 4,8 Mrd. USDTTM: 3,6 Mrd. USD

2019 hat Airbnb einen Außenumsatz von 38 Mrd. USD und einen Innenumsatz von 4,8 Mrd. USD erzielt. Das Verhältnis, die Take Rate, liegt also bei 12,6%. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um 29% bzw. 32% gewachsen.

Wie verdient Airbnb Geld?

Stellen wir zuerst einmal die Umsatzgleichung für Airbnb auf:

Umsatz = Anzahl der Nutzer x ∅ Buchungen pro Nutzer x ∅ Preis pro Buchung x Take Rate

Diese Gleichung verdeutlicht die Schrauben, an denen Airbnb drehen kann:

  • mehr Nutzer gewinnen (bspw. durch internationale Expansion oder bessere Abdeckung in bestehenden Märkten)
  • die Anzahl der Buchungen pro Nutzer erhöhen, bspw. durch bessere Marketing-Maßnahmen oder zusätzliche Angebote (wie Aktivitäten zusätzlich zur Unterkunft zu verkaufen)
  • die Preise pro Buchung zu steigern (bspw. durch höhere Nachfrage oder Tipps für Vermieter)
  • die Take Rate steigern, also den Anteil, den Airbnb von einer Buchung einbehält

Das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn auch Werbeerlöse können Umsätze für Airbnb darstellen, die vor allem an die Nutzeranzahl gekoppelt sind. Wenn jemand bspw. nach „Wohnung Paris“ sucht, können Anbieter ihr Inserat durch eine Werbeanzeige nach oben schieben.

Das Prinzip sehen wir auch bei Amazon oder Etsy: Sie bieten im Kern Produkte an, haben mittlerweile aber auch ein profitables Werbegeschäft darauf basierend etabliert.

Das funktioniert vor allem deshalb, da sie direkte Anlaufstellen in ihrem Segment sind und nicht zwangsweise einen Wegzoll an Google zahlen müssen: Wer ein Produkt sucht, startet seine Suche oft bei Amazon. Wer ein selbstgemachtes Produkt sucht, startet bei Etsy. Und wer eine Unterkunft sucht, startet oft bei Airbnb.

Deep Dive: Mechanismen des Geschäftsmodells

Was sind die Aspekte, die Airbnb zum bisherigen Erfolg verholfen haben und womöglich auch den Burggraben gegenüber der Konkurrenz darstellen?

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Tags: Airbnb, Booking

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