von Jannes Lorenzen

Gründer, Strategie-Lead & Investor

veröffentlicht; 27. März 2022

Fast jeder kennt einige Anwendungen von , bspw. das Bildbearbeitungstool Photoshop oder die PDF-Software Acrobat Reader. Aber hinter Adobe steckt viel mehr als das - und vor allem ein enorm erfolgreiches Aktienunternehmen, das den Wert in den letzten 5 Jahren um knapp 500 % gesteigert hat.

In dieser Analyse zeigt sich: Adobe hat eines der stärksten Geschäftsmodelle. Darüber hinaus ist es hoch profitabel und musste in den letzten 10 Jahren nie einen Verlust hinnehmen.

Ich selbst habe Adobe hier zuletzt im August 2020 analysiert und selbst danach investiert. Die Aktie ist nach starkem Anstieg heute wieder eher auf Ausgangsniveau. 

Drei spannende Punkte zur Adobe-Aktie, die hier vertieft werden:

  • 💰 Hochprofitabel: Adobe erzielt Nettomargen von bis zu 40% und ist damit eines der profitabelsten Unternehmen.
  • 📈 Starkes Geschäftsmodell: Adobe erzielt zu ~90% wiederkehrende Umsätze und beruht überall auf digitalen Anwendungen.
  • 📊 Diversifiziertes Geschäftsmodell: Neben Software für Kreative bietet Adobe Signaturlösungen sowie ein umfassendes Marketingtool. Diese Segmente haben unterschiedliche Stärken und Potenziale.

Grund genug, dass wir uns die Adobe Aktie genauer anschauen und herausfinden, ob sich eine Investition aktuell lohnen könnte. Unter anderem erfährst du in dieser Analyse:

  • Was macht Adobe und welche Produkte bietet es heute an?
  • Zahlencheck: Wie gut steht Adobe wirtschaftlich aktuell da?
  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell, was macht es so stark und wie sieht die Strategie aus?
  • Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken gegenübergestellt
  • Abschließende Bewertung inkl. Renditeberechnung: Ist die Aktie aktuell kaufenswert?
  • Kurzzusammenfassung, Pro & Contra sowie abschließendes Fazit

More...

Überblick: Das steckt hinter dem Unternehmen

Verschaffen wir uns zuerst einen Überblick über das Unternehmen.

Unternehmen

Adobe wurde bereits 1982 in den USA gegründet. Der CEO Shantanu Narayen führt das Unternehmen bereits seit 2007.

Produkt

Adobe ist ein Software-Unternehmen, das vor allem Anwendungen für Bild-, Video- und Tonbearbeitung anbietet. Das bekannteste Produkt ist wohl Photoshop.

Mittlerweile bietet Adobe aber bedeutend mehr an. Es gibt drei wesentliche Cloud-Produkte, die wiederum weitere Angebote umfassen: Die Creative, Document und Experience Cloud.

Die Creative Cloud bietet alle Tools für Kreative. Dazu gehört Bild-, Video- und Audiobearbeitung in allen denkbaren Facetten. Auch eine Datenbank für Bilder (Adobe Stock), Schriftarten (Adobe Fonts) oder das akquirierte Frame.io gehören dazu. Bekannte Namen sind Photoshop, Illustrator, After Effects, Premiere Pro und viele mehr.

Die Adobe Document Cloud bietet allseits bekannte Lösungen wie den Acrobat Reader. Dazu Lösungen fürs Web, APIs, Signatur- und Scanlösungen.

Die Experience Cloud ist ein sogenanntes CXM-System. CXM steht dabei für Customer Experience Management. Mit so einem System können Unternehmen Marketingkampagnen aussteuern und die Berührungspunkte zu ihren Kunden nachverfolgen, messen und optimieren.

Gleich tauchen wir tiefer in die Zahlen und Mechanismen dieser Produkte ein.

Aktienkurs

Der Aktienkurs ist etwa auf dem Niveau von vor 1,5 Jahren.

Zahlencheck & Business Breakdown

Ertragsentwicklung & Wachstum

Adobes Erträge wachsen ziemlich konstant und Umsatz, operatives Ergebnis und Nettoergebnis ziemlich im Gleichschritt.

Das Umsatzwachstum liegt seit Q4 '19 zwischen 14 und 26%, zuletzt bei 20%. Das EBIT-Wachstum lag durch steigende Margen noch etwas höher.

Frische Earnings in Q1 '22

Im ersten Quartal 2022 ist Adobe nur mit 9% im Jahresvergleich gewachsen, was auf den ersten Blick enttäuschend ist. Aber: Gegenüber dem Vorjahr hatte dieser Zeitraum eine Woche weniger, was dazu führt, dass - bei gleicher Wochenzahl - das adjustierte Umsatzwachstum bei 17% liegt.

Prozentual ist die Document Cloud am stärksten gewachsen, weiterhin getrieben durch ortsunabhängige Signaturlösungen. Die RPOs, also noch nicht verbuchte Umsätze, sind um 19% gestiegen.

Profitabilität

Die Bruttomarge von Adobe liegt bei 85 %, die Nettomarge bei über 30 %. Das sind enorm starke Werte und spricht für hohe Profitabilität. Nicht nur das: Es schafft auch Sicherheit bei Rückschlägen, wie diese Grafik verdeutlicht:

In den letzten 10 Jahren hat Adobe nie Geld verloren. Darüber hinaus zeigt der Free Cashflow, der konstant 10 - 20 % über dem Nettogewinn liegt, dass nicht nur auf dem Papier Geld verdient wird, sondern auch jedes Jahr Cash ins Unternehmen fließt. Der relativ niedrige Verschuldungsgrad von ca. 40 % rundet das positive Bild ab.

Rule of 40

Die Rule of 40 (Summe aus Umsatzwachstum und EBITDA-Marge) liegt konstant über 40, zuletzt über 60. Das sind sehr gute Werte.

Etwas einschränkend: Da Adobes EBITDA-Marge allein schon bei 38% liegt würde Adobe selbst bei kaum Wachstum die Rule of 40 erfüllen.

Trotzdem: Die Kombination aus hoher Profitabilität und solidem Wachstum ist stark.

Umsatzverteilung nach Segment & Region

Adobe bietet eine Vielzahl an Produkten, die bekanntesten sind dabei Photoshop oder der Acrobat Reader. Zur Erinnerung: Das sind die drei Segmente:

  1. Digital Media (69%): v.a. Creative Cloud & Document Cloud
  2. Digital Experience (29%): v.a. Marketing Cloud
  3. Publishing (2%)

Alle Segmente (außer Publishing) sind über die letzten Jahre ziemlich konstant gewachsen. Eine erstaunliche Zahl über alle Segmente hinweg: Mittlerweile erzielt Adobe 89% der Umsätze über Abo-Modelle, also als wiederkehrende Umsätze.

Die regionale Umsatzverteilung basierend auf Q4 '21:

  • Amerika: 57%
  • EMEA: 27%
  • Asien: 16%

Factsheet

Alle Zahlen, sofern nicht anders angegeben, in der jeweiligen Heimatwährung und TTM (= letzte 12 Monate). Zusatz 'e' = erwartet, 'YoY' = im Jahresvergleich.

Die Eckdaten

  • Land: USA
  • Branche: Software
  • Marktkapitalisierung: 205 Mrd. USD
  • Umsatz: 15,8 Mrd. USD
  • Ergebnis: 4,8 Mrd. USD (6 Mrd. nach Non-GAAP)
  • Free Cashflow: 7 Mrd. USD

Bewertung

  • KUV: 13
  • KGV: 53
  • KGVe: 32
  • KCV: 29
  • PEG-Ratio: 2

Qualität & Wachstum

  • Verschuldungsgrad: 40%
  • Bruttomarge: 88%
  • Operative Marge: 37% (GAAP), 46% (Non-GAAP)
  • Operative Cashflow-Marge: 42%
  • Nettomarge: 30% (GAAP), 38% (Non-GAAP)
  • Umsatzwachstum: 17% p.a.

Schauen wir uns nun an, was hinter diesen Zahlen steckt.

Analyse von Geschäftsmodell, Strategie & Markt

Bevor wir gleich in die SWOT-Analyse gehen, schauen wir, welche strategischen Pläne aktuell vom Management geschmiedet werden. Schließlich beteiligst du dich an dem Unternehmen der Zukunft, nicht der Vergangenheit.

Geschäftsmodell & Strategie

Die letzten Jahre hatten ein klares Ziel: Die Umsätze von Einmalkäufen hin zum Abo-Modell zu verlagern. Das hat hervorragend geklappt. Heute werden 89% der Umsätze über Abo-Modelle verdient.

Neben dem Festigen des Abo-Modells möchte Adobe die drei Kernprodukte weiter ausbauen.

Die wichtigsten Produkte für Adobe sind 1. die Creative Cloud, 2. die Document Cloud und die 3. Experience Cloud. Die Umsatzverteilung und Wachstum dieser drei Produkte:

  • 62% Creative Cloud (+16% YoY)
  • 25% Experience Cloud (+20% YoY)
  • 13% Document Cloud (+26% YoY)

1. Adobe Creative Cloud

Mit diesem Segment hat Adobe 2021 9,6 Mrd. Dollar Umsatz erzielt, der ARR liegt bei 10,3 Mrd.

Die potenzielle Marktgröße schätzt Adobe bis 2024 auf über 60 Mrd. Dollar. Vor knapp zwei Jahren lag die Schätzung noch bei der Hälfte. Die These dahinter ist, dass jedes Unternehmen kommunizieren muss und selbst Privatpersonen das immer mehr müssen.

Mit unterschiedlichen Ansätzen soll dieser Markt gewonnen werden. Dazu gehören verbesserte 3D-Anwendungen, nahtlose Zusammenarbeit, Verbesserungen im Mobile- und Tablet-Bereich.

2. Adobe Document Cloud

Auch dieses Produkt entwickelt sich stark: In 2021 wurde 1,9 Mrd. Dollar Umsatz erzielt, der ARR liegt bei 2 Mrd. Dollar. Die Marktgröße schätzt Adobe bis 2024 auf 32 Mrd. Dollar.

Auch hier gibt's Innovationspotenzial. KI-gestützte Features, einfachere Signaturen, Ausbau der APIs und Integration in Partnerprodukte (bspw. in Word).

3. Adobe Experience Cloud

Adobe selbst gibt an, dass bereits 8 - 10 von den jeweils 10 größten Unternehmen in der Banken-, Airline-, Hotelketten- und mehr bereits Kunden von Adobes Experience Cloud sind.

Adobe teilt das Ganze in vier Segmente auf:

  1. Data Insights & Audiences: Sammeln, messen und auswerten von Daten
  2. Customer Journey Management: E-Mail Marketing und Werbekampagnen über mehrere Kanäle, bspw. Zeitung, Internet und TV inklusive Personalisierung
  3. Content & Commerce: Bestell- und Produktmanagement, Content Management System
  4. Marketing Workflow: Suchmaschinenmarketing und dynamische Bilderstellung

Hier wurden zuletzt 3,4 Mrd. Dollar Umsatz und ein ARR von 3,9 Mrd. Dollar erzielt. Die potenzielle Marktgröße liegt bei 110 Mrd. Dollar.

Hier möchte Adobe Daten in Echtzeit liefern, KI-gestützte Anwendungen einbinden, Arbeitsabläufe vollständig ineinander integrieren, sich als strategischer Partner für digitale Transformationen positionieren und das Ökosystem (sprich Integrationen in andere Tools) erweitern.

Überblick

Fassen wir zusammen: Adobe liegt heute bei einem Umsatz von ca. 12 Mrd. US-Dollar und beziffert die eigenen Märkte auf etwa das 10-fache, nämlich 128 Mrd. USD.

Adobe möchte diesen erobern durch:

  • Erschaffen und Erweitern von Segmenten
  • ein loyales und wachsendes Kundenuniversum
  • Innovative Technologieplattformen
  • eine weltweit beliebte Marke
  • ein "einzigartiges" finanzielles Profil

Produkte im Zahlenvergleich

Die Angebote mit dem größten Potential sind dabei die Creative Cloud und das Segment "Digital Experience", zu welchem vor allem die Experience Cloud gehört.

Adobe - 2021

Umsatz

Umsatzwachstum (p.a. seit 2018)

Potentielle Marktgröße

Creative Cloud

9,6 Mrd.

20 %

63 Mrd.

Document Cloud

1,9 Mrd.

34 %

32 Mrd.

Digital Experience

3,4 Mrd.

28 %

110 Mrd.

So sahen die Zahlen noch vor zwei Jahren (FY 2019) aus:

Adobe - 2019

Umsatz

Umsatzwachstum YoY

Potentielle Marktgröße

Creative Cloud

6,5 Mrd.

27 %

31 Mrd.

Document Cloud

1,2 Mrd.

14 %

13 Mrd.

Digital Experience

2,3 Mrd.

26 %

84 Mrd.

Was auffällig ist:

  • Nahezu überall wurde die potenzielle Marktgröße hochgeschraubt oder vergrößert. Zum einen sicherlich durch den pandemiebedingten Wandel ins Digitale, zum anderen durch das Erschließen neuer Bereiche (bspw. durch Akquisitionen).
  • Adobes relativer Marktanteil (Umsatz geteilt durch TAM) ist im Creative Cloud Segment mit 15% am größten, in den beiden anderen Segmenten mit 3 - 4% deutlich niedriger. Heißt: Es gibt noch mehr Raum zu wachsen.
  • Gerade die Document Cloud hat einen unerwarteten Schub bekommen und ist vom geringsten zum höchsten Wachstum aufgestiegen.
  • Vorher war das Creative Cloud Segment das wachstumsstärkste, mittlerweile wachsen die beiden anderen Segmente deutlich schneller.

Konkurrenz

Wie nahezu jedes Unternehmen hat Adobe auch Konkurrenten, die sich je nach Produkt bzw. Segment unterscheiden.

Die Creative Cloud ist in der Gesamtheit unangefochtener Marktführer. Einzelne Produkte haben Konkurrenz, bspw. von Affinity oder . Das ist aber alles in meinen Augen überschaubar.

Die Document Cloud hat ebenfalls einige Widersacher. U.a. gehört dazu, die in der Coronakrise stark gestiegen (und zuletzt wieder ebenso stark gefallen) sind. Generell gibt es hier viele Tools und Lösungen, die einzelne Bereiche daraus ebenfalls gut abbilden.

Die größte Konkurrenz sehe ich allerdings für die Experience Cloud. Adobe schreibt selbst dazu im Geschäftsbericht:

"The markets in which our Digital Experience business unit competes are growing rapidly and characterized by intense competition."

Hier investieren viele Unternehmen und es gibt unterschiedlichste Lösungen: bietet auch Shop-Software an, ein CRM und eine Analytics-Plattform, Marketinglösungen und viele mehr. Auch Oracle, Google und spielen indirekt hier mit.

Das renommierte Analyseunternehmen Gartner Reports sieht Adobe hier allerdings vorne bei der Vision und mit Salesforce führend bei der Umsetzung:

Akquisitionen

Adobe nutzt die eigenen Überschüsse um Unternehmen zu akquirieren.

  • Die Video-Bearbeitungssoftware, die es Teams erlaubt nahtlos zusammen zu arbeiten, Frame.io (2021) für 1,3 Mrd. Dollar.
  • Die Projektmanagement-Plattform Workfront (2020) für 1,5 Mrd. Dollar.
  • Die Shop-Software Magento (2018) für 1,7 Mrd. Dollar, die heute nicht unbedingt als state-of-the-art gilt und auch im Geschäftsbericht zuletzt nicht erwähnt wurde.
  • Die Marketing-Analyse und Aussteurungsplattform, die ziemlich deckungsgleich mit dem Digital Experience Segment ist, Marketo (2018) für 4,8 Mrd. Dollar.

Adobe scheint hier unterm Strich klug zuzukaufen. Klug deshalb, da es die Zukäufe sofort den bestehenden Kunden zugänglich macht, es Gefahr durch kleinere Wettbewerber abhält und Adobe ausreichend finanzielle Ressourcen für Zukäufe im einstelligen Milliardenbereich hat.

Meine Bewertung des Geschäftsmodells

Geschäftsmodell-Bewertung

Wiederkehrende Umsätze mit Lock-In

Wird wiederkehrender Umsatz mit hohen Wechselkosten erzielt?

Wiederkehrende Umsätze sind stark vorhanden. Lock-In Effekt auch, da alle bisherigen Dateien kaum mit anderen Tools kompatibel sind. Aber: Zumindest zukünftige Projekte lassen sich auch schnell auf neuen Programmen realisieren, daher nicht volle Punktzahl.


Netzwerkeffekte

Wird das Produkt besser, je mehr Kunden es nutzen?

Es entsteht ein eigenes Ökosystem: Plugins und Erweiterungen entstehen speziell für Adobe als Marktführer. Das macht die Lösungen von Adobe umso wertvoller. Die Produkte sind optimal miteinander integriert, bspw. von Photoshop in Lightroom oder von Audio-Programmen in Video-Software. Dieses Prinzip ist auch einer der Werttreiber von Apple. Wenn auch andere vor allem mit Adobe Produkten arbeiten, macht es Adobe umso wertvoller und den Umstieg auf eine andere Lösung deutlich schwieriger.


Skaleneffekte (Economies of Scale)

Wird das Geschäftsmodell mit zunehmender Größe widerstandsfähiger? Wachsen Umsätze stärker als Kosten?

Sind stark vorhanden, wie die Margen zeigen: Adobe kann absolut gesehen am meisten in die Weiterentwicklung investieren und ist trotzdem am profitabelsten.


Proprietäre Technologie

Besitzt das Unternehmen eigene Technologie oder Patente, die nicht einfach kopiert werden können?

Adobe baut zentral auf Technologie auf. Aber: Es ist technologisch meiner Meinung nach nicht uneinholbar vorne. Es gibt in jedem Bereich gute Wettbewerber.


Marke (Branding)

Hat das Unternehmen eine starke Marke, die das Geschäftsmodell nach vorne bringt?

Adobe ist in den jeweiligen Märkten wohl jedem bekannt. Es hat am ehesten ein Premium-Image: Gut, verlässlich, wenn auch recht teuer.


Geschäftsmodell-Bewertung: 21 / 25

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen & Risiken

Bewerten wir nun das Geschäftsmodell und schauen auf die Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen.

Stärken

Beginnen wir mit den Stärken. Was zeichnet die Adobe Aktie aktuell aus?

  • Enorm starkes Geschäftsmodell: Das Geschäftsmodell finde ich unfassbar stark: Die Erlöse werden im Abo-Modell erzielt, sie sind also wiederkehrend, sobald ein Kunde einmal gewonnen wurde. Adobe nutzt Skaleneffekte und kann stark investieren, ist gleichzeitig hoch profitabel. Netzwerkeffekte halten Nutzer im Adobe-Ökosystem.
  • Hohe Profitabilität & dadurch finanzielle Sicherheit: Hohe Gewinnmagen, solides Wachstum, geringe Verschuldung und ein Investment Grade Rating zeigen, dass Adobe finanziell enorm solide aufgestellt ist
  • In Zukunftsbranchen fest verankert: Die Branche der Video-, Bild- und Tonbearbeitung war schon früh recht digital. Allein die Digitalisierung führt hier also nicht zwangsweise zu revolutionären Lösungen, die Adobe anbietet. Aber: Die Digitalisierung und vermehrte Internetnutzung führt auch zu einer höheren Nachfrage an Bildern oder Videos (deutlich mehr als in früheren Medien wie Zeitungen oder Radio). Auch Chancen wie künstliche Intelligenzen, die durch stärkere und zugleich günstigere Rechenleistung möglich wird, können neue Potentiale in diesem Bereich bieten. Außerdem gibt es ein geringes Risiko: Kreative Berufe werden kaum durch künstliche Intelligenzen ersetzt, sondern nur unterstützt. Auch in Zukunft gibt es für mich kein Szenario, in dem die Angebote von Adobe (und anderen in der Branche) weniger genutzt werden sollten.
  • Kaum größere Risiken: Es gibt unterschiedliche Risiken, die ein Unternehmen treffen können. In der Scorecard schaue ich u.a. darauf, ob eine hohe Konzentration und Abhängigkeit von einzelnen Kunden, eine schwache Bonität, fallende Erträge, negative öffentliche Aufmerksamkeit oder branchenspezifische Risiken vorliegen. Bei Adobe ist nichts davon wirklich ausgeprägt. Die Produkte von Adobe werden in jeder Branche und in jeder Region genutzt. Natürlich merkt auch Adobe es, wenn die Weltwirtschaft stockt, ist aber nicht von einzelnen Regionen oder Branchen abhängig. Auch die Corona-Krise trifft Adobe dadurch nur schwach.
  • Fundament für jedes digitale Business: Nahezu jedes Unternehmen braucht grafische Tools, muss mit PDFs arbeiten oder diese signieren oder Marketingkampagnen auswerten und optimieren. Diese müssen nicht zwangsweise Adobe nutzen, es zeigt aber, dass Adobe ein Anbieter der notwendigen Tools für nahezu jedes digitale Geschäft ist.
  • Diversifizierte Erlösströme: Die Segmente sind weitestgehend unabhängig voneinander. Das hat den Vorteil, dass selbst Probleme in einem Segment die anderen beiden weitestgehend unangetastet lässt und damit das Risiko senkt.

Schwächen

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Aber: Tatsächlich kann ich bei Adobe im Geschäftsmodell nicht viele Schwäche erkennen. Das Geschäftsmodell ist stark, das Management schon lange dabei und die Zahlen 1a.

  • Legacy: Adobe wurde schon 1982 gegründet. Was sich immer wieder gezeigt hat: Irgendwann ist Software, Code, Aufbau so veraltet und ineinander verknotet, dass es neue Angebote gibt, die mit frischen Technologien und Gedanken eine bessere Lösung aufbauen. Beispiele: vs. Skype, Apple vs. Nokia, Salesforce/HubSpot/Personio/... vs. SAP. Das muss nicht zwangsweise eine Disruption zu Folge haben und bisher hat Adobe den Umzug in die Cloud vorbildlich hinbekommen, kann aber ein Nachteil sein (bspw. gilt die zugekaufte Shop-Software Magento als nicht mehr führend).

Chancen

Wo liegen die Chancen für das Unternehmen, um zu wachsen und den Unternehmenswert zu steigern?

  • Wachstumskurs fortsetzen: Adobe ist stark gewachsen und in wachsenden Branchen unterwegs. Dieses Wachstum soll im niedrigen zweistelligen Prozentbereich fortgesetzt werden.
  • Gewinnmargen erhöhen: Adobe hat über die letzten 5 Jahre konstant die Nettomarge erhöht. Der hohe Free Cashflow deutet an, dass hier auch noch mehr möglich ist, wenn auch der heutige Wert von 31% sehr stark ist.
  • Experience Cloud im Wachstumsmarkt: Software-as-a-Service Lösungen für Unternehmen, also im B2B-Markt, sind enorm gefragt: Salesforce wächst, die Tech-Giganten um Alphabet, und Microsoft investieren in Cloud Lösungen. Auch die Schätzung von Adobe zeigt das: Ein Markt von 84 Mrd. US-Dollar steht demnach nur der Experience Cloud von Adobe offen, von denen bisher nur etwa 2,7 Mrd. US-Dollar umgesetzt werden.
  • Große Märkte: Adobe nach zu urteilen steht ein Gesamtmarkt, über alle Segmente hinweg, von 200 Mrd. Dollar offen. Angesichts des aktuellen Jahresumsatz von knapp 18 Mrd. Dollar zeigt es, dass Adobe noch nicht am Ende des möglichen Wachstums angekommen ist.

Bedrohungen

Es gibt bei jedem Unternehmen Risiken wie eine schwächelnde Wirtschaft, operative Fehlentscheidungen, politische Eingriffe und andere. Jetzt analysieren wir aber: Was könnte speziell das hier gezeigte Geschäftsmodell gefährden oder das Wachstum hemmen?

  • Wechsel in mobile Welt: Auf dem PC ist Adobe unangefochten. Aber wie sieht's auf Smartphones oder Tablets aus? Diese haben - und werden es meiner Einschätzung nach auch in Zukunft - nur eine untergeordnete Bedeutung und wenn, dann vor allem im privaten und nicht-kommerziellen Bereich. Daher sollte dieser Punkt nicht überbewertet werden. Trotzdem sehen wir, dass viele Arbeitsprozesse oder Routinen auch heute vom Smartphone oder dem Tablet erledigt werden können, wo vor allem Apple sehr stark ist und Produkte perfekt ins eigene Betriebssystem integriert. Je stärker die Entwicklung also in eine mobile Welt geht, desto eher profitiert Apple und desto eher muss Adobe kämpfen. Natürlich bieten sich hier aber auch Chancen, wenn Adobe es schafft, die auf dem PC etablierten Lösungen und Technologien auch auf mobile Endgeräte zu übertragen.
  • Gibt es noch die großen Wachstumshebel? Adobe ist stark auf die Kernsegmente fokussiert und darin sehr erfolgreich. Viele andere Unternehmen wachsen aber auch gerade durch das Erobern weiterer Märkte und Segmente. Hier sehe ich bei Adobe weniger Potential als bspw. bei Salesforce, einem vergleichbaren Software-Unternehmen. Weiteres Wachstum in der Creative Cloud halte ich für sehr wahrscheinlich. In der Document Cloud ebenfalls, hier ist die Größe und das Wachstum nur vergleichsweise gering. Die Experience Cloud ist eine große Vision, aber auch ein hart umkämpfter Markt. Bei diesem Markt sehe ich keinen großen "unfairen Vorteil" (wie bspw. bestehenden Kundenzugang im entsprechenden Bereich oder technologischen Vorsprung), den Adobe nutzen kann, um diesen einfacher als andere Unternehmen zu erobern. Das heißt nicht, dass es nicht gelingen kann, ich vermute aber, dass es ein hartes Stück Arbeit wird und es keinesfalls garantiert ist, dass Adobe den gewünschten Erfolg dort erreicht.
  • Konkurrenz: Diese schätze ich bei Adobe als vorhanden, aber überschaubar ein. Es gibt keine riesige Bedrohung, am ehesten ist Adobe wohl für andere eine Bedrohung.

Aktienbewertung & Investment-These

Wir haben uns jetzt ein umfangreiches Bild des Unternehmens verschafft. Schauen wir abschließend auf die Aktie, bringen Qualität und Bewertung zusammen und ziehen ein Fazit.

Dass Adobe eine hohe Qualität mit sich bringt, hat die Aktienanalyse gezeigt. Die wichtigste Frage ist aber: Wie viel zahlen wir aktuell für diese Qualität?

Finanzielle Ziele

Im Dezember '21 hat Adobe die Ziele für 2022 bekannt gegeben:

  • Umsatz: 17,9 Mrd. USD
  • Alle Segmente sollen 14 - 16% wachsen bzw. adjusted um 17 - 19%
  • Das Digital Experience Segment dabei leicht stärker als die beiden anderen

Der faire Wert der Adobe Aktie

Für die Ermittlung des fairen Werts habe ich folgende Annahmen über einen Zeithorizont von 10 Jahren getroffen:

Umsatzwachstum

Das Umsatzwachstum nähert sich in der Berechnung vom kurzfristigen schrittweise an das langfristige Wachstum über 10 Jahre an.

  • Umsatzwachstum zuletzt: 17% YoY und adjustiert im letzten Quartal, die letzten Quartale zwischen 14% und 26%
  • Adobes Prognose: 14 - 16% bzw. adjusted 17 - 19%
  • Analystenerwartung: 14% (2022) und 15% (2023)
  • Meine kurzfristige Annahme: 15% p.a.
  • Meine langfristige Annahme: Adobe ist in wachsenden Märkten unterwegs, die aber in zehn Jahren vermutlich stärker gesättigt sein werden. Ich sehe Adobe aber in der Lage auf Entwicklungen gut zu reagieren und ggf. neues Potenzial zu erschließen. Ich gehe langfristig von 8% p.a. aus.

Profitabilität (Nettomarge)

Die Nettomarge liegt heute nach GAAP bei 31%, Non-GAAP bei 37% und ist stetig über die letzten Jahre gestiegen. Die operative Marge, operative und Free Cashflow-Marge liegen eher bei 40%. Hier vermute ich deshalb, dass nach wie vor noch etwas Luft nach oben ist. Ich gehe daher von 35 % aus.

Bewertungsniveau (KGV)

Ich gehe davon aus, dass Adobe durch das starke Geschäftsmodell - kaum Verschuldung, enorm profitabel, wiederkehrende Umsätze, hohe Cashgenerierung - auch zukünftig ein höheres Bewertungsniveau erhält. Dazu kommt, dass der freie Cashflow über dem Gewinn liegt, weshalb das KGV durchaus etwas höher liegen kann. Hier gehe ich daher von einem KGV von 24 aus.

Renditerechner-Tool

Berechnung der Renditen in drei Szenarien. Zahlen in Heimatwährung. Aktienticker: ADBE.

Status Quo » Die Zahlen heute

Möglichst der letzten 12 Monate, also TTM (Trailing Twelve Months), um die aktuellsten Daten zu nutzen.
Anteil am Gewinn, der als Dividende ausgeschüttet, per Aktienrückkauf oder per Schuldentilgung an Aktionäre zurückgeführt wird. Bei Wachstumsunternehmen oft 0%.

Zukunft » Annahmen zur Wertentwicklung

Die kurzfristigen Werte nähern sich über einen 10-Jahres-Horizont an die langfristigen an.

Wachstum (kurzfristig, in %) Wie stark ist das Umsatzwachstum im nächsten Jahr?
Wachstum (langfristig, in %) Wie hoch wird das Umsatzwachstum in 10 Jahren erwartet?
Nettomarge (kurzfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz heute?
Nettomarge (langfristig, in %) Wie hoch ist der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in 10 Jahren? Indikatoren: Heutige Nettomarge, EBIT-Marge & Free Cashflow Marge.
KGV (langfristig) Wie hoch wird das Unternehmen in 10 Jahren - auch beruhend auf den anderen Annahmen - fair bewertet sein? Je stärker die Zahlen & das Geschäftsmodell, desto höher die mögliche Bewertung.
Umsatz
Marktkapitalisierung
Wertsteigerung
Shareholder Yield
Gesamtrendite
Fairer Aktienkurs
Margin of Safety

Keine Garantie für die Zukunft.

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Scorecard

StrategyInvest Scorecard

Je Kategorie bis zu 25 Punkte. Insgesamt 20+ Kriterien.

25
Qualität

Profitabilität, Bilanz & Risiken

21
Geschäftsmodell

Burggraben, Alleinstellung & Preismacht

14
Wachstum

Umsatz, Gewinne & Rule of 40

13
Bewertung

KUV, KGV & weitere

73

Gesamtscore

Spitze 🤩

Aktienanalyse: Fazit

Zusammenfassung & Fazit: Aktie jetzt kaufen?

Kurz & knapp

Adobe ist ein Software-Unternehmen, v.a. im B2B-Bereich. Die drei größten Produkte sind die Creative Cloud, Document Cloud und Experience Cloud.

Das Umsatzwachstum liegt bei knapp unter 20%. Die operativen und Cashflow-Margen liegen bei ~40%, die Nettomarge leicht über 30%. Damit ist Adobe hochprofitabel.

Adobe bietet drei Produkte am Markt an:

  1. Creative Cloud mit Tools für Kreative. 62% Umsatzanteil, +16% Wachstum YoY.
  2. Document Cloud mit PDF- und Signaturlösungen. 13% Umsatzanteil, +26% Wachstum YoY.
  3. Experience Cloud mit einer Marketing-Plattform für Unternehmen. 25% Umsatzanteil, +20% Wachstum YoY.

Die Creative Cloud macht den größten Teil des Umsatzes aus, wächst noch zweistellig, aber am langsamsten. Die Document Cloud hat aktuell starken Rückenwind, die Experience Cloud den größten Zielmarkt.

Adobe entwickelt diese Produkte weiter, nutzt Überschüsse für Akquisitionen und kauft eigene Aktien zurück. Konkurrenz ist vorhanden, aber nicht übermäßig gefährlich.

Pro

  • Enorm starkes Geschäftsmodell: Wiederkehrende Umsätze mit hohem Lock-In-Effekt, Netzwerk- und Skaleneffekte
  • Sicherheit durch diversifizierte Erlösströme, hohe Profitabilität & finanzielle Sicherheit
  • Stark positioniert in wachsenden Märkten
  • Kaum branchenspezifische Risiken
  • Jährliche Überschüsse ermöglichen Akquisitionen & Aktienrückkäufe

Contra

  • Etwas höheres Bewertungsniveau
  • Stärkere Konkurrenz in größtem potentiellen Wachstumssegment ("Digital Experience")

Mein Fazit

Am wichtigsten ist in meinen Augen, dass sich das Wachstum nicht deutlich verlangsamt und in den einstelligen Prozentbereich rutscht. Wenn das der Fall ist, bin ich optimistisch, dass Adobe langfristig ein Investment mit sehr gutem Chance-Risiko-Verhältnis ist. 

Für mich persönlich ist Adobe daher ein Kaufkandidat. Wer einen Ver-10-facher sucht, ist bei Adobe vermutlich aufgrund der hohen Bewertung nicht richtig, wer aber in hohe Qualität investieren möchte, hat hier eines der besten Unternehmen dafür.

Tags: Adobe | Aktien: Adobe

Die Inhalte stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern spiegeln nur meine persönliche Meinung wider. Jede Investition ist mit Risiken verbunden. Vor jeder Investition solltest du selbst Chancen und Risiken prüfen.

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Ich bin Jannes, Gründer von StrategyInvest. Seit 2011 investiere ich an der Börse, seit 2013 teile ich Erfahrungen und Wissen mit Anlegern. Daneben habe ich mein VWL-Studium mit Finanzschwerpunkt erfolgreich absolviert und bin seit mehreren Jahren in der Digital- und Techbranche unterwegs, aktuell als Product & Strategy Lead. Ich kenne daher das Investieren, Unternehmen und Unternehmertum aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis. Hier teile ich Analysen, Wissen & Anlageentscheidungen mit dir.

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Auszug aus dem Manifest:

Regel #1: Wir vertrauen auf die Aktienmärkte.

Aktien sind seit Beginn der Finanzmärkte die renditestärkste aller Anlageklassen. Sie haben Weltkriege, Wirtschaftskrisen, Hyperinflationen, unterschiedlichste politische Regime und mehr überstanden. Aktienmärkte steigen langfristig zu 99,9% - und darauf vertrauen wir.

zum kompletten StrategyInvest Manifest »

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